File 1: stories/1/694.txt
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Die Beiden ritten eine Zeit lang schweigend nebeneinander her, brachten den Hügel hinter sich und der angekündigte Baum kam in ihr Sichtfeld. Sie kamen der Abzweigung zum See immer näher und währenddessen hing jeder seinen Gedanken nach, die allerdings bei beiden in die gleiche Richtung verliefen. Hände, die gelben, weichen Schlamm auf nackte Körper verteilten. Zart streichelnd über glühende Haut strichen und die heilende Erde auf Stellen verteilten, die den jeweils anderen zum Stöhnen brachte.

Dean war der Erste, der sich von diesen Gedanken befreien konnte, weil er sie als völlig absurd abtat. Er streichelte niemanden. Niemals. Auch wenn Sam durchaus diesen Wunsch in ihm regte. Trotzdem. Schmerzlinderung hin oder her, sich gegenseitig mit stinkendem, gelbem Matsch zu beschmieren war nicht unbedingt reizvoll. Ganz sicher nicht, redete er sich entschlossen ein. Nichtsdestotrotz hatten ihn die Bilder, die in seinem Kopf entstanden waren, derart erregt, daß er sich ziemlich unbehaglich in seiner sehr eng gewordenen Hose fühlte und deswegen rutschte er unruhig im Sattel hin und her, in der Hoffnung eine angenehmere Position zu finden.

Sam ging es nicht anders, nur, daß er sich diese Form des Schlammbades sehr gut vorstellen konnte und auch nicht versuchte, sich das Gegenteil einzureden. Dennoch, sich Dean nackt zu präsentieren kam auf keinen Fall in Frage, denn das konnte nur  peinlich enden, so verräterisch, wie Sams bestimmter Körperteil schon alleine bei dem Gedanken reagierte.

„Die Salbe ist gut", sagte Dean plötzlich unvermittelt.

Sam nickte zustimmend. „Ja, stinkt nicht so nach Schwefel."

„Richtig", bestätigte Dean.

Sam setzte noch hinzu: „Täte vermutlich auch deiner Wunde nicht so gut."

„Genau", kam es einsilbig von Dean und ohne weitere Worte zu wechseln, ignorierten sie die Abzweigung zum See und blieben auf dem Weg zur Farm.

~*~

Als Dean wieder in seine kleine Wohnung zurückgekehrt war, führte ihn sein erster Weg in die Dusche. Alle seine Gedanken waren mit Sam ausgefüllt und so war es auch kein Wunder, daß ein imaginärer Sam die Dusche mit ihm teilte. Zu seinem Leidwesen manifestierte er sich aber nicht und so mußte Dean selbst Hand anlegen. Leidlich befriedigt und deswegen ziemlich frustriert, wusch er sich anschließend rasch, trocknete sich dann schnell ab, um wenig später in bequemer Kleidung den Laptop hoch zu fahren und sein Paßwort einzugeben. Dean hatte gleich in der ersten Nacht nach seiner Ankunft GPS Geräte an allen Autos, die es auf der Farm gab, angebracht, und die wollte er nun kontrollieren. Als die Daten auf dem Bildschirm erschienen, zog Dean nachdenklich die Augenbrauen zusammen.

~*~

Sam indessen lag auf seinem Bett und seufzte frustriert. Die Dusche war zwar erfrischend und in gewisser Weise auch befriedigend gewesen, weil er sich vorgestellt hatte, daß Dean sie mit ihm teilte, doch Fantasie und Wirklichkeit waren halt doch meilenweit voneinander fern. Lange würde er das nicht mehr aushalten. Entweder er fiel früher oder später über Dean her, oder er fand etwas, das ihn, zumindest zeitweilig, genügend ablenkte. Plötzlich fiel ihm ein was er tun konnte und so setzte er sich an seinen Laptop.

