File 1: stories/1/138.txt
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Spike schleppte die Kiste hinter die Theke und stellte sie ab. „Dafür musst du aber ordentlich was springen lassen, wenn ich zwei Wochen lang für dich den Sherpa spiele, Lorne. Ich habe Schulden bei Cordy, weil ich ein Idiot bin und sie fragt mich jeden Tag wann sie ihr Geld endlich bekommt. Früher hätte ich Frauen wie sie einfach ausgesaugt, doch jetzt,“ seufzte er.

„Wozu hast du dir denn von Cordelia Geld geliehen, mein Süßer?“ lächelte der Host.

„Kleidung für Faith und ein Essen in einen schweineteuren Restaurant, weil ich unbedingt Angel und Faith verkuppeln wollte. Dabei isst Angel nicht einmal was. Und Geschenke brauch ich auch noch. Als ich noch böse war, so richtig meine ich, da war das Leben, Unleben noch einfach. Spike will etwas, Spike nimmt es sich, Ende. Aber nun mit Seele und so... Außerdem würde mir Angel den Hintern aufreißen, wenn ich... ach du weißt schon,“ murmelte er und erzählte Lorne die Einzelheiten über die Sache mit den Orakeln.

~*~

Kurz vor Morgengrauen schlüpfte ein zufriedener Spike vorsichtig zu Angel ins Bett. Lorne hatte ihn gleich für ein paar Tage im Voraus bezahlt und so konnte er Cordy ihr Geld zurückgeben und für seinen Anteil des Geschenkes, das Angel besorgt hatte, war auch noch was übrig. Er kuschelte sich an Angels Körper, der ihn sofort im Schlaf an sich zog und Spike schlief schnurrend ein.

„Wo warst du gestern?“ Angel strich sanft über Spikes Wirbelsäule, als dieser aufgewacht war.

„Sei nicht so neugierig Großer, du musst nicht alles wissen. Außerdem habe ich nichts angestellt,“ nuschelte er an der Brust seines Sires und drückte sich enger an ihn.

„Du willst es also nicht sagen? Gut, ich werde es schon irgendwie herausbekommen,“ meinte Angel bestimmt und schwang sich aus dem Bett.

„Wenn du meinst...“ Spike rollte sich gleichgültig zusammen und schlief wieder ein.

Angel zog sich an um hinunter ins Büro zu gehen. Es passte ihm gar nicht, dass er nicht wusste, wo Spike letzte Nacht gewesen war. Er hatte keinen Sex gehabt, das hätte er gerochen. Außerdem war Spike monogam, bis jetzt zu mindest. Auch Alkohol hatte er nicht bemerkt. Was wiederum verdächtig war, weil Spike ganz gerne einmal ein oder zwei Gläser trank. Wo zum Henker also war er gewesen? Er wusste genau... wenn Spike nichts sagen wollte, war es nicht einmal aus ihm herauszuprügeln. Er würde ihn beobachten und ihm notfalls folgen, wenn er wieder aus dem Haus gehen sollte. Seufzend setzte er sich hinter seinen Schreibtisch, zog ein Kuvert aus der Lade und steckte die Gutscheine für Cordelias Geburtstag hinein. Die Karte musste noch von allen unterschrieben werden bevor Cordy kam. Das Geld hatte er schon von jedem bekommen und Spikes Anteil würde er bezahlen, weil Spike sowieso kein Geld hatte. Doch bis dahin war noch Zeit. Wes, Gunn und Faith würden in zwei Stunden kommen. Er arbeitete noch eine Stunde in seinem Büro. Dann stand er auf um in seine Wohnung zu gehen. Es war Zeit Spike zu wecken.

Als er die Treppe hinunter ging hörte er sein Child bereits fluchen. „Verdammtes neumodisches Mistding! Ich stopf dich dem nächsten Dämon in den Rachen, damit er erstickt an dir... so ein Dreck.“ Grinsend öffnete Angel die Tür und sah Spike in der Küche stehen. Er kämpfte mit einem Dressiersack und der Kampf schien eindeutig zu Gunsten des Küchengerätes auszugehen.

„Was denn, was denn. Mein kleiner Zuckerbäcker hat Schwierigkeiten?“ konnte sich Angel nicht verkneifen.

„Halt bloß die Klappe, Peaches, sonst garantiere ich für nichts,“ knurrte Spike ihn an. Er schmiss den Sack in die Spüle und steckte sich frustriert eine Zigarette an.

