File 1: stories/1/13.txt
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„Nachdem ihr euch jetzt bekannt gemacht habt, kommen wir zu dem weswegen Sie hier sind Lindsey. Am Besten wir gehen sofort in mein Büro.“ Angel drängte sich zwischen die beiden Männer und packte den Anwalt etwas unsanft am Arm, um ihn in sein Büro am Ende des Flurs zu zerren.

„Wir sehen uns doch noch?“ rief Lin Spike über die Schulter zu.

„Ist anzunehmen“, antwortete der Blonde, bevor der Anwalt mit Angel im Büroraum verschwand.

Spike ließ sich auf die Couch fallen und schaltete den Fernseher ein. „Was war das jetzt?

Meinem Großen scheint es nicht zu passen, dass dieser Lindsey mich angemacht hat. Diese unerwartete Gelegenheit muss ich nützen, also Planänderung.“ Diese neue Erkenntnis veranlasste Spike dazu aufzustehen und, ein Grinsen unterdrückend, auf Angels Büro zuzugehen. Er klopfte kurz und öffnete die Tür, steckte jedoch nur den Kopf durch. „Braucht ihr mich vielleicht? Gibt es Fragen wegen Rupert?“ Wollte Spike mit Unschuldsmiene wissen.

Angels „Nein“ und Lindseys „Ja“ brachten Spike dazu einen verwirrten Blick aufzusetzen.

„Was jetzt?“

„Danke Spike wir kommen zurecht“, beeilte Angel sich zu sagen, „wir brauchen auch nicht lange. Wenn du willst, kannst du Fernsehen, oder im Haus ist auch ein Fitnessraum und eine Sauna, die du nutzen kannst.“

„In der Flimmerkiste laufen nur Widerholungen, hab schon reingeschaut. Aber Sauna wäre klasse, nach der langen Fliegerei ist das eine gute Entspannung. Ihr könnt ja nachkommen, wenn ihr fertig seid.“

„Guter Vorschlag, ich war schon seit Ewigkeiten in keiner Sauna mehr. Es macht Ihnen doch nichts aus, wenn ich mich anschließe, Angel?“

„Nein, natürlich nicht“, würgte dieser heraus. Angel war in einer Zwickmühle und hatte keine Ahnung wie er da herauskommen sollte. Er ärgerte sich, dass er Spike diesen idiotischen Vorschlag gemacht hatte, in die hauseigene Sauna zu gehen, doch eigentlich hatte er nicht damit gerechnet, dass der Kleine zustimmen würde, da Angel dachte Spike war sicher zu müde für irgendwelche Aktivitäten nach seiner langen Reise.

Aber Spike war ein Energiebündel so wie es aussah, also war das einzige, das Angel machen konnte, die Besprechung mit Lindsey so lange wie möglich hinauszuzögern. Am Besten bis Spike wieder zurück in die Wohnung kam.

„Wunderbar“, bemerkte Spike, „dann bis später, ich schwitze inzwischen eine Runde.“ Und schon war er verschwunden.

Angel versuchte inzwischen alles Mögliche, um den Anwalt in seinem Büro zu halten, doch nach einer Stunde gab es nicht einmal mehr einen Beistrich zu besprechen und so bleib ihm nichts anderes übrig, als Lindsey nach unten zu führen.

Inzwischen war er bereits drei Uhr nachts und weder im Fitnessraum, noch in dem angrenzenden Umkleideraum war noch jemand anzutreffen. Angel zeigte dem Anwalt wo er sich einen Bademantel und Saunatücher nehmen konnte und bald darauf betraten die Beiden mit einem Handtuch um die Hüften die finnische Sauna, auf deren oberster Stufe Spike lag, entspannt und einen Arm über seine Augen gelegt. Als die Beiden eintraten, richtete er sich auf, sein Handtuch verrutschte und gab einen Teil der dunklen Locken  seines Unterleib frei, was ihn aber überhaupt nicht zu stören schien, wie Angel etwas wütend feststellte und als er Lindseys begehrlichen Blick bemerkte, mit dem er Spikes Körper betrachtete, war nicht der heiße Raum der Grund dafür, dass er innerlich zu kochen begann.

„Wird aber auch Zeit, dass ihr auftaucht, ich verbrutzle hier schon fast“, maulte er und Angel schaute fasziniert auf den Schmollmund, den Spike dabei machte.

‚Gott, was für ein Anblick, sein schmaler und doch muskulöser Körper, der vor Schweiß glänzt und die hübschen Locken, die sich feucht um sein Gesicht kringeln, er sollte sein Haar  immer so tragen, er sieht so sexy aus, so perfekt. Ich wäre ein Idiot ihn gehen zu lassen und noch ein größerer, wenn ich McDonald das Feld überlassen wurde.

Aber Spike hat gesagt wir hatten Spaß in der Wüste, mehr nicht. Und wie er und Lindsey sich angesehen haben, war doch ziemlich eindeutig, ich habe die Funken zwischen ihnen fast fliegen sehen vielleicht, will er jetzt mit dem Spaß haben?

Andererseits, noch ist zwischen den Beiden nichts gelaufen und vielleicht sollte ich mich einmal ernsthaft um eine Beziehung bemühen, mit dem Kleinen könnte ich mir das durchaus vorstellen. Außerdem habe ich es satt alleine zu sein und nicht alle sind wie Penn, Spike ist auf keinen Fall wie Penn, und auch ich habe mich verändert. Heute sehe ich die Dinge anders. Vielleicht könnte ich Spike sogar verzeihen, wenn er mit ...nein könnte ich nicht. Ich will, dass er nur mir gehört.’

