File 1: stories/1/149.txt
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„Das würde Angel nie tun. Nicht mit Spike,“ flüsterte Lilah erstaunt. „Aber er ist doch dein Child? Warum?“ fragte sie und war ganz offensichtlich entsetzt über die Brutalität, mit der Angelus gegen sein eigenes Lieblings-Child vorgegangen war.

„William ist mein Eigentum. Ich kann mit ihm tun, was ich will. Warum wunderst du dich darüber?“ fragte Angelus kalt und bedachte sein blutendes Child mit keinem einzigen Blick.

Lilah sah in seine kalten Augen und senkte den Blick. Sie hoffte seine Brutalität niemals am eigenen Körper erfahren zu müssen. Wenn er schon bei seinem Child keine Hemmungen zeigte, was würde er dann erst mit seinen Feinden anstellen? So langsam konnte sie sich von Angelus’ Charakter und seinen Taten selbst ein Bild machen. Denn was sie über ihn bei „Wolfram & Hart“ gelesen hatte, erschien ihr damals reichlich übertrieben.

„Ich gebe euch eine Stunde um Darla hierher zu bringen, sonst ist die Hexe tot,“ erklärte Angelus mit scharfer Stimme.

„Ich bin einverstanden. Du kannst diese Welt hier haben, aber wage es ja nicht mich zu hintergehen.“ Kabirs Augen blitzten herrisch.

„Eine Stunde,“ sagte Angelus nochmals mit Nachdruck, ohne weiter auf die Worte des Magiers einzugehen.

Der Inder nickte und verschwand mit Lilah auf dem gleichen Weg, wie er gekommen war.

~*~

Zwei der jungen Vampire liefen zu Spike um ihn hochzuheben.

„Wagt es nicht ihn anzufassen,“ knurrte Angelus. Er kniete sich zu seinem Child hinunter, zog den Dolch aus der Wunde und steckte ihn in seine Tasche. Vorsichtig hob er Spike hoch. „Geht hinauf in eure Zimmer bis ich euch rufe.“

Ohne ein Widerwort kamen die Lakaien seiner Aufforderung nach.

Angelus presste Spikes Körper kurz an sich und trug ihn dann nach unten. Dort legte er ihn sanft auf das Bett.

„Es tut mir so leid, Spike. Aber sie hätten uns sonst nicht geglaubt,“ murmelte er leise.

„Schon gut, ich weiß das. So ein Messerchen bringt mich nicht um,“ flüsterte sein Child und lächelte ihn müde an. Angelus küsste ihn zärtlich, öffnete sein Hemd, zog es ihm von den Schultern und untersuchte die Verletzung. Er senkte den Kopf und begann das trocknende Blut abzulecken. Die Wunde hatte sich bereits geschlossen, doch Angelus machte so lange weiter, bis Spikes Bauch wieder unbefleckt und sauber war.

„Wenn du gerade schon dabei bist, könntest du doch…“ murmelte Spike und grinste anzüglich.

„Hatte ich vor,“ lachte sein Sire leise und glitt mit den Händen über Spikes empfindliche Seiten, während er unbeirrt mit seinem Zungenspiel fortfuhr. Spike stöhnte leise, als der dunkelhaarige Vampir seine Brustwarzen mit den Zähnen sanft neckte und diese sich daraufhin hart aufrichteten. Er fühlte wie sein Penis steif wurde und schmerzhaft gegen den Stoff seiner Hose drückte, als Angelus auch schon den Gürtel und die Knöpfe seiner Jeans öffnete. Er leckte um den Bauchnabel herum, küsste hinunter auf die weichen Locken und vergrub seine Nase darin um sich in dem herrlichen Duft seines Childes zu baden, während seine Hände die Hose sanft über Spikes Hüften hinunterzogen. Spike keuchte als sein Sire sein pralles Glied mit der Hand umschloss und damit begann, ihn aufreizend langsam zu reiben, während er mit seiner rauen Zunge über Spikes Hoden leckte. Dann nahm er Spikes Penis in seinen Mund auf und saugte zärtlich daran.

