File 1: stories/1/754.txt
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Ein paar Tage später machte Sam gerade seine Reisetasche zu, als sein Handy klingelte. „Dean", erkannte er nach einem Blick auf das Display und er nahm den Anruf rasch entgegen. „Hey, Darling."

„Tasche gepackt?", wollte Dean auch schon wissen.

„Ja, gerade fertig geworden. Ich freue mich schon so. Hoffentlich kommt nicht wieder etwas dazwischen."

„Wird es nicht, Sammy. Und eigentlich ist es gut, dass wir bis jetzt keine Zeit hatten, das Weihnachtsgeschenk deiner Eltern einzulösen. Nun ist es warm genug und wir können im See schwimmen und noch ganzen andere Sachen im Wasser machen", versprach Dean und Sam stellte sich vor, wie sein Freund bei diesen Worten versaut grinste. Was er sich zusätzlich noch vorstellte, trieb ihm die Schamesröte in die Wangen. Trotzdem, oder gerade deswegen, konnte er es kaum erwarten, endlich zu der Hütte zu fahren. In zwei Stunden sollte es losgehen und er musste sich beeilen, denn er hatte noch einiges in der Redaktion zu regeln. Das sagte er Dean auch und so beendeten sie das Gespräch.

~*~

Dean lächelte noch vor sich hin, während er das Handy einsteckte. Er musste noch für die Verpflegung sorgen. Bettwäsche und den anderen Kram, den sie noch brauchten, war bereits im Wagen verstaut. Es fehlte nur noch seine Tasche. Aber er hatte ohnehin nicht vor, viel mitzunehmen. Wozu auch, die meiste Zeit würde er keine Kleidung brauchen. Davon war er überzeugt und erneut grinste er breit.

Er verließ sein Büro und wandte sich Sally zu, die an der Kaffeemaschine stand. „Auch einen Kaffee, Boss?", wollte sie wissen, noch bevor Dean sie ansprechen konnte.

„Ja, warum nicht. Kaffee geht immer", stimmte er zu und nahm zwei Minuten später die Tasse entgegen, die sie ihm reichte. Er trank einen Schluck, bevor er sagte: „Sie wissen ja Bescheid. Im Notfall können Sie mich auf dem Handy immer erreichen. Im Notfall wohlgemerkt", betonte er eindringlich und Sally grinste.

 „Schon verstanden, Boss. Ich halte Ihnen die paar Tage alle vom Leib. Versprochen. Außerdem, um diese Jahreszeit ist ohnehin nie viel los. Max und Kimbly werden das Kind schon schaukeln."

„Und Sie, Sally. Wie wir alle wissen, sind Sie im Grunde der Boss von diesem Laden hier", behauptete Dean und zwinkerte ihr zu. Sie lachte etwas verlegen über dieses Kompliment und nachdem Dean seine Tasse ausgetrunken hatte, verabschiedete er sich. Sein Weg führte ihn in den nächsten Lebensmittelladen. Er kaufte einige Dosen Bier und Essensvorräte ein. Sam würde kochen und hatte eine Liste erstellt, die Dean sorgfältig abarbeitete. Zu seiner Erleichterung hatte er schneller alles beisammen, als er gedacht hatte und bald darauf war alles in den Kühlboxen seines Autos verstaut. Er hatte noch eine gute halbe Stunde Zeit, bis er Sam abholen konnte, daher führte ihn sein Weg ins Diner. Schließlich brauchte er etwas im Magen, bevor sie die Fahrt antraten.

~*~

„Okay, das war's. Guter Artikel, Tom. Kann in den Druck gehen", sagte Sam und schob seinem Mitarbeiter die korrigierten Blätter zu. Dann schaute er ihn lächelnd an. „Wie ich sehe, machst du enorme Fortschritte. Gefallen dir die neuen Kurse, die du belegt hast?"

Der junge Mann nickte. „Jupp, war ganz gut, dass Sie mir deswegen die Hölle heiß gemacht haben, Chef. Aber ich glaube immer noch nicht, dass Sie mich entlassen hätten, wenn ich mich nicht eingeschrieben hätte", erklärte er mit einem schiefen Grinsen.

„Nein, als Zeitungsjunge hättest du bleiben können, aber nicht als angehender Reporter", entgegnete Sam ernst und Tom erkannte, dass sein Boss es genau so meinte.  Gerade wollte er darauf antworten, als ein Mann mittleren Alters die Redaktion betrat.

„Der ist wohl dem Film Men in Black entsprungen", behauptete Tom leise, als er den Mann im schwarzen Anzug, ebensolcher Krawatte und blütenweißem Hemd betrachtete. „Fehlt nur die Sonnenbrille", ergänzte er noch. Sam unterdrückte ein Schmunzeln, doch in Gedanken gab er Tom Recht. Der Mann sah seltsam aus und Sam fragte sich, was er wohl wollte.

„Sam Henson?", fragte er auch schon und Sam stand auf. „Ja, das bin ich. Was kann ich für Sie tun?"

