File 1: stories/1/745.txt
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„Dean, wir müssen los", sagte Sam, der im Schlafzimmer stand. Er steckte gerade sein Handy ein und drehte sich um, als Dean aus dem Ankleidezimmer kam.

Und dann stockte ihm der Atem, als Dean so vor ihm stand. In einen eleganten Smoking gekleidet, schneeweißem Hemd und schwarzer Fliege sah er einfach umwerfend aus.

„Wow", keuchte Sam und leckte sich unbewusst über die Lippen.

Dean lächelte geschmeichelt. Natürlich wusste er, dass er gut aussah, doch seinen Sammy so fassungslos zu sehen, weckte ein besonderes Glücksgefühl in ihm. „Du siehst auch fantastisch aus", sagte er und schaute seinen Freund bewundernd an. Dessen Wangen färbten sich und er lächelte verlegen, aber auch freudig, bevor er Dean einen raschen Kuss gab. „Wir sollten jetzt aber wirklich losfahren."

„Ja, leider, aber bei deiner Familie nicht aufzutauchen, ist ein großes Risiko", erkannte Dean seufzend und schlüpfte in seinen Mantel.

Sam lachte leise und zog ebenfalls seinen Mantel über. „Du hast Angst von meiner Mutter."

Dean nickte und grinste. „Ich werde mich hüten, es mir mit ihr zu verderben. Bevor ich das tue, lege ich mich lieber mit jeder gefürchteten Triade an."

„Ich verstehe was du meinst", gab Sam lachend zurück, dann steckte er die Kuverts ein, in denen die Zettel mit den Geschenkideen waren.

~*~

Eine halbe Stunde später betraten sie Sams Elternhaus, hingen ihre Mäntel an die Garderobe und gingen dann ins Wohnzimmer, wo die restliche Familie schon versammelt war. Auch Sams größere Schwester Kate mit ihrem Mann und ihrem Töchterchen waren schon anwesend und Sam begrüßte einen nach dem anderen.

Dean war bei der Tür stehen geblieben und schaute zu, wie liebevoll diese Menschen miteinander umgingen. Er fühlte sich völlig fehl am Platz und wäre am liebsten einfach verschwunden. Aber er wusste natürlich, dass er das nicht tun konnte. So blieb er einfach stehen, in der Hoffnung den Abend einfach irgendwie zu überstehen. Doch plötzlich stand Sophia vor ihm, zog ihn in ihre Arme und wünschte ihm frohe Weihnachten. Tessa tat es ihr gleich und Kate ebenfalls. Ihr Mann Jasper klopfte ihm freundlich auf die Schulter und sogar Aldin hatte sich dem Kreis der Menschen angeschlossen, der sich um Dean gebildet hatte. Dean wusste vor Verlegenheit weder was er sagen, noch was er tun sollte. Sein Herz klopfte vor Aufregung und auch vor Freude. Sams Familie war das, was er sich insgeheim immer gewünscht hatte und das sich dieser Wunsch nun erfüllt hatte, überwältigte ihn beinahe.

„Ich freue mich, dass du jetzt zu unserer Familie gehörst. Wir alle freuen uns darüber", sagte Sophia auf einmal, lächelte ihn warmherzig an und schob ihn dann auf seinen Platz neben Sam. Der griff nach Deans Hand und drückte sie, während er ihn mit strahlenden Augen anschaute. Das war zu viel für Dean. Er löste seine Hand von Sams, stand auf und räusperte sich.

„Bin gleich zurück", murmelte er und lief nach draußen. Die kalte Luft half ihm sich etwas zu beruhigen und er atmete tief durch. Es waren zu viele Emotionen auf einmal über ihn hereingebrochen und er wusste einfach nicht, wie er damit umgehen sollte.

Doch dann war Sam plötzlich da. Er sagte kein Wort, schlang einfach nur seine Arme um Dean und drückte ihn fest an sich. So standen sie ein paar Minuten, bis Dean sich umdrehte, seinen Sammy sanft küsste und dann erklärte: „Ich verhungere, und wenn ich nicht sofort etwas zwischen die Zähne kriege, muss ich dich anknabbern."