Gelächter holte Angel aus seinen Gedanken und als er hochschaute, bemerkte er, dass sich Spike und Lindsey bestens unterhielten.

„Wenn du willst, kann ich dir morgen die Stadt zeigen, nachdem wir deine Sachen aus dem Hotel geholt haben“, unterbrach Angel die Beiden unvermittelt, da er nicht wusste wie er sich sonst in das Gespräch einschalten sollte und hatte damit sofort Spikes Aufmerksamkeit, der ihn freudig anstrahlte.

„Wenn ich deine Pläne nicht durcheinander bringe, wäre das wunderbar. Ich müsste sowieso einiges für Rupert und Ethan besorgen, und ich bin sicher du bist der perfekte Führer.“

„Sie müssen sich nicht extra frei nehmen Angel, ich hätte Zeit und könnte Spike übernehmen“, warf Lindsey ein.

‚Das könnte dir so passen ihn zu übernehmen’, dachte Angel grimmig, doch laut sagte er: „Ist kein Problem, ich hatte sowieso vor, ein paar Tage frei zu nehmen, da passt es gut, dass Spike jetzt hier ist, außer die willst lieber mit Lindsey?“ stellte Angle in den Raum und ärgerte sich gleichzeitig den Vorschlag überhaupt zu machen. Was, wenn der Blonde lieber mit dem Anwalt gehen würde?

„Danke für das Angebot, Lin, aber wenn Angel schon mal frei hat, nerve ich lieber ihn, wir können ja irgendwann mal etwas trinken gehen, solange ich in der Stadt bin und jetzt muss ich hier raus, schließlich brate ich schon wesentlich länger als ihr.“ Lachend erhob sich Spike und stieg die Holzstufen hinab, das Handtuch lässig über seine rechte Schulter werfend. Zwei Augenpaare folgten jeder seiner Bewegungen, glitten über dessen fantastischen Körper und als der Blonde an Angel vorbeiging, streifte er wie unbeabsichtigt dessen Arm, was diesen erschaudern ließ. „Ich habe auch genug“, murmelte er daraufhin und erhob sich ebenfalls, um Spike nach draußen zu folgen.

Wenig später standen sie unter der Dusche, um sich zu waschen und abzukühlen, und betrachteten sich gegenseitig bewundernd, wenn sie dachten der andere bemerkte es nicht.

Auch später im Whirlpool, als sie sich gegenüber saßen, war es nicht anders, nur dass sich ihre Blicke hin und wieder trafen, kurz nur, dann immer länger und öfter, bis sich auf Angels  Gesicht ein kleines Lächeln zeigte, das Spike fast schüchtern erwiderte.

Er fühlte sich so anders diesmal in Angels Gesellschaft, als in Libyen. Irgendwie hatte der Blonde erwartet, dass ihn nur die sexuelle Anziehungskraft zu Angel dazu bewogen hatte nach L.A. zu kommen, aber das war kein, ich will dich, ich krieg dich, was er von Angel wollte.

‚Okay, das ist jetzt gelogen, sein Körper ist atemberaubend und der Sex mit ihm... bloody Hell, unbeschreiblich, aber... das alleine ist nicht der Grund warum ich mit ihm zusammen sein will.’ Stellte Spike plötzlich verwundert fest und Verblüffung zeichnete sich auf seinem Gesicht ob dieser Erkenntnis ab.

Angel entging diese Veränderung nicht und er rutschte in dem sprudelnden Wasser eine Spur näher an Spike. „Ein Penny für deine Gedanken“, murmelte er leise und dieses Mal lösten sie ihren Blickkontakt nicht. Spike verspürte den Wunsch dieses Gesicht vor ihm mit den Händen zu umfassen, die feuchten Haare, welche Angel etwas wirr vom Kopf standen, mit seinen Fingern zu kämmen und in diesen sanften braunen Augen zu versinken, während sich ihre Lippen langsam näher kamen. Er verlor sich in der Fantasie, Angels breite Schultern zu streicheln und seine Brustmuskeln zu erforschen, über die starken Arme zu gleiten und dessen wohlgeformten Hände dazu zu bringen bei ihm das selbe zu tun. Der Blonde stellte sich vor, wie es sich anfühlte sich stundenlang Zeit zu lassen um...

„Ahh… ist das herrlich. Ich war wirklich schon ewig nicht mehr in einer Sauna und hatte schon völlig vergessen wie gut das tut.“ Lindsey platschte neben Angel und Spike ins Becken, lehnte sich genüsslich zurück.

Mit einem Mal war der Zauber zwischen den Beiden gebrochen und Spike kehrte in die Realität zurück. „Vielleicht erzähle ich es dir einmal, Pet“, bemerkte er leise zu Angel gewandt, auf dessen Frage zurückkehrend, bevor auch er die Augen schloss, um sich zu entspannen und  das warme sprudelnde Wasser zu genießen, wobei er das Prickeln auf seiner Haut mit Sicherheit Angels Gegenwart zuschrieb und nicht dem Pool.