„Ich bin verdammt nochmal aus der Übung. Es ist einfach zu lange her. Aber ich lass mich nicht unterkriegen. Ich hab mir vorgenommen was draufzumachen und das tue ich auch,“ erklärte er grimmig.

„Was machst du drauf?“

„Keine Ahnung. Irgendetwas Böses oder Gemeines draufschreiben dachte ich. Weißt du was?“ grinste Spike.

„Entweder du schreibst Cordy was Gutes drauf oder du lässt es ganz bleiben, verstanden?“ knurrte sein Sire.

„Ich habe eine Torte für sie gemacht, das ist doch wohl gut genug. Jetzt will ich meinen Spaß,“ konterte sein Child. Doch als er Angels bösen Blick sah, lenkte er ein. „Na gut, ich schreib gar nichts, ich mach was anderes und nun raus.“ Spike schob ihn aus der Küche.

„Wehe du ruinierst die Feier, dann bist DU auf Entzug, mein Lieber. Also überleg dir, was du tust,“ sagte Angel noch.

„Pha, als ob mir das was ausmachen würde, Poof.“ Spike schloss rasch die Tür. Er holte Papier und Stift und zeichnete eine Schablone, woraus dann ein Scherenschnitt von Cordys Kopf entstand, den er dann aus Marzipan nachformte um ihn auf die Mitte der Torte zu setzen. Rundherum brachte er ein paar Kerzen an und stellte sein *Meisterwerk* in den Kühlschrank. Angel würde seine Drohung wahr machen, das wusste er. Und Nächte ohne seinen Engel, das war das bisschen Cordy-Ärgern nicht wert.

~*~

Als Spike bald darauf in die Lobby kam, waren Wesley, Gunn und Faith schon da. Er ging ins Büro zu Angel, der gerade das Geld für die Anteile des Geschenkes von den anderen zusammenlegte. „Wie viel macht mein Anteil aus?“ fragte Spike, und holte stolz ein Bündel Geldscheine aus der Hosentasche.

„Wo hast du das Geld her?“ Angel sah ihn misstrauisch an.

„Was denkst du wohl, von einem Überfall natürlich. Der böse Spike, wie soll der den sonst zu Geld kommen.“ Beleidigt schmiss er seinem Sire das Geld hin. „Da, nimm dir was du für Cordelia brauchst, den Rest kannst du behalten.“ Er stürmte zu Tür, doch bevor er sie erreichte hielt Angel in auf.

„Komm schon Spike, es war nicht so gemeint. Wenn du mir sagst, dass keine Gaunerei dahinter steckt glaub ich dir.“

„Keine Gaunerei, Schufterei, zum Teufel,“ murrte Spike.

„Schufterei? Wie meinst du das?“ Angel war verwirrt. Was sollte das nun wieder heißen?

„Schuften, arbeiten, roboten, schinden. Ich hab dafür gejobbt, Mann,“ knurrte Spike verlegen.

„Du hast gearbeitet? Du? Wer bist du? Wo ist Spike, was hast du mit ihm gemacht?“ Grinsend begann Angel ihn zu schütteln.

„Hör schon auf Angel, so mies bin ich nun auch wieder nicht, wie du mich hinstellst. Es ändert sich eben alles, wenn man jemanden hat, den man liebt.“ Spikes Stimme wurde sehr leise und verlegen senkte er den Kopf.

Gerührt nahm Angel ihn in die Arme und drückte ihm einen Kuss auf das blonde Haar. “Ich liebe dich auch, Spike, und wie ich dich liebe,“ murmelte er zärtlich.

~*~

Als Cordy eintraf, taten alle so als wären sie furchtbar beschäftigt. Auf ihren Gruß hin antworteten sie nur flüchtig, ohne von ihren Arbeiten aufzusehen.

Die Enttäuschung war ihr anzusehen als sie hinter den Tresen ging um ihre Tasche abzustellen und sich dem Laptop zuwandte.

„Ich brauch noch was,“ murmelte Spike und ging nach unten in Angels Wohnung, die mittlerweile auch seine war. Angel wartete noch ein paar Minuten, schlich dann aber zum Lichtschalter um den Raum zu verdunkeln, wenn Spike mit der Torte heraufkam.

