File 1: stories/1/670.txt
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Warm. Schön.

Zwischen Wachen und Träumen waren das die beiden ersten Gefühle, die Spike durchströmten und er seufzte leise, schmiegte sich enger an den Körper neben sich und fühlte sich einfach nur gut. Solange bis er den völligen Wachzustand erreichte, und mit einem Schlag verkrampften sich alle seine Muskeln. ‚Was zur Hölle...‘, dachte er und wandte den Kopf vorsichtig zur Seite. Was er sah, war das schlafende Gesicht eines Engels. Spike entspannte sich gleich wieder und er konnte nicht anders, dem inneren Drang zu folgen und mit den Fingerspitzen hauchzart über Angels Gesicht zu streichen. Beginnend den Schwung der Augenbrauen nachzuziehen, glitten die Finger weiter über die linke Wange, bis sie schließlich den Mund erreichten und übers Kinn der Linie des Halses folgten. Es war ewig her, dass er jemanden so berührt hatte. Niemanden nach Wesley, um genau zu sein und Spike gestand sich ein, dass er mehr als bedürftig war.

‚Ich will immer wieder so aufwachen. Ich will Hände auf meiner Haut. Ich will Küsse bis mir schwindlig wird und ich will, verdammt noch mal, Sex. Was nach vier Jahren Handarbeit mehr als verständlich sein dürfte. Und ich will all das von dem Mann in meinem Bett, der diese Schmetterlinge in meinem Bauch aufgeweckt hat. Wes hatte Recht und es wird wirklich Zeit, wieder zu leben. Bleibt noch die Frage, ob der Engel in meinem Bett das auch will. Nächste Frage, wie krieg ich das raus? Soll ich jetzt gleich mal aktiv werden, oder warten, ob er es wird? Shit, ich habe echt keine Ahnung was ich tun soll. Aber ich will ihn, unbedingt und...‘.

„Guten Morgen, William", flüsterte Angel und verlor sich in den Augen, die ihn in einer Weise musterten, die er nicht definieren konnte.

„Morgen", murmelte Spike, schlug die Decke zurück und sprang rasch aus dem Bett. „Du kannst nach mir duschen", tat er noch kund und verschwand ins Bad. Dort stützte er sich am Waschbecken ab und atmete schwer. ‚Ich will ihn unbedingt? Klar, wird sicher funktionieren, wenn ich wegrenne. Was wird er jetzt bloß von mir halten, wenn ich mich wie ein pubertierender Teenager aufführe. Aber was macht er auch so plötzlich die Augen auf. Mich hat fast der Schlag getroffen. Da überlegt man gemütlich vor sich hin und auf einmal sagt eine sexy Stimme einfach so „Guten Morgen, William." Was denkt er sich dabei, so etwas zu mir zu sagen? Ich war auf so etwas nicht vorbereitet und überhaupt, ich glaube, ich kann das nicht‘, Spike seufzte auf.

Angel schaute inzwischen immer noch perplex auf die Tür, hinter der Spike verschwunden war. Einen kurzen Augenblick, als sie sich in die Augen gesehen hatte, hatte Angel gedacht Spike würde diese Situation genauso gut gefallen wie ihm selbst. Doch dann hatte er unvermittelt die Flucht ergriffen. Wahrscheinlich war er mit der Situation völlig überfordernd gewesen und Angel plagte das schlechte Gewissen. Er hätte doch das Sofa wählen sollen. Spike gehörte offenbar noch immer ganz seinem toten Freund und als er Angel neben sich liegen sah, war das zu viel für ihn gewesen.

Bei diesen Gedanken verspürte Angel einen Stich in seiner Brust. Es war dieser Moment gewesen, gleich nach dem Erwachen, als er in Williams Augen geschaut hatte, da wusste er es sicher. Er wollte Spike, trotz des Desasters mit Penn. Offenbar konnte man nicht steuern, in wen man sich verliebte. Dabei war absolut nichts zwischen ihnen passiert. Nicht einmal ein Kuss, und trotzdem war Spike davongelaufen. Angel musste zugeben, dass er vorgehabt hatte, ihn zu küssen und möglicher Weise hatte Spike das geahnt und deswegen die Flucht ergriffen. „Ich muss das klären", beschloss Angel und stand auf.

„Alles in Ordnung, William?", rief Angel und klopft leise an die Tür. Er war besorgt, denn es drangen keine Laute und auch kein Wasserrauschen aus dem Badezimmer. Als keine Antwort kam, öffnete Angel entschlossen die Tür. Spike stand an einem der beiden Waschbecken und starrte in den Spiegel.

Er zuckte zusammen, als er Angel bemerkte und sagte dann schnell: „Ich habe dir eine neue Zahnbürste herausgelegt. Duschgel und alles andere findest du im Regal." Rasch griff er zu seiner eigenen Zahnbürste, tat Creme drauf und begann seine Zähne zu putzen. So verhinderte er, reden zu müssen.

