File 1: stories/1/759.txt
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Dean legte sein Tablet auf den Tisch und begann rasch zu erklären: „Sams Gehirn funktioniert anders als bei gewöhnlichen Leuten. Daher bin ich mir ziemlich sicher, dass er mir noch mitteilen konnte, wo sie ihn hingebracht haben. Obwohl er aktiviert wurde, und, er musste mit einem Wort alles aussagen. Daher schrieb er Sentebale auf die Tür. Er hat einfach gehofft, dass ich verstehe, und das tue ich jetzt. Er ist in Lesotho, Südafrika."

Mark verschränkte die Arme vor der Brust und schaute Dean an, als wäre der vollkommen verrückt geworden. „Das reimst du dir aus einem Wort zusammen? Selbst dir muss klar sein, dass das völliger Unsinn ist." Marks Blick wurde mitleidig. Er mochte Dean, sehr sogar, auch wenn er es ihm gegenüber nie zugeben würde. Der Junge war immer anders gewesen als seine anderen Schüler. Besser in Allem, aber das alleine war es nicht, wovon Mark beeindruckt gewesen war. Was ihm außerdem noch gefallen hatte, war die Unbeugsamkeit, die Dean an den Tag legte. Er ließ sich einfach nicht verbiegen.

Das hatte sein Vater nicht geschafft und auch kein einziger Ausbilder. Selbst Mark war das nicht gelungen, und er war der Härteste des ganzen Vereines. Aber dieser Sam war offensichtlich jemand, der Dean in die Knie gezwungen hatte. Seinetwegen war er augenscheinlich nicht mehr in der Lage, logisch und rational zu denken. Mark war der Überzeugung, er musste Dean zur Vernunft bringen, doch diesmal würde er es anders angehen. Daher legte er ihm den Arm auf die Schulter und bat sanft: „Überleg mal haarscharf, Dean. Versuch deine Beziehung zu Sam außen vor zu lassen und denk so, als wäre das ein ganz normaler Auftrag, den du ausführen musst. Würdest du dann auch so viel in ein Wort interpretieren?"

Dean schüttelte die Hand ärgerlich ab. „Behandle mich nicht wie einen Idioten. Ja, ich liebe Sam, mehr als alles andere auf dieser Welt, aber das bedeutet nicht, dass mein Hirn Matsch ist. Ich bin mir völlig sicher. Sam hat mir alle Infos gegeben, um ihn zu finden. Sentebale ist ein Wort aus der Sotho Sprache, eine Amtsprache in Südarfika, du Unwissender, " erklärte Dean mit leichtem Spott in der Stimme. „Es hat mehrere Bedeutungen. Aber alles worauf es jetzt ankommt, ist, der Ort, an dem Sam sich befindet. Also schau auf deinem bescheuerten Tischbildschirm gefälligst nach einem Stützpunkt in Lesotho", verlangte Dean vehement.

Mark seufzte ergeben und tippte auf seinem riesigen Tablet herum. Sekunden später schüttelte er bedauernd den Kopf. „Tut mir Leid, Junge, aber da haben wir nichts."

„Such nach einem Flugzeug von uns. Jedes hat ein Funksignal, das man nicht so einfach wie ein normales GPS entfernen kann", forderte Dean erneut. Marks Augenbrauen schossen anerkennend in die Höhe, dann tat er, worum Dean ihn gebeten hatte.

Bill, der indessen ununterbrochen telefoniert hatte und nun sein Handy einsteckte, frustriert darüber, nichts erreicht zu haben, stellte sich zu Mark an den Tisch. Plötzlich fing sein Telefon an zu klingeln. Mit krauser Stirn zog er es wieder aus seiner Tasche und schaute auf das Display. „Cale?", murmelte er verwundert und nahm das Gespräch schnell an.

 „Aha... Ja... WAS?... Mist... Bist du sicher? ....Du setzt Chuck an. Okay. Bis später." Bill legte auf und seine beiden Freunde sahen ihn fragend an.

„Ich brauch dringend einen Kaffee, oder nein, lieber etwas Stärkeres", erklärte Bill erstmal und ließ sich auf einen Sessel fallen.

Mark nickte nur und begab sich zu einem Aktenschrank an der linken Seite der Wand. Dean war inzwischen ganz bleich im Gesicht. Er mußte sich räuspern, um überhaupt wieder Herr über seine Stimme zu sein, bevor er ängstlich krächzte: „Sam?"

Bill schüttelte beruhigend den Kopf. „ Nein. Es hat nichts mit Sam zu tun. Zumindest nicht direkt. Cale, er..."

Mark reichte in dem Augenblick Bill ein gut gefülltes Glas mit Whiskey. „Danke", entgegnete der und nahm erstmal einen großen Schluck.

„Nun sag doch endlich", drängte Dean ungeduldig, wurde dann aber kurz abgelenkt, weil Mark ihm ebenfalls ein Glas in die Hand drückte. Dean goß sich die hellbraune Flüssigkeit in einem Zug in die Kehle und schaute Bill sogleich wieder auffordernd an.

„Neandertaler", brummte Mark indessen Kopf schüttelnd, bevor er selbst das Glas an die Lippen setzte und nach einem winzigen Schluck genußvoll mit der Zunge schnalzte.

Dean verdrehte nur die Augen und wandte sich dann wieder Bill zu. „Himmel noch mal, schütt das Zeug runter und rede endlich", verlangte er ungehalten.

