File 1: stories/1/706.txt
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Sam lief nervös vor dem Küchenfenster hin und her. Er konnte immer noch nicht fassen, dass Pete offenbar für all die Verbrechen verantwortlich war, die sich zugetragen hatten. Er kannte den Koch von Kindesbeinen an und er war ihm immer ein guter Freund gewesen. Pete hatte ihm öfter mal Süßigkeiten zugesteckt, was seine Mutter gar nicht gerne gesehen, bei Pete aber toleriert hatte. Der Koch war auch auf jeder Familienfeier der Hensens gewesen und zudem war er auch noch der Taufpate von Tessa. Wie hatte dieser Mann sie alle nur so täuschen können?

Während er sich darüber den Kopf zerbrach, starrte er durch die Scheibe hinaus auf den Hof und beobachtete so, wie Deans Wagen vor dem Haus anhielt. Doch weder Dean noch sein Vater stiegen aus. Ganz offensichtlich diskutierten sie miteinander und Sam konnte sich schon denken, worüber. Verärgert drehte er den Ofen ab. Er hatte keine Lust mehr, das geplante Frühstück für sich und Dean herzurichten.

Stattdessen beschloss er, seinem Vater klipp und klar zu sagen, dass er sich entschieden hatte und zwar für Dean. „Wenn Vater das nicht akzeptieren kann oder will, dann kann ich das auch nicht ändern. Ich liebe Dean und ich will mit ihm zusammen sein", murmelte er entschlossen vor sich hin, verließ die Küche, um hinaus zu gehen und die Diskussionen der Beiden zu beenden.

Als er jedoch durch die Haustür treten wollte, traf er mit seinem Vater zusammen. Sam konnte unschwer erkennen, dass sein Vater ziemlich bedrückt, aber auch verärgert drein schaute.

„Nicht jetzt, Sam", sagte er auch schon, noch bevor der ein Wort an ihn richten konnte. Dann drängte Aldin sich an ihm vorbei und war auch Sekunden später in seinem Arbeitszimmer verschwunden.

Sam starrte noch eine Weile auf die geschlossene Tür, bis er sich umdrehte, um sich zu Dean zu begeben. Als er jedoch auf dessen Wagen zuging, bemerkte er, dass Dean verschwunden war. Sam schlussfolgerte, dass der Agent sein kleines Apartment aufgesucht hatte. Es konnte gut sein, dass er nach dem Streit mit Aldin ebenfalls keine Lust hatte jemanden zu sehen. Aber das war Sam egal. Er musste wissen, wie er nun wirklich mit Dean dran war und genau das würden sie jetzt endgültig klären.

So schnell ihn seine langen Beine trugen eilte er über den Platz und dann die Treppe hinauf. Ohne anzuklopfen öffnete er geräuschlos die Tür und blieb wie angewurzelt stehen, als er sah, dass Dean gerade seine Kleidungstücke in die Reisetasche stopfte. Sams Innerstes krampfte sich zusammen und er sah schwarze Punkte vor seinen Augen. ‚Panikattacke‘, schoss es ihm durch den Kopf und er zwang sich ruhig zu atmen. Als ihm nach einer Minute besser wurde, stieg Wut in ihm auf und er schnauzte Dean an, der ihn bisher noch nicht bemerkt hatte.

„Wie war das? Wir kriegen das schon irgendwie hin? Wie ich jetzt aber sehen kann, war es nie deine Absicht mit mir zusammen zu sein, oder gar zu bleiben. Fall abgeschlossen, Tasche packen und weiter zum nächsten Abenteuer. Mein Vater hatte offensichtlich Recht, aber ich verliebter Idiot wollte ihm nicht glauben." Sam gab einen Laut von sich, der nach Verzweiflung, Wut und einem baldigen Tränenausbruch klang.

Dean hatte sich schon bei den ersten Worten umgedreht und Sams Anschuldigungen bisher schweigend angehört. Doch langsam wurde es ihm zu viel, er verschränkte die Arme vor der Brust und zog seine Stirn in Falten, bevor er sagte: „Du solltest dich mal reden...."

