File 1: stories/1/725.txt
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Gerade als Dean die Tür zum Sheriffbüro aufschloß, kam Tom Parks hektisch auf ihn zu. „Gut, dass sie da sind, Sheriff", sprach er Dean aufgeregt an. „Gut, dass sie endlich da sind", erklärte er noch ein Mal und seufzte erleichtert. „Ich brauche dringend ihre Hilfe. Irgend so ein Gauner hat mein Fahrrad gestohlen. Finden sie diesen Verbrecher und sperren sie ihn für den Rest seines erbärmlichen Lebens ein. Ich brauche mein Rad. Wie soll ich sonst..."

„Nicht aufregen, Tom. Das schadet Ihnen nur", unterbrach Dean den alten Mann und klopfte ihm beruhigend auf die Schulter, während er ein Schmunzeln unterdrückte, weil er daran denken mußte, wie sehr sich sein Leben verändert hatte. Bis vor kurzem hatte er noch Mafiabosse, Terroristen und andere Schwerverbrecher gejagt, und Dinge gemacht, die er nun so gut es ging verdrängte.

Jetzt machte er sich auf die Suche nach einem Fahrraddieb. Und für Dean stand fest, dass er niemals wieder mit seinem alten Leben tauschen wollte, oder würde. Er hatte, dank Sam, eine Chance bekommen, ein neues Leben zu führen. Und er würde es nicht vergeigen. Aus diesem Grund weigerte er sich auch, die von Doc Aldin Hensen vorgeschlagene Therapie zu machen. Er hatte nichts aufzuarbeiten und auch Sam würde er nie erzählen, was er alles hinter sich hatte. Die Vergangenheit war abgeschlossen. Ende und Aus.

„Was ist jetzt, Sheriff. Kommen Sie endlich in die Hufe. Ich will mein Fahrrad wiederhaben." Toms ungehaltene Stimme holte Dean aus seinen Gedanken und er schaute den Mann etwas konfus an. Doch dann riß er sich zusammen, sperrte die Tür wieder zu und widmete seine Aufmerksamkeit wieder Tom Parks. „Okay. Dann erzählen sie mal, wo haben Sie ihr Rad abgestellt, bevor es verschwunden ist?"

~*~

Sams Unterredung mit Joe war sehr gut verlaufen und er hatte somit seinen ersten Angestellten. Deswegen war er auch dementsprechend enthusiastisch, als er das Diner betrat, in dem er sich mit Dean treffen würde.

Sam schaute sich um und bemerkte, dass der kleine Ecktisch, an dem er gerne saß, an diesem Tag frei war. „Heute ist definitiv mein Glückstag", stellte er erfreut fest und beeilte sich, den Platz zu erreichen, bevor ihm doch noch jemand zuvor kam. Natürlich war das nicht der Fall. Mit seinen langen Beinen war er ohnehin nach drei Schritten dort. Kaum hatte er sich gesetzt, kam auch schon Dean herein, lächelte, als er Sam entdeckte, und setzte sich ihm gegenüber.

Die Bedienung kam sofort zu ihnen und begrüßte sie freundlich, bevor sie die Bestellung aufnahm. Nachdem sie gegangen war, hatte Sam wieder die ganze Aufmerksamkeit Deans. „Es ist also alles nach Plan gelaufen", stellte er grinsend fest.

Sam runzelte erst die Stirn, dann lächelte er. „Du durchschaust mich immer. Und ja, Joe ist an Bord. Jetzt brauche ich nur noch einen Lehrling, alles andere mache ich vorläufig selbst. Wenn die Auflagen natürlich ins Unermessliche steigen, muss ich noch Leute einstellen", feixte er und lachte.

„Dann such schon mal, oder noch besser: Gib eine Annonce auf. Ich kenne da einen Redakteur, der macht dir einen Sonderpreis", erklärte Dean und zwinkerte Sam zu.

Dessen Lächeln wurde breiter und seine Augen strahlten. „Das wäre klasse, wenn du das regeln könntest. Ich revanchiere mich auch dafür", bot er an und zog seine Unterlippe zwischen seine Zähne.

„Wie denn?", wollte Dean natürlich mit einem breiten Grinsen wissen.

Sam beugte sich zu Dean hinüber und flüsterte: „Ich werde dich erst füttern und dann... so einige andere Dinge mit dir machen, die du so gerne magst."

„Das ist Folter, was du da mit mir machst, Sammy. Jetzt werde ich den ganzen restlichen Tag an nichts anderes denken können", krächzte Dean daraufhin und seine Stimme klang so verzweifelt, dass Sam lachen mußte. „Wie war dein Tag? Böse Buben gefangen in unserer verbrecherverseuchten Stadt", fragte er daher, um Dean abzulenken.

Dean nickte zustimmend und setze einen wichtigen Gesichtsausdruck auf. „Jupp. Heute waren all meine detektivischen Fähigkeiten gefragt. Du kennst sicher den alten Tom Parks. Er stand heute schon ganz früh aufgeregt vor meinem Büro, um den Diebstahl seines Drahtesels anzuzeigen. Jedenfalls, um es kurz zu machen: Es stellte sich heraus, dass er gestern einen Drink zu viel hatte. Er hatte schlicht vergessen, dass er in zwei Bars war und seinen Pedalengaul vor der ersten Bar abgestellt hatte und dann zu Fuß weiter zur nächsten ist. Fall gelöst. Kein Papierkram."

Nun grinste er und da auch gerade die Bedienung kam, um ihnen ihr Essen hinzustellen, widmete sich Dean sofort seinem Teller, während Sam gedankenverloren vor sich hinstarrte und überlegte. ‚Vielleicht hat Vater doch recht, denn wie kann Dean auf Dauer so ein langweiliges Leben aushalten? Seine einzige Herausforderung ist es, ein falsch abgestelltes Fahrrad zu finden. Bestimmt wird ihm sein altes Leben bald fehlen. Das Abenteuer. Der Kick. Das Adrenalin. Und wenn es soweit ist und er gehen will, werde ich ihn nicht aufhalten. Denn auch wenn es mir das Herz zerreißt, alles was ich will ist, daß er glücklich ist. ‘

„Hey, Sam, alles okay?", riss Deans besorgte Stimme ihn aus seinen Gedanken. Sofort wandte Sam seinen Blick wieder dem Marshall zu und Sam gelang es sogar zu lächeln. „Ich war nur in Gedanken. Wegen des Umbaus unserer Wohnung", log er gekonnt.

Dean lächelte zurück und drückte kurz Sams Hand. „Kriegen wir schon hin. Ich habe ja Zeit, immer wieder mal den Handwerkern auf die Finger zu gucken."

‚Ja, du hast Zeit. Viel zu viel Zeit. Aber ich werde mir jetzt keine Sorgen machen was kommen wird, sondern die Zeit einfach nützen, die wir zusammen haben‘, dachte Sam entschlossen und griff nach seiner Gabel.