~*~

Dean stellte fest, daß der eine Wagen, der bewegt worden war, dem Vorarbeiter gehörte. Wen ließ Keith mit seinem Wagen fahren? Die beiden Männer, die zu Hause geblieben waren, durften nur samstags die Farm verlassen. Der Doc und seine Frau hatten jeder eigene Autos und Pete ebenfalls. Keith schied logischer Weise ebenfalls aus, daher beschloß Dean sich den genauer Wagen anzusehen, in der Hoffnung irgendwelche Spuren zu finden.

Laut GPS stand Keith' Wagen im Hof, jetzt mußte Dean nur noch aufpassen, daß er nicht von irgendjemanden erwischt wurde, während er sich an dem Auto zu schaffen machte. Er schaltete seinen Laptop aus und schlüpfte in seine Schuhe. Es war inzwischen die Nacht hereingebrochen und da die Hoflampe vermutlich nicht genug Licht spendete, um alles genau zu inspizieren, nahm er eine Taschenlampe aus seiner Reisetasche und machte sich auf den Weg.

Am Fuhrpark angekommen schaute er sich um, konnte aber niemanden entdecken. Er näherte sich Keith Wagen und hatte ihn schon fast erreicht, als der Vorarbeiter plötzlich auf der anderen Seite auftauchte.

‚Mist, was jetzt?', dachte Dean. Aber da er gewohnt war rasch umzudenken, ging er mit festen Schritten auf Keith zu und sagte: „Zu ihnen wollte ich, unter anderem."

„Was gibt's, Wilkins? Beschwerden wegen dem Heilbad?", entgegnete der Vorarbeiter, wobei Dean der sarkastische Unterton nicht entging. Doch er schüttelte den Kopf. „Wie könnte ich. Sie und Ihre.... Ureinwohnerin, haben sicher die besten Erfahrungen damit gemacht, sonst hätten Sie es doch sicher nicht empfohlen."

Dean hatte das Wort Ureinwohnerin besonders betont und Keith reagierte auch genauso wie er es erwartet hatte. Seine Gesichtszüge entgleisten und er schaute sein Gegenüber fassungslos an, bevor er auf ihn zuging und wütend entgegnete, wobei er die Unsicherheit in seiner Stimme nicht verbergen konnte: „Was... was sollen diese Unterstellungen? Ich... verbiete mir das. Und falls Sie mich erpressen wollen, werde ich...."

Dean hob beide Hände. „Hey, hey, kein Grund gleich auszuflippen. Niemand will Sie erpressen. Wieso auch? Und sonst, ich habe nur eins und eins zusammengezählt."

„Was soll das jetzt wieder heißen?", wollte Keith immer noch wütend wissen. Aber er war zumindest stehen geblieben und hatte seine bedrohliche Haltung vermindert. Nicht, daß Dean sich darüber Sorgen gemacht hätte. Er war schon mit ganz anderen Typen fertig geworden. Doch in diesem Fall konnte er keinen Ärger gebrauchen, zumindest jetzt noch nicht, daher entgegnete er grinsend: „Ganz einfach. Schöner See, nette Umgebung und ein Frauentyp wie Sie. Da kann man sich schwer vorstellen, daß die dort alleine hinfahren, reiten, wie auch immer. Wäre ja auch eine echte Verschwendung eines schönen Tages." Dean wackelte wissend mit den Augenbrauen und fügte noch hinzu: „Außerdem tragen sie einen indianischen Anhänger um den Hals, der sie als vergeben auszeichnet. Aber keine Sorge, Ihr Geheimnis ist bei mir sicher. Es geht mich nichts an und interessiert mich auch nicht wirklich. Daher ist das Thema gestorben. Einverstanden?" Dean hielt Keith die offene Hand hin und der schlug nach kurzem Zögern ein. Dieser Wilson war ihm zwar nicht geheuer, aber er glaubte ihm, dass er für sich behalten würde, was er wusste. Dazu sah ihn dieser Kerl viel zu offen an, um ihn zu belügen. Doch wie hatte er das nur alles hatte wissen können, beschäftigte den Vorarbeiter schon. Keith beschloss Wilson in Zukunft genauer zu beobachten. Aber vorerst war er beruhigt, dass das Thema vom Tisch war, denn noch durfte keiner von seiner Freundin wissen. Sie würde Schwierigkeiten bekommen und das musste Keith mit allen Mitteln verhindern. Deswegen ging auch er nicht weiter darauf ein und erwiderte: „Okay, also, was wollten Sie von mir?"