„Gott, Ange… aahh.“ Spike versuchte seinen Schrei zu unterdrücken. Die Hand des dunkelhaarigen Vampirs wurde schneller und seine Lippen hatten sich fest um die Spitze von Spikes pochendem Penis geschlossen. Er saugte genüsslich daran, während sein Child sich unter ihm wand und seine Hände im Laken verkrallte. Spikes erlösender Schrei hallte durch den Raum, als er sich plötzlich aufbäumte und ein heftiger Orgasmus seinen Körper durchfuhr. Als die letzten Wogen abgeklungen waren, ließ er sich mit einem erleichterten Seufzer in die Kissen zurücksinken. Angelus leckte sich über die Lippen, erhob sich und deckte seinen Geliebten zu, bevor er ihm lächelnd einen Kuss gab.

„Ruh’ dich ein wenig aus.“ Liebevoll strich er Spike das feuchte Haar aus der Stirn und ging dann in den Nebenraum zu Willow.

„Nach einer halben Stunde kehrte er zu Spike zurück. „Wird es gehen, mein Liebling? Ich brauche dich. Diese Willow ist stark, sehr stark. Ich hoffe es wird funktioniert.“ Als Spike nickte besprachen sie noch einmal ihren Plan.

„Hey, es wird schon klappen,“ meinte Spike beschwichtigend, als er das besorgte Gesicht seines Sires sah und strich ihm beruhigend über den Arm.

„Hoffentlich,“ meinte der dunkelhaarige Vampir und begab sich in den ersten Stock zu den wartenden Lakaien.

Einige Minuten vor der verabredeten Zeit erschien Spike gemeinsam mit der gefesselten Willow im Wohnraum und Angelus kam die Treppe herunter. Die drei nickten sich zu und Spike hob seine vernarbte Augenbraue.

„Staub?“ fragte er seinen Sire und lächelte.

„Sie waren lästig,“ grinste Angelus und steckte den Pflock zurück in seine Jackentasche.

Ein Flimmern erfüllte den Raum und Kabir, Lilah und Darla erschienen. Lilah hatte Darla bereits erzählt, dass sie es in dieser Welt mit Angelus zu tun haben würden, denn Darla starrte ihr ehemaliges Child mit weit aufgerissenen Augen an. „Sag, dass das nicht wahr ist, sag mir, dass du Angel bist,“ flüsterte sie und wand sich unter Lilahs festem Griff.

„Tja meine Liebe, diese Dimension hier verändert alles. Endlich bin ich wieder frei. Angelus ist zurück, also gewöhn dich besser daran,“ antwortete der Vampir mit einem teuflischen Lächeln auf den Lippen.

„Gib’ endlich Ruhe, Darla, und füge dich deinem Schicksal,“ meinte Lilah ungehalten und versetzte ihr eine schallende Ohrfeige, als sie noch immer nicht damit aufhörte sich zu wehren. Darla warf Spike einen verzweifelten Blick zu, doch der wandt sein Gesicht ab und machte ihr so noch zusätzlich die Aussichtslosigkeit ihrer Lage bewusst.

„Na, der Kleine scheint sich ja wieder gut erholt zu haben und er ist sehr gehorsam, Angelus. Zumindest in dieser Welt hast du dein Child gut im Griff,“ spottete Lilah und bedachte Spike mit einem abfälligen Blick.

Spike senkte den Kopf, ballte die Fäuste und biss sich auf die Lippen um die Beherrschung nicht zu verlieren.

„Er weiß ganz genau wie wir zueinander stehen. Und keine Dimension irgendeines Universums wird daran je etwas ändern,“ erklärte Angelus mit fester Stimme.

„Somit ist das Verhältnis zwischen euch ja perfekt, wie es aussieht,“ erwiderte Lilah von oben herab.

„Perfekt, ja, da gebe ich dir ausnahmsweise mal Recht. Perfekt, das trifft es ziemlich gut.“ Angelus lächelte leicht und Spike grinste verhalten.

„Schluss jetzt mit dem Smalltalk. Den Gürtel. Lilah. Ich brauche den Gürtel, denn es muss schnell gehen, wenn Darla getrunken hat,“ unterbrach der Inder die Vampire ungehalten.

