File 1: stories/1/669.txt
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Gute Frage. Was würde Wesley dazu sagen? ‘, überlegte Spike und wusste auch gleich die Antwort. Sollte er auf Wes hören? Spike beschloss, sich später damit auseinander zu setzten und Angel erst mal zu antworten, bevor der aus seinem Schweigen falsche Schlüsse zog. „Er hat nichts dagegen", sagte er daher knapp. „Machen wir also, dass wir nach Hause kommen. Ich brauche wenigstens ein paar Stunden Schlaf. Einer meiner Männer wartet schon vor dem Krankenhaus auf uns.

Angel beschloss, keine weiteren Fragen zu stellen. Wozu auch? Zudem war er müde und deprimiert. Nicht nur, weil er all sein Hab und Gut verloren hatte. Das würde die Versicherung ersetzten. Außerdem hatte er die billigen Möbel vom Vormieter übernommen. Spikes Aussage war es, was ihm zusetzte. Dabei wusste Angel schon lange, dass er einen Freund hatte. Aber irgendwie hatte er es einfach immer verdrängt. Vermutlich würde er ihn bald kennen lernen und dann vielleicht auch in Erfahrung bringen, in welcher Art Beziehung die Zwei lebten. Wobei, es ging ihn ja nichts an.

Keine halbe Stunde später waren sie in Spikes Wohnung und kaum dort angekommen, bot er Angel an, zuerst unter die Dusche zu gehen, was Angel dankbar annahm.

 Inzwischen stand Spike vor seinem Schrank und starrte auf das Fach in dem noch einige Kleidungstücke von Wesley lagen. „Soll ich oder soll ich nicht?", murmelte er und nahm dann doch entschlossen einige Kleidungstücke heraus. Wes würde nichts dagegen haben, da war Spike sicher und auch wenn Angel die Sachen nicht so ganz passen würden, Spikes Kleider waren ihm definitiv zu klein.

„Ist ja nur für diese eine Nacht. Morgen kann er sich ja Klamotten kaufen gehen", brummte Spike und marschierte mit den Kleidern in der Hand zum Bad. Er klopfte, merkte dann aber, dass die Dusche noch lief. Angel würde ihn daher nicht hören können. Deswegen öffnete Spike die Tür und legte die Kleider auf den Hocker neben dem Waschbecken.

Er wollte das Bad rasch wieder verlassen, doch als er einen Blick auf die durchscheinende Duschwand warf, konnte er nicht umhin, Angels Konturen zu betrachten und schon das bisschen, was er sah, genügte, dass ihm ziemlich warm wurde. ‚Wieso habe ich eigentlich eine Duschwand aus Milchglas, verdammt? ‘, dachte Spike frustriert und gönnte noch eine Minute des Betrachtens, bevor er laut rief, um das Raschen des Wassers zu übertönen: „Hab dir frische Sachen hingelegt. Werden nicht ganz passen, aber zur Not geht's."

Angel zuckte erschrocken zusammen, als er Spikes Stimme hörte, rief dann aber ein „Danke", zurück. Er sah die Sache so, wie sie war. Der Marshal war in keiner Weise aufdringlich und hatte bestimmt auch angeklopft. Doch Angel hatte es wegen des Wassers nicht gehört. Außerdem hatte er einen Freund, dem er offensichtlich treu war. Angels Magen krampfte sich zusammen und er seufzte. „William ist so anders als Penn. Wir interessieren uns für gleiche Dinge, haben ähnliche Berufe. Mit ihm hätte es klappen können." Er weigerte sich, weiter darüber nach zu denken, denn es war sinnlos. Daher konzentrierte er sich darauf, sich rasch fertig zu waschen, damit Spike endlich unter die Dusche konnte.

Zehn Minuten später trat er aus dem Bad und Spike konnte sich bei Angels Anblick ein Grinsen nicht verkneifen. „Krevlor würde durchdrehen. Das geht so gaaar nicht, Sahneschnittchen. Da müssen wir sofort was machen", imitierte Spike die Stimme des Modeschöpfers und Angel musste unweigerlich lachen.

Er fühlte sich alles andere als Wohl in der zu kurzen Trainingshose und dem zu engen Shirt, aber Spike hatte die Situation mit seiner kurzen, aber komischen Parodie entschärft. Daher machte Angel ein paar Schritte, wobei er ein Model nachahmte. „Aber, William, das ist doch schon aus der neuen Frühjahrskollektion. Wie man sieht, trägt man da die Hosen über den Knöcheln, um die Fesseln zu betonen." Angel streckte einen Fuß aus, um das zu verdeutlichen. „Der elegante Herr trägt dazu ein ausgewaschenes, betont enges Shirt", Angel spannte seinen Bizeps an, dann sprach er weiter, „dessen Saum kaum den Bund der Hose erreicht. Schuhe sind ebenfalls out. Besonders im Winter", erklärte er grinsend.