„Ich dachte, Ihr Wagen braucht sicher mal einen Ölwechsel und da ich morgen frei habe, wollte ich anbieten, einen zu machen. Hab ja sonst nichts zu tun. Außerdem wollte ich mich für den Tipp wegen des Sees damit revanchieren", fügte Dean erklärend hinzu. Er bemerkte jedoch, dass in Keith Gesicht sofort Misstrauen zu erkennen war, bevor der sagte: „Erstens, nicht nötig. Zweitens, wieso fahren Sie nicht wie die anderen an ihrem freien Tag in die Stadt?"

„Hab ich auch vor, aber meine Verabredung kann erst gegen Mittag. Also hab ich Zeit totzuschlagen und was gibt es besseres, als das mit Autos zu tun?", fragte Dean und grinste sein Gegenüber an.

Doch der traute ihm noch immer nicht und wollte wissen: „Ich dachte, Sie basteln an den Autos vom Boss herum, da hätten Sie doch genug zu tun."

„Stimmt. Aber da kann ich nicht weiter machen, weil mir jede Menge Teile fehlen. Wobei wir wieder bei meiner Verabredung für Morgen sind. Der einzige Schrotthändler in der Stadt, der Ersatzteile hat, ist erst ab 14 Uhr auf seinem Schrottplatz anzutreffen. Ich habe also den ganzen Vormittag Zeit und damit mir nicht langweilig wird, dachte ich, ich biete Ihnen an, ihren Wagen durchzusehen, weil er, und nicht gleich wieder sauer werden, echt erbarmungswürdig ausschaut. Offenbar wollen Sie das aber nicht, auch gut. Ist ja auch nicht mein Problem, wenn er ihnen unterwegs mal verreckt. Fahre ich halt schon früher in die Stadt und geh was essen. Dann wünsche ich mal eine gute Nacht."

Dean wandte sich zum Gehen, als er eine Hand auf seinen Arm spürte. Er unterdrückte ein Grinsen. Er hatte nichts anderes erwartet. Die meisten Leute waren so einfach zu manipulieren.

„Warten Sie", hörte er Keith auch schon sagen und er drehte sich zu dem Vorarbeiter um, der auch schon weiter sprach: „Sie haben recht, mein Wagen würde mehr Pflege vertragen. Ich hab es halt mehr mit Pferden als mit Autos", fügte er entschuldigend hinzu.

„Ich weiß, was Sie meinen, und bei mir ist es eher umgekehrt. Aber egal. Dann geben sie mir mal die Schlüssel und morgen Mittag schnurrt er wieder wie ein Kätzchen." Dean hielt die Hand auf und Keith schaute ihn kurz prüfend an, bevor er zur vorderen Stoßstange ging und dort den Autoschlüssel hervorholte. „Ich hab ihn früher immer verlegt, daher lege ich ihn jetzt immer da rein. Das bleibt aber unter uns", sagte er mahnend, bevor er den Schlüssel weiterreichte.