„Erst sprichst du den Zauber, dass ich an deiner Seite herrschen kann. Na los, stell die Verbindung her,“ forderte Lilah. Unmutig trat der Inder auf sie zu, legte seinen Zeigefinger auf ihre Stirn und sprach einige leise magische Worte. Ein Blitz durchfuhr die Vampirin und sie schrie vor Schmerzen laut auf und sank auf die Knie. Darla wurde von ihr weggeschleudert und landete auf dem Boden, direkt vor Angelus’ Füßen. Er half ihr auf, flüsterte ihr etwas zu und hielt sie am Arm fest.

Nach wenigen Minuten stand Lilah wieder fest auf ihren Beinen. Sie griff sich in den Nacken, drückte auf eine Vertiefung, und der Gürtel der der Kali wurde sichtbar. Als sie Kabirs verwunderten Blick bemerkte, sagte sie: „Ja, mein Lieber er war immer schon da, du konntest ihn nur nicht sehen. Wie ich schon sagte, auch ich habe mächtige Helfer.“ Finster lächelnd nahm sie sich den Gürtel vom Hals und reichte ihn dem Magier. Mit gierigen Händen legte er ihn sich um den Bauch und strich liebevoll über die Schnalle.

„Angelus, sorge dafür, dass Darla trinkt,“ befahl Lilah und sah ihn auffordernd an.

„Meinst du etwa, dass du mir Befehle erteilen kannst, kleine Vampirin?“ antwortete Angelus abfällig.

„Halten wir uns jetzt nicht mit unwichtigen Kleinigkeiten auf. Jeder vom uns hat das gleiche Ziel, also, lasst uns endlich anfangen. Los, die Hexe.“ Langsam aber sicher wurde der Inder ungeduldig.

Willow stand drei Meter vom Magier entfernt und wurde von Spike an den Oberarmen festgehalten.

„Du hast es gehört, Willow, du sollst anfangen.“ Spike grinste und Willow lächelte, als der Vampir ihr ihre losen Fesseln abstreifte. Blitzschnell streckte die mächtige Hexe ihre Hände aus und begann leise uralte, magische Worte zu murmeln. Ihre Stimme schwoll an und wurde lauter, ihre Augen glühten und nahmen ein tiefes Kobaltblau an, und ihre Haare leuchteten wie ein goldener Kranz um ihren Kopf. Der Inder versuchte seine Arme zu heben, doch sie blieben trotz wiederholter Versuche kraftlos an seinem Körper kleben. Ein silbernes, leuchtendes, magisches Band wand sich um seinen Leib. Erschrocken begann er sich zu wehren und kämpfte gegen die gute Energie, die ihn umgab, mit aller Kraft an. Er begann, die dunklen Mächte der Durga anzurufen. Spike, der ihm am nächsten stand, sprang auf ihn zu und riss ihn zu Boden, wobei er ihm mit seiner Hand den Mund zuhielt. Angel schnappte sich Lilah und brach ihr mit einer einzigen Handbewegung das Genick, wodurch die Vampirin paralysiert zu Boden sackte.

„Der Stein, Angel, schnell.“ Spike hielt seinem Sire die Hand hin und der griff in seine Jackentasche um nach dem magischen Stein zu suchen und ihm Spike zuzuwerfen. Willow zitterte vor Anstrengung. Ihr ganzer Körper wurde von dem goldenen Licht eingehüllt. Sie begann zu schwanken.

„Bring Darla von hier weg, rasch. Wer weiß was passiert, wenn ich den Stein in die Schnalle stecke. Mach schon,“ herrschte Spike seinen Sire an.

„Ich kann dich nicht alleine lassen, Spike, niemals,“ rief Angel verzweifelt.

„Hey, Peaches. Ich leihe dir meinen Mantel, dann hast du immer ein Stück von mir bei dir. Kannst ja deinen Sohn darin einwickeln, bis ich ihn mir wiederhole. Damit er es warm hat. Aber nicht versauen, verstanden?“ Spike warf ihm mit einer Hand seinen Mantel zu. Da wo er jetzt vermutlich hinging, würde er ihn ohnehin nicht mehr brauchen.

„Angel?“ Darla blickte ihn verwirrt an.

