File 1: stories/1/734.txt
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„Mr. Hensen?",  hörte Sam eine jugendliche Stimme rufen. Daraufhin stellte er den Karton ab, den er gerade in Händen gehalten hatte, und lief die Treppe hinauf. In der Lobby standen fünf Jugendliche und Sam runzelte die Stirn. Noch bevor er etwas sagen konnte, sprach ihn einer schon an.

„Der Marshall schickt uns. Sie haben Arbeit für uns, hat er gesagt. Ich bin übrigens Jim, die neben mir sind Tarek, Garry, Tom und Jerry."

„Keine Witze über Katzen und Mäuse bitte", sagte derjenige, der als Jerry vorgestellt worden war.

„Äh... was? Ach so. Verstehe. Nein, keine Sorge. Also der Marshall. Okay. Gut. Aber um gleich mal klar zu stellen, viel kann ich euch nicht zahlen."

„Kein Thema. Hat der Hüter des Gesetzes schon übernommen. Für die nächsten fünf Stunden gehören wir ganz ihnen. Arbeitsmäßig meine ich."

„Oh gut. Also dann holt mal bitte die leeren Kartons aus dem Keller. Sie müssen rauf in den ersten Stock. Kommt einfach mit. Ich zeige euch was zu tun ist." Sam ging voraus, die Jungs folgten und bald darauf begann sich das zukünftige Ankleidezimmer zu leeren.

Während vier der Jugendlichen die Bücher mit den Kartons füllten und in die Lobby brachten, half Jerry Sam Regale aus dem Keller zu tragen. Er wollte sie in der Lobby aufstellen und mit den Büchern füllen, von denen er dachte, dass sie es wert waren, aufgehoben zu werden. Während sie arbeiteten, dachte Sam über Deans Aktion nach.

‚Ich habe ihn angemotzt und meine Launen an ihm ausgelassen. Trotzdem hat Dean Hilfe organisiert und sie auch noch bezahlt. Dieser Mann ist einfach unglaublich‘, dachte Sam und sein schlechtes Gewissen wuchs noch um ein Stück.

„Wie hält er es nur mit mir aus?", murmelte Sam leise vor sich hin, worauf Jerry fragte: „Was haben Sie gesagt, Mr. Hensen?"

Sam, aus seinen Gedanken gerissen, schaute den Jungen an. Dann lächelte er freundlich. „Nenn mich Sam. Komm, lass uns die nächsten Regale holen."

Nach zwei Stunden war das Zimmer ausgeräumt und sogar ein Teil der Regale mit Büchern gefüllt.

 „Pause", rief Sam daher und ging zum Kühlschrank, holte ein paar Dosen Cola heraus und reichte sie an die Jungs weiter.

„Wenn wir fertig sind, lade ich euch noch zu einer Pizza ein, wenn ihr wollt", bot Sam an.

„Hey, cool", entgegnete Tom und die anderen nickten.

„Wir haben nachmittags fast immer Zeit und am Wochenende können wir auch helfen", bot nun Jerry an, woraufhin die anderen wieder zustimmend nickten.

Sam überlegte gar nicht erst lange, und nahm das Angebot sofort an. Ein Stundenlohn wurde ausgehandelt und beschlossen, dass sie gleich am nächsten Nachmittag wieder kommen würden.

„Jetzt aber wieder los, Jungs. Sonst reißt uns der Marshall den Hintern auf", befahl Tom, der ganz offensichtlich der Anführer war.

Sam musste lächeln. Dean hatte ihnen offenbar ganz schön Dampf gemacht und sie hatten bisher auch wirklich fleißig gearbeitet. ‚Ich liebe ihn so sehr, dass ich es gar nicht in Worte fassen kann. Und das nicht nur, weil er immer genau weiß, wie er mich unterstützen kann', dachte Sam verträumt, während er sich Deans Gesicht vorstellte, wenn er lächelte und seine Augen blitzten.

„Boss? Hey, Mr. Hensen", sprach ihn Jerry plötzlich an und riss Sam so aus seinen Träumen. Er fühlte sich ertappt und leichte Hitze schoss ihm in die Wangen, bevor er sich dem Jungen zuwandte.

„Machen wir weiter?", wollte der Junge wissen.

~*~

Sie hatten die nächsten zwei Stunden viel geschafft und die Jungs hatten ihre Pizzen verdrückt. Jetzt war Sam wieder alleine und schaute auf die Uhr. Nur noch eine Stunde, dann würde Deans Arbeitszeit zu Ende sein. Sam spürte, wie sein Magen nervös revoltierte. „Dean hat mir die Jungs geschickt. Das hätte er nicht gemacht, wenn er nichts mehr mit mir zu tun haben wollte", redete er sich selbst gut zu und beschloss, sich bei Dean nicht nur ordentlich zu entschuldigen, sondern ihn auch anderweitig zu verwöhnen.

Rasch lief er nach oben ins Badezimmer, drehte den Heizkörper auf und richtete Badetücher her. Dann begab er sich ins Wohnzimmer. Dort stand noch die alte Couch des Vorbesitzers. Sie war optisch ziemlich hinüber, aber die Federung war noch in einem akzeptablen Zustand. Zudem konnte man sie zu einem Bett ausziehen. Das tat Sam dann auch gleich, holte anschließend Bettwäsche und richtete alles für eine schöne Nacht her, bevor er noch den Kamin mit Holz befüllte. Anzünden würde er es erst, wenn er und Dean zurückkamen. Es fehlte gerade noch, wenn das Haus abfackeln würde, nur weil es einen Funkenflug gab. Falls Dean bereit war mit ihm mitzukommen, würde er ihn so richtig verwöhnen. Sam hoffte sehr, dass es soweit kam. Ein weiterer Blick auf die Uhr ließ ihn erkennen, dass er sich beeilen musste, wenn er noch Essen besorgen und Dean anschließend von der Polizeistation abholen wollte.

~*~

Dean saß hinter seinem Schreibtisch und dachte an sein Treffen mit der Bürgermeisterin. Sie mochte ihn nicht, das hatte Dean sofort bemerkt, aber das beruhte auf Gegenseitigkeit. Dean fand, sie war ein böser, selbstsüchtiger Drache und er irrte sich so gut wie nie in seiner Einschätzung. „Mit ihr werde ich noch viel Spaß haben", brummte er vor sich hin und ein böses Lächeln umspielte plötzlich seine Lippen.