„Klar", erwiderte Dean und nickte. „Ich stelle ihn gleich mal in die Garage." Die beiden Männer nickten sich kurz zu und Keith machte sich auf den Weg zu seiner Behausung. Dean indessen öffnete das Tor zur Werkstatt, fuhr den Wagen hinein und schloß dann die große Türe wieder. Erst dann schaute er sich das Auto genauer an. „Es kann also jeder gefahren sein, der auf der Farm geblieben ist, weil der Trottel den Schlüssel in die Stoßstange legt und sich auch noch einbildet, es weiß keiner", brummte Dean Kopf schüttelnd. Er stellte fest, dass der Wagen in der Zeit, während sie die Pferde getrieben hatten, 40 Kilometer gefahren worden war, aber das brachte ihn nicht wirklich weiter. Also untersuchte er das Fahrzeug auf Spuren. Es war gereinigt worden, das erkannte Dean sofort. Doch er entdeckte etwas rote Erde auf der Fußmatte der Fahrerseite. Die Beifahrerseite war allerdings sauber. Dean schlussfolgerte daher, dass nur ein Mensch das Fahrzeug für diese Ausfahrt benutzt hatte. Außerdem bemerkte er ein kleines Stückchen Gummi. Aber auch nach näherer Betrachtung konnte Dean nicht zuordnen, wovon es stammte. Trotzdem steckte er das Gummistück ein. Selbst wenn es keine Bedeutung hatte, man konnte nie wissen.

Dann untersuchte er den Wagen weiter, doch er entdeckte nichts mehr, das relevant sein könnte. Daher beschloss er, mit dem Service anzufangen.

Während er an dem Wagen arbeitete, dachte er über Keith nach. Als er mit Aldin das Büro des Vorarbeiters gewesen war, hatte er verschiedene Entdeckungen gemacht. Vor allem die alten, wertvollen Bücher, die genau zu dem Thema paßten, weswegen Dean hier war. Ein guter Grund für Dean, den Vorarbeiter ganz genau unter die Lupe zu nehmen. Das war auch der Anlaß gewesen, beim Treiben mitzumachen. Er hatte Keith beobachten wollen. Doch der hatte weder telefoniert, noch hatte er die Gruppe verlassen. Selbst nachdem sie die Pferde in ihre neue Heimat gebracht hatten und sich anschließend zurück auf den Weg zur Farm gemacht hatten, war Keith nicht von der Strecke abgewichen, denn als Sam und er die Pferde in den Stall brachten, war Keith gerade dabei gewesen seine Stute trocken zu reiben. Der Vorarbeiter hatte nicht so viel Vorsprung gehabt, so daß er unmöglich vorher noch woanders hätte sein können.

„Entweder der Bursche ist extrem gerissen, oder er hat nichts mit alldem zu tun. Na mal sehen, was sein Handschuhfach hergibt", murmelte Dean weiter vor sich hin. Doch auch nachdem er das ganze Auto durchsucht hatte, war er nicht viel schlauer.

Denn außer der Erde und dem kleinen Gummistück war Dean nicht mehr fündig geworden. Nach dieser Erkenntnis beschloß er, jetzt gleich das Service zu machen. Bei dieser Arbeit konnte er immer am Besten nachdenken und außerdem hoffte er, daß es ihn von seinen Gedanken an Sam ablenken würde. Dieser hinterhältige Kerl schlich sich neuerdings andauernd in seinen Kopf und lächeln war dabei das Harmlostete, was er tat. „Gott, ich muß dich aus meinem Kopf kriegen und das hurtig. Denn wenn ich nicht bald Erfolge aufweisen kann, bricht mir dieser lächerliche Auftrag noch das Genick und mein guter Ruf in der Branche ist dahin. Das kann ich wirklich nicht gebrauchen und peinlich ist es auch. Vor allem, weil es ein wirklich Kinderspiel sein sollte, im Vergleich womit ich es sonst zu tun habe. Also los jetzt, Dean, tu was getan werden muß. So schwer kann das nicht sein. Denk nach, was hast du? Die Bücher sind vermutlich eine Sackgasse, also abhaken. Er hat so niedliche Wangengrübchen wen er lacht. Gott, da steh ich drauf. Mir ist das früher bei niemanden aufgefallen, wobei es sicher Männer gibt die... verdammt!" Wütend auf sich selbst, schmiss Dean den Schraubenschlüssel ungehalten in die Ecke. Dann atmete er tief durch, beschloss sich ein Bier zu holen, den Wagen fertig zu machen und sich dann in seine Wohnung zu verziehen, um in Ruhe und vor allem konzentriert nachzudenken.