„Ja, ja, ich weiß. Ich höre mich wie ein Jammerlappen an, aber das ist mir jetzt einfach egal. Denn eines will ich dir noch sagen. Du hättest wenigstens den Mut aufbringen können, um mir ins Gesicht zu sagen, dass du eigentlich kein Interesse an mir hast. Selbst wenn du mich angelogen hättest und irgendeinen fadenscheinigen Grund vorgeschoben hättest, wieso du gehst. Stattdessen wolltest du einfach still und heimlich verschwinden. Erbärmlich ist das und..."

Sam blieben weitere Worte im Hals stecken, denn plötzlich wurden seine Hände nach vorne gezogen und gleich darauf rasteten Handschellen um seine Handgelenke ein, woraufhin Dean erklärte: „Sam Hensen, du bist hiermit verhaftet. Du hast das Recht zu schweigen. Du hast aber auch das Recht, mir mit deinem Geplapper auch weiterhin auf die Nerven zu gehen, denn irgendwie steh ich drauf. Du hast das Recht mich offiziell deinen Freund zu nennen und du hast das Recht, mich zu küssen wann und wo immer du willst. Solltest du diese Rechte nicht in Anspruch nehmen wollen, werde ich davon Gebrauch machen. Hast du diese, deine Rechte verstanden, und... und willst du sie?" 

Den letzen Satz sagte Dean nun doch verunsichert und so war auch der Blick, mit dem er Sam anschaute, dessen erschrockener Gesichtsausdruck sich verwandelte, indem er die Stirn in Falten legte.

‚Das ist gar nicht gut', dachte Dean. ‚Vielleicht hätte ich doch nicht gleich so rüde....

Zu weiteren Gedanken kam er nicht, denn Sam hatte ihm plötzlich seine Arme um den Hals gelegt. Dean spürte das Metall in seinem Nacken als Sam ihn näher zog und dann trafen ihre Lippen aufeinander. Dean schlang die Arme um den Rücken seines Freundes und drückte ihn fest an sich. Der Kuss war heftig und so intensiv, dass beide weiche Knie bekamen, während sie sich stöhnend aneinander pressten. Und als sie sich lufthungrig voneinander lösten, keuchten beide erregt. Ein weiterer Kuss folgte und noch ein paar, bis sie endlich voneinander abließen.

„Es tut mir Leid was ich dir da alles an den Kopf geworfen habe. Aber als ich rein gekommen bin und gesehen habe, dass du deine Tasche packst, da... wieso hast du sie eigentlich gepackt?", wollte Sam, nun doch wieder misstrauisch geworden, wissen.

Dean verdrehte die Augen. „Ob du es glaubst oder nicht, ich wollte in den Waschsalon. Vorher hätte ich dich aber abgeholt, um mit dir zusammen Frühstücken zu gehen. Ich verhungere nämlich", ergänzte er und prompt knurrte auch sein Magen.

„Sorry", murmelte Sam beschämt und senkte den Blick.

Dean zog Sam wieder an sich und schaute ihm fest in die Augen. „Du musst dich nicht immer entschuldigen, denn du wirst es nicht einfach mit mir haben. Aber ich verspreche alles zu tun, dass es dir gut geht und du glücklich bist."

Bei diesen Worten fing Sams Herz vor Freude schneller zu schlagen an. „Ich weiß", sagte er dann nur.

„Ich weiß? Mehr nicht? Kein Vortrag? Analyse? Gegenargument? Keine Diskussionen bis zum St. Nimmerleinstag? Schockierend!", bemerkte Dean lachend.

Nun war es Sam der die Augen verdrehte. „Ach halt die Klappe und mach mich von den Handschellen los."

Dean schüttelte grinsend den Kopf. „Nein."

„Wie nein? Das kannst du doch nicht machen?"

„Doch, kann ich. Ich bin der neue Sheriff in der Stadt und somit kann ich verhaften wen ich will."

Sam schaute Dean erst fassungslos an, dann grinste er und hielt Dean die gefesselten Hände hin. „Wenn du willst, dass ich mit dir Essen gehe, dann nimm sie jetzt ab. Kann aber gut sein, dass du sie später brauchst, falls ich mich entschließe, dein Nachtisch zu sein."

Deans Augen wurden riesig, dann fummelte er rasch die Schlüssel aus der Hosentasche und seine Hände zitterten sogar ein wenig, als er die Handschellen aufschloss. „Soo hungrig bin ich gar nicht. Vielleicht könnten wir gleich mit dem Nachtisch anfangen?", fragte er, nachdem er Sam befreit hatte, und wackelte mit den Augenbrauen.

Ende.