File 1: stories/1/12.txt
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Detektiv Kate Lockley und Francis Doyle schoben Walshs Sekretärin zur Seite und betraten das Büro. Doyle eilte zu dem Aktenvernichter und schaltete ihn rasch aus, während er gleichzeitig den Ordner an sich nahm, den Maggie noch in der Hand hielt, und Kate griff nach ihren Handschellen. „Mrs. Walsh wir verhaften Sie wegen Anstiftung zum Mord, Dokumentenfälschung und Betrugs.“

„Das müssen Sie mir erst beweisen“, entgegnete die Frau patzig.

Kate lächelte überlegen. „Oh, das dürfte kein Problem sein. Auf Grund eines Anrufes hatten wir ein anregendes Gespräch im den Libyschen Behörden und Finn, den Sie gut kennen, wie ich gehört habe, ebenso wie seine Kumpanen werden dieser Tage noch in New York eintreffen, unter bester Aufsicht natürlich.“

„Und für das hier“, Doyle wedelte mit dem Ordner, „ wird sich sicher die Steuerfahndung interessieren.“

„Nein“, war alles was Maggie entsetzt hauchte, bevor sie abgeführt wurde.

~*~

Groo klopfte an Cordelias Zimmertür, ein großes Tablett in der Hand, und atmete tief durch. „Ganz ruhig Groo alter Junge, mehr als nein sagen kann sie nicht. Gott, ich fühle mich wie ein Primaner vor seinem ersten Date, diese Frau bringt mich um den Verstand und ich würde so gut wie alles tun, damit sie...“ noch bevor er seine Gedanken zu ende führen konnte, hörte er Cordy rufen; „Kommen Sie rein die Tür ist offen und bringen Sie die Koffer in die Lobby. Außerdem brauche ich ein Taxi.“

Die Junge Frau stand mit dem Rücken zur Tür und schloss gerade ihren Kosmetikkoffer.

Die Party gestern Abend hätte ihr gefallen, wenn Groo nicht so distanziert gewesen wäre und Cordy somit in ihrer Vermutung bestätigte, dass für ihn alles nur ein Spiel war. Verbittert über diese niederschmetternde Erkenntnis hatte sie beschlossen heute das erste Flugzeug zurück nach L.A. zu nehmen, um zu Hause ihre wunde Seele zu pflegen. Sie drehte sich um, in der Annahme den Pagen in ihrem Zimmer vorzufinden, und wich erschrocken einen Schritt zurück, da Groo vor ihr stand, verlegen lächelnd und ein großes Frühstückstablett in den Händen.

Sofort verschränkte sie ihre Arme vor der Brust und schaute finster drein. „Der Herr hat also beschlossen mir wenigstens zum Abschied Beachtung zu schenken?“

„Was? Nein, ich... so ist das nicht, es... ich…“

„Hör auf herumzustottern Groo Peterson und lüge mich nicht an. Seit Angel abgeflogen ist, hast du mich wie Luft behandelt und nur weil mein Bruder dich gebeten hat auf mich zu achten, hast du mich begleitet oder zum Set gefahren.“

„Das war nicht der Grund, weißt du?“

„So? Was dann? Du hast kaum ein Wort mit mir geredet und gestern auf der Party sah ich dich kaum. Welche Gründe hast du also für dein Verhalten?“

„Weil ich dich liebe.“

„Pf… was du nicht sagst, eine wunderbare Art mir das zu zeigen, treib deine Spielchen mit jemand anderem, ich falle nicht mehr darauf rein.“ Cordelia griff wütend nach ihrer Handtasche und wandte sich zur Tür.

„Cordy, bitte hör mich an. Nur 5 Minuten, bitte.“

„Du hast drei und die Zeit läuft“, entgegnete sie und drehte sich mit einem hochmütigen Blick zu dem Hotelbesitzer um.

Der schaute betreten zu Boden. „Ich weiß, ich kann dir nicht viel bieten, bin kein Produzent oder so, du bist Schauspielerin und eine gute noch dazu, natürlich ist mir klar, dass deine Kariere gerade beginnt und ich...“

„Komm auf den Punkt, mein Flugzeug wartet“, unterbrach sie ihn ungehalten, da sie seinen Worten nicht entnehmen konnte, was er da von sich gab.

