File 1: stories/1/144.txt
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„Moment, was ist hier eigentlich los?“ Spike sah sich interessiert um.

„Was hier los ist? Was ist mit dir los? Wieso schmeißt du mir die Szene? Verdammt Spike, die ganze Zeit hängst du mit Buffy zusammen und jetzt bekommst du nicht einmal einen Kuss hin? Weißt du überhaupt was so ein Drehtag kostet? Ich gebe dir zehn Minuten. ZEHN MINUTEN, hast du verstanden? Dann bringen wir die Einstellung in den Kasten, sonst drehe ich noch durch.“ Vor sich hin schimpfend verließ der Mann seinen Stuhl. Spike reckte sich, um den Namen auf seinem Klappstuhl zu lesen. Dies erwies sich jedoch als etwas schwierig, weil Buffy immernoch an seinem Hals hing.

„Was ist los mit dir heute?“ fragte sie verwundert.

„Äh, ich habe schlecht geschlafen. Irgendwie krieg ich das heute nicht auf die Reihe. Wie war das noch schnell, was müssen wir jetzt tun, äh Liebes?“ fragte Spike und löste ihre Arme von seinem Nacken, hielt jedoch ihre Hände fest. Krampfhaft versuchte er die verwirrende Situation auf die Reihe zu kriegen.

„Na die Schlußeinstellung für heute. Wir küssen uns und Cut. Joss hat es ja schon gesagt.“ Buffy schüttelte lachend den Kopf.

„Ah ja, genau, und Cut. Also ich… Buffy, Luv.., ich geh mal schnell für kleine Vamp… in den Waschraum. Bin gleich wieder da, okay?“ Spike ließ ihre Hände los uns sah sich suchend nach Angel um. Der lehnte an einer Säule hinter der Kulisse und sah Spike wütend an, als er näher kam.

„Was zum Teufel sollte das? Du hättest sie beinahe geküsst,“ knurrte er sein Child an.

„Hab ich aber nicht, wie du gesehen hast,“ murrte Spike zurück.

„Aber du wolltest.“

„Ich wollte nicht. Was glaubst du wie ich mich fühle? Ich stehe auf einmal vor Buffy, sie hängt an meinem Hals und will mich küssen, der Typ in dem Klappstuhl, Joss heißt er wohl, brüllt mich an weil ich es nicht tue, du knurrst mich an, obwohl ich es nicht getan habe, Buffy schaut mich an als wäre ich total verblödet, und ich stehe da wie ein Idiot und hab’ keine Ahnung was abgeht,“ blaffte Spike.

„Ich denke, die drehen einem Film und weil wir jetzt in dieser Parallelwelt sind, stecken wir in den Körpern von denen, die sonst wir sind oder so,“ überlegte Angel.

„Was du nicht sagst, du Schnellmerker. Das hab ich inzwischen auch schon geschnallt. Wir sind also in dieser Welt, stecken in den Körpern fest, die genauso aussehen wie wir und drehen einen Film mit Buffy? Wenn das nicht verrückt ist. Und was mache ich jetzt, wenn dieser Joss sagt, ich muss Buffy küssen?“ fragte Spike.

„Tu’ was der Regisseur sagt. Ich denke, der ist wohl der Boss hier. Wir müssen uns anpassen. Aber nur soviel küssen, wie unbedingt notwendig ist, hörst du?“ meinte Angel streng.

„Der hat das Sagen? Ist er so eine Art Gott oder was?“ murrte der blonde Vampir.

„Hier schon, denke ich,“ antwortete Angel nachdenklich.

„Na dann werd’ ich mal…“ Spike drehte sich weg und schlurfte langsam zurück.

„Spike?“ rief Angel leise hinterher. „Aber nicht mit Zunge.“

„Aber klar doch. Äh… nein, meine ich.“ Grinsend ging Spike zum Set zurück. „Angel ist eifersüchtig? Gut. Nur auf wen? Auf mich oder Buffy?“ Spike runzelte verunsichert die Stirn und stellte sich gegenüber von Buffy auf seine Position.

„Na? Hast du dich wieder eingekriegt?“ lächelte sie und drängte sich an ihn.