Angel hingegen war mehr als sauer und zwar auf Lin. Dieser verdammte Anwalt ging ihm mit jeder Minute mehr auf die Nerven und er wünschte ihn zum Teufel, oder noch besser in die Wüste, und zwar an eine Stelle, an der Skip nie vorbeikam, um ihn raus zu holen.

Doch der Anwalt war leider mehr als präsent, denn er redete ununterbrochen, wobei er seine Worte letztendlich an Angel richtete, da Spike nicht auf ihn reagierte, wenn er ihn ansprach, sodass der Anwalt vermutete der Blonde sei einschlafen. Dieser dämmerte tatsächlich etwas schläfrig vor sich hin und hatte einfach keine Lust sich mit Lindsey zu unterhalten, außerdem war der Tag lang und anstrengend gewesen und sein Körper forderte nun seinen Tribut.

Angel bemerkte, dass Spike am Einschlafen war, ignorierte Lindseys Geplapper und berührte Spike vorsichtig am Arm. Der schreckte hoch und schaute Angel verwirrt an. „Du gehörst ins Bett“, bemerkte er mit sanfter Stimme.

‚Ja, und zwar in meines. Er weiß es zwar noch nicht, aber bis zum Ende dieser Woche wird er genau dort sein, in meinem Bett. Angel ist viel zu soft, der Blonde braucht es hart und schnell, da bin ich sicher, und ich bin der, der es ihm geben kann’, dachte Lindsey selbstsicher und betrachtete wieder begehrlich Spikes Körper, der sich mit Hilfe Angels erhob und aus dem Pool kletterte.

Spike genoss es indessen von Angel fürsorglich in einen warmen Bademantel gehüllt zu werden. Es war neu für ihn umsorgt zu werden und es fühlte sich so gut an. Daher widersprach er auch nicht, als der Dunkelhaarige den Arm um ihn legte und ihn zur Tür führte. Kurz bevor sie hindurchgingen, sagte er zu Lindsey gewandt: „Wir telefonieren morgen, Spike braucht Schlaf, Sie verstehen das sicher.“ 

Der Anwalt nickte zustimmend und hob die Hand zum Gruß, bevor er wieder die Augen schloss und seine Gedanken wandern ließ. ‚Klar werde ich telefonieren und zwar mit dem süßen Spike. Angel ist ein Arbeitstier wie ich von Lilah weiß. Der hält es keine zwei Tage aus ohne ins Büro zu gehen und im Krieg oder für Sex ist jedes Mittel erlaubt. Der Junge kommt aus der Wüste, kennt nichts anderes wie ich vermute, da dürfte es ein leichtes für mich sein ihn zu beeindrucken, indem ich ihn in das Nachtleben LA’s einführe und der Vertrag mit der Firma Liam bringt kaum was ein, also kann ich mir jede Rücksichtnahme deswegen ersparen. Sollte Angel so sauer werden, weil ich ihm Spike weggenommen habe, und unseren Auftrag kündigen, was soll’s, der Blonde ist es auf alle Fälle wert.’

Vollkommen von sich überzeugt, beschloss der junge Anwalt ebenfalls das Wasser zu verlassen und Pläne zu schmieden, wie er an Spike herankommen könnte.

Inzwischen waren Spike und Angel in dessen Apartment angekommen und der Dunkelhaarige brachte Spike zur Tür des Gästezimmers. „Schlaf gut Kleiner, ich hole noch schnell unsere Sachen von unten.“

„Bin nicht müde“, murmelte Spike und schaute Angel mit verschleierten Augen an, bemüht sie offen zu halten.

Amüsiert schaute der Größere ihn an und strich ihm liebevoll das Haar aus der Stirn. „Ach? Bist du nicht? Wie lange hast du nicht geschlafen?“

„Weiß nicht 30… 36 Stunden?“ antwortete Spike und versuchte vergebens ein Gähnen zu unterdrücken, worauf Angel leise lachte.

„Ja, ich kann sehen wie wach du bist. Mach, dass du ins Bett kommst.“

Spike wusste, Angel hatte Recht, trotzdem zog er einen Schmollmund, der seine Wirkung nicht verfehlte, denn Angel konnte nicht widerstehen, beugte sich über den Blonden und drückte ihm einen sanften Kuss auf die Lippen. „Wir sehen uns morgen“, flüsterte er, bevor er ihn nochmals küsste, „beim Frühstück, gute Nacht.“ Nach diesen Worten schob er Spike durch die Tür und schloss sie rasch hinter ihm, wissend, wenn er nur noch eine Sekunde länger in dieses Gesicht schaute, war er hoffnungslos verloren.

„’Nacht Peaches“, murmelte Spike, während er auf das Bett zuwankte und mühevoll unter die Decke kroch, da er sich kaum noch aufrecht halten konnte. „Zudecken hätte er mich wenigstens noch können“, maulte er, als sich seine Beine in der Decke verhedderten, doch er lächelte dabei und leckte sich über die Lippen, um noch ein bisschen von Angels Geschmack aufzunehmen, der an seinem Mund haftete, bevor er einschlief und von ihm träumte.

~*~

„Morgen Peaches, Frühstück?“ Gut gelaunt und ausgeschlafen stand Spike in der Küche und wendete gerade einen Pfannkuchen, als Angel frisch geduscht und ausgehfertig eintrat.

„Guten Morgen, ja, Kaffee“, antwortete Angel und setzte sich an die Küchentheke, jede Bewegung Spikes beobachtend, als wäre es etwas Besonderes.