Faith, Gunn und Wesley, schielten ebenso wie Angel zur Treppe, als Spike leise heraufkam. Angel löschte das Licht und Cordy rief: „Was ist denn jetzt los, Angel? Hast du die Stromrechnung nicht bezahlt? Wir haben doch ausgemacht, dass du dich darum...“ Weiter kam sie nicht.

Spike kam mit der Torte, auf der die Kerzen brannten die letzten Stufen hoch und alle riefen „Happy Birthday, Cordy.“

„Ihr habt es nicht vergessen,“ strahlte sie und Angel drehte das Licht wieder auf.

„Wie könnten wir deinen Geburtstag vergessen?“ Angel grinste sie an.

„Danke, Leute, und so eine schöne Torte“, sagte sie erfreut. „Das bin ja ich!“ Erstaunt betrachtete sie das Marzipanbild auf dem Schokoladekuchen, den Spike ihr entgegenhielt.

„Ja, naja. Angel meinte ich soll was draufmachen was dir gefällt,“ sagte Spike, biss sich aber sogleich auf die Lippen. „Verdammt, jetzt wissen es alle,“ dachte er und wappnete sich schon einmal für den Spott von Faith und Gunn.

„Wie? Du hast das gemacht?“ Cordy sah ihn groß an.

„Was? Nein, ich mach doch keine Kuchen. Ich bin ein Vampir, die machen keine Kuchen,“ murmelte er entrüstet.

Cordy ignorierte seine Worte. „Sie ist wundervoll, danke Spike.“ Mit leuchtenden Augen umarmte sie ihn und drückte Spike einen Kuss auf die Wange. Er sah sich vorsichtig um und registrierte erleichtert, dass keiner lachte. Leise stieß er die Luft aus, die er nicht brauchte. „Und sie schmeckt gut, du wirst sehen,“ sagte er leise.

„Wir haben zusammengelegt, hoffentlich gefällt es dir.“ Angel hielt ihr das Kuvert hin und grinste unsicher. Cordy hob die Augenbrauen und öffnete den Umschlag. Als sie sah was sich darin befand, stieß sie einen Jubelschrei aus. „Ihr seid ja verrückt Leute, das ist ja großartig! Drei Tage volles Programm... Massagen, Gesichtsbehandlungen, Maniküre, Pediküre, Frisör. Ich werd mich verwöhnen lassen, wie in alten Zeiten. Ich kann euch gar nicht sagen wie sehr ich mich freue.“ Mit strahlendem Gesicht umarmte sie einen nach dem anderen, die sie zufrieden anlächelten.

„Ich mach Kaffee, damit wir etwas haben womit wir Spikes Torte runterspülen können,“ grinste Faith und ging in die kleine Küche hinter dem Tresen.

„Danke,Jägerin, charmant wie immer,“ knurrte Spike hinterher. Er hatte es gewusst, irgendeiner würde die Klappe aufreißen.

Bald saßen sie einträchtig bei Kaffee und Kuchen und Faith nahm sich schon das zweite Stück von der süßen Köstlichkeit, als sie mit vollem Mund nuschelte: „Ein Traum Spike“. Die anderen nickten bestätigend und sogar Angel hatte sich ein kleines Stück von Cordy geben lassen. „Krieg ich auch eine von dir, wenn ich Geburtstag hab?“ fragte die Jägerin kauend.

Spikes Brust schwoll vor Stolz an, doch er knurrte. „Nein, denn wir haben sicher nicht genug Kaffe um das Ding runterzuspülen.“

„Hab’s nicht so gemeint, du kennst mich doch. Ach bitte Spikey, nur eine Kleine, ja?“ fragte sie schmeichelnd.

„Mal sehen,“ brummelte er und schob sich zufrieden die Gabel in den Mund, während sich die anderen grinsend anblickten.

Als sie fertig gegessen hatten erhob sich Angel. „Ich muss leider los, Leute. Ich bin heute dran mit dem Rundgang.“ Er nahm seine Jacke und verließ das Hotel um auf Patrouille zu gehen. Die anderen unterhielten sich noch eine Weile um dann noch zwei Stunden zu arbeiten, bis sie nach Hause gingen. Cordy ging früher, sie wollte noch ihre Koffer packen um gleich am nächsten Morgen auf die Beautyfarm zu fahren.

