File 1: stories/1/761.txt
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„Genug gespielt, Kinder, und jetzt schön brav die Waffen auf den Boden legen. Langsam, wenn ich bitten darf", erklang plötzlich Enders Stimme, der mit zwei Pistolen auf die vier jungen Männer zielte, die Clements offenbar gegen Dean und Bill hatten schützen wollen. Als die Männer jedoch nicht reagierten, wandte sich Mark an Clemens und erklärte warnend: „Sag's ihnen besser, Silvester, sonst erlaube ich meinem persönlichen Höllenhund, dir die Kehle rauszureißen. Und du weißt, er kann das!"

Der Angesprochene röchelte etwas Unverständliches und ruderte verzweifelt mit den Armen. Bill verdrehte genervt die Augen. „Vielleicht solltest du ihm die Kehle erst zerquetschen, wenn er seine Jungs hier zurückgerufen hat, Dean, sonst erschießen uns diese manipulierten Idioten noch."

Das sah Dean ein, lockerte seinen Griff jedoch nur minimal, bevor er entgegnete: „Um eines klarzustellen, Sammy ist kein Idiot."

„Ach ja, Verliebte. Keinen klaren Blick für gar nichts", warf Mark spottend ein. „Wie blöd kann man sein?", brüllte er Dean plötzlich an. „Er ist jetzt nicht mehr dein süßes Schnuckiputzi, sondern ein programmierter Killer. Krieg das, verdammt noch mal, in deinen verliebten, hirnamputierten Schädel. Und jetzt lass Clemens endlich soviel Luft, dass er wenigstens reden kann! Und dir, Silvester, rate ich, ja nichts Falsches zu sagen", wies er den Agenten warnend an.

Der bekam endlich wieder Luft, nachdem Dean seine Finger vom Hals genommen hatte. Allerdings hatte er Clemens weiterhin gut im Griff. Der wußte, dass es in dem Augenblick besser war, zu tun was Enders verlangte. Aber erstmal musste er gequält husteten. Als er endlich antworten wollte, kam eine Frage von Sam.

„Wie lauten Ihre Befehle, Mr. Smith?", wollte er wissen. Er ignorierte alle anderen Leute im Zelt und war offenbar nur auf seinen Kommandanten fixiert.

Clemens schluckte zuerst, um seine Kehle wenigstens ein bisschen anzufeuchten, bevor er krächzend verlangte: „Legt sofort die Waffen nieder, Männer." Gleich darauf versagte ihm die Stimme erneut.

Die Männer gehorchten sofort, nur Sam zögerte und überlegte. Er war hier, um einen Auftrag auszuführen. Nur der war wichtig. Smith war zweitrangig. Andererseits war er sein Kommandant und zudem würden ihn diese Leute sicher erschießen, was zu Folge hatte, dass er den Auftrag logischer Weise nicht mehr würde ausführen können, wenn er tot war.

„SOFORT", kam der erneute Befehl von Clemens und Sam gehorchte nun doch, während Clemens erneut verkrampft hustete, nach Luft rang und Dean anklagend anschaute.

„Erwarte bloß kein Mitleid, du Mistkerl, und sei froh, dass Mark und Bill anwesend sind, sonst hätte ich dir schon längst den Kehlkopf zerquetscht, " erklärte Dean gefühllos und zerrte Clemens auf die Beine. Er packte ihn an den Schultern, drehte ihn um und ehe sich Clemens versah, waren seine Hände auch schon mit Handschellen auf dem Rücken gefesselt. Kaum war das geschehen, legte Dean ihm seinen rechten Unterarm locker um den Hals und umfaßte mit der anderen Hand einen der gefesselten Arme. Dann drehte er Clemens so, dass er direkt zu Bill, Mark und den Schläfern schauen konnte. „So, jetzt sag das Codewort, damit dieser verdammte Spuk endlich vorbei und Sammy wieder frei ist", verlangte Dean und spannte ganz kurz seinen Unterarm an, um Clemens zu verdeutlichen, dass Dean jederzeit zudrücken würde, sollten seine Forderungen nicht erfüllt werden.

„Das kann ich nicht", würgte Clements hervor und Dean drückte erbarmungslos zu.

„Was hast du gesagt? Ich habe dich nicht richtig verstanden", behauptete Dean mit gefährlich sanfter Stimme und lockerte seinen Griff ein klein wenig.

„Ruf deinen verfluchten Höllenhund zurück, Enders", rief Clemens rasch, da er nicht wusste, wie lange Dean ihm Luft gewährte.

„Hey, ich bin nicht sein..."

„Halt die Klappe, Dean", wurde er von Enders scharf unterbrochen, dann wandte er sich Silvester Clemens zu und erwiderte grinsend: „Du bist neidisch auf meinen, das verstehe ich. Wenn ich nur solche Pinscher aufzubieten hätte, wäre ich das auch. Aber..."

„Wie kannst du es wagen, Sam einen Pinscher zu..."

„Halt die Klappe, Dean", kam es jetzt unisono von Mark und Bill, woraufhin der schmollend seinen Unterarm fester gegen Clemens Hals drückte und der röchelnd in die Knie ging.

„DEAN!", mahnte Bill nun sichtlich genervt über dessen Verhalten.

„WAS?", gab dieser zurück und schaute seinen Mentor unschuldig an. Der atmete erstmal tief durch, bevor er ruhig anmerkte: „Idiot! Wie willst du an das Codewort kommen, wenn du ihn vorher erwürgst?"