Groo atmete tief durch und blickte sie unsicher an, bevor er mit fester Stimme fragte: „Cordelia Liam, willst du mich heiraten?“

~*~

„Wo hast du das her?“ Gebannt starrte Spike auf die Zeichnung, die sein Onkel ihm gegeben hatte.

„Mr. Liam hat sie wohl gemacht, als er auf mich wartete und dann wohl in der... Hitze des  ähm... Gefechtes auf meinem Schreibtisch vergessen. Es ist offensichtlich, dass ihm etwas an dir liegt, auch wenn er sich dessen vielleicht nicht so richtig bewusst ist. Nun ist es an dir William, ihm das klar zu machen.“

„Worauf du dich verlassen kannst. Der Sturkopf hat ja keine Ahnung was da auf ihn zukommt.“ Hektisch zerrte Spike seine halbgepackte Reisetasche und stopfte ein paar T-Shirts hinein, als er plötzlich stoppte. „Verdammt die Big-Bad, sie ist in Sabath. Bloody hell mit dem Rover dauert das ewig und...“

„Ich habe mir erlaubt Gunn anzurufen, er hat dein... nun nennen wir es Flugzeug, obwohl... nun ja, das steht jetzt nicht zur Debatte. Jedenfalls steht sie aufgetankt draußen und wartet auf dich. Außerdem habe ich ordentliche Kleidung für dich in die Maschine legen lassen, schließlich vertrittst du mein Unternehmen und da erwarte ich, dass du... umpf…“

Spike umarmte seinen Onkel fest. „Du bist der Beste“, murmelte er freudig, bevor er ihn wieder losließ. Der, um seine Rührung zu verbergen, die Brille abnahm und sie heftig zu putzen begann.

„Ordentliche Kleidung?“ fragte Spike plötzlich mit zusammengezogenen Augenbrauen. „Ich hoffe doch es ist nicht Tweed?“ Worauf sein Onkel ihn unverständig ansah.

~*~

Angel und Lindsey hatten ihr Essen beendet und unterhielten sich bei einem Glas Whiskey über die Möglichkeiten der Klage gegen Rupert Giles.

Der Anwalt verstand sein Geschäft, wie Angel zufrieden bemerkte und außerdem schien er ein netter Kerl zu sein.

Lindsey ging es nicht anders. Als Lilah ihn bat sich des Falls anzunehmen, sagte er sofort zu, denn sie hatte ihm des –fteren von Angel erzählt, ihm auch dessen Homosexualität nicht verschwiegen und Lin war neugierig auf diesen Mann geworden, mit dem Hintergedanken, dass, sollte ihm der Architekt gefallen, sich etwas zwischen ihnen entwickeln könnte.

Nun aber stellte er fest, dass da nichts war außer Sympathie, das gewisse Prickeln kam nicht auf, wenn er den jungen Architekten ansah.

Angel war mit seinen Gedanken jedoch ganz woanders, während er einen kurzen Blick in Lindseys blaue Augen warf. ‚Sie sind blau, dachte er, ‚aber nicht DAS Blau, diese einzigartige Farbe, die in allen Schattierungen schimmert, nach Stimmung wechselt und in ein dunkles Kobalt übergeht, wenn ich William küsse. Mir fehlt der betont unschuldige Ausdruck darin, wenn er mich in Verlegenheit bringt, und das Glitzern, wenn er mich Pet oder Luv nennt. Und verdammt, ich steh drauf, wenn er mir Kosenamen gibt, auch wen...’

„Mr. Liam?“

Angel zuckte erschrocken zusammen und schaute irritiert in das Gesicht des Anwalts, der ihn  amüsiert anlächelte.

„Tut mir Leid, Mr. McDonald, es ist... schon spät und ich bin etwas müde. Wenn wir soweit alles besprochen haben würde ich vorschlagen aufzubrechen.“

„Gute Idee“, entgegnete dieser und erhob sich, „sobald die Schriftstücke aufgesetzt sind melde ich mich bei Ihnen.“

~*~

„Spike schnaubte, stellte sich im Gedanken die Landkarte und seine Flugroute vor und fluchte über die lange Strecke, die vor ihm lag.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er es immer geliebt über die Wüste zu fliegen, Zeit spielte hier kaum eine Rolle, aber dieses Mal galt es den Flug in Tripolis zu erreichen, so holte Spike alles an Geschwindigkeit heraus, was seine ‚Big Bad’ hergab und sie enttäuschte ihn nicht.