„Sonst gerne, aber heute besser nicht", entgegnete Sam lachend, nahm Deans Hand und zog ihn mit sich zurück ins Wohnzimmer.

„Da sind ja unsere Schmusekatzen. Ich dachte schon, ihr kommt gar nicht mehr", maulte Tessa und trug sich damit einen mahnenden Blick ihres Vaters ein, der dazu auch noch sagte: „So etwas sagt man nicht, Kind."

„Genau", stimmte Dean zu und grinste. „Wir sind keine Katzen."

Die ganze Runde lachte daraufhin und nachdem sich Dean und Sam an den Tisch gesetzt hatten, begaben sich Kate, Tessa und Sophia in die Küche, um die Speisen zu holen.

Inzwischen hatte sich Dean soweit gefangen, dass er seine Umgebung endlich richtig wahrnehmen konnte. In der Ecke vor der Terrasse stand ein wunderschön geschmückter Weihnachtsbaum. Auch sonst war der Raum liebevoll dekoriert und Kerzen sendeten ihr warmes Licht aus. Man spürte auch förmlich die Harmonie und das liebevolle Miteinander, das in diesem Haus herrschte. Da war Jasper, der seine kleine Tochter im Arm hielt und sie zärtlich hin und her wiegte. Sam sprach mit seinem Vater und Tessa stellte gerade den Brotkorb auf den Tisch.

‚Sams Familie und so wie es aussieht, jetzt auch meine. Okay, Papa Aldin wird mich wohl nie adoptieren, aber damit kann ich leben‘, dachte Dean und bemühte sich, ein Dauergrinsen zu unterdrücken. Aber es war so ein schönes Gefühl und die Wärme die er ständig in sich fühlte, war einfach so überwältigend, dass er sich zumindest ein Dauerlächeln erlaubte.

~*~

Wie erwartet, war das Essen hervorragend und besonders Dean sparte nicht mit Lob. Doch als Sophia erneut nachlegen wollte, hob er abwehrend die Hände. „Nein danke, sonst muss dir Sam morgen die Schlagzeile widmen, die lauten würde: „Sheriff von Ärztin zu Tode gefüttert."

Damit brachte Dean alle zum Lachen, bis auf Kates kleine Tochter. Sie schaute Dean schon eine Weile mit großen Augen an. Natürlich hatte er es bemerkt und so lächelte er sie an. „Sorry, kleine Lady, aber deine Flirtversuche sind sinnlos. Ich bin schon vergeben, an den zweitattraktivsten Mann hier. Wie du mit Kennerblick erkannt hast, sehe ich natürlich am Besten aus. Aber mal abgesehen davon, mache ich dir einen Vorschlag. Wir können zumindest gute Freunde werden. Was sagst du dazu?"

Die Kleine brabbelte irgendetwas und Dean nickte dazu. „Okay, dann haben wir einen Deal", antwortete er lächelnd, nahm ihr kleines Händchen in seine große Pranke und hauchte einen Kuss darauf. Sie gluckste fröhlich, was Dean als Zustimmung wertete und als sie ihn dann auch noch mit ihren großen Augen anstrahlte, dachte er:  ‚Dieser kleine Wicht macht mich ganz schön fertig und das ist großartig.‘

Es war völlig still im Raum geworden, da alle auf Dean und die Kleine achteten. Da Sam wußte, dass seinem Freund das nicht angenehm sein würde, sobald er es bemerkte, sagte er an seine Mutter gewandt: „Gibt es auch dieses Jahr noch deinen berühmten Grog?"

Sie nickte zustimmend. „Nach wie vor Tradition. Ebenso darf heute jemand ein Päckchen öffnen. Also hoffe ich, ihr habt alle eine gute Geschichte zu erzählen."

„Ich bin raus", erklärte Aldin sofort und Jasper schloß sich nickend an. Dean schaute Sam fragend an und der seufzte, bevor er erklärte: „Du musst wissen, diese Sache fing mit einem Film an. Der absolute Lieblingsfilm meiner Mutter ist einer, den du bestimmt nicht kennst. Er heißt Notthing Hill. Jedenfalls, da sitzen Familie und Freunde beim Essen zusammen und es geht darum, wer den letzten Cookie bekommen soll, der noch übrig ist. Kurz und gut, es wird beschlossen, dass derjenige ihn kriegt, der das traurigste Leben von allen in dieser Runde hat."

