File 1: stories/1/763.txt
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„Sam! Aufstehen!"

„Wa... was? Ich... nein... Bill?"

„Wen hast du erwartet? Adam Lambert?", wollte Bill sarkastisch wissen und Sam verdrehte die Augen, um gleich darauf verwundert zu fragen: „Du kennst Adam Lambert?"

„Nur weil ich alt bin, heißt das nicht, dass ich gute Musik nicht zu schätzen weiß. Aber darüber können wir auch ein anderes Mal NICHT diskutieren. Eine andere Frage: Wie geht's dir, Junge?", wollte Bill besorgt wissen, während er Sam durchdringend und besorgt anschaute.

Sam fuhr sich mit der Hand über das Gesicht und stand auf, bevor er antwortete: „Gut, mir geht's gut."

„Ja, so lügt Dean mich auch dauernd an. Selbst wenn ihm die Haut in Fetzen runter hängt." Bill seufzte Gott ergeben und beschloss, das Thema zurzeit nicht weiter zu vertiefen. Es hatte jetzt ohnehin keinen Sinn. Sams Hirn tickte im Moment auf einem Level, den Bill nicht nachvollziehen konnte, also war es das Beste, erstmal einfach diese ganze verfluchte Sache hinter sich zu bringen und zu hoffen, dass sie es alle überlebten. Daher sagte er das, was am naheliegendsten war: „Na gut, wie auch immer. Du hast Wache. Also schwing die Hufe." Als er sah, dass Sam sich sofort fertig machte, drehte sich der ältere Agent um und verließ das Zelt, um Dean seinerseits ins Bett zu schicken.

Sam schlüpfte in seine Schuhe und zog seine Jacke an, bevor er nach dem Gewehr griff, das neben seinem Bett abgestellt war. Den Traum, den er gehabt hatte, befand sich nur noch schemenhaft in seinem Gehirn, denn er wurde überlagert von der Aufgabe, die er zu erfüllen hatte. Daher schulterte er das Gewehr und ging aus dem Zelt, um aufmerksam seine Runden zu drehen.

~*~

Der nächste Tag verging mit Besprechungen und Vorbereitungen für die kommende Nacht. Clemens verlangte immer wieder, dass sie den Plan bis ins kleinste Detail durchgingen. Die Waffen wurden nochmals überprüft und auch alle anderen Hilfsmittel, die jeder für den Notfall bei sich trug, wurden inspiziert, bis Enders sich einmischte. „Hör auf, die Jungs zu traktieren. Es ist doch offensichtlich, dass sie alles im Schlaf können und selbst du müsstest wissen, dass es sich ins Gegenteil umkehrt, wenn nicht mal Schluss ist. Sie sollen essen und sich dann ausruhen. Wir übrigens auch. Und wo hast du den Whisky versteckt? Er ist nicht mehr auf demselben Platz wie gestern", stellte er übergangslos fest und stapfte voraus in Clemens Zelt.

Der folgte ihm mit raschen Schritten. „Kein Alkohol vor der Mission", bestimmte er streng und eilte zu der Feldkiste neben seinem Bett.

„Mach dich nicht wichtig und rück die Flasche raus. Oder soll ich meinen Höllenhund rufen? Wobei, mit dir werde ich auch locker alleine fertig, das weißt du. Also her mit damit."

„Und zwei Gläser", war von Bill zu hören, der den Beiden gefolgt war.

„Mach drei daraus. Ich brauche dringend einen ordentlichen Schluck", ertönte nun plötzlich auch Deans Stimme, der gleich hinter Bill das Zelt betreten hatte.

Clemens schaute die drei Männer geschockt an. „Seid ihr völlig durchgeknallt? Ihr könnt euch doch jetzt nicht betrinken!"

„Kommt darauf an, wie viele Flaschen du mit hast. Aber du warst immer schon geizig, selbst zu dir. Also wird es für einen Rausch für uns alle nie und nimmer reichen", stellte Mark trocken fest.

„Genau, also her mit dem Stoff, bevor ich noch endgültig durchdrehe", stimmte Dean zu und schaute Clemens böse an.

Der seufzte ergeben und holte eine neue Flasche, die er an Bill weiter reichte. Es war Silvester anzusehen, dass ihm das überhaupt nicht passte. Weder die Anwesenheit der drei Agenten, noch, dass sie seinen guten Whisky tranken. Aber im Moment blieb ihm nichts anderes übrig, als gute Miene zu diesem Spiel zu machen. Natürlich hatte er über diese ganze Situation nachgedacht und einen neuen Plan entworfen, bei dem er sicher war, sein Ziel letztendlich doch noch zu erreichen. Daher würde er sie vorerst agieren lassen, wie sie wollten. Hauptsache sie holten den Koffer aus diesem Haus. Es war ohnehin nicht damit zu rechnen, dass alle lebend von dieser Mission zurückkehrten. Dafür war sie einfach zu gefährlich. Aber dieses Risiko ging man ein, wenn man dem Verein beitrat. Wobei, seine vier Rekruten hatten das nicht freiwillig getan, aber das kümmerte Clemens nicht. Es war einfach zu wichtig für ihn, diesen Koffer zu erhalten.

~*~

Die Nacht war angebrochen und ganz nach Plan machten sich die Männer auf, um ihre Mission zu erfüllen. Wie abgemacht, war Mark bei Clemens geblieben und Sam führte nun die Truppe an. An der elektrischen Umzäunung angekommen, kam der Techniker ins Spiel, der sofort seinen Laptop aufklappte und wie wild auf den Tasten herumtrommelte. Keine 15 Minuten später war alles aktiviert und deaktiviert, was nötig war, um auf das Gelände zu kommen.