„Natürlich Angel, das war doch alles nur Show, damit wir diese beiden Idioten hinters Licht führen konnten. Und jetzt verschwindet endlich. Willows Kräfte halten nicht ewig. Mach schon, Poof, hau endlich ab. Denk an deinen Sohn, verdammt. Na los, du weißt ja sowieso wie sehr ich dich hasse, ich bin also froh, wenn ich dich endlich loswerde. Verschwindet endlich,“ schrie Spike mit erstickender Stimme und hielt den Stein direkt über die Schnalle.

„Ja, ich hasse dich auch,“ flüsterte Angel mit Tränen in den Augen. Dann legte er Spikes Mantel über Darla, hob sie hoch und rannte mit ihr gemeinsam aus dem Haus.

Willow brach zusammen, doch genau in diesem Moment drückte Spike den Stein in die Schnalle. Ein ohrenbetäubender Knall erschütterte das Gebäude und eine silberne Woge durchflutete den Raum.

~*~

Angel lief mit Darla auf dem Arm so schnell er konnte die Straße entlang. Darla schrie vor Schmerzen. Sie stoppten in einer kleinen Seitengasse und er legte sie vorsichtig auf den Boden.

„Ich kann nicht mehr, Angel. Die Schmerzen sind zu groß. Das Kind, es kann nicht heraus,“ keuchte sie unter Tränen.

„Du hast doch noch Zeit, es ist erst in knapp drei Monaten soweit. Das ist nur die Anstrengung. Ruh dich ein bisschen aus.“ Besorgt sah er auf sie hinab.

Sie schüttelte den Kopf. „Nein Angel, ich fühle, dass es soweit ist. Ich weiß nicht warum, aber irgendwas hat das Wachstum meines Sohnes beschleunigt. Vielleicht war es der Zauber, oder die Vernichtung des Magiers, oder der Dimensionswechsel, ich weiß es nicht. Ich…aahhh!“ Sie schrie laut auf, als die nächste Wehe durch ihren Körper fuhr. Hilflos blickte Angel sie an.

„Atme, du musst stoßweise atmen,“ war alles was ihm einfiel und er umarmte sie, um sie festzuhalten und zu trösten.

Als die Schmerzen nachließen und Darla sich wieder etwas erholt hatte, sah sie zu Angel auf. „Du wirst gut auf unseren Sohn achtgeben, nicht wahr? Versprich es mir Angel, um der alten Zeiten willen, bitte.“ Flehend sah sie ihn an.

„Komm schon, Darla nicht aufgeben. Wir finden eine Lösung, ganz bestimmt,“ redete er leise auf sie ein.

Sie schloss die Augen und schlang ihre Hände um seine Taille, während sie erschöpft den Kopf an seine Brust zu legen. Sie fühlte einen harten Gegenstand in seiner Jackentasche und mit geschickten Fingern zog sie unbemerkt den Pflock hervor, den er dort versteckt hatte.

„Du sorgst gut für ihn, bitte,“ forderte sie Angel nochmals auf.

„Wenn es sein muss, werde ich es tun, mit all meiner Kraft,“ versprach er ihr mit fester Stimme.

„Gut, das ist gut.“ Ein Lächeln huschte über das Gesicht der Vampirin. Plötzlich blickte sie über seine Schulter. „Angel, da ist jemand, sieh nur, dort drüben.“

Der Vampir ließ sich von Darla ablenken, legte sie zurück auf den Boden und sah sich aufmerksam um. Darla nutzte diesen kleinen unbeobachteten Moment und umfasste den Pflock mit fester Hand, bevor sie ihn sich mitten ins Herz stieß. Erschrocken drehte sich Angel wieder zu ihr und sah gerade noch, wie ihr Körper zu Staub zerfiel. Nur mehr ein schreiendes Baby war auf Spikes Mantel zurückgeblieben.

Vorsichtig kniete Angel vor seinem Sohn. Mit Tränen in den Augen wickelte er ihn in Spikes Mantel und drückte ihn zärtlich an seine Brust, als ein helles Licht die beiden einhüllte und sie sich kurz darauf in der Lobby des Hyperions wieder fanden.

Angel war mit seinem Sohn zurückgekehrt, aus den Dimensionen, in die er gemeinsam mit Spike aufgebrochen war.

