File 1: stories/1/665.txt
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„Wusstest du, dass Menschen, die wirklich geliebt und ihre Liebe dann verloren haben, statistisch gesehen besonders hohe Chancen haben, einer weiteren großen Liebe zu begegnen? Ich wünsche mir das für dich, Spike. Ich wünsche mir, dass du wieder liebst. Bitte versprich mir, dass du es zulassen wirst. Erlaube dem besonderen Menschen, den du treffen wirst, dich zu lieben", hatte Wes in der letzten Stunde seines Lebens von ihm verlangt.

Er hatte versucht abzulenken, da er dieses Versprechen auf keinen Fall geben wollte und gezwungen lächelnd, hatte er geantwortet: „Du und deine Statistiken, Liebes. Damit kommst du mir immer und ich vermute schon lange, du denkst dir das aus, um deine Aussagen glaubwürdiger erscheinen zu lassen."

„Bitte, Spike", hatte Wesley eindringlich gebeten und widerwillig gab er seinem Geliebten das Versprechen, das ihm so wichtig war. In diesem Augenblick hätte er ihm alles versprochen. Und als Wesley daraufhin beruhigt seufzte und Spike sein letztes Lächeln schenkte, brauchte er all seine Kraft, um seine Tränen zurückzuhalten.

„Shit", Spike wischte sich über die Augen, trank sein Glas schnell leer, warf ein paar Dollar auf den Tisch und verließ eilig das Lokal.

~*~

Der Morgen graute schon, als Penn die Wohnungstür aufschloss. Im Flur stolperte er über eine große Reisetasche und fluchte laut, während er weiter ins Wohnzimmer stolperte. Er bemerkte Angel, der regungslos in seinem Lieblingsstuhl saß.

„Musst du deinen Krempel vor der Tür abstellen? Ich hätte mir den Hals brechen können. Wo fährst du überhaupt hin?", bluffte Penn seinen Freund an.

„Das ist dein Krempel und du bist es, der geht", entgegnete Angel ruhig, ohne sich zu rühren.

Penn stockte kurz, doch er fing sich schnell. ,Ein bisschen auf Reue machen kommt immer gut,' dachte er, ging auf Angel zu und hockte sich vor ihn. „Angel, Süßer, es tut mir Leid, okay?", säuselte er und war sich sicher, Angel damit wie sonst auch um den Finger zu wickeln.

Doch Angel schob Penn von sich, stand auf und erwiderte kalt. „Mir tut es auch leid, Penn. Mir tut es Leid, dass ich meine Zeit mit dir verschwendet habe und jetzt mach das du verschwindest."

„Du bist sauer, das verstehe ich. Ich mach's wieder gut. Komm." Penn fasste Angel an der Hand, um ihn ins Schlafzimmer zu ziehen, doch der entzog sich ihm. „Lass es. Es funktioniert nicht."

Angel schob den verdutzten Penn in den Flur, drückte ihm die Tasche in die Hand und öffnete die Tür. „Den Schlüssel", verlangte er.

Penn nestelte ihn aus seiner Jackentasche und warf ihn zornig auf den Boden. „Das wirst du noch bereuen", keifte er und stürmte aus der Wohnung.

Ruhig schloss Angel die Tür, lehnte sich dagegen und atmete erleichtert aus. Dann begab er sich in die Küche und warf die Kaffeemaschine an. Als er wenig später das heiße Getränk genoss und aus dem Fenster schaute, fühlte er plötzlich eine große Erleichterung in seinem Herzen. Erst nach dem letzten Streit zwischen ihm und Penn war Angel bereit gewesen, kritisch über ihre Beziehung nach zu denken und kam zu der Erkenntnis, Penn war ein Blender. Das war der Grund gewesen, wieso Angel ursprünglich auf ihn hereingefallen war. „Wieso habe ich es nicht bemerkt? Nicht die Unordnung, die war offensichtlich, und damit hätte ich leben können. Aber der Egoismus, sein Desinteresse an allem was ich tue und mag, die Gefühllosigkeit und das nicht nur beim Sex, sondern auch im Alltag. All das hätte mir schon viel früher klar machen müssen, dass er und ich keine Zukunft haben können."

