File 1: stories/1/728.txt
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Sam und Dean hatten noch gemeinsam gefrühstückt, dann war Sam wieder losgefahren. Er hatte noch viel für seine Zeitung zu tun, da sein erstes Blatt in drei Wochen erscheinen sollte.

Dean hatte heute einen freien Tag und den wollte er nutzen, um an den Autos des Docs weiter zu arbeiten. Zuvor wollte er aber noch zu Anna. Vielelicht hatte sie ein Stück Kuchen für ihn. Man arbeitete schließlich wesentlich leichter mit etwas Süßem im Magen. 

Er überquerte gerade den Hof, als er eine schrille, hysterisch klingende Stimme rufen hörte. „Keinen Schritt weiter, oder ich schieße!"

Dean stoppte seinen Schritt sofort und griff automatisch nach hinten zu seinem Hosenbund zu seiner Waffe. Er entsicherte sie und schlich leise weiter. Die Stimme war von dem Gebäude gekommen, wo die Patienten des Docs, derzeit alles ehemalige Soldaten, untergebracht waren. Dean lugte um die Ecke des Haupthauses und sah einen jungen Mann, der die Waffe auf drei andere Leute richtete. Der Marshall überlegte kurz, dann steckte er die Waffe zurück in den Hosenbund und ging mit festem Schritt auf die Gruppe zu.

 „Was ist hier los?", rief er scharf und alle Blicke richteten sich auf ihn. Dean bemerkte, dass sein Auftritt auch den Mann mit der Pistole irritierte und ablenkte, daher brüllte er im Befehlston weiter: „Ich bin hier der ranghöchste Offizier, also nehmt gefälligst Haltung an und Meldung machen!"

Sofort standen die Männer stramm und einer von ihnen erklärte. „Gefreiter Barnes will sich erschießen, Sir. Wir wollten ihn davon abhalten, Sir."

„Gut. Wegtreten und bei Mr. Pering melden, und zwar ihr drei. Im Laufschritt!!", befahl Dean weiter scharf und die Männer gehorchten sofort. Darüber war Dean sehr erleichtert, denn so waren sie zumindest aus der Gefahrenzone. Er hatte aber auch damit gerechnet, dass sie parieren würden. Diese Männer waren noch nicht lange hier und daher noch gewohnt, Befehle sofort auszuführen. Barnes jedoch war von Dean derart aus dem Konzept gebracht worden, dass er fassungslos zwischen den verschwindenden Männern und Dean hin und her schaute. Diese Unsicherheit nützte Dean und fuhr Barnes an, während er näher trat. „Voller Name, Rang und Einheit Soldat!"

Obwohl einer der Ex-Soldaten, den Dean weggeschickt hatte, einen Teil dieser Informationen bereits kundgetan hatte, ratterte der darauf gedrillte Mann automatisch herunter, was Dean forderte. Der hoffte inzwischen nahe genug an Barnes heran zu kommen, um ihn zu entwaffnen. Doch so leicht wie erwünscht, ließ sich der Soldat nicht übertölpeln. Er erkannte Deans Vorhaben richtete die Waffe auf ihn und rief mit zittriger Stimme. „Keinen Schritt weiter, ich... ich schieße sonst."

Dean blieb sofort stehen und hielt seine Hände mit den Handflächen offen nach oben, um zu signalisieren, dass er unbewaffnet war und keinen Angriff plante. Er erkannte sogleich, dass der Mann völlig überfordert und dadurch auch besonders gefährlich war, deshalb änderte er seine Taktik und entgegnete ruhig. „Wieso willst du mich erschießen? Ich hab dir weder etwas getan, noch kennst du mich überhaupt."

~*~

Nachdem die Ex-Soldaten dem Verwalter Pering Bericht erstattet hatten, war dieser zu Aldin Hensen geeilt, um ihn zu verständigen. Nun rannte der Doc höchst besorgt aus dem Haus, auf das Patientengebäude zu, in der Hoffnung, das Schlimmste verhindern zu können. Als er Barnes brüllen hörte, verlangsamte er seine Schritte und stoppte sie, als er die Hausecke erreichte, um die er vorsichtig schaute, damit er sich ein Bild von der Lage machen konnte. Was, oder vielmehr wen er da außer Barnes sah, steigerte seine Sorge noch um einiges. Denn ausgerechnet Wilson stand dem offenbar psychisch schwer gestörten Ex-Soldaten gegenüber. ‚Das kann nur in einem Desaster enden', dache Aldin höchst beunruhigt und während er überlegte, wie er am besten eingreifen konnte, schrie Barnes Dean auch schon an.

„Ich will nicht Sie erschießen. Ich will...Lassen Sie mich in RUHE! GEHEN SIE WEG! Ich will doch nur, dass es vorbei ist", brüllte Barnes plötzlich völlig außer sich.

„Schon gut, ich hab's ja kapiert. Du willst dich erschießen. Kein Grund so rumzubrüllen. Ich bin ja nicht taub. Aber wie auch immer. Dann kann ich ja deine Kippen haben", entgegnete Dean ruhig, woraufhin Barnes ihn perplex anschaute.

„Was?"

„Na, deine Zigaretten, die da aus deiner Brusttasche gucken. Du brauchst sie ja nicht mehr und ich will sie, bevor sie voller Blut oder Gehirnmasse sind. Beides verdirbt nämlich den Geschmack, musst du wissen. Bei Blut schmecken sie nach Kupfer. Das ist noch schlimmer als diese Mentholzigaretten, kann ich dir sagen, und Hirn mag ich nur mit Ei. Wobei Menschenhirn..." Dean zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung, wird auch nicht anders schmecken als vom Tier. Aber wie schon gesagt...."

„Bist du völlig irre?", unterbrach ihn Barnes fassungslos, woraufhin Dean die Stirn runzelte und entgegnete: „Ich? Du bist doch der, der sich erschießen will. Also krieg ich nun die Kippen? Unter Kameraden ist das üblich. Müsstest du doch wissen, und in der Hölle hast du bestimmt Rauchverbot. Die sind ja streng da unten."

„Hölle. Ich werde in die Hölle kommen", kam es leise und geschockt von Barnes, so als ob ihm erst jetzt diese Tatsache bewußt werden würde.

„Jupp, ist so. Selbstmörder fahren ohne Zwischenstopp eine Etage tiefer. Weißt du ja sicher noch von der Sonntagsschule", bestätigte Dean ungerührt.