Angel sagte nichts darauf, stellte sich aber an das zweite Waschbecken und griff zu der Zahnbürste, die noch verpackt auf dem Etagere lag. Spike war als erstes fertig und verließ fluchtartig das Bad. Er konnte Angels Nähe einfach nicht ertragen und beschloss, später zu duschen. Um nicht weiter nachdenken zu müssen, begab er sich in die Küche und begann Frühstück zu machen. Er musste sich beschäftigen und irgendetwas zu tun, würde ihn ablenken. Natürlich wusste er, dass ein Gespräch unvermeidlich sein würde, aber alles an was er denken konnte, waren Angels Augen, als er aufwachte und dieser besondere Ausdruck darin.

Während Angel unter der Dusche stand, dachte er darüber nach, was er nun machen sollte. Doch wie er es auch drehte und wendete, Spike hatte offenbar kein Interesse an ihm. ‚Sicher hat er den Tod seines Freundes noch immer nicht überwunden, oder ich bin für ihn einfach nur sowas wie ein Kumpel, mit dem er zusammen arbeitet. Daher ist es wohl das Beste, sofort mit ihm zu reden ‘. Angel wurde schwer ums Herz, doch es war leider nicht zu ändern und da sie noch den Fall zusammen lösen mussten, war es notwendig, eine klare Situation zu schaffen. Nachdem Angel tief geseufzt hatte, beeilte er sich fertig zu werden und fünf Minuten später fand er Spike in der Küche.

„Kaffee?", fragte der sogleich. „Ich weiß nicht genau, wie du ihn magst. Milch und Zucker, oder schwarz? Ich..."

„Ich will jetzt keinen Kaffee." Angel nahm Spike an den Schultern und verlangte: „Was ist los, William?"

Spike sah Angel nur kurz in die Augen, senkte dann seinen Blick wieder zu Boden. „Ich weiß nicht, ob ich das noch kann. Was wenn... nein, es geht nicht", flüsterte er verlegen.

Damit hatten sich Angels Vermutungen leider bestätigt und er verspürte ein schmerzhaftes Ziehen in seiner Brust. Doch er riss sich zusammen und antwortete ruhig. „Ich verstehe. Ich hatte zwar gehofft,... aber ich bin nicht der, den du willst und es ist ja auch nichts passiert, also machen wir kein Drama draus und vergessen wir die Sache einfach. Okay?" Angel ließ Spikes Schultern los und wandte sich um, dem Tisch zu, als er Spikes Hand auf seinem Arm spürte.

„Was? Nein, du hast mich völlig falsch verstanden. Es ist weil...". Spike holte tief Luft und als Angel sich zu ihm umdrehte, erklärte er leise: „Es ist inzwischen vier Jahre her, das ich... und.... das ist lange... und..." Spike stieß die angestaute Luft aus seinen Lungen und vermied wieder Angels Blick. „Ich weiß natürlich noch, wie es geht. Sowas verlernt man nicht, aber...."

Angel fing plötzlich an zu lachen und Spike verzog beleidigt das Gesicht. „Klar! Du Trottel findest das natürlich lustig, hast ja bis vor kurzem einen Kerl gehabt, im Gegensatz zu mir. Nicht dass es mir an Angeboten gefehlt hatte. Ich hätte täglich einen abschleppen können, nur damit du das weißt. Aber ich wollte nicht, bis jetzt, und es wäre auch besser gewesen, es wäre dabei geblieben, denn wie ich sehe, bin ich für dich nur ein Witz." Spike schubste Angel von sich und verließ fluchtartig die Küche. Das heißt er versuchte es, doch Angel war schneller und packte ihn fest am Arm. „Hörst du jetzt endlich mal auf, ständig wegzurennen und alles falsch zu interpretieren?"

Spike befreite sich mit einem Ruck, blieb jedoch stehen und verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich renne nicht ständig weg."

„Doch, das tust du."

„Nennst du mich einen Feigling?", wollte Spike wissen und zog seine Augenbrauen grimmig zusammen.

Angel seufzte. „Hör auf damit, William, du weißt genau wie ich es meine."

Spike ging nicht weiter darauf ein, denn es war wirklich peinlich, wie er sich gerade benahm und er wunderte sich, dass Angel so eine Geduld aufbrachte. „Sorry. Du wolltest noch was sagen wegen... vorhin?"

„Richtig. Setzten wir uns", verlangte Angel und schob Spike auf einen der Stühle in der Küche, bevor er sich ihm gegenüber setzte. Ihre Hände ruhten auf dem Tisch und Angel setzte fort: „Ich hatte nie die Absicht, gleich über dich herzufallen. Okay? Ich wollte nach dem Desaster mit Penn überhaupt nur meine Ruhe. Aber du... du bist alles andere als ein Witz. Es hat mich getroffen wie ein Blitz, als ich aufwachte und in deine Augen sah. Und genau in diesem Augenblick habe ich mir eingestanden, dass ich schon länger etwas für dich empfinde. Es ist wirklich verrückt, wir haben uns noch nicht mal geküsst und trotzdem ist da dieses Gefühl...." Angel legte seine Hand auf Spikes und der schaute ihn mit einem besonderen Strahlen in den Augen an. „Himmel, William, was hast du mit mir nur gemacht?", fragte Angel hingerissen.