Natürlich hatte Angel nicht erwartet, dass Penn ihm Rosen schenkte oder Kerzen um die Badewanne drapierte. Auch wenn er ein bisschen Romantik durchaus etwas abgewinnen konnte, musste das nicht unbedingt sein. Man konnte genauso gut zusammen Videos anschauen und Popkorn essen. Das wäre durchaus etwas, das Angel als romantischen Abend durchgehen lassen würde, Austausch von gewissen Zärtlichkeiten eingeschlossen, versteht sich. Doch das war gar nicht er Punkt. Erst jetzt war ihm bewusst, warum er über all das hinweggesehen hatte. Er war einsam gewesen, und um nicht mehr alleine zu sein, hatte er zugelassen, dass Penn ihn so behandeln konnte. Daher war es nicht alleine Penns Schuld gewesen, gestand er sich ein. Einsamkeit war schlimm, aber sich so zu verlieren, nur zu geben, ohne je was zurück zu bekommen, war keine Option um glücklich zu sein.

~*~

Am nächsten Tag hatte Angel derart viel im Büro zu tun, dass er erst mach mittag eine Pause machte. Er war mit seiner Leistung zufrieden und beschloss nach dem Desaster mit Penn sich ein bisschen Spass verdient zu haben. Wobei ihm bei dem Wort Spaß einfiel, dass er unbedingt noch etwas in einer bestimmten Richtung etwas unternehmen wollte und was genau das war, fiel ihm jetzt auch ein. Daher ordnete er noch rasch einige Papiere in die Unterschriftenmappe und rief dann seine Sekretärin in sein Büro. Als sie angestöckelt kam erklärte er ihr. „Mrs. Kendall, ich mache Schluss für heute. Die Mappe machen Sie mir bitte fertig. Ich will sie morgen früh zur Unterschrift."

„Okidoki, Bossi. Kann ich dann auch gehen? Mein Freund will heute bei mir einziehen und ich bin ja sooo aufgeregt", flötete Angels Sekretärin und warf kokett ihre langen Haare über die Schulter.

„Wenn sie ihre Arbeit erledigt haben, spricht nichts dagegen." Angel erhob sich, drückte Harmony die Mappe in die Hand und ignorierte ihr endloses Geplapper. Die Kleine ging ihm auf die Nerven, aber sie arbeitete halbwegs zufriedenstellend und Angel beschloss die Zeit, die er bei Wolfram und Hart verbringen würde, keine andere Sekretärin anfordern.

Gleich nachdem er in seinem Wagen saß, griff er nach seinem Handy, denn er brauchte Hilfe für sein Vorhaben.

~*~

„Nike Air Max Schuhgröße 42 und der Stofffetzen stammt von einer Tom Hilfiger Jacke? Nicht gerade billige Sachen. Aber verflucht, jeder dritte Amerikaner hat das vermutlich im Schrank. Das bringt uns überhaupt nicht weiter." Spike seufzte und trat einen Schritt von dem Tisch zurück.

„Nicht unbedingt, aber ich habe auf einem der Verschlüsse der Kanister Blut gefunden. A positiv", entgegnete Fred und legte ihre Notizen auf den Tisch.

„Na wunderbar, die haben 34% aller Amerikaner." Spike verdrehe die Augen und ließ sich auf einen der Stühle fallen.

„Du bist auch mit nichts zufrieden, aber ich bin noch nicht fertig", bemerkte Fred tadelnd. „Da hätten wir noch einen Abdruck eines Handballens."

Spike sprang auf und machte ein begeistertes Gesicht. „Das ist ja so verflucht großartig. Jag ihn gleich durch deinen Handballensscanner Liebes und schon haben wir ihn."

„Erspare mir deinen Sarkasmus. Ich kann nur mit dem arbeiten, was du mir lieferst. Was ich dir allerdings sagen kann ist, dass der Abdruck wahrscheinlich von einer Frau ist, wenn man die Größe beachtet und der Nagellack, den sie trägt, heißt Shining Rose."

„...und das weißt du weil?" Spike schaute Fred fragend an, die erwiderte. „Weil auf einem Kanister eine kleine Lackspur war. Ich vermute die Person ist mit den Nägeln darüber geschrammt. Schade nur, dass sie sich keinen Nagel abgebrochen hat, dann hätte ich die DNA bestimmen können."

