File 1: stories/1/737.txt
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„Nun, Sheriff Wilson, wie Sie vielleicht nicht..."

„Bundesmarshall, Bürgermeisterin. Sie haben das unfassbare Glück, dass ein Bundesmarshall über die Stadt wacht", unterbrach Dean die Frau, die ihm gegenüber saß, charmantest lächelnd. Er konnte erkennen, dass sie sich sehr beherrschen musste, damit sie nicht explodierte, und das verstärkte sein Lächeln noch ein wenig.

„Wie auch immer", sagte sie unwirsch. „Jedenfalls nehme ich an, Sie sind noch nicht über alle Gepflogenheiten informiert, die in meiner Stadt üblich sind. Daher möchte ich Ihnen mitteilen, dass Sie dieses Jahr persönlich dafür verantwortlich sind, während der Feiertage für die Sicherheit der Bevölkerung zu sorgen. Es war schon immer so, dass das neueste Mitglied die Feiertagsdienste übernimmt und dabei wollen wir es auch belassen, Bundesmarshall", erklärte sie nun betont freundlich.

„Selbstverständlich mache ich das. Ist doch mein Job. War das alles? Oder haben Sie sonst noch etwas auf dem Herzen?", gab Dean zur Antwort und brachte die Bürgermeisterin damit offenbar total aus den Konzept. Anscheinend hatte sie Gegenwehr erwartet. Doch Dean lächelte sie nach wie vor an und schien nicht im Geringsten verärgert darüber, dass er die ganzen Feiertage Dienst schieben musste.

Der Bürgermeisterin entgleisten kurzzeitig die Gesichtszüge, doch dann riß sie sich zusammen und schüttelte den Kopf. „Das wäre alles. Wir sehen und bei der Parade", fügte sie noch hinzu. Damit tat sie unterschwellig kund, dass sie Dean kontrollieren würde. Gleich darauf verabschiedete sie ihn. Dean stand daher auf, nickte ihr noch kurz zu und verließ dann das Büro.

‚Dachte diese Schnepfe vielleicht, dass sie mich mit ihrem absurden Befehl treffen kann? Falsch gedacht. Wenn der alte Uhu wüsste, dass sie mir damit einen Gefallen getan hat, würde sie sich selbst in den Hintern beißen‘, dachte er und grinste vergnügt vor sich hin.

Deans Laune war beträchtlich gestiegen und daher ignorierte er auch großzügig den Weihnachtsmann vor einem Schuhgeschäft, der mit seiner Glocke bimmelte und „Ho, Ho, Ho" in sein Ohr brüllte. Doch bevor er sein Büro erreichte, fiel ihm Sam ein und er seufzte. „Er wird nicht gerade glücklich sein, wenn ich bei dem ganzen Firlefanz nicht dabei bin. Aber ich hoffe, er versteht das. Es ist schließlich mein Job. Zudem hat er auch keine Zeit. Schließlich muss er seine Zeitung herausbringen. Passt also schon", sagte sich Dean und beschloss, das Thema demnächst mit seinem Freund zu besprechen.

~*~

Dean parkte den Wagen vor dem Farmhaus und stieg aus. Sam war offensichtlich schon da, denn er stand vor dem Hauseingang.

„Was ist mit all den Kartons, Sammy?", fragte Dean seinen Freund. Doch bevor der antworten konnte, wurde er erst einmal zu einem innigen Kuss herangezogen. Ein zufriedenes Seufzen entwich beiden, als sie den Kuss abbrachen und sich in die Augen schauten. Was sie dort sahen, sagte alles über ihre Zuneigung zueinander aus.

Plötzlich hörten sie ein leises Kichern. „Das ist Sams Aussteuer. Mom hat für jeden von uns die Erstausstattung besorgt. Da kommen wir nicht Drumherum. Und ja, ich steh schon lange genug hier, um euer Geknutsche mitgekriegt zu haben", erklärte Tessa breit grinsend. Sie stellte schnell einen kleineren Karton zu den großen am Eingang des Hauses und lief dann rasch wieder hinein, um ihrem Bruder zu entkommen, der jetzt genervt seufzte. Doch dann verlangte Dean seine Aufmerksamkeit.

„Wow, dann bist du jetzt eine gute Partie. Da muss ich aufpassen, damit du mir nicht weggeschnappt wirst", witzelte Dean grinsend, bevor er Sam wieder an sich zog. „Aber rechne nicht damit, dass ich dir einen Antrag mache", flüsterte er.

„Darüber reden wir noch", gab Sam frech grinsend zurück, bevor er Dean zu einem weiteren Kuss an sich zog.

Das beeinträchtigte zu Deans Glück sein Denken, denn wenn Sam ihn auf diese Weise küßte, war sein Hirn so gut wie nicht mehr vorhanden.

Auch nachdem sie den Kuss abgebrochen hatten kam er nicht dazu, über Sams Worte nachzudenken, denn sein Magenknurren holte die Beiden wieder in die Realität zurück und Sam lachte: „Komm, wir füttern dich erstmal, bevor wir die Kartons einräumen."

„Ist da wirklich Haushaltskram drin?", wollte Dean wissen, während er neben Sam das Haus betrat.

„Ja, und ich weiß, dass ich deinen Spott ertragen muss, aber bitte halte dich in Gegenwart meiner Mutter zurück. Glaube mir, du würdest es bereuen", erklärte Sam noch schnell, bevor sie die Küche betraten.

Dean wurde einer Antwort enthoben, da die Familie Hensen schon um den Tisch saß und offensichtlich auf sie Zwei wartete.

„Wurde auch Zeit, Jungs. Das Fleisch wird nicht zarter, wenn es stundenlang gebraten wird", meckerte Sams Mutter, die den Küchendienst heute übernommen hatte. Sam und Dean setzten sich rasch.

‚Hoffentlich kann Dean seinen vorlauten Schnabel halten', dachte Sam und schaute zu seinem Freund neben sich, um ihm einen warnenden Blick zuzuwerfen.

Dean grinste ihn offen an, wackelte mit den Augenbrauen und wandte sich dann Mrs. Hensen zu. Doch noch bevor er etwas sagen konnte, beugte sich Sam zu ihm und flüsterte ihm ins Ohr. „Wenn du jetzt ein falsches Wort sagst, schläfst du auf der Couch. Und das mindestens eine Woche!"

„Vertrau mir, Sammy", flüsterte Dean, noch immer grinsend, zurück. Dann wandte er sich erneut an Mrs. Hensen.

Sam wusste, er konnte Dean ohnehin nicht abhalten und was immer jetzt auch kam, es würde in einem Desaster enden. ‚Vertrauen? Das ist ein bisschen viel verlangt. Vater hat ohnehin schon ein Problem mit Dean und jede Wette, gleich schafft er es, dass auch Mom für alle Zeiten auf ihn sauer ist. Diese und alle zukünftigen Weihnachten mit der Familie kann ich vergessen. Dabei habe ich mir das so schön vorgestellt', dachte Sam und unterdrückte ein schweres Seufzen.

„Da Anna ja heute frei hat und es einfach wunderbar duftet... was hast du heute Herrliches in die Töpfe gezaubert?", fragte Dean und schaute Sams Mutter mit großen, fragenden Augen an, während er sie charmant anlächelte.