Spike hielt sich inzwischen den Bauch vor Lachen und das tat so unglaublich gut. Er konnte sich nicht erinnern, wann er zuletzt so gelacht hatte. Aber Angel war auch zu komisch, wie er sich und seine neue Modekollektion auf diese tuntige Art präsentierte.

Angel, der von Spikes Lachen angesteckt worden war, ließ sich neben ihm auf die Couch fallen. „Wir werden für Krevlor über den Catwalk laufen, aber nur, wenn wir unsere eigenen Kreationen vorführen dürfen", sagte er, nachdem sie sich etwas beruhigt hatten.

„Dann müssen wir uns keine Sorgen machen, als Models genommen zu werden", entgegnete Spike grinsend und erhob sich. „Ich springe jetzt schnell unter die Dusche. In der Küche findest du alles Mögliche zu trinken. Mein Kühlschrank gibt nichts her, also habe ich Pizza bestellt. Ich hoffe das ist dir Recht. Der Bote müsste bald auftauchen. Geld liegt auf dem Küchentisch", erklärte er noch und verschwand ins Badezimmer.

Natürlich bezahlte Angel und als Spike aus der Dusche kam, war der Tisch schon gedeckt. „Du hast Wein besorgt", stellte Angel fest und betrachtete das Etikett auf der Flasche. „Gute Qualität", bemerkte er und entkorkte sie.

„Dachte, wenn du wieder mal vorbei kommst...", nuschelte Spike etwas verlegen und nahm zwei Gläser aus dem Schrank.

„Das wäre wirklich nicht nötig gewesen", erwiderte Angel und schenkte ein, bevor er sich setzte.

Spike nahm die Pizzen aus den Kartons und bugstierte sie auf die Teller. Dann nahm er ebenfalls Platz. „Wenn man immer nur tut, was nötig ist, wo bleibt dann der Spaß."

Angel nickte nur und begann zu essen. Spike hatte recht, wo blieb der Spaß? Mit Penn hatte er die ganze Zeit, die sie zusammen gewesen waren, nicht einmal so viel Spaß gehabt, wie mit Spike in der kurzen Zeit, die sie sich kannten. Penn hätte nie Rotwein besorgt, nur um Angel eine Freude zu machen. Er wusste wahrscheinlich nicht mal, dass er Rotwein mochte. Und noch eine Erkenntnis erlangte Angel in diesem Moment. Penn war es nicht wert, noch einen weiteren Gedanken an ihn zu verschwenden. Es war Zeit mit diesem Kerl abzuschließen. Das hatte nichts mit Spike zu tun, oder irgendwie doch. Der Fire Marshal hatte ihn unbewusst zum Nachdenken gebracht und so hatte er erkannt, wie es zwischen ihm und Penn stand. Und das war untragbar geworden. Das mit Spike konnte vielleicht eine sehr gute Freundschaft werden, mehr wohl nicht, das war Angel klar. Dennoch war er neugierig, wer genau sein Freund war und so wagte er sich vor. „Darf ich dich was fragen?"

Spike schaute von seinem Teller auf und hob seine linke Augenbraue. „Jepp, worum geht's?"

„Es ist etwas persönlich und du musst natürlich nicht antworten", gab Angel vorsichtig zurück.

„Schon klar, wenn ich nicht will, sage ich ohnehin nichts dazu. Also, was willst du wissen?"

Angel legte sein Besteck weg und lehnte sich zurück. „Deine Wohnung sieht nicht so aus, als würde dein Partner bei dir wohnen. Lebt ihr in getrennten Wohnungen? Oder ist er viel auf Reisen? Nicht dass ich mich beschweren will. Ich bin froh, dass ich ein paar Tage bei dir unterkommen kann. Mir ist es nur aufgefallen und deine Behausung ist auch zu groß für eine Person. Außerdem, diese tolle Modekollektion die ich von dir bekommen habe, sagt mir, dass er zumindest ein paar Sachen bei dir hat."

Spike legte nun ebenfalls sein Besteck auf den Teller und erklärte ruhig. „Du hast schon Recht. Eigentlich brauche ich so eine große Bude gar nicht. Aber ich mag es, viel Platz zu haben und fühle mich wohl hier. Nachdem Wesley gestorben ist und ich umgezogen bin, hab ich mir automatisch wieder eine große Wohnung genommen."

„Das... das tut mir leid. Wenn ich gewusst hätte.... Tut mir echt Leid. Ich hätte nicht..."

„Schon gut, du konntest das nicht wissen", winkte Spike ab und nahm einen großen Schluck aus seinem Glas. „Ist jetzt vier Jahre her. Krebs", erklärte er leise, nachdem er das Glas abgesetzt hatte.

„Und seither bist du alleine?", fragte Angel verwundert.