„Meine Pfannkuchen sind legendär, also zick’ nicht rum sondern iss“, bestimmte Spike und stellte dem Dunkelhaarigen einen gefüllten Teller hin, bevor er sich selbst setzte und kräftig zulangte.

Angel griff zum Besteck und schnitt sich ein Stück ab, welches er vorsichtig in den Mund schon. „Mhh... schmecken wirklich gut.“

„Sag ich doch“, grinste Spike und setzte sich Angel gegenüber.

Der konnte sich nicht erinnern, dass ihm irgendjemand jemals Frühstück oder sonst eine Mahlzeit zubereitet hatte, zumindest nicht seit er von seinen Eltern weggezogen war. Immer war er derjenige gewesen, der kochte, aufräumte sich um alles kümmere. Penn war nicht ein einziges Mal bereit gewesen wenigsten einzukaufen, geschweige denn sonst etwas zu tun. Für Spike schien das selbstverständlich zu sein, geben und nehmen, wie es unter Partnern sein sollte. Partner? Nein, das waren sie nicht, noch nicht, aber heute Nacht hatte sich etwas verändert, ganz ohne ihr Zutun war es einfach geschehen, plötzlich, ohne Plan, einfach so und es fühlte sich gut und richtig an, dass wussten Beide. Und sowohl Angel  als auch Spike entschieden im Gedanken synchron, es langsam angehen zu lassen, sich richtig kennen lernen, und sollte es funktionieren, würde sich alles Weitere mit der Zeit ergeben.

Eine halbe Stunde später, nachdem Angel zuvor noch telefonisch einen Tisch fürs Dinner um  18 Uhr bestellt hatte, saßen sie in seinem Wagen, um Spikes Sachen aus dem Hotel zu holen. Als dies geschehen war, beschloss der Dunkelhaarige sein Versprechen wahr zu machen und Spike die Stadt zu zeigen. „Was möchtest du sehen, Hollywood, Civic Center, Pasadena, Long Beach?“

„Überrasch mich, Luv und zeig mir die Plätze, die dir besonders gefallen, aber vergiss Hollywood, ist nur ein Hügel mit Buchstaben drauf, also wen interessiert’s?“ entgegnete der Blonde und lehnte sich entspannt zurück. Er mochte Los Angeles, war schon unzählige Male, hauptsächlich beruflich, hier gewesen und jedes mal, wenn es seine Zeit erlaubte, hatte er das Theatre Center aufgesucht, um sich in einem der Theater eine Vorführung anzusehen, doch das sagte er Angel nicht, den er wollte heute die Stadt mit Angels Augen betrachten, wollte wissen was ihn interessierte, was er besonders mochte und ob sie in manchen Dingen übereinstimmten.

„Nicht nur, aber im Grunde hast du Recht“, stimmte Angel ihm zu, da man die Studios nur durch Führungen besichtigen konnte und dies einen ziemlich ernüchternden Einblick auf die Filmwelt gab. „Also ich gehe hin und wieder ins Huntington Museum, aber ich denke das ist für dich weniger ansprechend“, lachte Angel verlegen.

„Wieso nicht? Ich wollte immer schon mal Gainsbrough’s *Blue Boy* sehen und der Shakespeare Garden soll phantastisch sein.“

Verblüfft über Spikes Wissen trat Angel ungewollt auf die Bremse und der Wagen schlingerte leicht, sodass der Architekt ihn abfangen musste.

„Scheinst nicht damit gerechnet zu haben“, meinte Spike amüsiert, „was hast du erwartet, dass ich nach Disneyland will?“

„Nun ja... eigentlich... so etwas in der Art. Es tut mir Leid, es war nicht meine Absicht... es ist... ich weiß gar nichts von dir.“ Angel hoffte Spike nicht zu sehr verärgert zu haben, weil er ihn als unwissend und ungebildet einschätzt hatte.

„Mach dir keine Gedanken, Pet, ich weiß ja auch kaum etwas von dir, aber wir haben ja die Absicht das zu ändern. Sehe ich das richtig?“ entgegnete Spike mit ruhiger Stimme und schenkte Angel ein kleines Lächeln.

Angel lächelte, erfreut über Spikes Redaktion, zurück und griff zögernd nach dessen Hand und drückte sie leicht. „Ja, das tust du und ich will alles über dich wissen.“

„Glaub mir, das willst du nicht“, lachte der Blonde und schloss seine Finger um Angels. Solche zärtliche Gesten waren für ihn neu und ungewohnt, doch es fühlte sich wundervoll an. ‚Wenn das so weitergeht mutiere ich noch zum Romantiker und ich mag verdammt sein, aber ich steh drauf.’  Spike grinste etwas dümmlich vor sich hin und hoffte Angel würde seine Hand nicht gleich wieder zurückziehen, doch dieser strich mit seinem Daumen immer wieder zärtlich darüber, was Beiden einen Schauer über den Rücken schickte.