Erschrocken sprang Wesley von seinem Stuhl auf, so dass dieser polternd nach hinten fiel. „Angel, oh Gott, du bist wieder da!“

Von Wesleys Ruf angelockt, kamen auch Cordy, Gunn und Faith herbeigelaufen.

„Angel,“ riefen alle freudig durcheinander.

„Wen hast du uns denn da mitgebracht?“ lächelte Cordy und betrachtete das süße Baby.

„Das ist… äh… Connor, mein Sohn,“ sagte der Vampir leise, aber doch mit Stolz in der Stimme.

„Wo ist Spike?“ fragte Faith leise. Angel schüttelte nur stumm den Kopf.

„Aber drei, es können doch drei zurückkehren,“ murmelte Wes kaum hörbar.

~*~

Was zur Hölle?“ Spike fand sich auf einem dreckigen Hinterhof wieder. Er lag auf den Boden und es war Nacht.

„Na wenigstens scheint hier nicht die Sonne.“ Umständlich rappelte er sich auf und sah sich verwundert um. „Wo zum Teufel, bin ich denn hier gelandet?“ Ein schmaler Durchgang vor ihm führte auf eine belebte Straße und langsam ging er darauf zu. Reges Treiben erfüllte den breiten Gehsteig und Spike ließ sich von dem fließenden Menschenstrom mitziehen. Als er einen kleinen Zigarettenladen sah, blieb er stehen. Er lehnte sich an die Mauer und beobachtete die vorüber ziehenden Personen. Sie sahen allesamt wie Menschen aus und trugen dieselbe Kleidung wie er. Gut, nicht ganz. Die meisten waren nicht vollkommen schwarz gekleidet, aber die Mode schien zumindest der zu entsprechen, die aktuell war, als er seine kleine Reise mit Angel angetreten hatte. Nach einer Weile entschloss er sich, den Laden zu betreten und sich zu erkundigen wo er überhaupt war. Ein Mann saß hinter dem Tresen und schaute auf, als Spike eintrat.

„N`Abend, der Herr, was soll’s den sein?“ begrüßte er ihn freundlich.

„Marlboro und `ne Auskunft. Äh und Feuer, weil ich Idiot mein Feuerzeug im Mantel… äh, scheiß drauf,“ murmelte der Vampir.

„Zigaretten können sie haben, Feuer auch, aber ob ich mit einer Auskunft dienen kann, weiß ich nicht.“

„Ich will nur wissen wo ich hier bin.“ Spike sah den Ladenbesitzer fragend an und nahm die Zigarettenschachtel und die Zündhölzer entgegen, die der Mann ihm reichte. Sofort klemmte er sich eine Kippe zwischen die Lippen und zündete sie an.

„Nun, dies hier ist ‚Benny’s Zigaretten und Zigarrenshop’ und wir sind hier am Sunset Boulevard.“ Erstaunt blickte der Verkäufer den seltsamen Mann an.

„Ich brauch’ keine Details. Welcher Planet? Welche Stadt? Welches Jahr?“ knurrte Spike.

„Sie wissen nicht auf welchem Planeten sie sind…?“ Verwundert sah der Mann ihn an und bedachte den Vampir mit einem eindeutigen ‚Aus welcher Anstalt ist der denn entsprungen?’-Blick.

„Mann, würde ich denn fragen, wenn ich es verdammt nochmal wüsste? Also?“ Spike packte den Verkäufer an seinem ziemlich schmuddeligen Jackenaufschlag und schüttelte ihn leicht.

„E… Erde… Lo… Los Angeles, 2003,“ stotterte dieser erschrocken und rückte in die hinterste Ecke, als Spike ihn aprupt losließ, schallen zu lachen anfing und den Laden verließ.

„Bloody hell, das kann auch nur mir passieren. Ich bin zurück, genau da, wo ich ganz und gar nicht sein will - in der Stadt der Engel, meines Engels, des Poofers, der jetzt eine Frau und ein Kind hat und deren Anblick ich unmöglich ertragen kann. Angel, zusammen mit seiner glücklichen Familie, das pack ich einfach nicht. Was soll ich also jetzt tun?“ Spike lief nachdenklich zurück in die kleine Gasse und blickte sich suchend nach einem Kanaldeckel um. „Ah, der Weg nach unten in meine verdammte Welt,“ murmelte er zynisch und stieg hinunter in die Kanalisation. Wenn er sich richtig orientierte, dann war er nur ungefähr vier Blocks vom Hyperion entfernt. Während er automatisch den Weg zum Hotel einschlug, hing er seinen Gedanken nach.

