File 1: stories/1/666.txt
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Vorsichtig und vollkommen lautlos schlich Spike durch seine Wohnung, umrundete dabei achtsam das Mobiliar, um ja keinen Krach zu machen und konnte nicht fassen, was er sah, als er an der Eingangstür anlangte. An der Klinke waren Kondome angebunden, die wie gasgefüllte Luftballone in der Luft schwebten. Und an der Tür klebte ein Plakat, auf dem in dicken schwarzen Lettern stand. „Das Kondomphantom hat zugeschlagen."

Spike lachte, bis ihm die Tränen kamen. „Verdammt Peaches, das war echt gut und wird schwer zu toppen sein. Aber erst mal wiege ich dich in Sicherheit, bevor ich zurück schlage. Okay, mir muss erst etwas verflucht Gutes einfallen", dachte Spike frustriert und ging wieder auf den Balkon. Er rief Mr. Rayne zu, das alles in Ordnung sei und es sich nur um einen Streich eines Freundes handelte.

Dann holte Spike einen Hammer, öffnete seine Eingangstür und begann ein Loch in die Gipswand dahinter zu schlagen. Als es groß genug war um wieder mühelos aus und eingehen zu können, holte er sein Handy und wählte die Nummer eines Freundes, der in der Baubranche arbeitete. Der versprach ihm, ohne viele Fragen zu stellen, in den nächsten Tagen den Schaden zu beheben.

Während Spike unter der Dusche stand, überlegte er ständig, wie er Angel am nächsten Tag begegnen sollte. Letztendlich beschloss er es mit Humor zu nehmen.

~*~

Als Spike das Vorzimmer Angels betrat, erkannte er die junge Frau sofort wieder, die dort hinter dem Schreibtisch saß.

'Die kichernde Tussi aus dem Bronze . Die Welt ist verdammt klein', dachte Spike und trat an den Schreibtisch. „Mein Name ist Pratt. Mr. Galways erwartet mich", sagte er ohne Umschweife.

„Freut mich, Sie kennen zu lernen. Ich bin Mrs. Kendall, Harmony Kendall."

„Aha, so wie Bond, James Bond", grinste Spike, woraufhin Harmony kicherte. „Aber nein. Nicht Bond, Kendall. Aber Sie dürfen mich Harmony nennen."

Spike unterdrückte den Wunsch die Augen zu verdrehen und sagte stattdessen zuckersüß: „Oder ich nenne Sie B.B."

„Wie Birgit Bardot", rief Harmony begeistert aus, kicherte wieder und klimperte mit ihren langen, falschen Wimpern.

'Nope, wie blond und blöd', dachte Spike und ohne auf das Thema weiter einzugehen, bat er, Angel von seiner Anwesenheit zu unterrichten.

„Schickes Büro, blonde Sekretärin. Du erfüllst alle Klischees, Phantom", sagte Spike grinsend, als er Angel gegenüber stand.

Angel grinste zurück. „Dir hat mein Geschenk also gefallen."

„Jepp, ich finde es immer gut, wenn andere ackern wie die Blöden, um mir eine Freude zu machen. Ich bin schon gespannt, wie sich der Rest des Heliums auswirkt, das ich drinnen gelassen habe, wenn ich die Dinger überziehe", erklärte Spike grinsend.

Angel lachte herzlich. „Du bist ein ziemlich verrückter Kerl."

„Dito", entgegnete Spike, ebenfalls lachend.

Angels Handy klingelte und er schnaubte genervt. Doch als er auf dem Display sah, wer ihn erreichen wollte, nahm er sofort ab. Das Gespräch war sehr kurz und alles was er erwiderte, war: „Ich komme gleich."

Als er aufgelegt hatte, wandte er sich an Spike. „Sorry, ich muss rasch etwas erledigen. Es wird nicht lange dauern. Hast du Zeit auf mich zu warten?"

„Jepp." Spike nickte. „Gegenüber euerem Schuppen habe ich ein Cafe gesehen. Dort warte ich auf dich."

Die beiden Männer verließen Angels Büro und jeder ging seiner Wege.