‚Penn hat mir nie erlaubt zärtlich zu sein, wie habe ich es nur so lange mit diesem groben unsensiblen Kerl ausgehalten? Heute ist mir das ein Rätsel. Spike ist da ganz anders, er ist Manns genug, um selbstsicher zu seinen Gefühlen zu stehen. Ich wünschte er würde bleiben, aber kann ich das verlangen? Erwarten, dass er die Freiheit der Wüste den Rücken kehrt, meinetwegen? Das wird nicht passieren und ich sollte ihn wegschicken, solange ich noch kann, bevor er es mir das Herz zerreißt, wenn er wieder geht. Vielleicht sollte ich mit ihm gehen. Könnte ich das? In der Wüste leben? Ich glaube nicht, zumindest kann ich es mir nicht vorstellen. Gott, ich habe keine Ahnung was ich tun soll.’ Seit Jahren war Angel nicht mehr so ratlos gewesen und gegen seine Art schob er feige alle weiteren Gedanken von sich, mit dem Wunsch den Augenblick einfach zu genießen.

‚Irgendwie habe ich LA nicht so toll in Erinnerung, kein Wunder, ich kannte Angel nicht, als ich das letzte mal hier war. Spike, alter Junge, du bist drauf und dran dich zu verlieben und es fühlt sich verdammt gut an, die Schmetterlinge im Bauch und das alles. Bei Angel muss ich auch nicht den harten Kerl spielen, so wie es aussieht. Nicht dass ich ein Weichei bin, zur Hölle nein, dass stelle ich hiermit gleich deutlich klar. Okay, ich bin’s, aber hey, er hat für mich gekocht, das tat bisher nicht mal eine Frau, als ich noch dachte ich stehe auf Frauen, und er hüllt mich in weiche Bademäntel, bringt mich ins Bett, gut, er kam nur bis zur Tür mit, ins Bett musste ich alleine, aber das wird sich ändern. Bloody hell was er noch immer mit seinem Daumen macht, ich hätte nie gedacht, dass man davon steinhart werden kann. Das mit dem „alleine im Bett“ wird sich definitiv ändern.’

„Schau dir bloß mal diese Kleidung an, möchtest du im 18. Jahrhundert leben? Grauenhafte Vorstellung, stell dir vor du willst poppen, bis du aus den Klamotten raus bist, ist dir die Lust mit Sicherheit vergangen, da lobe ich mir Jeans und Shirt“, bemerkte Spike, das Bild  *Blue Boy* betrachtend, bevor er zu Angel schaute, der ihn mit verschleiertem Blick anstarte und leicht errötend die Augen senkte, als der Blonde unverschämt zu grinsen anfing. „Wie ich sehe, bist du ganz meiner Meinung“, gluckste Spike. Sein Körper prickelte immer noch von Angels sanfter Berührung und dauernd schossen ihm Bilder durch den Kopf: Angel, Wüste, nackt. Angel, Sauna, nackt.

Dem Dunkelhaarigen schien es nicht anders zu ergehen und Spike war sicher, bis zum Abend würden sie über einander herfallen, sollten sie überhaupt so lange durchhalten.

Um sich abzulenken, schlenderte Angel von einem Bild zum nächsten, doch nahm er sie nicht wirklich wahr, denn vor seinem geistigen Auge sah er: Spike, Wüste, nackt. Spike, Sauna, nackt, und als sie letztendlich durch Shakespeares Garten spazierten, überlegte Angel ernsthaft, alle Anstandsregeln hinter sich lassend, Spike hinter einen der Bäume zu zerren, um ihn wenigstens zu küssen.

„Okay, das reicht, genug Kultur, gehen wir was trinken und die Sachen für Giles besorgen“, holte Spike den Dunkelhaarigen aus seinen Gedanken und somit war dessen Chance vertan, als der Blonde ihn erbarmungslos hinter sich herzog und Angel unterdrückte ein frustriertes Stöhnen.

Spike rannte fast, er musste hier weg, zu viele Bäume, was hieß zu viele Gelegenheiten, um Angel hinter einen derselben zu zerren und ihn wie verrückt zu küssen. Doch Angel, verklemmt wie er war, würde das sicher nicht gut heißen, und Spike wollte die schöne Stimmung, die zwischen ihnen herrschte, nicht zerstören, also war es wohl das Beste schnellstens von hier zu verschwinden, bevor es ihm egal war wie Angel reagierte.

~*~

„Liams Architekturbüro, was kann ich für sie tun?“ flötete Harmonie in den Hörer, während sie ihr Make-up überprüfte.

„Was für eine angenehme, und ich möchte sagen sexy Stimme, wenn Sie nur halb so gut aussehen, wie Sie sich anhören, muss ich Sie unbedingt kennen lernen“, flirtete Lindsey McDonald am anderen Ende der Leitung.

„Wenn Sie jung und gutaussehend sind, ließe sich das einrichten, ich mache um 17 Uhr Büroschluss.“

‚Wen interessiert das, du dumme Pute’, dachte Lin, doch laut sagte er: „Mit diesen Attributen kann ich dienen, nur bin ich heute leider geschäftlich verhindert, aber wie wäre es mit morgen? Das ginge aber nur, wenn Sie mir jetzt helfen könnten. Ich bin mit Angel zu einem Geschäftsessen verabredet, habe aber leider vergessen wie sein Stammlokal heißt, in dem wir uns treffen wollten. Ob Sie mir da aus der Klemme helfen könnten?“

„Morgen, ja da habe ich Zeit, Sie können mich um 18 Uhr abholen, hier im Büro.“

Lindsey verdrehte die Augen, ‚die ist noch dümmer als sie sich anhört.’

