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Nachdem sie das Diner verlassen hatten, klärte Dean seinen Freund darüber auf, dass er zu den Feiertagen Dienst schieben würde.

„Willst du mir damit sagen, dass du Weihnachten nicht mit mir verbringen wirst?", wollte Sam erzürnt wissen.

„Von nicht wollen kann keine Rede sein, Sammy. Ich muss halt arbeiten. Das ist so in meinem Job und ich kann das nicht ändern", versuchte Dean zu erklären und verschwieg dabei natürlich, dass er deswegen gar nicht böse war.

Sam war sauer. Mehr als das, und er lachte sarkastisch auf. „Ja klar. Du bist der Boss von deinem Laden und musst die ganzen Feiertage anwesend sein? Für wie dämlich hältst du mich eigentlich?"

Dean seufzte genervt. „Schau mal, Sam, es ist doch nicht meine Schuld. Die Bürgermeisterin hat es angeordnet und sie ist nun mal das Oberhaupt der Stadt. Da kann ich nichts machen."

„Kannst nicht oder willst nicht? Soll ich dir sagen, wie ich das sehe? Du magst Weihnachten nicht und da passt es dir perfekt in den Kram, dass du die Feiertage nicht mit mir und meiner Familie verbringen musst." Sam verschränkte die Arme vor der Brust und schaute Dean wütend an.

„Wie kommst du nur auf so einen Unsinn?", wehrte Dean ab, doch insgeheim dachte er: ‚Treffer. Verdammt er hat mich durchschaut. Ich frag mich bloß, wie?‘

„Unsinn? Dann erkläre mir mal, wieso du Sally zur Schnecke gemacht hast, weil sie dein Büro weihnachtlich dekoriert hat? Kläre mich auf, warum du kein Wort dazu sagst, wenn Tessa oder Mom über das Weihnachtsfest reden. Und ich erinnere mich gut an deine Aussage, man kauft einfach ein paar Sachen und gut ist. In Summe sagt mir das, Weihnachten geht dir am Arsch vorbei und es interessiert dich einen Dreck, ob ich gerne mit dir feiern würde."

„Komm schon, Babe, so ist das nicht", versuchte es Dean erneut und wollte Sam in den Arm nehmen, doch der schob ihn von sich und zischte: „Nenn mich nicht Babe und versuch erst gar nicht, mich zu beschwichtigen. Außerdem habe ich keine Lust dieses Thema auf der Straße zu erörtern. Wobei, offenbar hast du dich ohnehin entschieden. Also gibt es nichts mehr zu reden. Ich muss zurück in die Redaktion."

Ohne sich weiter um Dean zu kümmern, eilte Sam davon.

„Zicke", murmelte Dean hinterher und war nun seinerseits sauer. Er schaute sich vorsichtig um und konnte zu seinem Glück feststellen, dass kaum Leute auf der Strasse waren. Das lag vermutlich an dem starken Schneetreiben und Dean war diesmal froh darüber. Es kam einfach nicht gut, wenn sich der Marshall mit seinem Freund auf offener Straße stritt. Mit sich, der Welt, und vor allem dem gerade vorhergegangenem unerfreulichen Streit mit Sam höchst unzufrieden, lief Dean durch die Straßen. Er hatte keine Lust in sein Büro zurückzukehren, wo die überfröhliche Sally ohne Unterlass Jingle Bells vor sich hinplärrte. Abgesehen davon, in der Stimmung, in der er gerade war, würde er ihr den Kopf abreißen. Wie kam sie dazu, Sam zu erzählen, dass er den Weihnachtskram nicht mochte?

„Blöd ist er wirklich nicht", murmelte Dean vor sich her. „Andererseits, in einen Idioten hätte ich mich auch nie verlieben können. Klar zählt es auch, dass er einfach fantastisch aussieht. Aber das reicht auf Dauer nicht und Dauer will ich mit ihm haben. Das steht für mich fest. Okay, er sieht das im Moment wahrscheinlich anders. Aber er wird sich schon wieder einkriegen", redete sich Dean selbst gut zu. Auch wenn er ein mulmiges Gefühl hatte, hoffte er doch, dass sie ihre Unstimmigkeiten schnell bereinigen würden.

Dean kam an einer Auslage vorbei, blieb plötzlich stehen und starrte hinein, bevor er breit zu grinsen anfing.

~*~

Zornig knallte Sam den Papierstapel auf den Tisch. „Offenbar merkt er nicht einmal, wie wichtig mir das Fest ist. Oder es ist ihm schlichtweg egal. Er will das nicht und ich hab mich damit abzufinden. Aber so einfach mach ich es ihm nicht. Wenn er keine Zeit für mich hat, habe ich keine mehr für ihn. Ganz einfach."

Sam beschloss, erstmal an seinen Artikeln weiterzuarbeiten und am Abend noch einmal mit Dean ein ernstes Wort zu wechseln.

~*~

Auch an diesem Abend war es Dean, der als erstes auf der Farm ankam. Wie sonst auch wartete er vor der Eingangstür auf Sam, der eine viertel Stunde danach eintraf.

„Hey, Babe", begrüßte er seinen Freund, als der auf ihn zukam. Doch als er Sam küssen wollte, ließ er das nicht zu.

„Noch immer sauer auf mich?", stellte Dean die eher rhetorische Frage, denn das war ja offensichtlich.

„Was hast du erwartet? Ein Kuss und alles ist wieder gut?", gab Sam patzig zur Antwort.

„Na, das mit dem Kuss hat sich ja erledigt. Mensch, Sam. Jetzt hab dich nicht so. Du tust so, als müsstest du alleine Weihnachten feiern, dabei hast du doch deine Familie. Irgendwann werde mich auch kurz freimachen können. Okay?"

Sam schmollte jedoch immer noch und schaute Dean mit einem Dackelblick an. Dean seufzte. „Was hältst du davon, wenn wir uns gemeinsam die Geschenke für deine Leute ausdenken. So haben wir etwas, das wir zusammen für die Familie tun können."