~*~

„Harmony, das sind die falschen Unterlagen, Herrgott noch mal es muss doch möglich sein wenigstens einmal von Ihnen das zu bekommen, was ich verlange“, brüllte Angel in die Gegensprechanlage zu seiner Sekretärin.

„Wozu benutzt du das Ding überhaupt, du schreist so, dass man dich locker im ganzen Bürogebäude hören kann“, bemerkte Wesley tadelnd, welcher gerade ins Zimmer trat, um Angel ein paar statische Berechnungen auf den Tisch zu legen. „Seit dem Debakel mit diesem Giles ist es mit dir nicht mehr auszuhalten. Ich verstehe nicht wieso dich diese Sache so aufregt, gut wir haben einen lukrativen Auftrag verloren, aber es ist ja nicht so, dass wir darauf angewiesen sind.“

Angel fuhr sich seufzend durch die Haare. „Du hast ja Recht, manchmal geht mir einfach alles auf die Nerven.“

„Es ist schon spät, wir sollten Schluss machen für heute. Wieso nimmst du dir nicht einmal einen freien Tag, oder auch ein paar Tage, du hast es dir verdient. Seit Tagen hast du nur gearbeitet, es wird dir gut tun einmal abzuschalten und dich zu entspannen. Geh ins Fitnesscenter, Sauna, irgendetwas das dir Spaß macht.“

„Gute Idee“, murmelte Angel wenig begeistert, doch Wes bemerkte es nicht und nickte nur, bevor er den Raum wieder verließ. Er hatte anderes in Kopf. Lilah holte ihn in einer Stunde ab, da sie sich mit der Hochzeitplanerin treffen mussten und Wesley musste heute auch noch seine Eltern abholen, die eine Woche vor der Trauung eintrafen, um sich von Wes Los Angeles zeigen zu lassen, was den Statiker jetzt schon nervte, denn sein Vater würde alles über seine Arbeit wissen wollen und mit Kritik nicht sparen. Er wünschte sich wirklich diese Woche wäre schon vorbei. Nur Lilah zuliebe nahm er das alles auf sich, denn sie war wirklich eine bemerkenswerte Frau, daher wollte er dass ihre Hochzeit perfekt wurde.

~*~

„Wo ist der Ring?“

„Der was?“ Völlig perplex starrte Groo Cordelia an.

„D e r Ring, du kannst mir doch keinen Antrag machen, ohne das dazugehörige Ding für den Finger“, bemerkte Cordelia, einen Schmollmund ziehend, ihre Augen blitzten jedoch.

„Nein, ja... natürlich ich habe ihn... Der Hotelbesitzer schaute erst verwirrt zu Cordelia, dann suchend an sich hinunter, wieder zurück zu der Frau seines Herzens. „Du willst mich?“ flüsterte er, sich der Tragweite ihrer Antwort erst jetzt bewusst werdend und als sie grinsend nickte, schmiss er das Tablett, welches er immer noch in den Händen hielt, in die Ecke, lief auf sie zu, umarmte sie stürmisch und wirbelte sie im Kreis herum, bevor er sie zärtlich küsste.

„Ich liebe dich, Groo Peters“, hauchte sie und küsste ihn nun ihrerseits, jedoch nur kurz, um ergänzend hinzuzufügen: „Weißt du ich lege ja auf materielle Dinge nicht wirklich wert, aber es ist üblich seiner zukünftigen Frau...“ mehr sagte sie nicht, sondern wedelte nur mit ihrer Hand vor seinem Gesicht herum.

Der Hotelbesitzer lachte daraufhin schallend: „Gott Cordy, du bist einmalig“, bemerkte er, bevor er mit ernstem Gesicht vor ihr auf die Knie fiel und ein kleines Kästchen aus seiner Hosentasche zog.

