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Kommentar:

Alle Charaktere und Elemente sind mein Eigentum und dürfen ohne meine Erlaubnis nicht weiterverwendet werden. Es besteht keinerlei Bezug zu realen Personen, sollte es Ähnlichkeiten geben waren diese nicht beabsichtigt.

 

Storypic: SilentThunder

Beta: SilentThunder

 

 

„Es ist nur für zwei bis drei Tage, Sam. Er wird keine Schwierigkeiten machen. Das Apartment über der Garage ist gerichtet, der Kühlschrank ist gefüllt und wenn du dich besser fühlst, dann soll er dort bleiben, bis ich wieder zurück bin", versuchte Mr. Hensen seinen Sohn zu beschwichtigen, während er hektisch den Koffer in den Wagen stopfte und sich schnell hinter das Steuer setzte.

Sam seufzte ergeben. Wieso mußte seine Schwester auch ausgerechnet jetzt ihr Kind bekommen. Zwei Wochen vor dem geplanten Termin. Klar, daß seine Eltern nach ihrer Tochter, Kate, sehen und Sams Mutter ihr zur Seite stehen wollte. Schließlich war es Kates erstes Kind. Dennoch, manchmal nervte Sam der Job seines Vaters. Vor allem im Moment, wo er selbst gerade zu Hause angekommen war und sich jetzt um einen Neuankömmling kümmern mußte.

Okay, wenn er ehrlich war bewunderte er, was sein Vater machte. Er hatte eine Reha gegründet und half Menschen mit psychischen Störungen, die Probleme damit hatten, sich im normalen Leben zu Recht zu finden. Großteils handelte es sich um Soldaten, die mit ihrem Trauma nicht alleine fertig wurden.

So gesehen, waren Sam und seine Schwestern unter Soldaten aufgewachsen. Denn schon seit er ein kleines Kind gewesen war, betrieben seine Eltern dieses Projekt. Dennoch zeigten sie ihren Kindern immer, daß sie an erster Stelle standen. Vielleicht war das jetzt auch der Grund gewesen, wieso Sam nach dem Collage wieder auf die Farm zurückgekehrt war. Nein, nicht nur deswegen. Je älter er wurde, umso mehr bewunderte er die Arbeit seiner Eltern. Jetzt, mit 24 Jahren hatte er erkannt, daß er auch noch viel von ihnen lernen konnte. Außerdem hatte er festgestellt, daß ihm das hektische Leben in der Stadt auf Dauer nicht gefiel und was genau er mit seinem Leben anfangen wollte, wußte er auch noch nicht genau. Aber hier war der Platz wo er es herausfinden würde, da war er sich sicher. Daher würde er erstmal seine Eltern in allen Belangen unterstützen, dazu gehörte eben auch, sich mit dem neuen „Gast" auseinander zu setzen.

„Okay Dad, ich komm schon klar. Gib mir nur noch eine kurze Info was es mit dem Kerl auf sich hat und worauf ich achten muß", bat Sam noch rasch, da sein Vater schon den Motor startete.

„Ich kann dir leider gar nichts sagen. Ich weiß noch nicht einmal seinen Namen. Paul wollte mir die Unterlagen faxen, aber es gibt schon seit einer Woche irgendein Problem mit der Leitung. Ich hoffe aber, daß sie bald wieder funktioniert. Es tut mir leid, Sam. Du hast dir deine Rückkehr nach Hause sicher anders vorgestellt. Ich mache es wieder gut. Versprochen", rief  Sams Mutter hin und her gerissen, bei ihrem eben erst zurück gekommenen Sohn bleiben zu wollen, aber auch ihrer Tochter in ihrer schweren Stunde beizustehen.

„Mach dir keine Gedanken, Mom. Ich habe vor länger zu bleiben. Gib Kate einen Kuß von mir und meiner kleinen Nichte auch, sobald sie auf der Welt ist. Sag ihr, ich komme bald, um sie selbst zu begutachten."

„Woher weißt du, daß es ein Mädchen wird?", wollte sein Vater verwundert wissen.

Sam lächelte verschmitzt, sagte aber nichts.

„Sie hat es dir gesagt. Du hast mit deiner Schwester telefoniert", mutmaßte Aldin sofort, doch bevor er näher darauf eingehen konnte, wurde er von seiner Frau gedrängt endlich los zu fahren.