„Ich gehe noch mal an beide Tatorte, vielleicht finde ich doch noch etwas, das verwertbar ist. Also was haben wir bis jetzt? Eine Frau die auf Männerkleider steht, Schuhgröße 42 hat und rosa Nagellack trägt. Ne Schwuchtel mit einem Hang zu lackierten Nägeln schließe ich aus, da du sagst der Handballenabdruck ist von einer Frau."

„Vermutlich von einer Frau, der Größe nach zu urteilen", korrigierte Fred.

„Okay, vermutlich", ließ Spike sich belehren. „Ergo handelt es sich um zwei Personen. Liebes, du bist ein Genie." Spike grinste Fred an. Sie lächelte zurück und ihre Augen blitzten schelmisch, während sie eine kleine Plastiktüte vor Spike hin und her schwenkte. „Dreißig Zentimeter, naturblond. Wenn du die Frau findest, der diese Haare gehören, sind wir wahrscheinlich ein gutes Stück weiter."

„Das Beste hast du dir für den Schluss aufgehoben. Ganz schön clever. Ich vermute, das ist das Haarbüschel, das ich im ersten Gebäude am Fensterriegel gefunden habe."

„Genau", stimmte Fred zu. „Die Spektralanalyse hat ergeben, dass die Besitzerin Kokain zu sich genommen hat und das auf einen längeren Zeitraum.

„Okay, danke, Liebes. Da kann ich ansetzen. Mal sehen, ob meine Kontakte sie kennen. Wäre ja möglich. Obwohl, blonde Junkies gibt es wie Sand am Meer." Spike seufzte erneut, lächelte Fred dann aber an, lobte erneut ihre Arbeit und verließ dann ihr Labor. Mit den Papieren, die ihm die Laborchefin gegeben hatte, begab er sich in sein Büro.

Zu seinem Leidwesen hatte er eine Menge Papierkram aufzuarbeiten und seufzend machte er sich an die Arbeit. Es wurde schon dunkel draußen, als Spike seinen Stift endlich weglegte. „Es reicht, ich hasse den verfluchten Papierkram. Morgen bin ich wieder im Außendienst. Wird ohnehin Zeit, ein paar Interviews zu starten‘. Bei diesem Gedanken schnappte er sich das Telefon und rief Angel an. „Lust mitzukommen?", fragte er.

Angel zog skeptisch die Augenbrauen zusammen. „Deine Frage ist nicht sehr aussagekräftig. Was hast du vor? Und um eines gleich klar zu stellen, ich werde nichts anziehen, was aus Gummi, Plastik oder Leder ist. Also versuche erst gar nicht, mir etwas von diesen Dingen aufzuschwatzen."

Spike lachte, obwohl sofort Bilder in seinem Kopf entstanden, die so einiges mit Leder und Latex zu tun hatten. „Nope, keine Verkleidungen. Versprochen. Ich muss ein paar Leute ausquetschen und dachte, das könnte interessant für dich sein."

Angel stimmte zu und sie verabredeten, dass Spike Angel im Büro abholen würde.

~*~

Spike hatte sich noch einen Sechser Pack Bier und eine Pizza besorgt, bevor er seinen Heimweg antrat. Er würde sich einen gemütlichen Abend machen und seine Lieblingssendung im Fernsehen anschauen. Ein guter Plan befand er, den er jedoch nicht ausführen konnte. Denn als er durch den Flur ging, in dem seine Wohnung hätte sein sollen, musste er feststellen, sie war weg. Einfach verschwunden. Wohnung Nr. 17 gab es nicht mehr. Nr. 16. gab es, dann eine lange Wand und danach kam schon Nr. 18.

„Wo, verdammt, ist meine verfluchte Tür?", brüllte Spike und sah sich wieder suchend um.

Er brüllte noch weitere Flüche und trat wütend gegen die Wand.

Dieser Lärm veranlasste einen der Bewohner vorsichtig seine Wohnungstür zu öffnen und heraus zu spähen. „Ach Sie sind es, Mr. Pratt. Haben die Handwerker nicht zu Ihrer Zufriedenheit gearbeitet?"