„Das war das erste und letzte Mal, dass ich dich von meinem 150 Jahre alten Single Malt habe kosten lassen. Damit du es weißt", kam es tadelnd von Mark.

„Steck dir dein altes Gesöff sonstwohin. Wen interessiert das jetzt. Ich will endlich wissen...."

„Das war Cale", wurde Dean von Bill unterbrochen, der jeden weiteren Disput zwischen den Beiden unterbinden wollte. „Nachdem ich ihn angerufen hatte und ihm Fragen stellte, die er nicht beantworten konnte. Ihr kennt ihn. Er will immer über alles Bescheid wissen. Na jedenfalls ist er stutzig geworden und hat seinerseits nachgeforscht. Bis jetzt hat er herausgefunden, dass Clemens eines unserer Kleinflugzeuge bestiegen hat. In seiner Begleitung waren ein älterer und vier junge Männer. Einer von ihnen wurde mit dem Wagen zum Flughafen gebracht, dessen Kennzeichen mit dem übereinstimmt, welches Sam abgeholt hat."

Also steckt doch Clemens hinter der ganzen Sache", warf Dean grimmig ein und Bill nickte, bevor er weiter erzählte. „Jedenfalls war weder der Flug genehmigt, noch hatte Clemens einen Auftrag. Die Papiere, um das Flugzeug zu übernehmen, sind gefälscht. Auf seinem Computer in der Zentrale sind alle Daten gelöscht, die Festplatte wurde mit Säure übergossen. Cale setzt unseren besten Computerspezialisten dran, aber viel Hoffnung hat er nicht. Außerdem hat er ein Team in Clements Haus geschickt. Doch ich glaube nicht, dass sie etwas finden. Aber wie auch immer. Cale meldet sich, sobald er mehr weiß."

Mark hatte Bills Ausführungen zwar zugehört, dennoch hatte er währenddessen weiter auf seinem Tablet gesucht und war auch fündig geworden. „Gut, dann ruf ihn gleich noch mal an und frage ihn, ob die CPS Daten mit denen übereinstimmen, die ich in Lesotho gefunden habe", Mark sprach das Wort extra betont aus und lächelte Dean kurz an. Dann schrieb er ein paar Zahlen auf einen Zettel und reichte ihn an Bill weiter, bevor er sich Dean zuwandte. Mark erkannte, der Junge brauchte unbedingt etwas zu tun, denn er war offensichtlich kurz davor, durchzudrehen.

„Im Schrank rechts von der Tür findest du große Taschen. Nimm zwei davon heraus. Dann gehst du zu dem breiten Bücherregal. In der zweiten Reihe suchst du nach Shakespeares gesammelten Werken. Leg deinen Daumen auf den Buchrücken, auf das zweite S. Alles weitere, wenn du das gemacht hast", erklärte Mark, wartete erst gar keine Antwort von Dean ab, sondern holte sein Handy aus der Tasche und begann eine Nummer einzutippen.

Wortlos holte Dean erstmal die Taschen, bevor er zum Bücherregal ging. Dort führte er Marks Anweisungen aus und hob verwundert die Augenbrauen, als sich die Bücherwand lautlos zur Seite schob und einen Raum freigab, in dem sich ein riesiges Waffenarsenal befand. Der Agent fing sich rasch und grinste, bevor er das Zimmer betrat, ohne Mark zu fragen. Dann füllte er die Taschen mit diversen Waffen, von denen er glaubte, dass sie sie benötigen würden. Anschließend schloß er die Tür auf gleiche Weise wie er sie geöffnet hatte, und ging zum Tisch zurück.

„Du hast meinen Fingerabdruck zum öffnen deiner Waffenkammer eingespeichert. Was sagt mir das?", wollte er grinsend von Mark wissen, der soeben sein Gespräch beendete.

„Bilde dir nichts ein, Bill kann es ebenfalls und ich überlege mir gerade, dir dieses Recht zu entziehen. Du hast meine Anweisungen schon wieder nicht befolgt", pöbelte Mark ihn tadelnd an.

„Du hast telefoniert und sehr wichtig dabei ausgesehen, da wollte ich nicht stören und hab alles eingepackt, was wir brauchen", entgegnete Dean mit einem noch breiteren Grinsen.

Mark warf einen Blick in die noch offenen Taschen und kniff die Augenbrauen zusammen. „Einen Raketenwerfer?"

Dean zuckte mit den Schultern. „Ist immer gut, so ein Ding mitzuhaben. Wir wissen schließlich nicht, was uns erwartet."

„Das Argument kann ich gelten lassen. Dann nimm den ganzen Krempel, wir müssen bald los. Ich habe ein Flugzeug organisiert. Bill?", wandte sich Mark dann an seinen Freund. „Wie lange brauchst du, um deinen Kram zu packen?"

„Maximal zehn Minuten, du kennst mich doch", entgegnete der fast vorwurfsvoll.

Mark nickte zufrieden, bevor er entgegnete: „Dann mach das. In einer Stunde ist Abflug."

„Wir haben weder einen Auftrag noch eine Genehmigung, nehme ich an", wollte Bill wissen, während er zur Tür strebte.

Marks Antwort war wie erwartet. „Seit wann stellst du so blöde Fragen?"

Bill brummte irgendetwas Unverständliches und verließ den Raum.