Dean indessen hatte nur Augen für Sam. Beobachtete jede kleinste Bewegung und versuchte, in dessen Gesicht abzulesen, was er dachte oder fühlte. Doch in Sams Gesicht bewegte sich kein Muskel und er schaute Dean auch kein einziges Mal an. Es war offensichtlich, dass er sich nur für eines interessierte, und das war sein Auftrag. Obwohl Dean wusste, dass Sam nichts dafür konnte, tat ihm das Herz weh, bei dieser Gleichgültigkeit, die Sam ihm gegenüber walten ließ, und er musste sehr an sich halten, um nicht ins Lager zurück zu laufen, damit er Clemens den Hals umdrehen konnte. Aber das musste er sich leider für später aufheben. Wenn Sam jedoch wieder „normal" war, würde er sich nicht mehr zurückhalten können und diesem Mistkerl zeigen, wo der Hammer hing.

Sam versuchte sich indessen auf die Umgebung zu konzentrieren und die Bilder, die immer wieder ganz kurz durch seinen Kopf blitzten, zu ignorieren. Anscheinend hatte der Traum der letzten Nacht irgendetwas in seinem Gehirn ausgelöst, dass ihm diese Bilder nun vorgaukelte, die nur von Dean handelten. Er war verletzt und Sam behandelte ihn, Dean mit einer Axt in einem schneebedeckten Wald, Öl verschmiert an einem alten Auto arbeitend. Ein Bild, das Sam sehr erotisch fand und damit sofort andere Bilder in seinem Kopf assoziierte, worauf eine Bilderserie folgte, die ihm vor Erregung die Luft nahm.

„Wir können, Sam. Wie lauten deine weiteren Befehle?", hörte er Bill plötzlich sagen und das Wort „Befehle" legte sofort wieder den Schalter in ihm um. Er atmete tief durch und verlangte leise, doch mit bestimmendem Ton: „Waffen bereit machen. Sturmhauben übers Gesicht. Haben alle ihre Ohrstöpsel drin und sind sie eingeschaltet?", wollte er in die Runde blickend wissen. Nachdem alle zustimmend nickten, sagte Sam an den Techniker gewandt: „Du bleibst wie besprochen hier und zündest den Sprengstoff, den wir anbringen werden."

„Vorzugsweise wenn wir draußen sind", erwähnte Dean noch sarkastisch.

Doch außer einem zustimmenden Nicken kam keine Reaktion von dem Techniker. Dean seufzte ergeben und zog sich die Haube übers Gesicht. Wieder einer der keinen Humor hatte, oder ihn durch Clemens Manipulation nicht verstand. Aber wie auch immer, sie mussten loslegen und nachdem Sam die Männer in zwei Gruppen aufgeteilt hatte, schlichen sie mit entsicherten Waffen und einem Messer in der Hand auf das Gebäude zu. Der Plan war, alles so lautlos wie nur möglich über die Bühne zu bringen, wobei sich ein Messer oder ein gut gezielter Faustschlag da am Besten eignete. Vorausgesetzt, man kam nahe genug an den Gegner heran. Dean war es egal welche Waffe er benutzen würde. Seine erste und einzige Priorität war Sam zu beschützen. Daher war auch er es, der mit Sam ging. Jede Deckung nutzend schlichen sie immer näher an das Gebäude heran und als sie die erste Wache erreichten, die vor dem Haupteingang patrouillierte, war es wiederum Dean, der sie mit einem gezielten Schlag mit seinem Gewehrkolben niederschlug. Sie zerrten den Mann in ein naheliegendes Gebüsch, fesselten ihn und verklebten seinen Mund mit Klebeband, bevor sie sich wieder dem Eingang zuwandten. Zwei weitere Wachen wurden ebenso leise ausgeschaltet, als sie im ersten Stock auf Bill und seine Männer trafen.

„Bisher ist alles gut gegangen, besser als erwartet. Zwei Wachen draußen und eine im Haus ausgeschaltet. Mark hat sie gut vorbereitet", flüsterte Bill Dean zu.

„War auch nicht anders zu erwarten. Mark ist ein Ass in seinem Job. Also steht es vier zu drei. Das bedeutet, wir sind eine Wache voraus und das, obwohl wir nur zu zweit sind. Also strengt euch an, wenn ihr gegen Sam und mich bestehen wollt. Wobei, vergiss es, wir sind einfach zu gut", behauptete Dean mit einem breiten Grinsen.

„Was soll das heißen, du kannst sie die zweite Sicherung nicht öffnen?" Sam sprach offensichtlich mit dem Technik-Genie, der anscheinend doch nicht so genial war, wie erhofft. „Okay, dann lassen wir uns was anderes einfallen. Sieh zu, dass du wenigstens alles andere auf die Reihe kriegst", verlangte Sam und wandte sich dann an seine Truppe.

„Diese Tür ist nicht nur elektronisch gesichert, sie verlangt auch einen Daumenabdruck und die Sicherung scheint extern Strom zu beziehen. Daher konnte unser Mann draußen nur die erste Sperre für uns aufmachen. Für den Fingerabdruckscan brauchen wir Skynard persönlich.

„Oder seinen Daumen", korrigierte Dean grinsend, worauf Sam nur zustimmend nickte. „Jepp, der genügt auch", erwiderte er derart gleichgültig, sodass Bill seine beiden Freunde nur entsetzt anschaute. Er wusste, sollten sie Sam nicht von ihrem Trigger befreien können, würde auch Dean wieder in einen Modus zurückfallen, der für beide Jungs kein gutes Ende nehmen würde.