„Alles klar, geht schon wieder,“ murmelte Spike und legte seine Hände um ihre Hüften.

„Also auf ein Neues. Und Action,“ rief der Regisseur.

Spike beugte sich zu Buffy und sie küssten sich hingebungsvoll, wobei der Vampir fest die Lippen geschlossen hielt.

„Cut, Cut. Na geht doch.“ Zufrieden begab sich Joss Whedon zu den beiden und klopfte ihnen auf die Schulter. „Gut gemacht, das war’s. Wir haben für heute alles im Kasten. Morgen noch die letzte Einstellung von euch beiden im Bett und das war’s dann. Wenn alles klappt, können wir uns in ein paar Tagen die Rohfassung ansehen.“

Angel kam mit raschen Schritten auf die drei zu. „Bettszene? Wieso Bett?“ fragte er bestürzt.

„Nicht du, Angel. Buffy und Spike natürlich. Sagt mal, hat denn keiner von euch das Drehbuch gelesen? Bereitet euch gefälligst besser vor. Kein Wunder, dass ich jede Sequenz zehnmal drehen muss. Wenn der Dreh morgen abgeschlossen ist, dann habt ihr eine Woche frei. Nutzt die Zeit und lernt endlich euren Text. Ich will nicht noch einmal eine Panne erleben, wie diese eben. Also bis Morgen und seid pünktlich. Und Angel, dich und Willow brauche ich morgen ebenso. Wir müssen noch eine kurze Einstellung nachdrehen.“ Er nickte ihnen zu und ging aus der Halle.

„Komm Liebster, lass uns nach Hause gehen. Dann will ich aber einen anständigen Kuss, hörst du? Der vorhin war ja nur gespielt, für den Film sozusagen, aber damit gebe ich mich nicht zufrieden.“ Buffy hängte sich bei Spike ein und zog ihn davon. Angel blickte unschlüssig hinterher, als Buffy plötzlich stehen blieb und zu ihm zurückschaute. „Was ist Angel? Kommst du nicht? Willow wartet schon bei deinem Wagen auf dich, also beweg dich gefälligst.“

Schnell folgte Angel und begab sich an Spikes Seite. „Egal in welcher Welt wir sind, eines ändert sich anscheinend nie - wir stehen eindeutig unter ihrer Fuchtel,“ flüsterte Spike leise zu Angel.

„Da hast du wohl Recht,“ antwortete der grinsend.

„Was?“ fragte Buffy.

„Ach nichts, Liebes. Ich meinte nur, man hat es nicht leicht in dieser Welt,“ antwortete Spike schnell.

Sie erreichten das Ende der Halle und die beiden Vampire stoppten erschrocken ihren Schritt. Die blutrote Sonne am Himmel tauchte den Ausgang in ein ungewöhnliches, helles Licht.

„Was ist denn nun schon wieder?“ fragte Buffy ungehalten.

„Äh, geh’ du schonmal voraus, ja? Ich muss noch kurz mit Angel sprechen, über... über… das ist ein Geheimnis. Wir kommen gleich nach, okay?“ Spike setzte sein umwerfendstes Lächeln auf und neigte den Kopf zur Seite, in der Hoffnung dass es wirken würde.

Und das tat es. Buffy nickte und strahlte ihn an. „Wie könnte ich diesem Blick widerstehen? Wir sehen uns beim Wagen, aber lasst euch nicht zu lange Zeit. Und irgendwann will ich es wissen, euer Geheimnis.“

„Wir beeilen uns, versprochen,“ meinte er, küsste ihre Fingerspitzen und ließ ihren Arm los. Sobald sie außer Sichtweite war, drehten sich die beiden Vampire zueinander.

„Musste das sein?“ murrte Angel frustriert.

„Was meinst du? Ich mach doch gar nichts. Wir sollen nicht auffallen, hast du gesagt. Ich kann sie doch nicht einfach ignorieren. Soll ich etwa mit ihr Schluss machen, oder was? Sie ist glücklich mit mir… äh… mit Spike. Mit dem anderen Spike, meine ich. Und wenn wir wieder weg sind, dann wäre sie alleine. Das willst du doch nicht, oder?“ Der blonde Vampir unterdrückte ein Grinsen und freute sich insgeheim darüber, dass sein Sire so eifersüchtig war.

