File 1: stories/1/758.txt
- Schriftgröße +

Zufrieden darüber, dass Dean ihm ohne Diskussion Platz gemacht hat, setzte Enders sich neben Bill und erklärte: „Wir suchten ja immer wieder junge Leute mit besonderen Fähigkeiten. Im Grunde nichts Neues. Wie ihr ja wisst, tun wir das des Öfteren, wenn wir Nachwuchs brauchen. Üblicher Weise sehen wir uns da bei den verschiedenen militärischen Einheiten um und auf den Unis, wenn wir Nerds brauchen. Wenn brauchbares Material dabei ist, kriegen sie das Angebot für uns zu arbeiten."

„Ja, ja. Das wissen wir doch alles. Kommt endlich zum Punkt. Warum Sam? Er ist zwar äußerst klug, aber sicher nicht in einer Sparte, die unser Verein gebrauchen kann", behauptete Dean ungehalten.

„Stimmt", gab Mark nickend zu. „Er ist weder ein Sprachgenie, noch ein Superhacker, aber er hat einen hohen IQ und ist sehr sportlich. Perfekt für unsere Studie."

„Was denn für eine verdammte Studie? Rede endlich Klartext, verdammt", verlangte Dean und Mark entgegnete ruhig. „Dann sag ich es kurz und bündig. Sam und die anderen Protagonisten haben die Prüfungen bestanden und wurden als Agent für geheime Missionen ausgebildet."

Dean lachte trocken auf und schüttelte den Kopf. „Sam hätte mir unter Garantie erzählt, wenn er zu irgendeiner Ausbildung fahren würde. Er würde niemals einfach so verschwinden, ohne mir Bescheid zu sagen. Da bin ich mir ganz sicher."

„Du hast mir nicht zugehört. Ich sagte er wurde, nicht er wird", gab Enders zur Antwort.

Dean runzelte die Stirn. „Schwachsinn", behauptete er dann. „Sam hat weder seiner Familie noch mir davon erzählt, und das hätte er, wenn er an so einer Ausbildung teilgenommen hätte."

„Aber nicht, wenn er ein Schläfer ist", gab Bill plötzlich überlegend zu bedenken und Mark nickte nur wortlos dazu.

Entsetzt schaute Dean die beiden älteren Männer an und krächzte: „WAS?"

„Es tut mir ehrlich Leid, Dean", sagte Bill leise und er meinte es auch so. „Ich habe bemerkt, wie glücklich du in seinem neuen Leben bist und hätte dir wirklich gewünscht...." Bill brach seine Rede ab, denn als er Dean anschaute, erkannte er, dass der junge Mann gar nicht zuhörte und um Fassung rang.

„Schon gut, nicht zu ändern", sagte Dean nach ein paar Minuten plötzlich und wandte sich dann Mark zu. Wieder ganz im Kampfmodus, verlangte er: „Ich will alle Informationen die du hast. Und das sofort! Vor allem, wo er ist und das Codewort natürlich. Ich muss ihn da rausholen, bevor wer weiß, was passiert und sie ihn womöglich umbringen."

 „Ein Haufen guter Fragen, die ich dir leider nicht restlos beantworten kann. Der Initiator und Leiter des Projektes war Silvester Clemens und..."

„Gut, dann befragen wir ihn. Welches Büro?", wollte Dean wissen und stand auch sofort auf, doch Mark schüttelte den Kopf. „Streng geheimer Auslandseinsatz. Wo? Unbekannt."

Dean trat ganz nahe an Enders heran und drohte knurrend: „Dann beweg auf der Stelle deinen faulen Hintern und krieg es gefälligst heraus. Denn du hängst da mit drin und eines schwöre ich dir, sollte Sammy irgend etwas passieren, dann wirst du darum betteln, dass ich dir eine Kugel in den Kopf jage."

Doch statt eingeschüchtert zu sein, zischte Enders zurück: „Pass auf mit wem du dich anlegst, Kleiner. Denn du müsstest wissen, was mit Leuten passiert, die mir drohen."

„Und du müsstest wissen, dass ich niemals leere Drohungen ausstoße", kam es seinerseits von Dean.

„Und ich weiß, dass ihr zwei Idioten seid. Wieso ihr das noch nicht kapiert habt, ist mir schleierhaft", warf Bill trocken ein. „Wollt ihr also noch weiter kostbare Zeit verschwenden, oder unternehmen wir jetzt endlich etwas?"

„Tut mir leid, Bill, du hast völlig Recht. Vorrangig geht es um Sam. Enders ist ohnehin für nichts zu gebrauchen", sagte Dean mit einem abfälligen Blick auf Mark. Dann trat er einen Schritt zurück und griff nach seiner Tasche.

„Du hast offenbar noch immer keine Ahnung, wozu ich fähig bin. Wirst es aber bald merken. Los, gehen wir diesen Henson retten. Wir fahren zu mir und kein Wort dazu, Wilson. Vertrau mir wenigstens in diesem Punkt", verlangte Mark ziemlich sauer und erhob sich, ebenso wie Bill.

Dean gab zur Verwunderung der beiden älteren Männer wirklich keinen Kommentar ab und gute 15  Minuten später hielt Mark seinen Wagen vor einem breiten, eisernen Tor an. Mit einer Fernbedienung öffnete er es und nachdem es lautlos zur Seite glitt, fuhr er eine längere Auffahrt hinauf. Das Gebäude vor dem er sein Auto zum Stehen brachte, war ein moderner, langgezogener Bau, das zwei Etagen aufwies. Glasfronten im oberen Stockwerk und eine kurze Freitreppe gaben dem Ganzen einen edlen Touch.