~*~

Angel saß immer noch an seinem Schreibtisch. Er hatte einfach keine Lust nach hause zu gehen. Wozu auch, die Einsamkeit in seinem Dachapartment erdrückte ihn in letzter Zeit und so blieb er lieber länger im Büro, denn auch Ausgehen machte ihm nicht mehr so viel  Spaß wie früher. „Ich werde alt“, seufzte er deprimiert, öffnete das letzte Fach seiner  Schreibtischschublade und starrte auf die Zeichnung, auf der ihm Spike entgegenlächelte, als Harmony den Kopf durch die Tür steckte. „Bossi? Ein Mr. Giles möchte Sie sprechen.“

Der Angesprochene hob erstaunt die Augenbrauen? „Was will der denn von mir, also gut, stellen Sie durch.“

„Nicht am Telefon, er ist hier.“

Das verwundere den Architekten noch mehr, dachte aber vielleicht wollte der alte Zausel nun doch zu einer friedlichen Einigung kommen, daher forderte er seine Sekretärin auf. „Bitte führen Sie ihn herein.“

Angel erhob sich und ging um seinen Schreibtisch herum, schließlich wollte er sich als höflicher erweisen, als Giles sich ihm gegenüber verhalten hatte und als er erwartungsvoll zur Tür blickte, vergaß er plötzlich Luft zu holen, denn durch die Tür trat Spike, der ihn unverschämt angrinste.

„William du? Aber meine Sekretärin sagte Mr. Giles...“

„Japp, ich bin William Giles und Rupert ist mein Onkel.“

„Onkel!“ Angel Kinnlade klappte hinunter und er starrte Spike sprachlos an.

„Krieg dich wieder ein, für Verwandtschaft kann man nichts und mach deinen hübschen Mund zu, bevor ein Vogel sein Nest drin baut“, erwiderte Spike amüsiert und fasste in die Taschen seines Ledermantels, um seine Zigaretten herauszunehmen. Spike war nervös, wollte es sich aber nicht anmerken lassen und wenn er seine Hände beschäftigte, war es leichter für ihn. Da Angel in keiner Weise reagierte, nahm er einen der Glimmstängel heraus und steckte ihn sich in den Mund. Diese kleine Pause genügte Angel, um sich wieder zu fangen.

„Würdest du hier bitte nicht rauchen.“

Spike verdrehte die Augen und steckte die Packung wieder weg. „Na wenigstens hast du deine Stimme wieder gefunden. Sicher willst du wissen warum ich hier bin und um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen, es geht um deine Pläne, Rupert entschuldigt sich bei dir und bietet dir an die Anlage zu bauen, das heißt, wenn du es noch willst. Ich könnte allerdings verstehen, dass du mit meinen Onkel nichts mehr zu tun haben willst. Er ist manchmal ein Idiot, aber wenn man ihn besser kennt, ist er gar nicht so übel.“

Spike wurde immer nervöser. Irgendwie hatte er gehofft von Angel freundlicher begrüßt zu werden, doch da Angel ihn immer noch wortlos anstarrte, begann der Blonde unruhig zu zappeln.

‚Er ist da, William, hier in meinem Büro, und ich habe nicht die geringste Ahnung wie ich reagieren soll’, war das einzige, das Angel ständig durch den Kopf ging.

‚Okay, das wird schwieriger als ich dachte, der Poof hat wie immer keine Schimmer was er tun soll, also werde ich ihm auf die Sprünge helfen, schließlich habe ich einen perfekten Plan.’

Kurz doch etwas verunsichert, überlegte er, ob es nicht doch ein Fehler war hierher zu kommen, beschloss jedoch, nachdem er schon mal hier war, nicht sofort aufzugeben.

„Was ist jetzt, willst du es dir überlegen oder nicht? Ich habe nicht ewig Zeit hier rumzustehen, schließlich bin ich das erste Mal in der Stadt der Engel, daher möchte ich mir so einiges ansehen und Hunger habe ich auch. Hör mal Angel, falls du dir Gedanken darüber machst, was zwischen uns passiert ist und du deswegen überlegst, vergiss es, wir hatten Spaß und es war... nett, das hier ist rein geschäftlich. Ich bin nur hier, weil mein Onkel gemerkt hat was für einen großen Fehler er begangen hat und er möchte, dass alles wieder in Ordnung kommt. Ich habe dir hier das Hotel und die Telefonnummer aufgeschrieben, wo du mich erreichen kannst“, bemerkte der Blonde und legte einen Zettel auf den Tisch.