„Natürlich will ich das nicht. Aber du hast sie so angesehen, mit deinem besonderen Blick, mit dem du sonst nur mich…“ Frustriert brach Angel ab und sah an Spike vorbei.

„Komm schon mein Großer, wenn ich dich ansehe, dann ist es Liebe, das hier war nur Show. Wir haben jetzt andere Sorgen.“ Spike strich ihm zärtlich über den Arm.

„Ja, wir haben ein Problem. Genauer gesagt sogar mindestens drei Probleme.“ Angel sah besorgt nach draußen.

„Drei? Wieso drei?“ wunderte sich Spike.

„Die Sonne, Buffy und Willow,“ klärte ihn sein Sire auf.

„Zweimal drei. Darla, Lilah und den Inder dürfen wir auch nicht zu vergessen. Aber hübsch eines nach dem anderen. Erst die Sonne, würde ich sagen. Die sieht ja irgendwie ziemlich merkwürdig aus. Gut, sie ist blutrot, einer meiner Lieblingsfarben, aber wir sollten testen, ob sie uns schaden kann. Du zuerst,“ grinste Spike.

„Wieso ich?“ wollte Angel mürrisch wissen.

„Na du bist der Boss. Schon im Mittelalter, ach was sag ich überhaupt, schon in der Steinzeit ist der Anführer als erstes losgestürmt, wenn es in die Schlacht ging. Das habe ich gelesen. Also stürme, mein Held, mein Anführer, mein…“

„Schon gut, ich geh ja schon, wenn du nur endlich deine vorlaute Klappe hältst.“

Angel trat vorsichtig einen Schritt nach vorne.

„Das nennst du stürmen? Da lachen ja die Hühner, das ist ja lächerlich. Also ich fürchte, ich werde mir einen anderen Helden suchen müssen,“ spottete Spike ungeniert weiter.

Angel drehte sich wütend um, schnappte Spike an den Hemdaufschlägen und knurrte: „Willst du dass ich abfackle? Willst mich wohl loswerden, damit du mit Buffy in die Kiste hüpfen kannst, oder was? Spukt das in deinem kranken Hirn herum? Weil du in dieser Dimension von ihr geliebt wirst? Ist es das, sag schon, ist es das?“ Wütend schüttelte er sein Child hin und her.

„Hey, beruhige dich, das hatten wir doch schon. Ich hab’ doch nur Spaß gemacht. Du musst ja nicht gleich ausflippen vor Eifersucht. Nur weil sie hier auf mich steht und nicht auf dich. Das ist es doch, was dich in Wirklichkeit wurmt. Weil du sie willst,“ erklärte Spike eingeschnappt.

„Ich bin nicht eifersüchtig, schon gar nicht auf dich, auf Buffy… auf… verdammt, William. Buffy ist Vergangenheit. Sie ist in meinem Herzen, immer, aber nur als gute Freundin, mehr nicht.“

„Ach, und was soll dann der Aufstand?“

„Du hast sie geküsst, rennst mit ihr Händchenhaltend durch die Gegend und Morgen steigst du auch noch mit ihr ins Bett, wenn du es nicht schon heute Nacht machst.“ Angels Gesicht war nur noch höchstens zwei Zentimeter von Spikes entfernt, während er ihn wütend anfauchte.

„Wusste ich’s doch, du liebst sie noch immer,“ flüsterte Spike, während er noch eine Spur blasser wurde und spürte, wie ihm ein Stich durch sein totes Herz fuhr.

Angel sah ihn verständnislos an. „Gott, Spike, verstehst du denn nicht? Du bist es doch, dem mein Herz gehört. Ich will dich nicht an sie verlieren. Und wenn du ihr so nahe bist, dann kommen vielleicht wieder irgendwelche alten Gefühle von dir hoch und du willst mich vielleicht nicht mehr. Vielleicht willst du dann lieber bei Buffy bleiben und lässt mich alleine, und… und…“ Angels Stimme wurde zu einem Flüstern. Er senkte seinen Blick und ließ seine Arme kraftlos nach unten sinken.