„Okay, dann erwürge ich ihn halt nicht, sondern schneide es aus ihm raus. Und wenn ich damit fertig bin, binde ich ihn an einen Baum und teste den Granatwerfer. Ich wollte immer schon mal wissen, wie weit sich ein zerfetzter Körper in der Landschaft verteilt", entgegnete Dean ungerührt, lockerte aber erneut seinen Griff und zog mit der anderen Hand ein langes Messer aus der Scheide, die an seinem Gürtel hing.

Mark seufzte tief auf und schüttelte missbilligend den Kopf. „Diese Kinder, immer wollen sie spielen. Vielleicht sollte ich ihn lassen? Was meinst du, Silvester?", fragte er überaus freundlich.

Clemens hatte inzwischen stark zu schwitzen begonnen. Er war nie ein Feigling gewesen, aber langsam bekam er es mit der Angst und er wagte nicht, sich zu bewegen. Jeder im Verein wusste, wie gefährlich Dean Wilson war und wenn nur die Hälfte der Gerüchte stimmten, die ihm nachgesagt wurden, dann hatte man ihn besser nicht zum Feind. Und Silvester hat niemals damit gerechnet, je mit ihm konfrontiert zu werden. Enders und Bill Sutton waren Legenden im Verein und standen Dean in Nichts nach. Das wusste Clemens nur zu gut, schließlich hatte er mit beiden schon zusammen gearbeitet. Dennoch fragte er sich, wie es ihnen gelungen war, ihren Aufenthaltsort ausfindig zu machen. So wie er diese überaus geheime Operation geplant hatte, hätte das unmöglich sein müssen.

„Was... was wollt ihr überhaupt von mir?", keuchte er nach Luft ringend.

Bill trat vor ihm hin und entgegnete trocken: „Tja, weißt du, uns war langweilig und da dachten wir, fliegen wir einfach mal rund um den Globus und schauen was Silvester so macht. So ohne Auftrag. Ohne Genehmigung und ohne das irgendjemand im Verein weiß, wo du abgeblieben bist. Abgesehen davon, hast du auch noch vier Jungs entführt und zu deinen Marionetten gemacht. Was denkst du daher, was wir von dir wollen?"

„Was auch immer ihr denkt, es ist falsch. Ich bin im allerhöchsten Auftrag hier."

„Ja klar. Jetzt behauptest du sicher noch, der Präsident hat dich persönlich angerufen", sagte Dean ätzend.

„Nein. Aber der Auftrag kam von der sehr hohen Stelle aus dem Pentagon."

Mark lächelte süffisant. „Aber sicher! Und ich bin der König der Hölle. Für wie blöd hältst du uns eigentlich? Zumindest Cal müsste Bescheid wissen und das tut er nicht."

„Was ist bloß los mit euch beiden", fragte Sylvester offensichtlich derart genervt, dass er kurz vergaß, in welcher Situation er sich befand. „Seid ihr schon so Alzheimer geschädigt, dass ihr völlig vergessen habt, wie das manchmal läuft? Oder hat Wilson euch mit irgendwas in der Hand, so daß ihr nach seiner Pfeife tanzt?"

„Pha. Du müßtest mich besser kennen", knurrte Mark ihn daraufhin an. „Denn niemandem, ich betone NIEMANDEM wird es je gelingen, mich zu erpressen und... „

„Schluss mit dieser ganzen blödsinnigen Diskussion. Ich habe einen brisanten und überaus gefährlichen Auftrag auszuführen, der, wenn er nicht gelingt, verheerende Folgen für unser Land nach sich ziehen wird. Woran auch ihr Schuld tragen werdet, wenn ihr mich nicht tun lasst, was ich tun muss. Daher, entweder ihr unterstützt mich, weil ihr ohnehin schon da seid, oder ihr verschwindet umgehend. Ich hoffe, ich habe mich deutlich genug ausgedrückt. Und jetzt laß mich endlich los, Wilson", forderte er Dean wütend auf.

Der Agent schaute zu Bill und als dieser nickte, nahm Dean seinen Arm weg, dann trat er einen Schritt zurück und drehte sich zu Sam um. Dean brauchte eine Weile, um Sam ins Gesicht zu schauen, denn er fürchtete sich davor, was er sehen würde. Er hatte schon hin und wieder mit Schläfern zu tun gehabt und wusste daher, was ihn erwartete. Diese Leute kannten zwar ihre Umgebung und die Menschen, mit denen sie bis zu ihrer „Erweckung" zu tun gehabt hatten, dennoch waren sie zu jemand anderen geworden. Sie handelten völlig zielorientiert. Besessen davon, das zu tun, wozu sie ausgebildet worden waren, konnte sie nichts davon abhalten ihr Ziel zu erreichen, außer sie wurden getötet. Und selbst das nahmen sie bedingungslos in Kauf.

Doch Dean schwor sich, alles zu tun, was in seiner Macht stand, um das zu verhindern. Auch wenn er selbst dabei draufgehen würde. Sam war es wert. Entschlossen hob der Agent den Kopf und schaute zu Sam. Der spürte seinen Blick und sah Dean direkt an. Dem zog sich das Herz zusammen, denn in Sams sonst so sanften braunen Augen lag nur gleichgültige Kälte, als er Dean musterte.