Sam sah dem Wagen nach, bis er nicht mehr zu sehen war, dann wandte er sich um und ging zum Haus, das er über einen Seiteneingang betrat. Seine Eltern hatten zwei Wohneinheiten angebaut, als ihre Kinder erwachsen geworden waren, da sie die Meinung vertraten, daß ihre Kinder ab einem gewissen Alter nicht nur das Recht darauf hatten selbst bestimmend zu leben, sondern so auch lernten, eigenverantwortlich einen Haushalt zu führen. Dennoch war es Tradition, daß sich die Familie zumindest einmal im Tag um den Tisch im Haupthaus einfand, um gemeinsam zu essen.

Obwohl sie eine Haushaltshilfe beschäftigten, kochte seine Mutter das Hauptessen so gut wie immer selbst. Außer sie war wie jetzt unterwegs. In diesem Augenblick fragte sich Sam, wo Anna, die gute Seele des Hauses, überhaupt abgeblieben war. Sie stand sonst immer vor dem Haus, um zu winken, wenn seine Eltern wegfuhren. Sam beschloß seine Schwester später nach Anna zu fragen und stieg die Stufen hoch.

Sein Apartment lag am äußersten Ende des Hauses und bestand aus einem Schlafzimmer, einer kleinen Küche die in den Eß, - Wohnraum mündete, einem ziemlich großen Badezimmer, in der es sowohl eine Dusche, wie auch eine Eckbadewanne gab. Vom Wohnzimmer aus konnte man auf eine kleine Terrasse gelangen, die mit einem Tisch und vier Stühlen ausgestattet war. Sam war gerade dabei seine Bücher in das Regal zu räumen, als seine kleine Schwester Tessa die Tür aufriß, auf ihren Bruder zurannte und ihn stürmisch umarmte.

„Da bist du ja endlich. Ich habe die halbe Nacht auf dich gewartet. Okay, nicht die halbe Nacht. Mom hat mich um 23 Uhr ins Bett geschickt, wegen der Schule heute." Tessa verdrehte die Augen und Sam lachte, während er sie erst hochhob, fest an sich drückte und sie dann abstellte. Dann betrachtete er sie von oben bis unten. Hey, du bist erwachsen geworden und hübscher als je zuvor. Das ist gar nicht gut", seufzte er und machte ein trauriges Gesicht.

Tessa lachte, weil sie genau wußte, was Sam mit seiner Aussage bezweckte. „Keine Angst, du wirst immer mein Lieblingsbruder bleiben."

„Kunststück, ich bin ja auch dein Einziger", bemerkte Sam lachend und Tessa grinste.

„Da hast du auch wieder recht. Trotzdem mußt du dir keine Sorgen machen. Noch nicht, denn die Jungs in unserer Schule kann man voll vergessen. Das sind ja alles noch Kinder." Sie seufzte hörbar und Sam mußte sich ein Schmunzeln verkneifen. Gleichzeitig war er froh, daß ihr noch keiner über den Weg gelaufen war. Doch lange würde es vermutlich nicht mehr dauern, denn Tessa war 15 Jahre alt. Trotzdem erwiderte er: „Was ist denn aus diesem Kevin geworden, mit dem ich dich bei meinem letzten Besuch auf dem Stadtfest gesehen habe?"

Tessa stemmte beleidigt die Hände in die Hüften. „Wofür hältst du mich? Ich dachte, du würdest mir mehr Geschmack zutrauen. Ich habe ihm nur Nachhilfe gegeben. Mach ich übrigens immer noch. Er ist nicht der Hellste, mußt du wissen." Sie verdrehte die Augen erneut und Sam lachte herzlich, dann drückte er sie noch mal kurz, aber fest an sich.

„Ich hab dich lieb, Tess, und drehe jedem den Hals um der dir weh tut. Klar?"

„Ja toll. Das hat Dad auch gesagt. Was im Klartext bedeutet, daß ich unter Dauerüberwachung stehe. Wie meine Chancen da stehen einen tollen Jungen kennen zu lernen ist von vorne herein klar", brummte sie seufzend.

