File 1: stories/1/826.txt
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Kommentar des Autors zum Kapitel:
leider noch ohne Beta

„Wieso denkst du das? Du weißt nichts von meiner Dimension", antwortete Ator, während er den Wagen durch den Ort lenkte und sich dabei suchend umschaute.

„Freie Partnerwahl, ohne schief angesehen zu werden. Schon alleine das gefällt mir. Nicht dass ich derzeit einen Mann kennen würde, mit dem ich zusammenleben will. Ich würde mich auch nicht abhalten lassen es zu tun, sollte ich einen kennen lernen", erklärte Daniel bestimmt.

„Wenn ich dich jetzt richtig verstanden habe ist eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft auf der Erde verboten?", fragte Ator verständnislos.

„In einigen Staaten steht es sogar unter Todesstrafe. Bei uns ist es erlaubt. Trotzdem gibt es genügend Gegner von denen man diskriminiert wird und es passiert auch immer wieder, dass Homosexuelle verprügelt werden."

„Wie barbarisch. Ist dir das auch schon passiert? Wurdest du angegriffen?", fragte Ator alarmiert.

Daniel bemerkte Ators Betroffenheit und dieses Mitgefühl fand er schön, denn so eine Reaktion hatte er von dem kühlen Syaner nicht erwartet. „Nein, keine Sorge. Mir nicht, aber einem guten Freund von mir. Er wurde so schwer verletzt, dass er einige Wochen im Krankenhaus bleiben musste," erzählte er ernst.

Ator schüttelte fassungslos den Kopf. „Die Menschen sind schwer zu verstehen. Wieso kann nicht jeder lieben wen er will."

Daniel zuckte mit den Schultern. „Nicht alle sind so. Generell wird das Verständnis größer. Wie auch immer. Nachdem es jetzt offenkundig ist, dass ich auf Männer stehe, wie schaut es bei dir aus? Nicht, dass du eine Wahl hättest, denn du bist doch der Thronfolger, wenn ich das richtig verstanden habe", wollte Daniel wissen.

„Das erzähle ich dir später. Ich habe jetzt Hunger", erklärte er und lenkte den Wagen auf einen Parkplatz vor einem Gasthaus. Die beiden Männer stiegen aus und betraten das Lokal.

Nachdem sie an einem Ecktisch Platz genommen hatten, ging Ator auf Daniels Frage ein. „Solange ich ungebunden bin, heiße ich Frauen ebenso willkommen in meinem Bett wie Männer. Kommt auf die Person an. Allerdings habe ich fest gestellt, dass es mit Männern mehr Spaß macht."

„Trotzdem bi", stellte Daniel fest, was ihm einen fragenden Blick Ators einhandelte, woraufhin ihm der Erdenbürger eine Erklärung lieferte.

Die Bedienung kam, nahm die Bestellung auf und bald hatten sie ihre Getränke vor sich stehen. Das Warten auf ihr Essen nützte Daniel um weitere Fragen zu stellen. „Du kannst also jetzt noch tun was du willst und keinen stört es?"

Ator schüttelte den Kopf. „Warum sollte es? Sexuelle Bedürfnisse zu befriedigen ist bei uns so normal wie essen und trinken."

Nachdenklich schaute Daniel den Syaner an. „Liebe spielt keine Rolle für dich?"

Der zuckte die Schultern. „Wenn man jung ist, neigt man zu romantischen Gefühlen, aber in meiner Position ist Liebe nicht relevant. Wenn ich meinen Auftrag erfüllt habe und nach Syan zurückkehre, werde ich eine Bindung eingehen, die gut für mein Volk ist", erklärte er bestimmt.

„Du liebst die Frau also nicht, die du gewählt hast?"

Ator zuckte mit den Schultern. „Ich kenne sie gar nicht. Es gibt eine gewisse Anzahl von Frauen die geeignet sind die Königslinie fortzusetzen. Ich habe meinen Bruder beauftragt eine Auswahl zu treffen. Das letzte Wort habe allerdings ich. Aber wenn wir uns sympathisch sind, wird das genügen um die Bindung zu schließen und somit meine Pflicht zu erfüllen."