„Fein und nun die Adresse.“

„Na hier vor Liams Büro. Ich werde vor dem Eingang warten.“

Der Anwalt atmete tief durch. ‚Wo hat Angel die bloß her, ein Wunder, dass er sein Büro noch nicht schließen musste.’

„Das Lokal, in dem Angel Stammgast ist. Wie. Heißt. Es“, fragte er, bemüht nicht zu brüllen oder allzu ungehalten zu klingen.

„Ach so“, kicherte Harmonie in den Hörer, „wieso haben Sie das nicht gleich gesagt. Ins Lorne’s natürlich.“

Ohne zu antworten legte der Anwalt auf.

~*~

„I love LA? Das willst du wirklich für deinen Onkel und seinen Butler kaufen?”

„Worauf du Gift nehmen kannst. Die sind perfekt“, grinste Spike und reichte zwei knallroten Shirts der Verkäuferin, bevor er ihr zur Kasse folgte.“

Angel schüttelte lachend den Kopf und folgte dem Blonden. Der Nachmittag war wundervoll gewesen, voller Flirten und kleinen Berührungen. Alles in Angel summte, und er fühlte sich so wunderbar wie noch nie. Bei Wallmart hatte Spike ihn in den Lift gezerrt und als eine ältere Dame zusteigen wollte, grinste er sie an. „Nur herein Liebes, ich mag Zuschauer“ und drückte sich fest an Angel, um sich an ihm zu reiben. Der Architekt wäre am liebsten in den Boden versunken, doch als die Aufzugstüre sich schloss und Spike ihn an die Wand pinnte, um ihn leidenschaftlich zu küssen, blendete Angel alles um sich herum aus, vergaß wo er war und vergaß das Gezeter der Frau, die vor der Lifttüre zu hören war. In diesem Augenblick gab es für ihn nur Spike und dessen geschickten Mund.

„Bevor du noch zu sabbern anfängst, sollten wir gehen“, holte Spike Angel aus seinen Gedanken und dessen Wangen bekamen Farbe, da der Blonde anscheinend genau wusste woran Angel gedacht hatte.

„Der Tisch, Lorne... essen weil... es ist gleich 18 Uhr“, stotterte er verlegen und strebte dem Ausgang des Kaufhausees zu, dicht gefolgt von Spike. „Wir essen einen Lorne, was auch immer das ist um 18 Uhr, wenn ich das recht verstanden habe?“ lachte dieser über Angels konfuses Gerede.

„Er ist der Besitzer, Lorne meinte ich, von dem Speiselokal, in das wir gehen. Das Essen dort ist fantastisch und es wird dir gefallen. Lorne ist zwar etwas merkwürdig, aber wenn man ihn kennt, muss man ihn mögen“, erklärte Angel, während sie die Straße entlang gingen. ‚Spike hält mich sicher für total verklemmt, aber das bin ich nicht und das werde ich ihm beweisen, auf der Stelle’, dachte Angel entschlossen, blieb abrupt mitten am Gehsteig stehen und zog Spike an sich. Der gar nicht wusste wie ihm geschah, als Angel ihn plötzlich innig küsste.

„Oh“, war alles was Spike herausbrachte und hatte Mühe sich in den Griff zu kriegen nachdem Angel den Kuss abbrach und ihn aufforderte weiter zu gehen. „Und gewöhn dich schon mal dran“, sagte der Dunkelhaarige noch leicht lächelnd, vorauf Spike erstaunt die Augen aufriss.


(Pic von spikeschild)

Der Blonde hatte nicht erwartet, dass Angel ihn mitten in LA, unter all den Leuten, küssen würde und seine Verwunderung stand ihm ins Gesicht geschrieben, als sie die Straße entlang gingen und bald darauf  das Restaurant betraten.

Als Lorne Angel bemerkte, eilte er auf die Beiden zu. „Da bist du ja mein Engel und was für einen Butterkeks hast du denn da mitgebracht“, fragte er, Spike eingehend betrachtend.

Spike hob erstaunt seine Augenbrauen und blickte Angel fragend an, der lachte leise und zwinkerte ihm zu. Der Blonde verstand sofort und konterte.

„Also hör mal, Butterkeks? Ich bin mindestens eine Schokosahne, wenn nicht Champagnertorte.“

„Und überhaupt nicht eingebildet, ich mag ihn, er passt zu dir.“  Lorne lachte Spike an und führte die Beiden zu ihrem Tisch.

„Wie meinst du das? Ich bin nicht eingebildet“, sagte Angel eingeschnappt, worauf der Lokalbesitzer lachte und Spike verschwörerisch zublinzelte.

Angel murmelte irgendetwas Unverständliches vor sich hin und setzte sich Spike gegenüber.

„Ein komischer Vogel, aber sympathisch“, stellte der Blonde fest, ging nicht auf Angels Gemurmel ein und griff nach der Karte.

Bald saßen sie bei einem fantastischen Essen und kalifornischen Rotwein, doch irgendwie kam kein Gespräch zwischen ihnen auf und verlegenes Schweigen breitete sich aus. Beide hingen ihren Gedanken nach, die im Grunde dieselben waren. Wie sollte es nun weitergehen?