Sam gab ihr einen raschen Kuß auf die Stirn, dann zwinkerte er ihr zu. „Tja, wenn du so clever bist wie deine Schwester....." den Rest ließ er offen, aber mehr mußte er auch nicht sagen, denn Tessa grinste verständig. „Danke für den Tipp und wenn du mir später noch deinen Spezialtoast machst, helfe ich dir deine Bücher einzuräumen. Deal?"

„Deal", stimmte Sam und fragte dann nach Anna.

„Mom hat sie zu ihrer Schwester geschickt, damit sie sich ein bisschen erholt. Anna will es nicht zugeben, aber es wird ihr inzwischen zu viel. Sie ist ja nicht mehr die Jüngste und schafft die Arbeit mit dem großen Haus kaum noch. Aber sie gehört inzwischen zur Familie und es würde ihr das Herz brechen, wenn wir sie in Ruhestand schicken würden. Daher hat Mom es so gedreht, daß sie Anna beauftragt hat eine weitere Hilfe zu suchen, mit dem Argument, daß sie planen noch ein paar Patienten aufzunehmen und Pete ja nicht mehr der Jüngste sei und Unterstützung brauche. Anna aber im Haus unentbehrlich sei. Du bist auch wieder da und Kate wird mit ihrem Kind hoffentlich auch öfter zu Besuch kommen. Daher brauchen sie eine Kraft die überall einsetzbar ist und auch Anna unterstützen kann, wenn so viele Leute im Haus sind", berichtete Tessa grinsend.

Sam grinste ebenfalls. „Wir haben eine kluge Mutter und ehrlich gesagt ich würde Anna sehr vermissen. Sie ist für uns eigentlich so was wie eine Granny." Tessa nickte nur dazu, dann trollte sie sich in ihr Zimmer, mit dem Argument, dringend telefonieren zu müssen.

~*~

Zwei Stunden später stand Sam am Herd in der Küche seiner Eltern und stellte seiner Schwester bereits den zweiten Toast hin.

„Ich bin schon gespannt auf den Neuen", verkündete Tessa ein paar Minuten später und schob sich das letzte Stück Toast in den Mund.

„Halte dich bitte fern von ihm und lass ihn nicht ins Haus. Ich möchte nicht..."

„Ja, ja. Ich kenne die Regeln", unterbrach seine Schwester ihn genervt.

Doch Sam schaute sie ernst an. „Nimm diese Warnungen nicht auf die leichte Schulter, Theresa. Du hast selbst schon erlebt wie manche der Leute ausgeflippt sind, die Vater angeschleppt hat. Auch wenn er nur leichtere Fälle bei uns aufnimmt, weiß man bei solchen Leuten nie. Also halte dich bitte strickt an die Regeln."

„Ich verspreche es", stimmte sie ernst zu. Wenn ihr Bruder sie Theresa nannte, was nur vorkam, wenn er nachdrücklich seinen Standpunkt klar machte, war es besser, ihn nicht zu verärgern. Daher sagte sie vorerst nichts und stand auf, um ihren Teller in den Geschirrspüler zu räumen. Nachdem sie das erledigt hatte, erklärte sie noch. „Ich muß leider noch Hausaufgaben machen. Rufst du mich, wenn der Neue kommt? Ich will nur gucken", erklärte sie rasch.

Sam seufzte tief. Er liebte seine kleine Schwester, aber sie konnte eine echte Nervensäge sein. „Mal sehen und jetzt mach, daß du nach Oben kommst", verlangte er lächelnd und sie trollte sich sofort.

Tessa hatte ihr Zimmer natürlich noch im Hauptteil des Hauses und während Sam die Küche wieder in Ordnung brachte, überlegte er, was er mit dem restlichen Tag anfangen sollte. Er beschloß nach draußen zu gehen und nachzusehen, ob es neue Pferde auf der Koppel gab. Gerade als er sich auf den Weg machte, hielt ein schwarzer Suv auf dem Vorplatz. Ein Mann stieg aus und schaute sich in Ruhe um.

Sam kannte ihn nicht und vermutete, daß es sich um den neuen Schützling seines Vaters handelte. Er war ungefähr in seinem Alter, vielleicht auch ein paar Jahre älter, aber um cirka zehn Zentimeter kleiner als er selbst, da er mit seinen 1 Meter 95 aber ohnehin so gut wie jeden überragte. Sam checkte die Gesamterscheinung des Neuen weiter ab. Er trug eine ausgeblichene Jeans und eine abgewetzte, schwarze Lederjacke. Sein Haar war kurz geschnitten und die Gesichtszüge markant. Er konnte nicht bestreiten, daß der Mann gut aussah und er mußte sofort an seine Schwester denken. Er nahm sich vor, besonders gut auf sie aufzupassen, denn dieser Mann hatte etwas an sich, das Sam nicht benennen konnte.

