File 1: stories/1/697.txt
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Er wurde gehalten, sicher und beschützt. Geborgenheit, Wärme und ein wunderbarer Duft hüllte Dean ein. Irgendwie nach Sonne, Wind, und nach diesen Zitronenplantagen, durch die Dean vor ein paar Jahren gegangen war. Und da war noch ein weiterer, ganz besonderes herrlicher Geruch, der sich mit den andern mischte und Dean wußte ohne Zweifel, daß er ihn liebte. ‚Bin ich doch im Himmel gelandet. Wer hätte das gedacht‘, sinnierte er zufrieden, seufzte glücklich und versuchte sich enger in die Umarmung zu schmiegen, doch als er sich nur minimal bewegte, schoß ihm ein wilder, stechender Schmerz durch den Kopf und auch durch seine Schulter. „Mist! Doch in der Hölle. Hätte mich auch gewundert", murmelte Dean mit rauher Stimme und öffnete seine Augen einen kleinen Spalt, um sie jedoch gleich wieder zu schließen. Die Anstrengung sie offen zu halten, war einfach zu groß.

„Dean... Oh Gott, Dean. Ich... ich dachte schon, du..." Sam versagte die Stimme, er drückte Dean verzweifelt noch ein bißchen enger an sich und gab ihm einen Kuß auf die Stirn.

Trotz der Schmerzen, die sich durch das feste Drücken verstärkten, hielt Dean ganz still und gab sich völlig dem Gefühl hin, von jemand umsorgt zu werden. Doch plötzlich waren Sams Arme weg, fremde Hände fummelten an ihm herum und Dean mochte es gar nicht. Er versuchte die Augen zu öffnen, und dank seiner Willenstärke gelang ihm das auch. Ebenso schaffte er es, den rechten Arm zu heben und um sich zu schlagen.

„Haltet ihn fest", hörte er jemanden sagen.

Panik stieg in Dean auf, er verstärkte seine Bemühungen, seine Faust traf jemanden und er hörte mit Genugtuung, daß diese Person schmerzlich aufstöhnte.

„Dean, nicht!" Sam war plötzlich wieder da, umfaßte seine Hände und drückte sie sanft aber entschlossen hinunter. „Die Sanitäter wollen dir nur helfen. Bitte bleib ruhig liegen", verlangte er mit beruhigender Stimme.

„Sammy." Deans Stimme klang erleichtert und er entspannte sich wieder.

„Ich bleibe bei dir. Versprochen. Aber du mußt dir von den Männern helfen lassen. Okay?", bat Sam eindringlich und Dean nickte andeutungsweise, dann driftete er wieder weg und versank in die Dunkelheit.

~*~

Als Dean erwachte, fühlte er sich wie erschlagen. Er war müde und das Denken fiel ihm schwer. ‚Wo zur Hölle bin ich?' überlegte er, und dann fiel es ihm auch schon blitzartig ein. Sam und der Sheriff, der die Waffe auf ihn richtete. Er hatte sich dazwischen geworfen und dieser Mistkerl hatte ihm eine Kugel in die Schulter gejagt. Dann... Filmriss.

Aber jetzt lag er offensichtlich in einem Krankenzimmer und irgendjemand hielt seine Hand. Nein, nicht irgendjemand. Sam. Dean wußte es ganz sicher, obwohl er seinen Kopf noch nicht zur der Seite gewand hatte, wo sich Sam befand. Denn da war wieder diese unvergleichliche Duftmischung, die dieses wunderbare Gefühl in seinem Bauch auslöste.

Dean drehte nun doch den Kopf und sein Blick fiel wie erwartet auf Sam. Und dann mußte er schmunzeln. Denn Sam saß auf einem Stuhl, sein Kopf hing tief im Nacken und er schnarchte leise. Dennoch hielt er seine Hand fest. Gerührt von dieser Geste und auch, weil Sam sich diese unbequeme Position angetan hatte, nur um sein Versprechen zu halten, drückte Dean sanft Sams Finger und schloß seufzend die Augen.