„Ich kann ja einfach nur mal nachsehen ob alles in Ordnung ist, so aus der Ferne. Einfach nur um zu kucken, wie es Angel denn so geht… nein, keine gute Idee, oder?“ Seufzend lehnte er sich an die feuchte Mauer. Es wäre soviel leichter gewesen, wenn er in der anderen Welt geblieben wäre, weit weg von seinem Sire. Weit weg von der Person, die er über alles liebte. Doch jetzt? „Ich muss ihn sehen, nur noch ein einziges Mal, ganz kurz und heimlich.“ Spike beschloss, sich durch den Keller des Hotels hinein zu schleichen, um noch einen kleinen, allerletzten Blick auf Angel zu erhaschen. Er wollte nur sehen, ob es seinem Geliebten auch gut ging. Zumindest war es das, was er sich selbst einredete. Nur nachsehen, nichts weiter.

Er hoffte, dass noch genug von seinem Geruch im Haus vorhanden war, so dass Angel ihn nicht gleich bemerken würde. Entschlossen machte er sich auf den Weg. Kurz vor dem Ziel kehrte er jedoch um und lief zurück. Nein, es war zu riskant. Er setzte sich in einem Seitenarm des Kanals auf den schmutzigen Boden, zog die Knie eng an seinen Körper und legte seine Arme um die Beine. Im Geiste sah er seinen Angel vor sich, sein liebes Gesicht, diese merkwürdige Frisur und seine wundervollen, samtbraunen Augen. Langsam begann Spike hin und her zu wippen und er legte seinen Kopf auf die Knie, während einsame Tränen über sein Gesicht liefen.

~*~

„Er ist wunderschön.“ Cordelia sah das Baby mit sehnsüchtigen Augen an.

„Ja, das ist er wirklich,“ stellte auch Wesley fest.

„Er hat Spikes Augen,“ meinte Faith.

„Alle Babys haben blaue Augen,“ sagte Gunn nüchtern.

„Nicht solche blauen Augen,“ murmelte Angel betrübt.

Wir brauchen Babysachen. Ich geh’ schnell einkaufen.“ Die praktische Art der Seherin lenkte ein wenig von der bedrückten Stimmung ab. Sie ergriff ihre Tasche und verließ die Lobby.

„Was ist passiert, Angel?“ Der Ex-Wächter blickte den Vampir fragend an.

Angel setzte sich hin und berichtete über die Geschehnisse, während Wes, Gunn und Faith ihm aufmerksam zuhörten.

„Und wir waren auch da? Wes und ich meine ich? Was haben wir gemacht?“ fragte Gunn neugierig.

„Äh, glaub mir, du willst es gar nicht wissen,“ antwortete Angel und musste schmunzeln, als er daran dachte, dass Wes und Gunn in der anderen Welt ein Paar gewesen waren.

„In Lankom wart ihr also böse Vampire? Ich werde das aufschreiben, möglicherweise müssen du und Spike, äh ich meine du, noch einmal dorthin um Angelus zu vernichten.“ Schnell verbesserte Wes seinen Versprecher, als er sah, wie Angel bei Spikes Namen zusammenzuckte. Er sprach eilig weiter um den Vampir von seinem Kummer abzulenken. „Inzwischen habe ich auch herausgefunden, was es mit dem Kind für eine Bewandtnis hat. Diese Sache mit den zwei, deren Blut eins ist. Zumindest glaube ich, dass ich es verstanden habe. Du und Spike, ihr seid doch Vampire?“

„Toll recherchiert Wes,“ spottete Gunn.

Wesley sah ihn mit einem missbilligenden Blick an und fuhr fort. „Na ihr zwei vereinigt euch doch, zumindest habt ihr es getan. Früher, mit Blut, gegenseitig und so.“ Wes wurde rot.

„Worauf willst du eigentlich hinaus?“ fragte Angel verständnislos.