Spike zuckte mit den Schultern und erwiderte knapp. „Jepp. Hat nie gepasst."

„Ja, das verstehe ich. Bei mir hat es auch nicht mehr gepasst. Daher habe ich es beendet. Aber so etwas ist leichter, als jemanden so zu verlieren wie du."

„Du hast dich von diesem Penner getrennt?", wollte Spike verwundert wissen.

„Penn, er heißt...oh." Angel musste plötzlich lachen. „Du hast schon Recht. Deine Bezeichnung für ihn ist besser."

„Okay, dann muss ich wegen dem genauen Grund nicht nachfragen. Es geht mich ohnedies nichts an. Außerdem hast du mir ein paar Dinge erzählt. Die waren aufschlussreich genug. Da hatte ich mehr Glück. Mit Wes." Spike starrte vor sich hin und Angel sagte nichts mehr. Der junge Marshal war mit seinen Gedanken offenbar in der Vergangenheit und Angel beneidete ihn ob einer Liebe, die er nie kennen gelernt hatte. Es stimmte schon, es war besser jemanden wirklich geliebt und verloren zu haben, als nie geliebt zu haben, vor allem, wenn diese Liebe erwidert wurde.

„Ich brauche einen Whiskey. Was ist mit dir?", riss Spike Angel aus seinen Gedanken.

„Bin nicht abgeneigt", kam es von ihm zurück und so saßen sie, nachdem sie die Küche aufgeräumt hatten, auf dem Sofa und leerten ein Glas nach dem anderen. Das lag zum Teil an der Stimmung, die sich nach ihrem Gespräch aufgebaut hatte, aber auch an den Erlebnissen des Tages, die sie noch nicht verdaut hatten.

Einige Zeit und eine Flasche später, begann Spike schon ziemlich betrunken, von Wesley zu erzählen. Nach all den Jahren, redete er sich das erste Mal alles von der Seele. Angel war ein guter Zuhörer und als er geendet hatte, fühlte er sich plötzlich befreit. Vielleicht war er jetzt so weit, um mit Vergangenem abzuschließen.

Spike fragte dann aber nach Penn und auch Angel erzählte von dem Desaster, während sie der zweiten Flasche Whiskey den Garaus machten. Und so kam es, dass sie letztendlich auf dem Sofa einschliefen.

Als Angel ein paar Stunden später erwachte, spürte er seinen steifen Nacken. Doch er bemerkte, dass Spike sich eng an ihn geschmiegt hatte und um nichts auf der Welt, wollte er dieses Gefühl missen. Deswegen rührte er sich auch nicht, schmerzender Nacken hin oder her. Er konnte seine Gefühle für Spike nicht fassen, hatte er doch erst das Drama mit Penn hinter sich. Aber dennoch, so neben ihm zu sein, löste ein Hochgefühl in ihm aus, das einfach wunderbar war.

Doch es dauerte nicht lange und Spikes Augenlider flatterten. „Verdammt, wir sind eingeschlafen und jetzt ist mir kalt", murmelte er und richtete sich auf.

Angel hatte sofort das Gefühl von Verlust, nachdem Spike nicht mehr neben ihm war. „Bett", befahl der gerade, stand auf, nahm Angel einfach an der Hand und zog ihn hoch. „Du kannst bei mir schlafen. Mein Bett ist groß genug, sodass wir uns nicht in die Quere kommen. Sorry, aber ich bin echt zu müde, um jetzt noch das Gästebett zu beziehen. Sonst bleibt dir die Couch. Aber bei deiner Größe ist das nicht so bequem." Spikes Augen bleiben halb geschlossen, während er auf Angels Antwort wartete.

Der wollte es sich auf keinen Fall entgehen lassen, neben dem jungen Marshal zu schlafen, daher erwiderte er so lässig wie möglich. „Ich bin froh, wenn ich mich ausstrecken kann und wir sind erwachsen. Also kein Problem."

„Jepp, sind wir, also Abmarsch, bevor ich hier anfriere", murmelte Spike und marschierte in Richtung Schlafzimmer. Dort schlug er die Decke zurück, legte sich hin und war auch schon eingeschlafen, bevor Angel sich auf der anderen Seite niederließ.

Angel schmunzelte und zog die Decke über sie Beide. Es war einer dieser großen Decken die für zwei Personen gedacht war, nur, Angel war größer als der Durchschnitt, daher war es nicht seine Schuld, dass er näher an Spike heranrücken musste. Und es war auch nicht seine Schuld, dass Spike sich gleich darauf Angel zuwandte und sich an ihn kuschelte. Was also blieb Angel übrig, als den Kleineren an sich zu ziehen, um eine bequeme Schlafposition für sie Beide zu schaffen? Schließlich war es wichtig, dass sie am Morgen gut ausgeruht aufwachten, um mit Elan an ihrem Fall zu arbeiten.