File 1: stories/1/702.txt
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„Okay, dann Klartext. Es trifft mich ganz schön, wie du mich einschätzt. Das hätte ich nicht von dir erwartet, Sam. Schließlich haben wir so einiges zusammen erlebt." Deans Gesicht war von Kummer gezeichnet und Sam bekam sofort ein schlechtes Gewissen.

„Es tut mir Leid, es ist nur... ich weiß einfach nicht, was wir jetzt machen sollen. Hilfssheriff Kimbly ist zwar nicht der Hellste, aber wie man das FBI oder einen US Marshall anfordert, weiß sogar er. Auch wenn ich für dich aussage, kann es gut sein, dass sie mir nicht glauben. Vor allem, wenn sie dahinter kommen, dass ich dich... mag. Ich meine, wir haben uns geküsst." Sams Stimme war sehr leise geworden und seine Wangen hatten einen roten Schimmer während er verlegen zu Dean schielte.

Sams Aussage ließ sein Herz sofort höher schlagen und verunsicherte ihn gleichermaßen. Dean wusste einfach nicht, wie er darauf reagieren sollte und runzelte die Stirn, während er sich eine Antwort überlegte.

Sam hatte gehofft, dass Dean ihm auch sagen würde, dass er ihn zumindest gern hatte. Er wäre schon mit einem Lächeln zufrieden gewesen, aber dass er ihn quasi ignorierte, tat ihm in der Seele weh und machte ihn auch zornig. „Weißt du was? Vergiss einfach was ich gesagt habe. Und den Kuss am Besten auch gleich. Deinen und meinen. Es hatte im Grunde nichts zu bedeuten. Schließlich kann man sich doch sympathisch finden, ohne wer weiß was hinein zu interpretieren. Außerdem hast du mir das Leben gerettet. Vater würde sicher sagen, dass es Dankbarkeit ist, was ich für dich empfinde. So wird es vermutlich auch sein. Daher wird es auch kein Gerede von den Leuten geben. Wie auch immer. Kommen wir zum Wesentlichen. Was ist jetzt mit all diesen Ausweisen und lüg mich nicht an", verlangte Sam vehement.

Bei Sams plötzlichem Rückzieher krampfte sich Deans Herz zusammen. ‚Idiot, was hast du denn erwartet? Hast du wirklich gedacht, für dich wird sich jemals was ändern? Volltrottel. Er ist dir dankbar, sonst nichts,' beschimpfte er sich im Gedanken selbst. Dann riss er sich zusammen und schaute Sam emotionslos an. „Ich bin ein Spezial Agent, der berechtigt ist, alle diese Ausweise zu benutzen. Mehr darf ich dir nicht sagen, alles super geheim."

Als Sam daraufhin ein abfälliges, ungläubiges Schnauben von sich gab, fuhr Dean ernst fort: „Es ist die Wahrheit, Sam."

„Ja klar. Und weil Mr. 006 jahrelang die Welt gerettet hat, braucht er jetzt einen Seelenklempner und ist ausgerechnet bei meinem Vater gelandet. Sehr glaubwürdig."

„Wieso 006? Findest du mich so sexy?", konnte es sich Dean nicht verkneifen zu sagen, während er schräg grinste. Gleichzeitig ärgerte er sich über sich selbst, weil er es nicht lassen konnte, mit Sam zu flirten. Auch wenn der Größere ihm klar gemacht hat, dass er kein Interesse hatte. Dean wollte das einfach nicht wahr haben.

Sams Wangen färbten sich sogleich, trotzdem entgegnete er unbeirrt: „Lenk nicht ab und sag endlich die Wahrheit."

„Das habe ich getan, zumindest Großteils. Schau mich an, Sam. Bitte", verlangte Dean eindringlich, trat an den Größeren heran und nahm sein Gesicht in seine Hände. Sam kam daraufhin Deans Bitte nach und begegnete dem offenen und ehrlichen Blick seines Gegenübers, der auch schon weiter sprach: „Ich gebe zu, dass ich nicht hier bin, weil ich Hilfe vom Doc brauche. Ich bin von einer staatlichen Behörde, um hier einen Fall aufzuklären. Und alle meine Ausweise sind echt. Es gibt nur ein knappes Duzend Leute in den Staaten und darüber hinaus, die berechtigt sind, solche Legitimationen zu benutzen. Ich bin einer davon. Ich darf dir wirklich nicht mehr sagen und kann nur hoffen, dass du mir zumindest dahingehend vertraust."

Sam konnte gar nicht andres. Dean blickte ihn so flehend an, dass er ihm glauben musste. Daher nickte er letztendlich. „Gut, aber irgendwann will ich alles wissen."