„Welche verdammten Handwerker? Ich weiß nichts von irgendwelchen verfluchten Handwerkern. Was zur Hölle, haben die gemacht? Meine Wohnung zugemauert, oder was?"

Mr. Rayne trat auf den Flur. „Oh, ihre Wohnungstür. Sie ist weg?"

Spike verdrehte die Augen. „Was Sie nicht sagen. Ist mir gar nicht aufgefallen. Jetzt reden Sie schon. Was war hier los?"

„Genaues weiß ich leider auch nicht. Als ich mittags aus dem Haus ging, begegneten mir zwei Männer, die Gipsplatten in den Flur trugen und noch so anderes Zeug. Sie wissen schon, Farbe, Spachtelmasse..."

Bevor der Mann auch noch jeden Nagel aufzählte, unterbrach Spike ihn. „Schon klar. Kommen wir zum Wesentlichen. Wie sahen die Beiden aus und was haben sie gesagt?"

„Einer war groß, der andere ein Stück kleiner und als ich sie fragte, was sie hier machen, sagte der Größere, eine Wand muss eingezogen werden. Da die Zwei sehr professionell wirkten, habe ich nicht mehr nachgefragt und außerdem musste ich zum Arzt. Obwohl ich einen Termin hatte, musste ich über eine Stunde warten. Ist das nicht unerhört? Dieser Doktor. Ich sage ihnen, wenn er nicht so..."

Spike hörte Mr. Raynes Klagen gar nicht zu, denn seine Gedanken kreisten um die beiden Männer, die offensichtlich seine Wohnungstür zugemauert hatten und Spike überlegte, wer dahinter stecken könnte und vor allem, warum. Das vorherrschende Problem aber war, wie kam er in seine Wohnung? Die Tür schied ja aus. „WEIL NICHT MEHR VORHANDEN!", knurrte Spike zornig und stoppte damit Mr. Raynes Redefluss.

„Nun denn...also, wenn ich helfen kann?" Mr. Rayne schaute Spike unsicher an. Der überlegte kurz. „Jepp, können Sie. Ihr Balkon grenzt an meinen. Ich könnte rüber klettern. Die Balkontür wird ja wohl nicht zugemauert sein. Hoffentlich."

„Das ist aber gefährlich. Sie sind doch bei der Feuerwehr. Wäre es da nicht besser, wenn Ihre Kollegen mit dem Feuerwehrauto kommen und Sie über die Leiter auf Ihren Balkon gelangen? Und Sie sollten die Polizei einschalten, wegen dem was da heute passiert ist. Vielleicht ist es ein Anschlag oder ein...ein Racheakt."

„Racheakt?" Irgendwas klingelte da bei Spike, doch bei dem Gedanken, der ihm kam, schüttelte er den Kopf. „Unmöglich", murmelte er. Noch bevor jedoch weiter darüber nachdenken konnte, wurde er abgelenkt, da Mr. Rayne Spike am Ärmel packte und ihn in die Wohnung zog. „Vielleicht sind sie noch in ihrer Wohnung. Sie müssen sofort die Polizei rufen."

„Nur die Ruhe, Mr. Rayne. Ich bin die Polizei, okay, Feuerpolizei, aber egal. Jedenfalls, ich denke nicht, dass sich die Einbrecher, wobei ich nicht mal glaube, das es Einbrecher waren, selbst einmauern. Ich steige jetzt mal über ihren Balkon und schaue nach. Okay?"

Mr. Ryan nickte zögerlich. „Als Fire Marshall haben sie doch sicher eine Waffe?"

„Jepp, ich knalle jeden ab, der sich in meiner Wohnung ungerechtfertigt aufhält. Versprochen."

Diese Worte beruhigten Mr. Rayn offenbar und er ließ Spike auf den Balkon. Der kletterte behände über die Brüstung und stand eine Minute später vor seiner Balkontür. Gerade dachte er verärgert daran, dass er die Scheibe werde einschlagen müssen, um in die Wohnung zu kommen, als er bemerkte, dass die Tür einen Spalt breit offen stand. Nun doch etwas beunruhigt griff er zu seiner Waffe, schob die Tür soweit auf, dass er hineinschlüpfen konnte und betrat sein Wohnzimmer.