Spike war richtig froh, als er Lindsey an Bar-Tresen stehen sah. ‚Wenn ich den Anwalt an unseren Tisch hole, kann ich mit der blöden Grübelei aufhören, bringt sowieso nichts und so können wir über die Verträge reden, damit wir endlich zu einem Abschluss kommen’, beschloss Spike und wandte sich an Angel. „Dein Anwalt sitzt dort Bar, ich gehe mal und hole ihn zu uns rüber, wenn er die Verträge fertig hat, können wir sie morgen unterzeichnen wenn es dir recht ist.“

Angel wusste nicht auf was sich das „wenn es dir Recht ist“ bezog, auf die Verträge oder das Herholen des Anwalts und nickte daher nur stumm, woraufhin der Blonde aufstand und auf die Bar zuging.

‚Klappt ja perfekt’, dachte Lindsey, als er Spike auf sich zukommen sah und unterdrückte ein Grinsen.

Von seinem Tisch aus konnte Angel gut zur Bar sehen, beobachtete wie Lindsey und Spike redeten und Spike eine Handbewegung Richtung Angel machte, die dieser nicht deuten konnte. Es war dem Architekten gleich, ob es unhöflich war zu starren, er konnte nicht anders als die Beiden zu beobachten und ungewollte Eifersucht kam in ihm hoch. ‚Ich muss endlich damit aufhören, sonst zerstöre ich noch alles was sich zwischen uns langsam aufbaut, sie reden doch nur und...’ Angel erstarrte, als Lindsey Spike plötzlich an sich zog und ihn küsste.

Alles verschwamm vor Angels Augen, er konnte weder klar sehen noch denken, Bilder schossen durch seinen Kopf, indem sich Penns und Spikes Gesicht vermischten. Er sah plötzlich Spike auf sich zukommen, hörte ihn etwas sagen, verstand es in seinem Schock nicht, versuchte sich zu konzentrieren: „Sorry Peaches, aber ...“ Angel gelang es nicht das Bild der beiden Küssenden auszublenden, doch erneut versuchte er zu verstehen was Spike sagte.

„Peaches? Pet? Angel verdammt, es tut mir ja Leid, dass du jetzt keinen Anwalt mehr hast, aber er hat mich angegraben und geküsst, obwohl ich ihm sagte, dass ich zu dir gehöre, das tut ich doch, oder?“ Spikes Stimme wurde immer leiser und sein Blick unsicher, da Angel nicht reagierte, sondern ihn nur abwesend anstarrte, bis er endlich ansprang. „WAS?“

Spikes Augen wurden hart. „Okay mein Fehler, wird Zeit dorthin zu gehen, wohin ich gehöre. Schick die Verträge an Rupert.“ Nach diesen Worten drehte Spike sich um und stürmte aus dem Lokal und Angel realisierte endlich was Spike gesagt, und vor allem getan hatte, nämlich Lindsey einen Schlag verpasst, als dieser ihn küsste, was bedeutete...

„Oh mein Gott.“ Der junge Architekt sprang auf und wollte Spike nacheilen, doch Lorne stellte sich in den Weg. „Angelcake so geht das nicht, dein Freund kann nicht einfach einem meiner Gäste ein blaues Auge verpassen, nun ist der arme auf einer Seite ganz verunstaltet, komm mit und sieh dir das an.“ Unerbittlich zog der Restaurantbesitzer Angel mit sich, bis sie vor dem Anwalt standen, der sich klagend das rechte Auge zuhielt. Angel schaute ihn kurz mit zusammengezogenen Augenbrauen an und knallte ihm ohne Vorwarnung seine Faust auf das linke Auge.

„Angel?“ rief Lorne entsetzt und beugte sich über Lin, der jammernd in die Knie gegangen war.

„Keine Aufregung, ich habe nur dafür gesorgt, dass sein Gesicht wieder auf beiden Seiten gleich aussieht“, entgegnete der Architekt ungerührt, bevor er sich leicht zu dem Anwalt hinunterbeugte und knurrte. „Merk dir gut McDonald, fass nie wieder etwas an, das mir gehört.“

Daraufhin rannte er hinaus und sah sich suchend nach Spike um, der nicht weit von ihm entfernt nach einem Taxi brüllte, sich der Sinnlosigkeit nicht bewusst, dass in der Rushhour  seine Bemühungen umsonst waren und zum ersten Mal war Angel froh über den Verkehr in LA.

Rasch eilte er auf ihn zu und griff nach seinem Arm. „Wir müssen reden.“

„Fass mich verdammt nicht an.“

„Spike, bitte.“

Doch der Blonde ignorierte Angels Dackelblick, schüttelte dessen Hand ab und ging schnell den Gehsteig entlang, von dem Gedanken getrieben sich so weit wie möglich von dem Mann zu entfernen, der ihn zum Narren gehalten hatte, ihm Dinge vorgegaukelt und ihm Hoffnungen gemacht hatte, die sich nie erfüllen würden, doch Angel blieb ihm dicht auf den Fersen.

„Es tut mir Leid, ich bin ein Idiot. Ich dachte du und der Anwalt... als ihr euch geküsst habt, ich...“

Spike drehte sich zu Angel und brüllte ihn an.

„Ich habe ihn zur Hölle nicht geküsst, sondern er mich, doch er hat nicht kapiert, dass ich ihn nicht will, bis ich deutlicher geworden bin, aber was kümmert dich das? Ich konnte ja eindeutig sehen wie du reagiert hast, also lass mich gefälligst in Ruhe.“

„Das werde ich nicht verflucht, du wirst mir jetzt zuhören“, brüllte dieser zurück, die Leute um sie herum ignorierend, die sie verwundert anstarrten.