Sam erwachte durch den Druck auf seiner Hand und griff sich mit der anderen stöhnend an den Nacken. Ihm tat jeder Knochen weh und er streckte sich erstmal, ohne vom Stuhl aufzustehen und instinktiv auch ohne Deans Hand los zu lassen. Dann wurde ihm bewusst, wo er war und er schaute besorgt neben sich. Dean schlief offenbar friedlich und Sam vermutete, daß es an der Narkose lag, oder an der Infusion, die in seinen Arm tropfte.

Sam musterte die schlafende Gestalt und sein Blick blieb an Deans Gesicht hängen. Er betrachtete den dichten Wimpernkranz und die edle, griechisch-römische Nase, dann die Kinnlinie. Dieser Mann sah wirklich umwerfend gut aus, stellte Sam fest, während er wie hypnotisiert auf die vollen Lippen starrte, die ihn verlockend und magisch anzogen. ‚Er schläft und würde es nicht merken, wenn ich ihn kurz küsse', dachte Sam und bekam sofort ein schlechtes Gewissen, denn Dean ohne dessen Erlaubnis zu küssen, war falsch.

Doch wie von unsichtbaren Fäden gezogen stand Sam auf und beugte sich über den Schlafenden. ‚Nur eine ganz kurze Berührung, nicht mal ein richtiger Kuß. Nur...',  Sams Gedanken schalteten sich ab, als sein Gesicht nur noch wenige Millimeter über Deans schwebte und als er kurz darauf dessen Lippen berührte, löste dieser kurze Kontakt Gefühle in ihm aus, die er nie erwartet hatte. Noch bevor er sie einordnen konnte und gerade als er sich zwingen musste, diese Lippen nicht erneut zu küssen, spürte er plötzlich eine Hand an seinem Hinterkopf. Deans Hand, die ihn beständig wieder näher zog, bis sich ihre Lippen erneut trafen. Unschuldig lagen sie kurz aufeinender, bis Dean begann zart an Sams Unterlippe zu knabbern. Das war der Auftakt für einen Kuß, der immer leidenschaftlicher wurde, bis sie ihn aus Luftmangel abbrechen mußten und Sam ein keuchendes „WOW" von sich gab. Seine Wangen hatten einen rosigen Schimmer angenommen und er lächelte verlegen, doch seine Augen strahlten. 

Dean war von diesem Anblick hingerissen und er wollte das noch öfter sehen. „Wenn du mich hier rausholst, zeige ich dir die Steigerung von wow", versprach er und grinste.

„Versprich nichts, was du nicht halten kannst", konterte Sam frech und Dean hob erstaunt eine seiner Augenbrauen. Vielleicht hatte er den Großen unterschätzt? Das konnte interessant werden und daher entgegnete er grinsend: „Ich halte jedes Versprechen. Also hol mich hier raus und ich beweise es dir."

Sam schüttelte den Kopf. „Die lassen dich frühestens in einer Woche raus."

„Sagt der, der sich jetzt vor den Konsequenzen fürchtet", konterte Dean und grinste Sam wissend an. Dessen Wangen bekamen auch prompt wieder einen rosigen Schimmer, weil er sich gerade ein paar der Konsequenzen vorstellte. Doch bevor er etwas erwidern konnte, bemerkte er, wie Deans Gesichtszüge wieder ernst wurden, bevor er sagte: „Aber so gerne ich dieses Thema noch vertiefen würde, leider haben wir dafür jetzt keine Zeit. Du mußt mir genau erzählen was passiert ist, nachdem ich weggetreten bin. Ich bin mir ziemlich sicher, daß ich kurz vor meinem Abgang Schüsse gehört habe."

„Ja, du hast den Sheriff erschossen", bemerkte Sam.

„Aber nicht den Deputy", antwortete Dean grinsend.