„Ihr heiratet damit die Nachkommen gesichert sind. Selbst wenn ich auf Frauen stehen würde, wäre das nichts für mich. Für immer mit jemanden zusammen zu leben, ohne denjenigen zu lieben? Nein, unvorstellbar. Was, wenn du oder sie jemanden kennen lernt, in den ihr euch verliebt? Könnt ihr euch scheiden lassen, oder gibt es dann so ein Arrangement, wie eine Mätresse? Oder die männliche Variation, Günstlinge?", fragte Daniel Stirn runzelnd.

Ator überlegte wie er das erklären sollte, daher musste er erst nachfragen. „Scheiden, damit meinst du eine Trennung, richtig?"

Nachdem Daniel genickt hatte, fuhr der Syaner fort. „Bindungen werden bei uns sehr ernst genommen und nicht leichtsinnig geschlossen. Wichtig ist nicht nur körperlich Kompatibel zu sein, auch eine seelische Verbundenheit spielt eine sehr große Rolle. Nur wenn alles passt, beschließen die Partner das Bindungsritual einzugehen. Aus diesen Gründen sind Trennungen eher selten.

Was mich betrifft, als zukünftiger König sehe ich meine Bindung als Pflicht an mein Volk, die ich sehr ernst nehme und mein Bindungsversprechen nicht brechen werde. Auch wenn die seelische Verbundenheit zu meiner Partnerin fehlt."

„Verstehe. Aber die Frage zu den Mätressen oder Günstlingen hast du mir noch nicht beantwortet," hakte Daniel grinsend nach.

Ator schüttelte den Kopf. „Nicht in dem Sinne wie es auf der Erde üblich ist. Es ist ja auch so, dass nicht jeder im Laufe seines Lebens seinen Bindungspartner trifft. Einige finden ihn nie. Sex ist etwas ganz natürliches und es gibt kein Grund um enthaltsam zu leben. Wenn man jedoch auf seinen Bindungspartner trifft, ist man dieser Person absolut treu. Mir wurde erzählt, dass man mit niemand anderen mehr zusammen sein will."

„Also austoben vor der Bindung ist normal und wer seinen Partner nicht findet, springt durch die Betten", fasste Daniel zusammen, doch Ator schüttelte den Kopf. „Das Erste stimmt, das andere nur Teilweise. Manche Leute bilden Lebensgemeinschaften, um nicht den Rest ihres Lebens alleine zu verbringen, nur weil sie ihren Bindungspartner nicht gefunden haben."

„Das kann kompliziert werden, wenn dann einer doch seinen Partner findet", hielt Daniel dagegen.

Ator nickte. „Durchaus, auch wenn bei solchen Lebensgemeinschaften keine tiefe seelische Verbindung da ist, ist dennoch eine große Sympathie vorhanden, sonst würde man wohl kaum mit jemanden zusammen leben wollen. Aber es kommt äußerst selten vor, dass man erst in späten Lebensjahren auf seinen speziellen Partner trifft. Wenn, dann passiert es bis zum..." Ator runzelte die Stirn und überlegte. „Nach eurer Zeitrechnung bis zum dreißigsten Lebensjahr."

„Okay, da ist genug Zeit um sich auszutoben", grinste Daniel und da die Bedienung gerade das Essen brachte, beendeten sie ihr Gespräch und begannen zu essen. Doch plötzlich hielt er inne und schaute Ator bedauernd an. „Trotzdem tut es mir für dich leid, dass du den Rest deines Lebens ohne Liebe wirst verbringen müssen."

Unbekümmert zuckte Ator mit den Schultern. „Das muss es nicht. Ich kann nichts vermissen, das ich nicht kenne."

„Aber vielleicht triffst du deine große Liebe noch," gab Daniel zu bedenken.

„Das glaube ich nicht. Es ist auch nicht zu erwarten, dass das innerhalb des nächsten halben Jahres noch passiert, denn dann habe ich die übliche Zeitspanne erreicht von der ich dir erzählt habe. Doch selbst wenn, meine Pflicht zu erfüllen ist für mich oberste Priorität. Aber wer weiß was das Schicksal mit mir vor hat. Vielleicht ist die Frau, die mein Bruder ausgesucht hat, meine Lebenspartnerin. Alles ist möglich."