 ‚Passt perfekt zu Enders, diesem Angeber‘, dachte Dean, während er ausstieg und den beiden anderen zum Eingang folgte. Mark steckte den Schlüssel ins Schloss, dann öffnete sich ein kleines Türchen an der linken Wandseite. Eine Zahlenleiste wurde sichtbar und er tippte einen sechsstelligen Code ein. Erst dann konnte der Schlüssel bewegt werden und sie traten ein. Auch im Inneren des Hauses war alles edel und gediegen, doch Dean hatte keine Zeit, sich weiter umzusehen, denn Enders eilte durch die Halle, an deren Ende er vor einer weiteren Tür stehen blieb und auch diese mit einer Codekombination öffnete. Er führte sie in den Keller und hielt erneut vor einer dicken Eisentüre an.

„Verfolgungswahn, was?", konnte Dean es sich nicht verkneifen zu sagen, woraufhin Bill verhalten schmunzelte und Mark nur grimmig schnaubte. Dann  gab er in zwei verschiedenen Leisten neben der Tür diverse Codes ein. Erst als er das gemacht hatte, glitt das schwere Metall zur Seite und gab die Sicht in einen riesigen Raum frei, der Deans Schätzung nach fast die Größe des Grundrisses dieses Hauses haben musste.

Zwei der langen Wände waren mit Büchern und diversen technischen Geräten ausgestattet. An der Dritten gab es eine kurze Küchenzeile mit einem extragroßen Kühlschrank und einer supermodernen Kaffeemaschine. Davor stand ein langer Tresen mit einigen Hockern. Die letzte Wand war mit einer Ledergarnitur bestückt, der man ansehen konnte, wie weich und bequem sie war. Auf dem Tisch davor standen einige Gläser und zwei Flaschen Whiskey. Wie Dean auf dem Etikett erkannte, handelte es sich um Single Malt aus den Canisbay Highlands. Bevor er sich weiter umsehen konnte, erklärte Mark mit stolzer Stimme: „Meine persönliche Kommandozentrale."

Er ließ ihnen kurz Zeit, um beeindruckt nicken zu können. Dann forderte er seine beiden Mitstreiter auf, ihm zu einem großen Tisch zu folgen, der mitten im Raum stand. Als sie davor standen, betätigte Mark einen Knopf an der linken Tischkante und Dean sowie Bill erkannten, dass es sich bei der Tischplatte um einen Bildschirm handelte. Einige verschiedene Felder wurden sichtbar und Bill stellte sich höchst interessiert neben Mark.

„Okay, dann fangen wir mal an zu suchen. Kann eine Weile dauern, weil, wir haben... nichts", murmelte Mark, starrte auf die Weltkarte und die unzähligen Punkte, die dort zu sehen waren. „Also können wir nur versuche, Silvester Clemens zu finden und hoffen, dass er wirklich dahinter steckt."

„Wäre möglich. Was mich allerdings stutzig macht ist, dass offenbar keiner in unserem Verein weiß, zu welcher Mission er aufgebrochen ist. Nicht mal Cale, unser Oberboss, oder er hat mich angelogen", gab Bill zu bedenken.

„Warum? Weil es eine extrasupergeheime Mission ist?", tat Dean sarkastisch kund. „Glaubt ihr nicht, dass sie da Agenten einsetzen würden, die jahrelange Ausbildung und Erfahrung haben und nicht Leute mit einem lächerlichen, zweimonatigen Schnellkurs? Also bitte, Leute. Das ist Schwachsinn."

„Ich kann aus einem Mann in zwei Monaten viel herausholen, wie wir alle wissen. Abgesehen davon sind deine Argumente nicht von der Hand zu weisen", gab Mark zu. „Aber dieses ganze Geschwafel bringt uns nicht weiter. Suchen wir Clemens und da wir nichts, aber auch schon gar nichts Konkretes haben, bleibt uns nichts anderes, als jeden Agenten, der auf dieser wunderschönen Welt im Einsatz ist, zuzuordnen. Der Punkt, oder die Punkte die übrig bleiben, müssen wir dann genauer unter die Lupe nehmen."

„Das dauert ja ewig", motzte Dean sofort. „Inzwischen kann Sam..."

„Ja, ja, das hast du schon oft genug erwähnt", wurde Dean von Mark unterbrochen. „Wenn du einen besseren Vorschlag hast, dann heraus damit! Nein?", fragte Enders, als Dean ihn nur ratlos anschaute. „Dann halt die Klappe und fang an zu recherchieren. Und du, Bill, häng dich ans Telefon. Ich weiß ja, Computer sind nicht so deines." Mark wandte sich wieder dem riesigen Tablett zu und Bill holte wortlos sein Handy aus der Tasche. Dean indessen angelte nach seinem iPad und setze es in Betrieb. Gleich nachdem die Verbindung hergestellt war, erschien auf dem kleinen Bildschirm der letzte Begriff, den er eingegeben hatte. Sentebale.

Dean runzelte die Stirn und murmelte leise: „Was, zur Hölle hast du mir sagen wollen, Sammy? Nur *vergiss mein nicht* kann es nicht gewesen sein. Ich kenne dich inzwischen gut, da muss mehr dahinter stecken."

Dean googelte das Wort erneut. Die Bezeichnung kam aus dem Südafrikanischen, es gab da eine Hilfsorganisation die so hieß und.....ich weiß wo wir suchen müssen", rief er plötzlich aufgeregt und hatte sofort die Aufmerksamkeit der beiden Agenten, die ihn fragend anschauten.