Angel hatte das Gefühl als hätte Spike ihm mitten ins Gesicht geschlagen und umrundete schnell seinen Schreibtisch weil er den Drang verspürte sich setzen zu müssen, da seine Beine ihm den Dienst versagten. ‚Spaß? Nett? So sieht er das also und ich dachte... aber war es nicht genau das, was ich wollte? Unkompliziert und ohne Verpflichtung? Wieso wundere ich mich dann eigentlich, dass er genauso denkt? Er sieht so gut aus, selbst mit dem Ledermantel von diesem Riley, obwohl er ihm zu groß ist. Was will er mit einem Kerl wie mir, wenn er jeden haben kann. Ich sollte ihn gehen lassen, jetzt sofort, bevor es zu spät ist’, dachte der Dunkelhaarige, doch er sagte: „Gut, dass du es auch so siehst, dann erübrigt sich das Thema. Wie ich über die Sache mit Mr. Giles entscheide bin ich mir noch unklar, das verstehst du hoffentlich.“

„Schon okay“, nickte Spike, „schließlich hast du nicht damit gerechnet, dass er seine Meinung so plötzlich ändert und ich auch nicht, dass kannst du ruhig glauben. Wie auch immer, ich bin am Verhungern und mach mich jetzt vom Acker“, sagte Spike noch und verließ, Angel noch mal zunickend, das Büro.

Dieser nahm Gedankenverloren den Zettel in die Hand, las Spikes Hoteladresse und riss die Augen auf, um gleich darauf aufzuspringen und Spike nachzulaufen.

Der Blonde stieg gerade in den Aufzug ein, als Angel angestürmt kam. „Warte.“

‚Das ging ja schnell’, dachte Spike, innerlich schmunzelnd und brachte die Lifttüre zum stoppen, als diese sich schließen wollte.

„Du wirst nicht in diesem Hotel wohnen“, sagte Angel bestimmt und betrat den Aufzug.

Spike hob seine vernarbte Augenbraue an. „Ach, werde ich nicht?“

„Nein. Auf keinen Fall. Wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen dich dort ein zu quartieren?“

„Ich sagte zum Taxifahrer ich brauche ein günstiges Einzellzimmer für ein paar Tage und er hat mich dort hingebracht? Und was geht dich das überhaupt an wo ich wohne?“

„Diesen Fahrer sollte man verklagen“, schimpfte Angel grimmig. „Wie konnte er dich in so eine Gegend bringen? Der östliche Skid Row ist keine gute Gegend. Am Tag geht es dort ja noch, aber nachts? Auf keinen Fall! Du wirst woanders wohnen.“

Der Aufzug hielt in der Tiefgarage und der Dunkelhaarige ging voran, auf seinen Wagen zu.

„Hör mal Angel, ich bin kein ängstlicher Mensch und außerdem habe ich meine Sachen schon im Hotel. Mach dir keine Gedanken, ich komme schon zurecht. Außerdem habe ich keine Lust mir jetzt noch irgendwo ein Zimmer zu suchen und ich kann mich wehren, wenn es darauf ankommt wie du weißt.“

„Wenn 3 oder 4 Männer dich ausrauben wollen dann nicht mehr. Das hier ist meine Stadt, daher wirst du auf mich hören und ich sage dir, du fährst nicht zurück in diese Gegend, du wohnst bei mir, denn so spät findest du kein anderes Hotel.“ ‚Bei mir? Wieso habe ich das gesagt? Aber ich kann William unmöglich in der Skid Row wohnen lassen, das wäre unverantwortlich. Es ist zu gefährlich. Schließlich ist er in gewissem Sinne meinetwegen in L.A., daher muss ich mich um ihn kümmern.’  

‚Klappt ja perfekt’, dachte Spike doch laut sagte er. „Okay, deine Stadt, also nehme ich mal an das du recht hast, aber ich müsste meine Tasche holen und auschecken, doch ich will dir keine Umstände machen.“

„Du machst mir keine Umstände und deine Sachen holen wir morgen, bei Tageslicht.

Wenn du was essen möchtest, ich kann dir ein gutes Restaurant zeigen, oder ich koche uns etwas.“

Spike schaute Angel mit großen Augen an. „Du kannst kochen?“

„Ja, stell dir vor, und es ist essbar. Wir müssten nur ein paar Dinge einkaufen, aber das liegt am Weg.“ ‚Gott, seine Augen sind blauer als ich sie in Erinnerung habe’, dachte Angel und sperrte seinen Plimyth auf, den sie gerade erreicht hatten.