~*~

Fast zwei Stunden später betraten sie die inzwischen leere Kirche und schauten sich suchend um. Ator hielt die Maske hoch und überlegte laut: „Ich vermute wir brauchen eine Stelle, die mit dieser Maske irgendwie kompatibel ist."

„Blöd, dass es da keinen genaueren Hinweis in dem Buch gibt. Wir brauchen viel Geduld und auch Glück", grummelte Daniel und schaute sich ebenfalls suchend um.

„Chichester ist mehr als nur ein Ort", murmelte Ator hingegen, während er durch die Kathedrale schritt.

„Wieso wurde dieses Gebäude ausgewählt? Es muss mit Richard von Chichester zusammen hängen. Die Verbindung sind die Männer des Ordens und ihre....Ruhestätten?" Ator lief kreuz und quer durch die Kathedrale, fand aber offenbar nicht was er suchte und rief Daniel zu. „Hast du hier irgendwo das Grab des alten Richard gesehen?"

„Das Grab wurde im 16. Jahrhundert zerstört, aber vielleicht helfen uns die alten Pläne der Kirche über den Standort weiter. Hast du diese Pläne zufällig auf deiner Scheibe? Sonst müssten wir im Stadt, oder Kirchenarchiv nachsehen", gab Daniel zur Antwort, während er auf Ator zuging. Der holte seinen Inko-Diskus aus der Tasche und tippte darauf herum. Eine Sekunde später erschienen die Baupläne der Kirche.

Daniel hatte höchst interessiert zugeschaut. „Das ist echt ein Hammerteil", stellte er begeistert fest. „Da, rechts unten. Schau mal, da war das Grab des Bischofs", rief er aufgeregt und tippte mit seinem Zeigefinger an eine Stelle auf dem InKo.

Ator nickte. „Gut, das wäre dann...." Er schaute sich um und ging gleich darauf zielstrebig durch das Kirchenschiff auf die Stelle zu, wo das ehemalige Grab befunden hatte. Daniel folgte ihm und die beiden Männer suchten Boden und Mauern ab um vielleicht noch irgendeinen Hinweis zu finden.

„Da ist nichts," stellte Daniel seufzend fest, nachdem sie eine viertel Stunde die Stelle und die Umgebung, wo sich das Grab des Bischofs befunden hatte, abgesucht hatten.

Ator ließ den Kopf in den Nacken fallen und kreiste mit den Schultern um sie zu lockern. „Es war im Grunde zu erwarten, dass es in all den Jahren bauliche Veränderungen gegeben hat. Aber wir dürfen nicht scheitern, es..."

Da Ator aufgehört hatte zu sprechen, schaute Daniel aufmerksam zu dem Prinzen. Doch noch bevor er fragen konnte, zeigte Ator aufgeregt nach oben. „Schau mal, ein Abbild der Maske die wir von der Round Church mitgenommen haben. Wie kommen wir da hoch? Ich sehe keine Treppe", stellte der Syaner fest, nachdem er sich umgeschaut hatte.

Doch Daniel packte ihn am Ärmel und zog ihn hinter sich her. „Die Treppe ist von hier aus nicht zu sehen. Wir müssen da lang." Er ließ Ator los und lief voran. Über die schmalen Stufen einer Wendeltreppe erreichten sie schließlich den Standort der Orgel.

„Dieses Musikinstrument gab es damals noch nicht. Wieso ist es...."

„Der Standort hat nichts mit der Orgel zu tun. Es geht um die Säule und das Licht, vermute ich. Licht ist die Quelle unserer Gaben. Daher gehe ich davon aus, dass es auch jetzt damit zusammen hängt", wurde Daniel von Ator unterbrochen, der sich zu der Säule rechts von der Orgel begab, wo das Bild der Maske aufgemalt war. Darunter befand sich eine Halterung und Ator nahm die Steinmaske aus seiner Manteltasche, um sie in die Halterung zu stecken.