~*~

Angel betrat das Büro und setzte sich. „Was gibt's so wichtiges, Lindsey, ich habe es eilig."

„Hab's gesehen. Er ist süß. Zu Schade, dass du in festen Händen bist", fügte Lindsey noch spottend hinzu.

„Penn ist Geschichte, falls es das ist, was du wissen wolltest. Und nein, der Fire Marshall ist nicht Schuld daran. Gibt es sonst noch etwas überaus Wichtiges, oder kann ich jetzt gehen? Im Gegensatz zu dir, habe ich nämlich zu arbeiten", gab Angel bissiger zurück, als er eigentlich wollte.

„Sorry, geht mich wirklich nichts an. Obwohl, ich finde es gut, dass du diesen Penner endlich in den Wind geschossen hast." Lindsey grinste, wurde dann aber gleich wieder ernst und beugte sich in seinem Stuhl vor, bevor er leise sagte: „Ich befürchte, sie haben Verdacht geschöpft. Deswegen wollte ich dich persönlich sprechen. Mein Telefon wird abgehört und ich habe bemerkt, dass jemand meine Unterlagen durchgesehen hat."

„Wie kommst du darauf? Hast du Wanzen gefunden?", wollte Angel ebenso leise wissen und Lindsey nickte. Dann drehte er das Telefon um, das auf seinem Tisch stand und entfernte den Deckel, sodass Angel den kleinen, runden Gegenstand sehen konnte.

„Was ist mit deinem Büro?"

„Zwei, ich habe sie heute entfernt und vernichtet. Ich weiß allerdings nicht, wie lange sie schon installiert sind. Trotzdem bin ich ziemlich sicher, dass sie von dir nichts wissen, da deine Einstellung nicht über mich gelaufen ist. Aber sei auf jeden Fall vorsichtig und traue niemanden. Ich verschwinde besser für eine Weile. Darla wird offiziell in zwei Tagen aus dem Krankenhaus entlassen. Doch sie und ich haben vereinbart, dass ich sie schon heute abhole. Unsere Sachen sind gepackt und schon im Wagen. Wir fahren gleich vom Krankenhaus aus los. Du weißt, wie du mich erreichen kannst."

Lindsey zog einen Stick aus seinem Laptop und reichte ihn an Angel weiter. Hier ist alles drauf, was du eventuell brauchen kannst", sagte er und begann, diverse Dateien zu löschen.

Angel steckte den Stick in seine Jackentasche. „Okay. Jetzt mach besser, dass du schnell von hier weg kommst. Wenn es in dem Laden so zugeht, wie du mir erzählt hast, und aufgrund dessen, dass sie dich offensichtlich überwachen, bist du hier auf keinen Fall mehr sicher. Wenn du willst, warte ich, bis du deine Sachen gepackt hast und begleite dich hinaus."

„Nein", widersprach Lindsey. „Ich will nicht, dass deine Tarnung auffliegt. Außerdem glaube ich nicht, dass sie mich festhalten würden. Ihre Taktik ist eher unbequeme Leute für immer verschwinden zu lassen. Daher auch mein Plan gleich heute mit Darla zu verschwinden. Natürlich kann ich mich irren und es zu krass sehen. Allerdings gibt es Gerüchte, dass die Firma schon Leute hat verschwinden lassen. Ich habe nachgeforscht, diesbezüglich, aber nichts finden können. Aber der Anschlag auf Darlas Modestudio und die Überwachung meines Büros, da muss ein Zusammenhang bestehen und ich werde auf keinen Fall riskieren, dass Darla noch einmal etwas zustößt."

„Du liebst sie sehr", stellte Angel fest. Lindsey nickte und lächelte verträumt. „Ja. Nie zuvor war mir eine Frau so wichtig und ich werde alles tun, damit sie glücklich ist." Der Anwalt richtete sich in seinem Stuhl auf und verlangte von Angel. „Jetzt verschwinde. Ich warte noch zwanzig Minuten, dann gehe ich auch."