„Schicke Karre, ich stehe auf schwarze Autos.“ Grinsend warf Spike seinen Mantel auf die Rückbank und ließ sich auf den Sitz fallen.

‚Und wenn ich Glück habe bist du mein Nachtisch, Pet.’

Angel, der von den Gedanken des Blonden nichts ahnte, entgegnete stolz. „Ist ein Klassiker, so einen Wagen siehst du nur noch selten.“

Spike nickte. „Ich kann dich verstehen, hab ’nen DeSoto, schwarz natürlich, aber ich fahre ihn nur wenn ich in der Stadt bin.“

„Den hätte ich gerne gesehen.“

„Vielleicht ergibt es sich einmal.“

„Eher nicht, es ist doch etwas weit bis zu deinem Wohnort.“

„Ach was, die paar Flugmeilen“, grinste Spike und Angel schüttelte lachend den Kopf. ‚Der Kleine hatte wirklich eine völlig andere Ansicht der Dinge, aber es war schön wieder einmal ein richtiges Männergespräch zu führen.’

Das Einkaufen war für Angel mehr als anstrengend und brachte ihn trotz des gut klimatisierten Geschäftes ins Schwitzen, da Spike sich immer wieder tief ins Kühlregal beugte und dem Architekten so sein perfektes Hinterteil präsentierte, weil er verschiedene Lebensmittel herausholte, um sie Angel mit unschuldig fragenden Augen zu zeigen.

‚Er hat nicht die geringste Ahnung wie sexy er ist’, stellte Angel fest, als er beobachtete wie die Leute in dem Laden, egal ob Frauen oder Männer, bewundernde Blicke auf Spike warfen, doch der Blonde schien es nicht zu bemerken, sondern stürmte auf ein Regal zu, in dem er die verschiedensten Packungen mit Mashmellows entdeckt hatte und warf sie freudestrahlend in den Einkaufswagen. Angel schaute ihn erst verwundert an, lachte aber dann, den Kopf schüttelnd.

„Was? Sie schmecken großartig, besonders in heißer Schokolade.“

~*~

Zwei Stunden später saßen die beiden Männer gesättigt von einem hervorragenden Essen auf dem Sofa in Angels Wohnung, tranken Wein und Spike erzählte von Riley. „Finn hat alles gestanden und auch seine Auftraggeberin belastet, ihm sowie seinen Freunden wird in New York der Prozess gemacht und du wirst als Zeuge erscheinen müssen, sobald der Staatsanwalt...“

Angels Telefon klingelte, dieser hob entschuldigend die Schultern und nahm das Gespräch entgegen. „Mr. McDonald, was veranlasst Sie... Ja natürlich, aber es hat sich etwas geändert. Jetzt möchte ich genau das Gegenteil, Sie sollen einige Verträge für einen Vertragsabschluß überprüfen.“ Angel hörte einen Weile zu was der Anwalt zu sagen hatte, bevor er bedauernd antwortete: „Heute noch ist etwas ungünstig, ich habe einen Gast, aber...“

Spike, der mitbekommen hatte, dass Angel anscheinend noch etwas Wichtiges erledigen sollte, gab dem Dunkelhaarigen ein Handzeichen, dass es ihn nicht störte, wenn Angel noch jemanden treffen wollte, daher sagte dieser; „Okay, es geht doch, aber es wäre mir angenehmer, wenn Sie zu mir kommen könnten.“ Der Anwalt stimmte zu und 20 Minuten später klingelte es an der Tür.

„Ich gehe schon“, bot Spike an, da Angel noch in der Küche war, um Getränke kühl zu stellen, dem Blonden aber sogleich folgte, da er es für unhöflich fand, wenn der Anwalt von einem ihm Fremden an der Tür empfangen wurde.

Lindsey trat gerade ein, seine und Spikes Blicke trafen sich und Angel sah wie McDonalds Augen aufblitzten, als dieser Spike betrachtete. Der Anwalt bemerkte Angel überhaupt nicht, sonder hielt Spike die Hand hin.

„Hi, ich bin Lindsey McDonald, nenn mich bitte Lin.“

„Ich bin Spike“, grinste dieser zurück.