„Diese Reporter", seufzte Dean theatralisch und grinste dann. Doch als Sam ihn streng anschaute, seufzte der Agent erneut und nickte. „Soweit es mir möglich ist. Aber jetzt müssen wir echt los. Was mich wirklich ärgert ist, dass ich meine Waffe verloren habe. Es war ein Geschenk meines Vaters, darum müssen wir unbedingt zuerst in die Redaktion, vielleicht ist sie irgendwo unter ein Regal gerutscht und..."

Dean verstummte augenblicklich, da Sam ihm plötzlich das Objekt seiner Begierde vor die Nase hielt. Verwundert und mit hochgezogenen Augenbrauen starrte Dean erst auf die Waffe, dann auf Sam, der daraufhin Schulter zuckend murmelte: „Ich dachte, wenn sie keine Waffe finden, dann wird es schwieriger dich zu belangen."

„Du bist echt süß", grinse Dean und legte seinen gesunden Arm um Sam, um ihn an sich zu ziehen.

„Süß?", Sams Stimme war nicht nur ein paar Oktaven zu hoch, er schaute auch noch total entsetzt, worauf hin Dean lachen musste. Dann zog er den Größeren an sich und küsste ihn innig. „Mhh..und du schmeckst auch so", behauptete er, nachdem sie den Kuss abbrachen und er lecke sich genießerisch die Lippen. „Den hast du natürlich aus reiner Dankbarkeit bekommen. Schließlich wäre ich verblutet, wenn du nicht gewesen wärst. Aber wir sollten natürlich nicht mehr hineininterpretieren als es ist." Dean konnte nicht anders. So surreal es auch war, er war ganz verrückt nach dem großen Kerl und wollte ihn einfach herausfordern.

„Idiot", sagte der plötzlich und lächelte Dean leicht verlegen an, bevor er ihm einen kleinen Kuss auf die Lippen drückte.

Dean strahlte Sam daraufhin an. „Ich bin sehr froh, dass wir das jetzt für uns geklärt haben. Alles andere findet sich dann schon. Jetzt muss ich aber trotzdem noch mal an den Tatort. Spurensicherung. Aber zuerst zum Hilfscop, bevor der Trottel noch das FBI anfordert. Kannst du mich fahren?" Dean schlüpfte noch rasch in seine Schuhe und schaute Sam fragend an.

Der nickte und griff nach Deans Tasche, dann ging Sam hinter ihm her, immer darauf achtend, dass Dean sicher auf den Beinen war.

Bald darauf saßen sie in Sams Wagen und Dean atmete auf. „Endlich bin ich aus dem Kasten raus."

„So schlimm?", fragte Sam schmunzelnd und fuhr los.

Dean nickte. „Ganz schlechte Erinnerungen. Sie flicken einen zwar gut zusammen, aber dann versuchen sie dich mir ihrem Fraß zu vergiften."

Sam schüttelte belustigt den Kopf. Dieser verrückte Kerl neben ihm brachte ihn immer wieder zum Lachen und je länger er mit ihm zusammen war, umso weniger wollte er auf seine Gegenwart verzichten.

Apropos Essen", sagte Dean auch schon, doch bevor er weiter sprechen konnte, fing sein Magen lautstark zu knurren an. „Hilfscop hin oder her. Könnten wir als erstes irgendein genießbares Futter besorgen?"

Sam musste nun laut lachen, woraufhin sein Sitznachbar eine Schnute zog. „Das ist nicht lustig, schließlich habe ich gefühlte Ewigkeiten hungern müssen und..."

„Schon gut, ich füttere dich, bevor du an mir rumknabberst", entgegnete der Größere und bemerkte im selben Augenblick, wie zweideutig das geklungen hatte. Prompt stieg Dean darauf ein und erwiderte grinsend: „Wenn das ein Angebot war, kann ich dir versichern, ich bin verdammt gut im rumknabbern."

Der Agent schaute Sam an und es folgte genau das, was er erwartet hatte. Die erst rosafarbenen Wangen begannen immer dunkler zu werden. Deans Grinsen wurde noch breiter. Es gefiel ihm, wenn sein Großer so verlegen wurde und er überlegte, wie er wohl reagieren würde, wenn er ihm erst so richtig versaute Sachen ins Ohr flüstern würde. Nun, vielleicht würde er das noch herausfinden.

~*~

Keine halbe Stunde später saßen sie in einem Diner und es dauerte auch nicht lange, bis ihnen das Essen auf den Tisch gestellt wurde. Dean mundete jeder Bissen und tat das auch mit genießerischen Lauten kund.

„Dir schmeckt es offensichtlich", erkannte Sam schmunzelnd und Dean nickte, bevor er antwortete: „Gutes Essen ist wie guter Sex, man muss jede Sekunde auskosten."