„Ich will nichts hören, und jetzt verpiss dich, Poof.“

„Nein, ich werde nicht tatenlos zusehen wie unsere Beziehung kaputt geht, nur weil ich einen Fehler begangen habe.“

„Beziehung? Hast du sie nicht mehr alle? Wir haben so etwas nicht, du bist dazu nicht mal am Rande fähig, weil du von dir selbst davonrennst und dir Dinge einbildest, die nicht da sind. Wir haben gepoppt, 2 Mal um genau zu sein, und das ist schon eine Ewigkeit her und ich kann mich gar nicht mehr erinnern wie es war, wahrscheinlich l a n g w e i l i g.“ Spikes Stimme überschlug sich fast vor Wut und er ballte die Hände zu Fäusten, die er in seiner Manteltasche vergrub. Niemals würde er zugeben wie genau er sich erinnerte und wie sehr er es vermisste in Angels Armen zu liegen und er in seinen. Ihre Gespräche und das Prickeln, wenn er ihn nur anschaute, und das Küssen, Gott, sein Großer hatte so einen talentierten Mund.

„Für mich nicht, ich habe keinen Augenblick vergessen, jede Sekunde mit dir ist für mich wundervoll gewesen, in der Wüste und auch hier in LA und ich würde gerne mit dir zusammen sein, für länger, sehr viel länger“, flüsterte Angel und senkte den Kopf.

„Ich würde auch alles tun, um es dir zu beweisen. „Wenn du willst lebe ich mit dir in Gath oder sonst wo in der Wüste, mir ist klar, dass du dort hingehörst. Natürlich müsste ich oft in die Staaten reisen, aber du könntest mich begleiten, wenn du willst und…“ Angel versagte die Stimme und er wagte nicht den Kopf zu heben und in die von ihm so geliebten blauen Augen zu blicken, aus Angst den Spott und die Verachtung darin zu sehen, weil er seine Seele vor Spike völlig bloßlegte.

Doch der Blonde überraschte ihn, denn er reagierte völlig anders, als Angel erwartete. „Ich bitte dich Angel, die Wüste ist toll und ja, ich bin gerne dort, aber nach zwei bis drei Wochen im Jahr habe ich es satt mein Bier in Hinterzimmern zu trinken und ständig nur Schaffleisch zu essen. Dazu kommt, dass man sich verstecken muss, wenn man jemanden küssen will, und wenn es noch dazu ein Mann ist, ist man schneller im Gefängnis, als man Climax sagen kann. Bloody hell nein, das ist auf die Dauer nichts für mich, denn ich brauche das Pulsieren der Großstadt, Fastfood, schnelle Autos, mein Penthouse in New York und küssen wo und wann mir gerade danach ist, vorzugsweise dich.“

Auch Spike sprach seine letzten Worte leise aus.

„Du hast ein Apartment in New York?“ fragte Angel völlig perplex und versuchte die gerade erhaltenen Informationen zu verarbeiten.

„Ja, stell dir vor der Wüstenfuchs ist im Grunde keiner, bringt wohl dein Weltbild über mich ins Wanken.“

„Aber wieso hast du dich dann in der Skid Row einquartiert, du könntest dir vermutlich das Hilton leisten.“

„Um Paris dort zu treffen? Gott bewahre mich“, entgegnete Spike und verdrehte die Augen, doch plötzlich grinste er Angel an. „Außerdem hättest du mich dann nicht in dein Apartment geholt.“

„Und du hast das alles gemacht weil...?“ Angel wollte, dass Spike es aussprach, er brauchte diese Bestätigung und blickte den Blonden gespannt an.

Wieder hob Spike die Augen zum Himmel. „Na was denkst du wohl, weil ich dich will, immer an meiner Seite, um genau zu sein, also was blieb mir übrig als dich subtil darauf hinzuweisen dass du mich auch willst. Du wusstest es zwar, aber wolltest aber kein Risiko eingehen, keine Ahnung wer dich so verletzt hat, aber ich bin nicht so Angel, für mich gibt es nur dich, verstehst du.“

„Nur mich?“ Angel konnte noch immer nicht fassen was Spike eben gesagt hatte, als dieser ernst entgegnete:

„Für niemanden außer dir würde ich so einen Aufwand betreiben, glaube es ruhig“, hing er noch an, als Angel ihn immer noch erstaunt ansah.

Doch plötzlich stahl sich ein Lächeln auf Angels Gesicht. „Ich will alles von dir wissen.“

„Ach? Und was genau?“

„Einfach alles, was du in New York machst, wo du dort wohnst, wie deine Freizeit aussieht, eben alles.“

Spike grinste spitzbübisch. „Kann sein, dass ich es dir erzähle, aber nur wenn deine Gästezimmerpflege gut ist, du weißt schon, so wie in Gath.“

„Erpressung also.“

„Japp“, nickte Spike.

„Und du denkst ich lasse das so einfach mit mir machen.“

Wieder nickte der Blonde und lachte.

„Du bist ein durchtriebener Bastard“, grinste Angel, worauf Spike verführerisch mit seinen Augenbrauen wackelte.

„Und du stehst drauf.“

„Kann gut sein, dass du Recht hast, also dann, ab nach Hause, wir haben zu tun.“

Ende!