Angel stand auf, beugte sich über den Tisch und erklärte leise: „Ich setzte mich in das Cafe gegenüber dem Haupteingang. Wenn ich dich in der nächsten halben Stunde nicht herauskommen sehe, stürmen wir den Laden und holen dich raus."

Lindsey grinste. „Du und dein Fire Marshall nehme ich an? Denkst du, ihr Zwei schafft das?"

Angel schnaubte. „Hör auf blöde Sprüche zu klopfen und mach. Ich melde mich." Die Beiden nickten sich zu und Angel verließ das Büro. Ein paar Minuten später betrat er das Cafe und sah sich suchend um.

Spike hatte einen Platz am Fenster gewählt, von dem aus er das Gebäude von Wolfram und Hart beobachten konnte. 'Perfekt', dachte Angel und gesellte sich zu dem Fire Marshall. Die Straße nicht aus den Augen lassend, lehnte er sich zurück und seufzte leise.

Spike fiel der veränderte Gesichtsausdruck des Versicherungsagenten sofort auf. „Alles okay?"

„Nein", gab Angel abweisend zur Antwort.

Spike hob kurz eine Augenbraue an, lehnte sich dann jedoch in seinem Stuhl zurück. „Schon verstanden, geht mich nichts an."

„Tut mir leid", sagte Angel, als ihm bewusst wurde, wie unfreundlich er sich benahm. Spike schien ein aufrichtiger, hilfsbereiter Kerl zu sein, der nicht nur Humor hatte, sondern sich eventuell auch als Verbündeter erweisen konnte. Daher beschloss Angel den Marshall bis zu einem gewissen Punkt einzuweihen. Allerdings würde er kein Risiko eingehen und nur so viel erzählen, wie unbedingt nötig. Auch wenn Angels Nachforschungen über Spike ergeben hatte, dass er integer war, so hatte er schon öfter erlebt, dass sich selbst der aufrichtigste Mann bestechen ließ, wenn nur die Summe stimmte.

„Schon gut. Wenn du mal jemanden zum Reden brauchst, bin ich da, wenn nicht, passt es auch. Kaffee?", riss Spike Angel aus seinen Gedanken.

Angel lächelte dankbar und nickte.

Nachdem die Bedienung die Tasse vor ihm abgestellt hatte, nahm er einen kleinen Schluck, beobachtete den Eingang des Bürogebäudes aber weiterhin, als er sagte: „Es geht um den Anruf von vorhin. Ein guter Freund von mir steckt in Schwierigkeiten. Es könnte sein, dass es zu Tätlichkeiten kommt, sollte er festgehalten werden. Er rechnet zwar nicht damit, aber möglich ist es schon."

„Tätlichkeiten? Ich hoffe du meinst damit eine hübsche kleine Rauferei." Spikes Augen leuchteten auf und er trommelte vergnügt mit den Fingern auf dem Tisch. „Ich bin dabei."

Angel schaute kurz zu Spike, der über das ganze Gesicht grinste und seine Schultern kreisen lies, um sie zu lockern. Unwillkürlich musste Angel lachen. „Du bist ganz schön verrückt."

„Und das sagt einer, der Türen zumauert und mit Kondomen nichts besseres anzufangen weiß, als sie als Luftballone zu missbrauchen. Denk bloß nicht, dass ich dich damit davonkommen lasse und deinen Komplizen auch nicht", gab Spike leise lachend zurück.

„Wenn ich dich erinnern darf, du hast angefangen, indem du mich in dieses Ganzkörperdings gesteckt hast. Da war es nur gerecht, dass ich zum Gegenschlag ausgeholt habe. Also sind wir quitt. Und was meinen Komplizen betrifft, du wirst selbst unter Folter seinen Namen nicht aus mir herauskriegen."

Spike grinste und wackelte mit den Augenbrauen. „Glaub mir, bei meinen Foltermethoden würdest du mir mehr verraten als ich wissen will."

„Ui, du bist wohl ein ganz Böser", entgegnete Angel, von der Drohung offenbar nicht sehr beeindruckt.

Spike setzte ein besonders dreckiges Grinsen auf. „Du hast ja keine Ahnung Peaches."