„Also durch das… häufige… Vermischen… ist euer Blut eins geworden. Daher entstammt das Kind von zweien. Also von dir und Spike, da ihr ja eins geworden seid. Es soll wohl heißen, dass dein Sohn im Grunde genommen zwei Väter hat. Dadurch war er auserwählt. Vielleicht ist er das möglicherweise sogar noch immer, und es ist seine Bestimmung, große Taten zu vollbringen, weil er von zwei so mächtigen Vampiren mit Seele abstammt.“ Mit einem hoffnungsvollen Blick beendete Wesley seinen Vortrag.

„Meinst du?“ Angel sah ihn traurig an und Wes nickte.

„So, da bin ich wieder und ich hab’ alles mitgebracht, was der kleine Mann so braucht.“ Cordy stellte zwei große Tüten auf dem Tresen ab und begann sie auszupacken. „Jetzt wollen wir Connor erstmal wickeln und füttern.“ Sie stellte ein Fläschchen und mehrere Packungen Babynahrung auf den Tisch und begann das Essen für den Jungen herzurichten.

Angel schälte Connor aus Spikes Mantel und legte ihn auf eine weiche Decke. „Oje, du hast den Mantel eingesaut, mein Kleiner. Wir sollten den besser reinigen lassen, sonst liegt uns Spike bis ins nächste Jahrtausend in den Ohren, und wir haben…“ Er brach ab, als er bemerkte was er da eigentlich sagte.

„Es geht ihm gut, ganz bestimmt,“ versuchte Faith ihn zu trösten.

Angel nickte nur ohne aufzusehen und versuchte Connor eine Windel umzulegen.

Als Cordelia sah, wie er sich abmühte, griff sie lachend ein. „Komm, ich zeig dir wie das geht.“ Mit sicheren Handgriffen wickelte sie Connor und überreichte Angel anschließend das Baby. Dann nahm sie das fertige Fläschchen, drückte es dem Vampir in die Hand und zeigte ihm, wie er seinen Sohn füttern musste.

„Woher kannst du das denn nur?“ fragte Wesley erstaunt.

Als ich in die neue Wohnung gezogen bin, wohnte neben mir ein junges Ehepaar. Ich hab’ ein paar Mal auf ihre Tochter aufgepasst und dabei einiges gelernt,“ erklärte Cordy.

Als Connor versorgt war, beschloss Angel in seine Wohnung hinunter zu gehen um endlich ein paar Stunden Schlaf zu bekommen. Er verabschiedete sich von seinen Freunden und nahm Connor vorsichtig auf den Arm. In der anderen Hand hielt er Spikes Ledermantel und verließ die Lobby. Er begab sich ins Schlafzimmer und legte den Kleinen in sein großes Bett.

Früher hatte Spike da gelegen. Im Schlaf hatten sie sich umarmt und sich eng aneinander gekuschelt. Spikes zerzauste blondierte Haare hatten ihn in seiner Halsbeuge gekitzelt und wenn er ihn gestreichelt hatte, hatte Spike im Schlaf gelächelt und geschnurrt…

Schnell versuchte er seine traurigen Gedanken weg zu schieben und deckte seinen Sohn zu. Dann nahm er den Mantel und presste sein Gesicht in das weiche Leder. Tief sog er den Duft seines Childes durch seine Nase ein und schloss die Augen. Plötzlich bemerkte er, dass sich in den Taschen des Mantels etwas befand. Er griff hinein und fand Spikes Zippo und einen Zettel. Er nahm beides heraus. Spikes Feuerzeug, wie sollte er jetzt seine Zigaretten anzünden, wo auch immer er nun war, schoss es Angel durch den Kopf. Er legte das Feuerzeug auf den Nachttisch und drehte den Zettel in seiner Hand hin und her. Dann seufzte er und faltete das Stück Papier auseinander.

Traurig betrachtete er Spikes steile Handschrift und begann dann zu lesen.

Das ist mein Engel

den ich liebe,

leicht lächelnd,

still im Schlaf.

Er hält mich so,

als wollt er sagen,

ich bin bei dir

in jeder Stunde,

begleite dich,

was kommen mag.

Angels Augen füllten sich mit Tränen. Das Papier entglitt seinen Fingern und schluchzend vergrub er sein Gesicht in Spikes Mantel.