„Dito", nuschelte der, beugte sich plötzlich über den Tisch und berührte mit seinen Lippen kurz die von Angel, setzte sich dann wieder, um dann aufzuspringen. „Das kann ich besser", erklärte er bestimmt, umrundete den Tisch, umfasste Angels Gesicht und schaute ihm tief in die Augen, bevor er erneut seinen Mund auf den seines Gegenübers senkte. Er ließ sich Zeit, bis er seine Zunge einsetzte und Angels Einladung annahm, der willig seine Lippen geöffnet hatte. Der Kuss wurde schnell stürmischer, zu groß war das Verlangen nacheinander und ehe sie sich versahen, lagen sie im Bett. Spike auf Angel liegend und sich fortwährend küssend. Als Spike begann, sich über Angels Hals nach unten zu küssen, umfasste Angel dessen Kopf, schüttelte seinen eigenen und hielt Spike so von seinem Tun ab.

„Du willst nicht?", fragte der verwundert aber auch unsicher.

„Doch, schon, aber ich will dich nicht gleich überfordern und..."

„Halt die Klappe, Peaches. Ich will es und außerdem will ich wissen, ob ich es noch kann", unterbrach ihn Spike, befreite seinen Kopf aus Angels Händen und machte dort weiter wo er aufgehört hatte. Als Spike nach einiger Zeit sein Ziel erreicht hatte und Angel sich der warmen Mundhöhle entgegen bäumte, war dessen immer lauter werdendes Stöhnen Musik in Spikes Ohren und als sein Engel kam, tat er es mit einem Schrei auf den Lippen.

Angel zog Spike fest in seine Arme. „Oh Gott", murmelte er erschöpft, woraufhin Spike selbstgefällig grinste. „Jupp, ich kann's definitiv noch", stellte er fest.

Angel lachte etwas verlegen und zog Spike fest an sich, um ihn hingebungsvoll zu küssen.

Natürlich ging auch Spike nicht leer aus und so dauerte es eine Weile, bis sie endlich zum Frühstücken kamen.

~*~

Am frühen Nachmittag zwangen sie sich endlich, die Finger soweit voneinander lassen, um sich wieder ihrer Aufgabe zuzuwenden.

„Ich werde mal alles was auf dem Stick ist ausdrucken. Mit Papier in der Hand kann ich einfach besser", erklärte Spike und schaltete seinen Computer ein. Angel nickte, und holte seinen Aktenkoffer aus dem Flur. Er legte ihn neben sich auf das Sofa, öffnete ihn und zog eine Mappe heraus. Darin befand sich Ermittlungsmaterial, das er bisher gesammelt hatte und er begann, es erneut durchzusehen. Er wusste, er hatte irgendetwas übersehen, doch er kam nicht drauf, was es war. Frustriert schob der die Papiere wieder zusammen und lehnte sich zurück. Er musste an Spike denken und an die unerwartete Wende zwischen ihnen, mit der er nie gerechnet hatte. Es war so anders als mit Penn. Nicht nur der Sex. Er und Spike waren noch nicht Mal bis zu äußersten gegangen und trotzdem war es viel besser gewesen, als je mit seinem Ex.

Angel verdrängte die Bilder auch ganz schnell, die sich daraufhin in seinen Kopf schleichen wollten. Jetzt war es wirklich wichtig, sich um ihre Arbeit zu kümmern. Es stand für Angel außer Frage, dass auch der Brand in seiner Wohnung etwas damit zu tun hatte. Also glaubte der Täter, dass er etwas in seiner Wohnung gehabt hatte, dass dem Verbrecher gefährlich werden könnte. Aber alles was mit den Brandanschlägen in den Modehäusern zu tun hatte, waren in dem Aktenkoffer. Vielleicht war es auch ein Mordanschlag auf ihn. Schwer zu sagen. Angel nahm die Papiere wieder zur Hand. „Also auf ein Neues. Irgendwo hier drin muss etwas stehen, das wichtig ist."

„Ich habe während des Druckens rein gelesen. Dein Freund hat so einiges auf den Stick geladen, dass recht interessant ist", bemerkte Spike, der in den Stapel Papieren, die er in der Hand hielt, blätterte. Deswegen achtete er auch nicht darauf, dass Angels Koffer auf dem Sofa lag und als er sich setzte, fiel der Koffer zu Boden. Der Inhalt verteilte sich auf dem Parkett und ein Foto rutschte zwischen den Papieren heraus. Spike hob es auf und betrachtete es kurz. „Den Kerl habe ich schon mal wo gesehen", sagte er stirnrunzelnd. Plötzlich erhellte sich sein Gesicht. „Jetzt weiß ich auch wieder wo."