Aber sein Bauchgefühl sendete Signale aus und Sam wußte, auf dieses Gefühl konnte er sich immer verlassen. Trotzdem, er war von seinen Eltern dazu erzogen worden jedem Menschen eine Chance zu geben. Daran würde er sich halten und versuchen keine Vorurteile zuzulassen. Wobei er ohnehin nicht behaupten konnte, dass sein Bauch ein negatives Gefühl signalisierte.  

Plötzlich fiel der Blick des Fremden auf Sam und er schlenderte auf ihn zu. „Ich suche Doc Hensen", sagte er mit einer tiefen Stimme, die in Sams Bauch ein unerklärbares Kribbeln verursachte. Er brauchte daher fast eine Minute bis er antworten konnte.

„Mein Vater mußte unerwarteter Weise für ein paar Tage weg, daher wirst du warten müssen, bis er zurück ist. Ich nehme an du bist hier, um an dem Programm teilzunehmen?"

Der Fremde nickte nur und Sam erklärte daraufhin: „Okay. Dann werde ich dir gleich dein Zimmer zeigen. Fahr deinen Wagen bitte zu den anderen dort drüben." Sam zeigte zu einem Gebäude das schräg an das Wohnhaus anschloß. Daneben standen einige Fahrzeuge unter einem langen Carport. Der Fremde nickte erneut und ging zurück zu seinem Auto. Nachdem er eingeparkt hatte, nahm er zwei Taschen aus dem Kofferraum und folgte Sam, der auf eine kleine Tür zuging, die neben drei großen Rolltoren angebracht war.

Sie traten ein und durchschritten einen großen Raum, in dem diverse Fahrzeuge standen. Sam steuerte auf eine Eisentreppe zu, die nach oben führte. Nachdem die Beiden sie erklommen hatten, bleib Sam vor einer Tür stehen, nahm einen Schlüssel von einem Haken neben der Tür. „Hier wirst du während deines Aufenthaltes wohnen", erklärte er, sperrte die Tür auf und trat ein. Er legte den Schlüssel auf das kleine Bord neben der Tür und drehte sich zu dem Neuen um, der ihm wortlos gefolgt war. „Ich heiße übrigens Sam und du?", fragte Sam neugierig.

„Ich nicht", bekam er zur Antwort. „Und mach die Tür hinter dir zu, wenn du raus gehst."

Sam war derart perplex, dass er wortlos gehorchte. Erst als er die Treppe hinunterging, wurde ihm so richtig bewußt, daß der Neue ihn faktisch auf unhöflichste Weise raus geschmissen hatte und er schimpfte fassungslos vor sich hin. Es stand außer Frage, mit dem Typen würden sie alle noch ihre Schwierigkeiten haben. Sams Vorsätze dem Kerl Vorurteilsfrei zu begegnen löste sich in Luft auf.

~*~

Kaum hatte sich die Tür hinter dem Fremden geschlossen, stellte er seine Tasche auf das Bett, setzte sich daneben und atmete erstmal tief durch. „Okay, das war kein guter Start. Wenn mein Plan funktionieren soll, muß ich das wohl anders angehen", entschied er seufzend. Dann rollte er seine verspannten Schultern, schloß müde kurz die Augen, bevor er die Tasche öffnete und frische Kleidung, sowie Verbandszeug heraus nahm. Erst dann schaute er sich im Zimmer um. Mit einem Blick erfaßte er die karge Einrichtung und stellte auch fest, daß das Fenster nach Osten ausgerichtet war, was bedeutete, daß ihn die Sonne früh wecken würde. „Schöner Mist", murmelte er, denn Schlafen war im Moment seine erste Option. Schließlich war er 48 Stunden durchgehend wach gewesen und dementsprechend müde. Aber da er ohnehin nie mehr als vier maximal fünf Stunden schlief, war es eigentlich egal in welche Himmelsrichtung das Fenster zeigte.