Sam verdrehte die Augen. „Das ist nicht lustig."

„Nein, nicht wirklich", gab Dean zu und sein Grinsen verschwand aus seinem Gesicht. „Aber mal davon abgesehen. Der Sheriff, ja das weiß ich noch. Doch was ist mit den Schüssen, außer meinen, die ich anschließend gehört habe?"

Sam seufzte. „Das ist alles ziemlich mysteriös. Zwei Leute, die auf unserer Farm in Behandlung sind, Jeff und wie der andere heißt, weiß ich nicht, wurden erschossen. Keiner weiß, warum und von wem. Der Deputy ist total von der Rolle und weiß sich nicht zu helfen. In dieser Stadt ist so gut wie nie was los. Zumindest war es bisher so, soweit ich weiß, und es gibt so viele Fragen. Wieso wollte der Sheriff uns umbringen? Ist es, weil du eine Waffe hattest? Nein, eher nicht, weil er wollte auch mich erschießen", beantwortete Sam seine Frage gleich selbst. „Aber wieso hast du überhaupt eine Waffe? Natürlich bin ich froh darüber, schließlich hast du mich gerettet, aber..."

Dean hatte Sam mit seinem unverletzten Arm einfach wieder zu sich gezogen und küßte ihn sanft. Nicht nur, um seien Redefluß zu stoppen, sondern auch, weil er diese weichen Lippen einfach wieder auf seinen spüren wollte. Als sie den Kuß nach einer Weile lösten, war Sams Blick noch ganz verschleiert und er seufzte leise, woraufhin sich Dean ein Schmunzeln nicht verkneifen konnte. Doch er genoß den entrückten Blick Sams nur kurz, dann kam sein Pflichtbewußtsein wieder durch. „Sam. Ich muß schnellstens hier raus. Holst du bitte meine Sachen? Der Schlüssel zu meinem Zimmer auf der Farm liegt oben auf der Türzarge. " Deans Stimme war tief und samtig. Sam fand das sehr sexy und absolut unfair von Dean, sie als eine Art Waffe einzusetzen. Trotzdem. Er war fest entschlossen nicht einzuknicken und deswegen schüttelte er den Kopf.

 „Es ist einfach zu gefährlich. Die Wunde könnte aufbrechen und was, wenn sie sich entzündet? Außerdem hast du eine ziemliche Schramme am Kopf. Weißt du überhaupt, wie viel Glück du gehabt hast? Daher sage ich, nein. Du wirst schön brav hier liegen bleiben, bis du wieder gesund bist. Alles andere wäre ein zu großes Risiko."

 Dean erkannte, daß Sam so ohne weiteres nicht klein beigeben würde, daher versuchte er es mit einem hinreißenden Augenaufschlag und einem sanft geflüsterten „Bitte!"

Da war sie wieder, diese Stimme, und dazu noch ein Blick, der Sam völlig fertig machte. Ohne daher weiter nachzudenken antwortete Sam: „Okay. Wenn du es schaffst, daß dich der behandelnde Arzt entläßt, rede ich mit Dad, ob er einverstanden ist, daß du dich auf der Farm erholst. Aber du wirst dort genau das tun, was Vater oder ich sagen. Verstanden? Und du wirst alle meine Fragen beantworten. Wieso du eine Waffe hast und so froh ich auch bin, daß du in der Redaktion aufgetaucht bist, warum warst du überhaupt dort? All das will ich wissen."

Dean seufzte etwas genervt, bevor er eindringlich erklärte: „Darüber reden wir später. Ich werde dir jede deiner Fragen beantworten, aber jetzt ist es wichtig, von hier zu verschwinden. Ich muß schnellstens ein paar Nachforschungen anstellen und damit verhindern, daß womöglich noch jemand umgebracht wird."

„Umgebracht? Wie kommst du denn auf diese Idee? Und Nachforschungen? Bist du ein Cop?", wollte Sam nun doch wissen und schaute Dean mit großen Augen an.