„ Liebster, hey! Ich dachte ich bin der liebeskranke Irre hier, nicht du. Natürlich freut es mich, dass du anscheinend genauso verrückt nach mir bist, wie ich nach dir. Na gut, ich bin ja auch einmalig, wer wäre also nicht verrückt nach mir? Okay, lassen wir das,“ fügte der Blonde schnell hinzu, als er sah, wie Angel seine Augen verdrehte. „Aber diese Worte jemals von dir zu hören ist schon Grund genug, auch die tollsten Frauen der Welt von der Bettkante zu schubsen, das kannst du mir glauben.“ Spike hob mit seiner Hand Angels Kinn in die Höhe und strahlte ihn an.

Der schaute seinem Child verlegen ins Gesicht. „Ziemlich peinlich, mein Ausbruch, nicht?“

„Auf keinen Fall, das war toll. Ich könnte dich dafür küssen und noch so einiges anderes mit dir anstellen,“ grinste Spike verführerisch und näherte sich langsam den Lippen seines Sires.

„Was macht ihr denn noch hier? Ich denke, Willow und Buffy warten auf euch.“ Angel und Spike fuhren erschrocken auseinander, als plötzlich Xander und Anya vor ihnen standen.

„Äh, ja, wir gehen ja schon. Angel hat sich verletzt, ich wollte mir das nur noch kurz ansehen. Ihr könnt schon voraus gehen und Buffy Bescheid sagen, dass wir sofort nachkommen,“ erklärte Spike schnell.

„Bin ich dein Laufbursche, oder was, Blondie? Sag’s ihr doch selbst,“ bluffte Xander ihn an.

„Sei doch nicht so. Wir gehen doch sowieso zum Wagen, also können wir den beiden Mädchen doch Bescheid sagen,“ tadelte Anya ihren Freund lächelnd und nickte den beiden Vampiren freundlich zu.

„Danke, Anya?“ Spike hoffte inständig, dass sie auch in dieser Welt noch so hieß.

„Schon gut.“ Sie nahm Xander an der Hand und zog ihn hinter sich her.

„Na wenigstens sind hier zwei, die sich normal benehmen,“ brummte Angel.

„Die zwei nennst du normal?“ fragte Spike verwundert.

Der nickte nur und grinste. „So, und jetzt testen wir die Sonne. Du zuerst, denn die Anführer, mein Lieber, haben immer zuerst die Soldaten vorausgeschickt. Das zumindest habe ich gelesen.“

„Eins ist klar, du liest eindeutig zuviel,“ seufzte Spike und streckte vorsichtig seine Hand in die blutrote Sonne. Er grinste als nichts passierte.

„Sie ist kalt, die Sonne, fühl mal,“ sagte Spike erleichtert.

Angel streckte seine Hand nach vorne. „ Kühl, so wie wir.“ Er berührte kurz die Wange seines Childes und hob plötzlich erstaunt die Augenbrauen. „Du bist warm, Spike!“

„Was? Wieso?“ Der Vampir griff sich schnell an die Brust, ließ die Hand dann aber enttäuscht wieder sinken. „Kein Herzschlag,“ murmelte er. „Na ja, man kann nicht alles haben.“

„Also dann, los geht’s. Auf zu unseren Frauen. Und dann sollten wir versuchen, irgendwie die Nacht zu überstehen,“ murmelte er. Uns so gingen beiden Seite an Seite ins Freie. Das rote Licht überstrahlte die bizarre Landschaft und verbreitete eine eigenartige ungewöhnliche Stimmung. Die lilafarbenen Blätter der Bäume raschelten leise im Wind und kobaltblaue Kraniche kreisten über ihren Köpfen, als sie sich erstaunt die Umgebung betrachteten, während sie die Straße in Richtung Parkplatz entlanggingen. Zumindest war es die Richtung, in der sie den Parkplatz vermuteten. Ihre Gedanken drifteten zu den sicher schon wartenden Mädchen und sie überlegten fieberhaft, wie sie sich verhalten sollten, ohne Verdacht zu erregen.

„Hilfe, lassen sie mich los. Was wollen sie denn eigentlich von mir? Spike, hilf mir!“ schrie Buffy aus Leibeskräften, während eine blonde Frau sie mit eisernem Griff festhielt.