File 1: stories/1/736.txt
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Ein paar Tage später war Dean auf den Weg ins Sheriffgebäude. Es schneite an diesem Tag ziemlich heftig. Überall in der Stadt war Weihnachtsdekoration angebracht und Dean war bereits über zwei Weihnachtsmänner gestolpert, deren Ho, Ho, Ho ihm immer noch in den Ohren gellte. Genervt von der Weihnachtsmusik, die aus allen Geschäften drang, rannte er fast fluchtartig in das Vorzimmer zu seinem Büro, blieb wie angewurzelt stehen und keuchte entsetzt. „Was... zur Hölle...?"

„Cool, nicht? Ich habe nur eine Stunde gebraucht, bis ich alles fertig hatte", erklärte ihm Sally, seine Bürokraft, und schaute ihn beifallheischend an, während der Hilfssheriff dümmlich grinste.

Dean grummelte nur etwas Unverständliches und verschwand in seinem Büro. Eine Sekunde später brüllte er: „SALLYY!!"

Die Sekretärin zuckte erschrocken zusammen und schaute Hilfe suchend zu Owen Kimbly. Der zuckte nur mit den Schultern.

„Was hat er denn?", wollte sie dennoch wissen, doch Kimbly zuckte nur erneut mit den Schultern. Seufzend stand Sally auf und schlurfte in Deans Büro. „Ja, Chef?"

Der sah sie äußerst wütend an, woraufhin sie stotterte: „ Ähm... Sheriff, ... uhm... Marshall?"

„Sie haben genau eine halbe Stunde Zeit, um diesen kitschigen Krempel zu entfernen. Haben wir uns verstanden?", knurrte er sie an, und seine Augen  blitzten zornig.

„Aber Boss, ich mache schon seit Jahren die Weihnachtsdeko und der frühere Sheriff..."

„Eine halbe Stunde", wurde sie von Dean unterbrochen. Dann stürmte er auch schon wieder aus dem Gebäude. Inzwischen war der Schneefall noch heftiger geworden und Dean schlug grummelnd den Kragen hoch. Er hatte eine Stunde Zeit, bis er wieder bei der Bürgermeisterin vorstellig werden mußte, und er fragte sich, was diese Fregatte schon wieder von ihm wollte.

 „Egal womit sie mir diesmal wieder auf die Nerven gehen will. Sie kann mir ohnehin nichts und überhaupt. Wozu warten. Ich habe jetzt Zeit, also auf in den Kampf."

Er wechselte die Richtung und stapfte auf das Rathaus zu.

~*~

Sam stand in ihrem neuen, begehbaren Schrank und lächelte zufrieden. Der Tischler hatte hervorragende Arbeit geleistet und Sam beschloss, in den nächsten Tagen schon mal einiges von seinen Sachen von der Farm zu holen und in seinem neuen Heim einzuräumen. Deans Sachen passten in seine Reisetasche und Sam nahm sich vor, seinen Freund zu mehr Kleidung zu überreden.

 ‚Oder ich verstecke sie', dachte er und stellte sich Dean vor, wie er nackt in diesem Ankleideraum stand und nach Kleidungstücken suchte. Vor Sams geistigem Auge zog Dean die unterste Schublade auf und musste sich dabei tief hinunterbücken.

„Wir sind soweit fertig, Mr. Hensen", wurde Sam plötzlich aus seinen höchst erotischen Gedanken gerissen. Dementsprechend erschrocken zuckte er zusammen, bevor er gewahr wurde, wer ihn angesprochen hatte. Hitze schoss ihm in die Wangen. Langsam drehte er sich zu dem Tischler um und räusperte sich, bevor er antwortete: „Der Schrank ist großartig geworden. Besser als ich es mir vorgestellt habe", lobte er.

„Freut mich, dass Sie zufrieden sind. Wenn Sie jetzt noch das Schlafzimmer begutachten würden? Bett und die diverse Verbauten sind nach Ihren Wünschen fertig gestellt. Zwei Blenden fehlen noch, aber die bringe ich dann mit, wenn ich die Matratze liefere. Müsste Ende der Woche der Fall sein", berichtete der Tischler, während er erklärend auf die verschiedenen Holzteile zeigte.

„Erst Ende nächster Woche", sinnierte Sam laut, dann wandte er sich wieder dem Tischler zu. „Ich hoffe es klappt bis dahin. Wir wollten an Weihnachten eigentlich schon eingezogen sein."

„Wahrscheinlich kommt sie schon in den nächsten Tagen. Aber ich will keine Versprechungen machen, die ich dann womöglich nicht einhalten kann, daher nenne ich lieber einen späteren Termin. Die Matratze ist ja wegen der Größe eine Sonderanfertigung. Aber ich arbeite schon Jahre mit der Firma zusammen und bisher gab es noch nie Lieferschwierigkeiten. Ich melde mich sofort, wenn sie da ist", versprach der Handwerker und Sam bedankte sich freundlich.

Mit einem Handschlag verabschiedeten sie sich. Dann war Sam alleine. Er beschloss, hinunter in die Redaktion zu gehen, um die Artikel zu überarbeiten, die er für seine erste Ausgabe geschrieben hatte.

Als er den Raum erreichte, in der die Druckermaschine stand, schaute sein technischer Leiter Joe Cluster auf. „Es läuft alles wie am Schnürchen. Morgen können wir einen Probedruck machen, wenn du willst", bot er an und Sam konnte die Begeisterung in den Augen des Mannes sehen.

„Klasse, Joe. Das hast du wunderbar hinbekommen", lobte Sam und er fühlte selbst aufgeregte Freude in sich aufsteigen.

„Ich gehe noch mal über den Text, den wir für die Erstausgabe verwenden. Dann können wir morgen die ersten Blätter drucken und wenn alles klappt, brauchen wir nur noch die aktuellen Tagesnachrichten anhängen."