Der Mann schaute sich um, dann richtete er sein Wort wieder an Sam. „Ich möchte Sie unter vier Augen sprechen."

Sam hob etwas verwundert die Augenbrauen, da er sich nicht vorstellen konnte, was der Typ von ihm wollte. Aber natürlich machte ihn das Ansinnen neugierig. „Okay, dann kommen Sie mit", bat er daher und führte den Mann in sein Büro. Tom schaute äußerst interessiert hinterher. „Komischer Vogel. Was er wohl will? Mal gucken, mit welcher Karre er dahergekommen ist."

Toms Neugierde war geweckt und so lief er nach draußen. Ein schwarzer Hummer stand vor der Tür. Neuestes Modell, erkannte der angehende Reporter. Die Scheiben waren verdunkelt, so daß Tom nicht sehen konnte, ob noch jemand im Wagen saß. Daher schlenderte Tom ein paar Schritte weiter und schaute in die Auslage von Mrs. Collins Strickwarengeschäft. ‚Gott, bitte lass keinen meiner Freunde jetzt hier vorbeikommen‘, betete er in Gedanken. Denn er konnte sich sehr gut vorstellen, was er sich würde anhören müssen, wenn sie ihn erwischten, wie er Pullover mit Häschen und Blumen betrachtete. Was er im Grunde gar nicht machte. Er recherchierte. Aber das würden sie ihm nie abnehmen.

 ‚Lass dich nicht ablenken, Tom‘, mahnte er sich selbst, beobachte in der Auslage das Auto und schaute auf dessen Kennzeichen. Verwundert hob er die Augenbrauen, als Sam plötzlich mit einer kleinen Reisetasche in der Hand aus der Redaktion kam. Neben ihm ging der fremde Mann und beide stiegen in den Hummer ein, ohne Tom zu beachten.

~*~

Auf der Fahrt zu der Redaktion hatte Dean ein Dauerlächeln im Gesicht. Er freute sich dermaßen auf das kommende Wochenende, dass er gar nicht anders konnte. Er würde seinen Sammy so was von verwöhnen und das in jeder Hinsicht. Dass hatte er sich fest vorgenommen, damit sein Geliebter nicht wieder auf die dumme Idee kam, nicht begehrenswert genug zu sein. Dean konnte es immer noch nicht fassen, dass Sam überhaupt jemals solche Gedanken gehabt hatte. Vielleicht hatte ein unangenehmes Erlebnis zu dieser Unsicherheit geführt? Aber wie auch immer, Dean würde dafür sorgen, dass Sam nie wieder von solchen Gedanken heimgesucht wurde. Er sollte sich immer und in jeder Hinsicht sicher fühlen und wissen, Dean war immer für ihn da. In jeder Situation. 

Er erreichte das Redaktionsgebäude und parkte direkt davor. Rasch und voller Vorfreude sprang er aus dem Wagen, eilte ins Haus und war gerade ein paar Stufen zum Obergeschoss  hochgelaufen, als sein Name gerufen wurde. Genervt drehte er sich um und sah Tom am Treppenabsatz stehen.

„Ich habe es eilig und wehe es ist nicht wichtig", schnauzte er den angehenden Reporter an.

Besorgt, ja fast ängstlich schaute Tom den Marshall an. „Ich... es... weil Sam... er...", stotterte der junge Mann herum.

Tom konnte gar nicht so schnell gucken, als er auch schon von Dean an den Schultern gepackt und durchgeschüttelt wurde. „Was ist mit Sam? Sag schon."

„Er ist weg. Aber es ist nicht meine Schuld. Ich bin nur der Bote, okay? Also erschießen sie mich nicht."

„Rede nicht so wirres Zeug. Sag mir endlich, wo ist Sam. Und was heißt, er ist weg?"

Tom atmete tief durch, dann begann er zu berichten was er beobachtet hatte. Dean hörte aufmerksam zu und ließ den Jungen dann los.

„Okay, auch wenn ich nicht verstehe, was das zu bedeuten hat. Sehr gut gemacht, Tom. Schreib mit bitte das Kennzeichen auf. Ich sehe mich inzwischen in der Wohnung um."

Dean rannte los und Tom begab sich zum Schreibtisch, wo er sich einen Zettel schnappte.

Als Dean das Schlafzimmer betrat, bemerkte er sofort, dass die Tür zu dem begehbaren Schrank offen stand. Schnell durchsuchte er den kleinen Raum und erkannte, dass Sams Tasche fehlte. An und für sich nicht weiter verwunderlich, da sie vorgehabt hatten, zu verreisen. Aber Sam war zu einem Fremden ins Auto gestiegen und Dean fragte sich, warum? Gedankenverloren schloss er einen der offen stehenden Spiegelschränke und runzelte die Stirn, denn mit einem schwarzen Filzstift stand dort in großen Lettern:

Sentebale

Nachdenklich starrte Dean auf dieses Wort. Ganz offensichtlich hatte Sam ihm eine Nachricht hinterlassen, denn Dean erkannte die Handschrift eindeutig. Nur, was hatte sie zu bedeuten?