File 1: stories/1/730.txt
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Dean hatte den restlichen Tag an dem alten Wagen gearbeitet und war zu seiner Freunde sehr gut voran gekommen. Gegen seine Befürchtungen hatte Aldin ihn nicht aufgesucht. Er wusste, dass er auch beim Abendessen kein Gespräch mit dem Doc über die Ereignisse des Vormittags führen musste. Sams Mutter, Sophie, würde das nicht dulden. Daher ging Dean nach einer ausgiebigen Dusche sehr entspannt rüber ins Haupthaus. Sam würde bald eintreffen, wie er ihm per SMS mitgeteilt hatte, und so würde es recht bald etwas zu essen geben. Inzwischen hatte es angefangen leicht zu regnen. Dean stand am Fenster in der Küche und hielt nach Sam Ausschau, als Sophie seufzend bemerkte: „Was für ein mieses Wetter."

„Ich finde schön, was ich da draussen sehe", entgegnete Dean leicht abwesend, während er lächelnd beobachtete, wie Sam aus dem Wagen stieg.

Sophie, verwundert über die über diese Aussage, schaute in Deans Richtung. Sie bemerkte das Lächeln in seinem Gesicht und wusste, dass es immer nur erschien, wenn er Sam sah. Auch wusste sie, was er jetzt gleich machen würde: Seine Bierflasche abstellen und Sam entgegengehen. Das tat er immer, wenn er vor ihrem Sohn im Haus war. Und so auch dieses Mal. Die Flasche landete unbeachtet auf dem Küchentresen und Dean ging ohne ein Wort zu sagen hinaus.

„Er hat mit Sam wohl wieder was Wichtiges zu bereden", bemerkte Anna grinsend.

Sophie lächelte ebenfalls, während sie weiter den Tisch deckte. „Reden würde ich das nicht gerade nennen. Lippenbekenntnisse. Ja, unter diesem Namen können wir das durchgehen lassen."

Beide Frauen lachten daraufhin laut auf und als gerade in diesem Augenblick Aldin die Wohnküche betrat, hob er fragend die Augenbrauen.

„Nichts wichtiges, Schatz, nur über was Frauen so tratschen und zu lachen haben", wiegelte sie ab und er nahm es weiterhin wortlos zur Kenntnis. Sein Kopf war ohnehin mit Barnes beschäftigt. Daher hatte er vor, nur rasch etwas zu essen und sich dann wieder an die Arbeit zu begeben.

~*~

Dean hatte Sam inzwischen an der Haustüre erwartet. Das war inzwischen schon fast so etwas wie ein Ritual geworden, das Dean eingeführt hatte, um Sam küssen zu können, bevor sie sich an den Familientisch setzten. Auch wenn er kein Problem damit hatte, seinen Freund vor dessen Familie zu küssen, so wußte er, dass Sam das ein bisschen peinlich war. Aus diesem Grund tat Dean es daher auch nicht. Außerdem, in ein paar Wochen würden sie ohnehin in ihrer eigenen Wohnung leben und dann konnte er über Sam herfallen, wann immer er mochte. Dieser Gedanke ließ Dean schmunzeln und auf Sams fragenden Blick sagte er ihm auch gleich, was er dachte.

Sam verdrehte die Augen und wurde auch ein bißchen Rot um die Nase, doch sein Grinsen verriet, dass  ihm der Gedanke durchaus gefiel.

„Wenn ihr dann endlich die Finger voneinander lassen würdet, könnten wir essen, solange die Speisen noch warm sind", ertönte Sophies Stimme plötzlich aus der Küche und daraufhin wurde Sams Gesicht so richtig rot. Dennoch nahm er Dean an der Hand und zog ihn hinter sich her, bis sie am Esstisch anlangten. „Hey, Mom, Dad. Was gibt es heute wieder Gutes, Anna?", begrüßte er die Menschen, die bereits warteten.

„Etwas Gesundes und anschließend noch etwas Süßes, aber nur, wenn der Gemüseauflauf aufgegessen wird", fügte die Köchin sich an Dean wendend streng hinzu. Der zog gespielt ängstlich die Schultern ein, machte aber ein schmollendes Gesicht, was alle anderen zum Lachen brachte.

Während des Essens wollten Sams Eltern wissen, wie es mit dem Aufbau der Redaktion lief und er berichtete, dass in den nächsten Tagen die restlichen Lieferungen ankommen müßten. „Wenn alles so funktioniert, wie ich es geplant habe, wird die erste Ausgabe des Tagesboten zu Weihnachten erscheinen. Ein oder zwei Hilfskräfte brauche ich allerdings noch und zwei Zeitungsjungs wären auch nicht schlecht."

„Kannst ja eine Anzeige im Tagesboten aufgeben", witzelte Dean und Sam verdrehte die Augen und konterte schmunzelnd: „Sehr lustig. Dafür, dass du so frech bist, wirst du dazu verurteilt, die Weihnachtsfeiertage mit Zeitungen austragen zu verbringen.

„Kein Problem. Ich hab's ohnehin nicht so mit Weihnachten", gab Dean grinsend zurück, doch in seinen Augen war kein Schalk zu erkennen.

Alle schwiegen, betroffen von Deans Aussage. Keiner wußte recht, was er darauf sagen sollte, und fragen, wieso er dieses Fest nicht mochte, wollte auch niemand. Alle, selbst Sam, stellten fest, dass sie im Grunde nichts über Dean wußten und auch nichts erfahren würden, solange er das nicht wollte. Und so aßen alle schweigend weiter.

Dean hingegen dachte an das bevorstehende Fest. Natürlich wusste er, dass Sam nur Spass gemacht hatte. Er würde ihn nie als Zeitungsjungen auf die Straße schicken. Aber Dean würde es dennoch tun. Das war auf jeden Fall um einiges besser, als dieser unnötige Weihnachtskram.