Sogleich fiel ein Lichtstrahl, gelenkt von einem der Kirchenfenster, durch das Maul der Dämonenmaske, doch das Licht der Abenddämmerung reichte nicht aus und so brach der Strahl nach wenigen Zentimetern ab.

„Vielleicht kannst du mit deiner Zauberscheibe den Strahl verlängern?" Daniel sah den Syaner fragend an.

„Daran habe ich auch schon gedacht. Aber ich kann das Gerät nicht so an der Mauer ansetzen, dass es den richtigen Winkel anzeigt und der Lichtstrahl ist zu kurz um seine Bahn zu berechnen, damit sie auf die richtige Stelle zeigt", erklärte Ator bedauernd.

„Zumindest wissen wir, dass du mit deiner Lichttheorie recht hattest. Auch wenn wir auf morgen warten müssen um es praktisch auszutesten."

„Natürlich habe ich recht. Trotzdem ist es ärgerlich bis morgen tatenlos zu sein. Wir werden hier in der Nähe übernachten." Ator nahm seinen InKo erneut zur Hand und tippte darauf herum. „Das Goodwood Hotel scheint das Beste in dieser Stadt zu sein. „Du fährst", verlangte Ator und warf Daniel den Schlüssel zu.

~*~

Daniel hatte eine Weile gebraucht, bis er eingeschlafen war und jetzt wälzte er sich unruhig im Bett herum. Ator hatte beides bemerkt und er seufzte genervt. Jetzt tat es ihm leid, dass er sich für ein Doppelzimmer entschieden hatte. Praktisch betrachtet, war es einfacher nicht in das Nebenzimmer rennen zu müssen um den andren zu wecken, oder zu ermahnen sich zu beeilen, sobald der Morgen anbrach. Zeit war etwas, womit er so rational wie möglich umgehen wollte. Seine Mission zu erfüllen, war das wichtigste. Syan, seine Heimat, musste gerettet werden und da die Erde als Pufferzone fungierte, galt es alles zu tun um ihre Feinde schon hier aufzuhalten, damit sie Syan erst gar nicht erreichten. Doch bisher hatte Ator noch nicht einmal die erste Aufgabe gelöst. Er kam viel zu langsam voran. Vielleicht geht es schneller, wenn wir die erste Hürde genommen haben', dachte er, doch große Hoffnung machte er sich nicht. 'Ich sollte....'

Ein wimmernder Laut unterbrach Ators Gedanken und er schaute alarmiert zum Nebenbett in dem sich Daniel heftiger herumwarf. Beunruhigt stand Ator auf, ging die paar Schritte hinüber und beugte sich über Daniel. Der Syaner bemerkte, dass dem jungen Mann der Schweiß auf der Stirn stand. Offenbar hatte Daniel einen Albtraum, vermutete der Syaner.

„Soll ich ihn wecken?", überlegte er, während er ihn weiter beobachtete. Doch als sich Daniel erneut hin und her warf, zögerte der Syaner nicht länger, fasste den Menschen an den Schultern und rüttelte ihn so lange, bis der die Augen aufschlug. Orientierungslos und verängstigt schaute Daniel Ator an, bevor er seine Arme um die Mitte es Syaners schlang und sich fest an ihn klammerte.

Im ersten Moment wusste Ator nicht was er tun sollte. Doch als Daniel seinen Kopf auch noch an Ators Bauch presste, begann Ator ganz automatisch über Daniels Rücken zu streichen und beruhigend auf ihn einzureden. Es dauerte nicht lange und Daniels Hände glitten ebenfalls über Ators Rücken, streichelten dessen Schultern und Arme.

„Ich will dich," flüsterte er kaum hörbar und begann kleine Küsse auf Ators Brust zu verteilen.

Der Syaner schloss kurz die Augen. Daniels Lippen auf seiner Haut zu spüren, fühlte sich so gut an. Dennoch durfte er es nicht zulassen, dachte Ator. Sanft aber bestimmt schob er Daniel von sich und schaute ihm ernst in die Augen, bevor er ihm erklärte: „Ich kann dir nicht geben was du dir wünscht."