„Die haben auch tollen Kuchen hier", lenkte Sam schnell vom Thema ab und mied auch Deans Blick. Der strich Sam leicht und kurz über den Arm und schaffte es so, dass Sam ihn anschaute. Daraufhin sagte der Agent mit samtiger Stimme: „Wie könnte ich bei so etwas Leckerem widerstehen."

„Du flirtest mit mir", stellte Sam fest.

„Gut erkannt, Watson. Ich bin froh, endlich einen würdigen Assistenten gefunden zu haben. Spielst du Geige?"

„Sherlock ist der mit der Geige, du Genie", gab Sam zurück und verdrehte die Augen, lächelte aber.

Dean grinste verlegen. „Das wusste ich", behauptete er dennoch.

~*~

Nachdem sich Dean so richtig satt gegessen hatte, nahm er noch zwei Tabletten die er vom Krankenhausdoktor gegen die Schmerzen bekommen hatte. Dann bat er Sam, ihn zum Hilfssheriff zu fahren.

Zehn Minuten später betraten sie die Polizeistation.

Im Vorzimmer saß ein junges Mädchen und feilte sich gelangweilt die Fingernägel. Als die beiden Männer eintraten, erhellte sich ihr Gesicht sofort und sie lächelte freundlich. „Was kann ich für sie tun, meine Herren?", fragte sie und strahlte Dean flirtend an.

Dean lächelte zurück und entgegnete, nachdem er einen Blick auf das Namenschild, welches auf dem Tisch stand, geworfen hatte: „Ich möchte den Deputy sprechen, Sally. Ist er da?"

Sie nickte, wehrte jedoch gleich ab. „Er will aber nicht gestört werden. Doch vielleicht kann ich Ihnen weiter helfen?" Sie klimperte mit den Wimpern und Deans Grinsen wurde breiter. „Vielleicht ein anderes Mal. Er sitzt im Büro des Sheriffs nehme ich an?"

Sie nickte. „Schon, doch er will..."

„Nicht gestört werden. Ich weiß. Aber das interessiert mich nicht", bemerkte Dean. Sein Lächeln war verschwunden und machte einem grimmigen Gesichtsausdruck Platz, während er zielstrebig auf die Tür zu ging. Sally sprang von ihrem Sessel auf und wollte rasch an Dean vorbei, doch er hielt sie auf. „Danke, aber es ist nicht notwendig, dass Sie uns anmelden. Es soll eine Überraschung werden." Er zwinkerte der Sekretärin verschwörerisch zu, dann betrat er das angrenzende Büro, wo Kimbly lässig auf dem Bürostuhl saß, mit den Füßen auf dem Schreibtisch. Als er Dean erblickt, runzelt er die Stirn. „Ich dachte, Sie dürfen das Krankenhaus erst in ein paar Tagen entlassen. Wenn ich gewusst hätte, dass..."

„Erst mal Füße vom Tisch, Kimbly. Na los!", verlangte Dean scharf, woraufhin der Hilfssheriff automatisch tat, was ihm befohlen wurde. Als ihm das bewusst wurde, stützte er die Hände auf dem Tisch auf, schaute Dean wütend an und brüllte: „Sie haben mir gar nichts zu sagen, verstanden? Ich bin hier der Sheriff und kann meine Füße haben wo und wann ich will. Sie können froh sein, wenn ich Sie nicht sofort verhafte."

Dean zog ungerührt einen Stuhl heran und setzte sich. Dann forderte er Sam auf es ihm gleich zu tun, der zögernd Platz nahm.

„Am Besten wir stellen gleich einmal ein paar Dinge klar, Kimbly. Hinsetzen und Klappe halten", verlangte er streng, als der Hilfssheriff etwas einwenden wollte. „Sie sind hier der Hilfssheriff und ich garantiere ihnen, auch das nicht mehr lange, wenn sie sich weiter so aufführen."

Kimbly schluckte und schaute Dean unsicher an, der wegen seiner Verletzung etwas umständlich seinen Ausweis aus der Jackentasche nestelte, ihn öffnete und ihn auf den Tisch warf. „Wie sie sehen, bin ich Bundesmarshall. Somit stehen sie unmittelbar unter meinem Befehl. Das bedeutet, Sie bewegen jetzt ihren faulen Hintern und bringen mir zuerst einen ordentlichen Kaffee. Schwarz. Den für Mr. Hensen mit Milch und Zucker. Dann will ich alle Berichte sehen, die es über den Fall gibt. Obduktionsbericht.  Zeugenaussage der Maklerin. Alles. Jetzt", schnauzte Dean den Hilfssheriff an, der ihn bisher nur geschockt angestarrt hatte, aber nach Deans Befehl hastig aufsprang und über seine eigenen Füße stolperte, bevor er eilig und wortlos ins Vorzimmer eilte.

Dean lehnte sich grinsend zurück. Dann fiel sein Blick auf Sam, der stumm und ernst vor sich hinstarrte.