„Jupp, die beste Szene in dem ganzen Film", warf Dean grinsend ein.

„Du kennst ihn?", fragte Sam verwundert und fing leise zu lachen an.

Deans Grinsen jedoch war inzwischen verschwunden. Er zuckte mit den Schultern und er entgegnete: „Ich habe viel Zeit in Hotelzimmern verbracht. Da kann man nicht viel anderes tun als vor dem Fernseher zu hocken."

Als Sam das hörte, verging ihm das Lachen und ihm wurde bewusst, wie einsam Dean gelebt haben musste. „Sorry, Darling", flüsterte er und küßte seinen Freund kurz auf den Mund. Und das vor der ganzen Familie, wie Dean freudig registrierte.

Tessa verdrehte daraufhin die Augen. „Hört auf rumzuknutschen, ich erhebe Anspruch auf mein erstes Geschenk und will endlich meine Geschichte erzählen."

Sam lächelte verlegen und seine Wangen hatten einen rosa Schimmer angenommen, wie Dean sofort bemerkte. Um von Sams Verlegenheit abzulenken, sagte er daher: „Wenn ich das richtig verstehe, dann spielt ihr diese Tischszene nach?"

„Genau. Und es muss mit Weihnachten zu tun haben. Und ich bin jetzt dran", verlangte Tessa bestimmt, woraufhin alle lachten, da sie wussten, wie gierig sie darauf war, schon einen Tag zuvor ihr erstes Geschenk zu bekommen. Daher ließen sie sie gewähren und anschließend erzählte jeder nach und nach seine mehr oder weniger dramatische Geschichte, die auch dementsprechend von der Familie kommentiert wurde.

Am Schluss kam Sam an die Reihe. „Ich muss ein bißchen weiter ausholen, da Dean ja nicht weiß, dass ich letztes Jahr die Weihnachtstage im Krankenhaus verbringen mußte."

Entsetzt schaute der ihn an. „Hölle, was ist passiert, Babe?"

Sam seufzte theatralisch. „Ich war jung und brauchte das Geld."

Als auf Grund dieser Aussage alle lachten, war Deans Gesicht ein einziges Fragezeichen. Sam fing sich wieder und erzählte weiter: „Okay, hier also meine Geschichte. An der Uni wurden für eine Studie Probanten gesucht. Man musste sechs Wochen lang mit speziellen Trainern verschiedene sportliche Aktivitäten absolvieren und sie versprachen gutes Geld, also meldete ich mich. Im November ging es los und umfasste alle möglichen Sportarten. Laufen, Radfahren, Schwimmen, Gymnastische Übungen und so weiter. Ich bin ein recht sportlicher Typ, ist also kein Problem, dachte ich. Trotzdem hatte ich immer wieder blaue Flecken und an manchen Tagen spürte ich jeden Muskel. Frag mich nicht warum, denn sie forderten nichts wirklich so Anstrengendes, um das zu rechtfertigen. Wie auch immer. Zwei Tage vor Weihnachten hatten wir das übliche Training in der Halle und als ich wieder aufwachte, lag ich im Krankenhaus. Bein gebrochen. Schulter ausgekugelt und Blessuren am ganzen Körper. Man sagte mir, ich sei von der Kletterwand abgestürzt, kurz bevor ich ganz oben war. Das Sicherungsseil ist gerissen. Ich war also nicht nur schwer verletzt, sondern mußte auch die ganzen Feiertage im Krankenhaus verbringen. Einsam und verlassen, lag ich da, ohne Familie oder Freunde, da auch noch so viel Schnee gefallen war, dass mich niemand besuchen konnte", schloß Sam seine Erzählung ab,  machte ein tot trauriges Gesicht dabei und seufzte schwer.

„Armer Sammy, du hast viel durchleiden müssen", stellte Dean fest und strich seinen Freund tröstend über den Arm, während er ihn mitleidig anschaute. Doch dann grinste er plötzlich teuflisch. „Trotzdem Pech gehabt, denn ich bin der, der das erste Geschenk heute aufmachen wird. Also wetten, dass ich deine Story toppen kann?"