Dennoch seufzend setzte er sich erneut auf das Bett und zuckte auch sogleich zusammen, weil ein stechender Schmerz durch seinen unteren Rücken fuhr. Gewohnt Schmerzen zu ignorieren, fing er sich sogleich, stand auf und humpelte zur Tür. Dort nahm den Schlüssel von dem Bord und sperrte sein derzeitiges Reich erstmal ab. Erst dann griff er nach der frischen Wäsche und dem Verbandszeug und ging auf die Tür zu, hinter der er das Badezimmer vermutete. Dort zog er seine Hose und das T-Shirt aus und verdrehte sich so gut es ging um die Verletzung zu behandeln.

Der Mull, mit dem er die Wunde abgedeckt hatte, ließ sich nicht ablösen. Daher riß er ihn mit einem Ruck ab. Durch den Schmerz gab einen zischenden Laut von sich, dann betrachtete er so gut es ging die nun frisch blutende Wunde, die sich kurz oberhalb seines Gesäßmuskels befand. Sie hatte sich entzündet und sah übel aus. Trotzdem, es hätte schlimmer ausgehen können.

Sie hatten ihn zu Dritt angegriffen. Während er die ersten Zwei außer Gefecht setzte, war der Dritte war mit dem Messer auf ihn los gegangen. Durch eine rasche Drehung hatte er soweit ausweichen können, daß ihm die Stichwaffe nicht in den Rücken gerammt wurde und er „nur" mit einer tieferen Fleischwunde davon gekommen war.

 „Duschen, neu verbinden und dann wird es schon wieder", redete er sich zu, zog sich vollständig aus und stieg in die Duschkabine.

~*~

Sam war inzwischen ins Haus zurückgekehrt und beschloß seine Schwester über die Ankunft des Neuen zu informieren und sie noch einmal eindringlich zu warnen. Auch wenn Sam aus Erfahrung wußte, daß die Leute die neu bei ihnen ankamen, sich generell abweisend benahmen, so strahlte dieser Kerl etwas aus, das Sam nicht benennen konnte. Dabei war es noch immer kein ungutes, oder unheimliches Gefühl, das ihn beschlich, wenn er an den Neuen dachte. Dennoch, er war gefährlich. Das stand für Sam außer Frage. Nur die Art der Gefährlichkeit konnte er nicht einordnen.

Er erreichte Tessas Zimmer und klopfte. Nachdem sie ihn aufgefordert hatte einzutreten, betrat er den Raum und schaute sich neugierig um. „Hey, da hat sich ja einiges getan, seit ich das letzte Mal hier war", fiel ihm auf.

„War Zeit für ein neues Styling. Schließlich bin ich kein Kind mehr", behauptete sie und schob Mr. Moon, einen nachtblauen Plüschmond, der neben ihr auf dem Schreibtisch lag, rasch auf den Boden.

„Verstehe", entgegnete Sam ohne eine Mine zu verziehen, obwohl er genau bemerkt hatte, welches Schicksal Mr. Moon gerade ereilt hatte. „Der Neue ist angekommen", erzählte er und setzet sich auf das Bett.

Sofort hatte er Tessas Aufmerksamkeit. „Wie sieht er aus? Wie alt ist er? Und wie ist er überhaupt so? Jeff und dieses Pickelgesicht Olsen sind echte Blödmänner. Ach ja, du kennst sie ja nicht. Na jedenfalls sind sie seit drei Monaten hier. Also waren sie bis jetzt die Neuen. Aber jetzt haben wir ja einen neuen Neuen. Na wie auch immer, was die Blödmänner betrifft. Vater sagt, sie machen sich gut, aber ich kann sie nicht leiden."

In Sam schlugen sofort alle Alarmglocken an. „Wie meinst du das?"

„Kein Grund sich gleich Sorgen zu machen", winkte Tessa ab, die sofort bemerkte, daß Sam beunruhigt war. „Sie versuchen immer witzig zu sein, sind aber einfach nur blöd. Wenn du mich fragst, haben sie die geistige Leistungsfähigkeit eines Blecheimers. Ich gehe ihnen aus dem Weg, weil mir einfach schlecht wird, wenn einer von ihnen den Mund aufmacht. Daher hoffe ich echt, der Neue ist anders. Also erzähl schon", forderte sie und schaute ihren Bruder gespannt an.