Spike setzte sich mit einem Buch in der Lobby auf das Sofa, da er noch auf Angel warten wollte. Gegen Morgen schlief er ein und als er nach ein paar Stunden erwachte, wunderte er sich, dass Angel ihn nicht geweckt hatte. Er ging hinunter ins Schlafzimmer, doch Angel war nicht da. Unruhig durchsuchte er das ganze Haus... kein Angel. Aufs höchste besorgt lief er zum Telefon um Wesley anzurufen. Als er ihn per Handy erreichte, war dieser gerade am Bahnhof, weil er Cordy zum Zug gebracht hatte. „Ich fahre erstmal zu Lorne, möglicherweise ist er dort hängen geblieben,“ versuchte Wes ihn zu beruhigen.

„Das glaube ich nicht. Zumindest hätte Angel angerufen. Es muss etwas passiert sein, ich fühle es und ich kann nicht raus, verdammt, es ist Tag. Komm gleich zurück wenn du bei Lorne warst, damit jemand da ist, wenn Angel inzwischen auftauchen sollte. Und bitte ruf Gunn an, er soll sich mit Faith auch umsehen. Ich gehe inzwischen die Tunnel ab, vielleicht ist er da unten irgendwo.“

Spike legte auf und zog sich rasch seinen Mantel an bevor er durch den Keller die Kanalisation betrat. Den ganzen Tag und die ganze Nacht lief er durch die Kanäle, jeden Winkel durchsuchend. Immer wieder rief er Wesley an, in der Hoffnung, dass Angel inzwischen zurückgekehrt war, doch sein Hoffen war vergebens.

~*~

Als der Morgen graute kam Spike wieder ins Hyperion zurück um etwas zu trinken. Fragend sah er Wesley an, der nur den Kopf schüttelte. „Er ist nicht tot, dass weiß ich. Ich würde es spüren... aber es ist etwas passiert. Bloody hell, was soll ich nur tun?“ Verzweifelt wischte sich Spike über die Augen. „Ich geh nochmal los. Ich kann unmöglich tatenlos hier herumsitzen.“

„Du bist erschöpft, Spike. Es hat doch keinen Sinn. Du musst dich ausruhen, komm schon, wenn Angel bis zum Abend nicht zurück ist kannst du draußen weitersuchen, okay?“ Wesley sprach beruhigend auf ihn ein und wollte ihn am Arm zum Sofa ziehen.

„Hände weg, Wächter, ich sagte ich gehe wieder. Und wage es ja nicht mich aufzuhalten,“ knurrte Spike und seine Augen blitzten gelb auf. Erschrocken wich Wesley zurück.

Sofort lenkte der Vampir ein. „Tut mir leid, das wollte ich nicht. Ich werde fast wahnsinnig vor Sorge, versteh das bitte.“

„Schon gut, ich versteh dich ja. Ich denke nur es hat nicht viel Sinn. Du bist schon alle unterirdischen Gänge abgelaufen und hast Angel nicht gefunden,“ meinte Wes.

„Ja, ich weiß, aber wenn ich hier bleibe werde ich verrückt.“

Spike ging wieder in den Keller um abermals durch die Kanalisation zu streifen. Als er den Kanaldeckel hochhob, stieg Angel gerade die Leiter hoch. Ein tiefer erleichterter Seufzer entwich Spikes Kehle. Mit beiden Händen griff er hinunter und zog seinen Sire hoch. Fest schloss er ihn in die Arme und drückte ihn an sich. „Wo zum Teufel bist du gewesen? Ich bin fast umgekommen vor Sorge.“ Spike sah Angel liebevoll in die Augen und strich ihm die Haare aus dem Gesicht.

„Ich weiß nicht genau,“ antwortete Angel verwirrt.

„Verdammt, Peaches, mach so was nie wieder, hörst du?“ Spike drückte ihn wieder an sich, stutzte jedoch plötzlich und schob ihn weg. Bestürzt sah er Angel an. „Du hast mit einer Frau geschlafen, ich kann es riechen. Du hast mit... oh mein Gott.“ Er erkannte den Geruch der Frau und starrte seinen Sire mit weit aufgerissenen Augen an. „Wie konntest du mir das antun?“ flüsterte er, drehte sich um und sprang durch den offenen Kanaldeckel nach unten.

„Spike, es ist nicht so, wie du...“ rief Angel ihm hinterher. Doch sein Child hörte ihn nicht mehr. Wie von Furien gehetzt rannte Spike durch die dunklen Kanäle.