File 1: stories/1/729.txt
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Aldin indessen stöhnte verzweifelt auf. ‚Ich wusste zwar, dass Wilson psychisch einiges aufzuarbeiten hat, aber dass er andere bewusst in den Tot treibt, hätte ich nie vermutet. Ich muss einschreiten, sobald ich auch nur die geringste Chance sehe. Aber jetzt geht es noch nicht. Nicht solange Barnes die Waffe noch direkt auf Wilson richtet. Ich würde auch Sam verlieren, wenn ich riskiere, dass Dean erschossen wird, und solange sie reden, habe ich noch Zeit mir eine Strategie zu überlegen, dachte Aldin, während er die Beiden aufmerksam weiter beobachtete.

Barnes dachte offensichtlich über Deans Worte von der Hölle nach, bevor er resigniert antwortete: „Ich komme ohnehin in die Hölle, weil ich im Krieg Menschen umgebracht habe."

„Wir haben Befehle befolgt", hielt Dean dagegen.

Barnes nickte, erwiderte jedoch: „Trotzdem war es meine Entscheidung Soldat zu werden und damit auch alles, was damit zusammen hängt zu akzeptieren."

‚Blöd ist er nicht, aber Hauptsache er redet lange genug, sodass ich ihm die Pistole abnehmen kann‘, dachte Dean und überlegte kurz, bevor er antwortete. „Stimmt. Aber du warst wie alt? 20 als du dem Verein beigetreten bist?"

„18."

„18 also. Dann würdest du noch unter die Ausnahmeregelung fallen. Aber du bringst dich ja um. Also wird das nichts", erklärte Dean und zuckte mit den Schultern.

Aldin griff sich an den Kopf und dachte. ‚Was soll das den jetzt wieder? Wieso erinnert er ihn erneut daran, dass er sich erschießen will? ‘

„Ausnahmeregelung? Was redest du denn für einen Blödsinn. So etwas gibt es doch gar nicht. Du willst mich nur davon abhalten, zu schießen", entgegnete Barnes, doch Dean konnte Unsicherheit in dessen Stimme erkennen und so schüttelte er den Kopf.

„Stimmt nicht. Ich wollte nur die Kippen. Dann sind wir irgendwie ins Quatschen gekommen. Aber jetzt sollten wir wirklich zu einem Ende kommen. Ich hab zu tun, du hast zu tun. Ich muss weiter an meiner Ausnahmeregelung arbeiten. Du willst endlich in die Hölle. Also zum letzten Mal, was ist jetzt? Krieg ich die verdammten Glimmstengeln?"

Barnes lachte plötzlich und griff in seine Brusttasche, nahm die Zigaretten heraus, behielt sie aber in der Hand. „Du bist ziemlich verrückt."

Dean grinste und zuckte mit den Schultern. Dann deutete er auf die Zigarettenpackung. „Und du ein verdammter Geizkragen."

„Ich gebe sie dir, wenn du mir sagst, was es mit dieser Ausnahmeregelung auf sich hat."

‚Hab dich‘, dachte Dean und bemühte sich um einen ernsten Gesichtsausdruck.

‚Unfaßbar, aber er hat ihn‘, dachte Aldin im selben Augenblick. ‚Es wird offenbar höchste Zeit, dass ich auf Sams Gefühl vertraue und auch Dean mehr Zugeständnisse mache', überlegte der Doc beschämt und beschloss, weiterhin im Hintergrund zu bleiben. Denn so wie es aussah, hatte Dean die Situation ganz gut im Griff und Aldin konnte immer noch eingreifen, wenn es doch noch zu einer Eskalation kommen sollte.


Inzwischen verdrehte Dean die Augen. „Okay, was tut man nicht alles für die Sucht. Also, pass auf. Es gibt drei einfache Regeln. Erkenntnis, Wiedergutmachung, Lebensrecht. Erkennen ist auf jeden Fall der wichtigste Punkt. Denn wer nicht erkennt, kann ja auch nichts ändern. Logisch. Also fragt man sich da erstmal, was ist falsch gelaufen? Was kann oder will ich ändern? Das wusste man zuvor ja nicht, besonders wenn man jung ist, daher ist es auch logisch, dass man Fehler gemacht hat und auch immer wieder mal macht. Na wie auch immer. Sobald man das erkannt hat, kann man Wiedergutmachung leisten. Klar soweit?", wollte Dean wissen und Barnes nickte nach einigem Zögern.

„Okay, dann zum letzten Punkt. Lebensrecht. Du hast das Recht so zu leben wie du willst und dabei auch noch glücklich zu sein. Und glaub mir, das zu erkennen, ist das Schwerste. Aber du bist ein kluges Bürschchen, wie ich bemerkt habe, also kriegst du das hin. So, jetzt gibst du mir deine Waffe, damit du dir das aufschreiben und auswendig lernen kannst." 

Dean war Barnes inzwischen so nahe gekommen, dass er ihm kurzerhand die Waffe wegnehmen konnte und sie auch gleich sicherte. Dann klopfte er dem jungen Mann auf die Schulter und lächelte ihn an. „Die Kippen wirfst du am Besten auch gleich weg. Wäre echt blöd, wenn du frühzeitig an Lungenkrebs krepierst, jetzt, nachdem du beschlossen hast zu leben."

„Aber... aber ich... hab doch gar nicht beschlo..."

„Doch, hast du. Und jetzt komm mit. Der Doc steht sich deinetwegen schon die Beine in den Bauch." Dean zerrte den perplexern Barnes einfach hinter sich her bis zu der Ecke, wo Aldin stand.

„Ihr Patient, Doc. Bringen sie ihn auf Vordermann und wen er nicht mehr völlig durchgeknallt ist, hab ich einen Job für ihn. Falls er will."

An Barnes gewand sagte er dann noch. „Du hast Glück, hier gelandet zu sein. Der Doc hat's echt drauf. Also hör auf ihn." Dann drehte er sich um und ging langsam auf das Haupthaus zu.

„Dean? Gut gemacht!", rief Aldin im hinterher und er meinte es nicht nur so, es war ihm auch ein echtes Bedürfnis das zu sagen.

Dean verstand und wusste auch, dass es ehrlich gemeint war, denn Aldin hatte ihn per Vornamen angesprochen und das fühlte sich für Dean derart gut an, dass er nicht antworten konnte. Daher hob er ohne etwas zu erwidern die Hand zum Gruß, bevor er im Haupthaus verschwand. Hoffentlich hatte Anna noch Kuchen. Nach all dem rührseligen Gequatsche hatte er tierischen Hunger.