File 1: stories/1/9.txt
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Cordelia suchte mit ihren Augen die Landschaft unter sich ab. "Nichts, nur zwei  Einheimische auf ihren Kamelen", murmelte sie niedergeschlagen und beobachtete wie die beiden Reiter aus ihrem Blickwinkel verschwanden, da das Flugzeug eine Schleife drehte und sie die Stadt Gath vor sich sehen konnten.

Groo versuchte Cordy zu beruhigen. "Wir landen in ca. 10 Minuten auf Mr. Giles’ Privatflughafen, vielleicht sind Angel und Spike ja schon anwesend und du sorgst dich unnötig."

"Das denke ich nicht, denn Angel hätte mich bestimmt angerufen, wenn es so wäre. Schließlich kann er sich denken, dass ich mir Sorgen mache."

"Erstens weiß er nicht, dass wir ihn vermissen und zweitens ist es hier nicht immer leicht zu telefonieren. Warten wir erst einmal ab."

Cordelia nickte nur, schnallte sich an, als der Pilot sie darum bat, und wenig später landeten sie auf dem Anwesen Rupert Giles’.

~*~

"Kurz vor Dunkelheit werden wir in Gath eintreffen‚Äú, bemerkte Spike und lenkte das Kamel zu ein paar B√ľschen, die ausreichend Schatten spendeten. "Wir machen jetzt Rast, bis die gr√∂√üte Hitze vorbei ist, und heute Abend sitzen wir mit einem k√ľhlen Bier bei Rupert."

Angel nickte zustimmend und zwang sein Kamel in die Knie, wie Spike es ihm gezeigt hatte, um absteigen zu k√∂nnen. Ihm gefiel es in der W√ľste immer besser, der Wechsel der Landschaft, die Farben des Sandes, welche Schattierungen von hellem Wei√ü bis zu dunklem Orange aufwiesen, l√∂sten in ihm einen unwiderstehlichen Drang aus zu malen und die Bilder, die sich in seinem Kopf bildeten, auf Papier festzuhalten.

Besonders jenes, welches immer genauere Formen annahm. Spike im roten Sand, nackt, und der Architekt stöhnte verhalten bei dieser Vorstellung.

"Es ist zu heiß, Pet", lachte Spike wissend und schaute den Dunkelhaarigen an.

Angel war froh √ľber den Chech, sodass man nicht erkennen konnte wie sich sein Gesicht rot f√§rbte. "Was? Nein oder ja, hei√ü‚Ķ" 'Spike ist unm√∂glich in seiner Direktheit, in L.A w√ľrde er mich von einer Peinlichkeit in die andere bef√∂rdern. Gut, dass sich unsere Wege bald trennen', dachte Angel und ignorierte das Ziehen in seinem Herzen, welches sich dabei einschlich.

"Ich habe gerade √ľber das Ferienprojekt nachgedacht", sagte er schnell, um von seinen Gedanken abzulenken, denn obwohl er sich bem√ľhte, konnte er die Bilder von einem nackten Spike, der sich ihm willig ergab, nicht vertreiben und so wurde es in seiner Hose immer enger.

"Zeig mir was du dir vorgestellt hast", forderte der Blonde ihn auf, brach einen Zweig von einem der B√ľsche und reichte ihn Angel. Dieser war zwar verwundert, dass ein Abenteurer wie Spike Interesse an seiner Arbeit hatte, kam der Aufforderung jedoch nach, skizzierte  die von ihm erdachte Ferienanlage und bemerkte dazu:

"Ein Hauptgeb√§ude mit Speisesaal, Aufenthaltsr√§ume f√ľr Poolbillard oder √§hnliches mit einem Swimmingpool davor, √ľberdachte Sonnenliegen und so weiter. Das Haupthaus von kleinen Bungalows umgeben. Wie man es anlegt, h√§ngt von dem Geologischen Gutachten ab, wie mein Statiker meinte."

"Das ist kein Problem. Der Untergrund ist bestens geeignet und du hast die Gebäude ebenerdig geplant wie ich sehen kann", entgegnete Spike und blickte interessiert auf die Zeichnung im Sand. 'Luv versteht was davon, das ist offensichtlich.'

'Was versteht Spike von Geologie? Wahrscheinlich hat Mr. Giles davon gesprochen, sie scheinen ja gut miteinander bekannt zu sein', kam es Angel in den Sinn und er erläuterte seine Pläne genauer, da Spikes Interesse ernsthaft zu sein schien, da er interessiert Fragen stellte.

"Das Problem allerdings ist, dass zu unseren anderen Sachen auch die Pl√§ne gestohlen wurden und es gibt einen Konkurrenten, der sein Angebot sicher termingerecht abgegeben hat, also war alles umsonst. Der Auftrag w√§re sehr wichtig f√ľr uns gewesen, denn auch wenn meine Firma gut l√§uft, au√üerhalb von Amerika bekannt zu werden ist ein gro√üer Sprung in unserer Branche."

"Noch ist nichts verloren, oder entschieden. Du hast sicher Kopien von deinen Pl√§nen, die dein B√ľro herfaxen kann. Rede mit Rupert und erkl√§re ihm alles. Er ist zwar ein verschrobener Engl√§nder, aber verst√§ndnisvoller als es den Anschein hat und ich bin auch noch da, um deine Aussage zu best√§tigen. Aber nun wird es Zeit, wir sollten weiter, doch zuerst..." Spike blickte Angel tief in die Augen, nahm ihm den Ast weg und zog ihn an sich, um ihn hingebensvoll zu k√ľssen. Dieser reagierte sofort, schlang seine Arme um den Blonden und √∂ffnete seinen Mund, um Spikes Zunge freudig zu begr√ľ√üen.

Erst Mangel an Luft brachte die Beiden dazu, ihren Kuss abzubrechen und Angel knurrte widerwillig.

"Ich wei√ü Pet, geht mir genauso und nichts geht √ľber poppen im warmen weichen Sand, aber ein Bett ist auch nicht schlecht, vor allem meines, es hat genau die richtige Gr√∂√üe f√ľr uns, das Badezimmer nicht zu vergessen, nach dem du dich mit Sicherheit sehnst. Dazu kommt, dass Rupert mich ungespitzt in den Boden stampft, wenn wir erst morgen ankommen. Obwohl mich sein Gemotzte nicht wirklich k√ľmmert", lachte Spike fr√∂hlich.

"Du bist ziemlich... direkt", murmelte Angel verlegen und erhob sich rasch. 

"Und du stehst drauf, das wette ich", antwortete der Blonde unbek√ľmmert mit einem Augenzwinkern und stieg auf sein Kamel, gefolgt von Angel, der ebenfalls in den Sattel seines Tieres kletterte.

~*~

"Nun beruhigen Sie sich, meine Liebe. Spike findet immer einen Ausweg, ganz egal was passiert. Glauben Sie mir", redete Rupert Giles auf Cordelia ein, die vor sich hinschimpfend im großen Wohnraum hin- und herlief.

"Wollen Sie mir ernsthaft einreden, dass ein Mann, der sich S p i k e nennt, vertrauensw√ľrdig ist? Das ist absurd und sollte ich ihn jemals in die Finger kriegen, dann Gnade ihm Gott", rief Cordelia w√ľtend. Gerade als sie mit ihrer Schimpf-Tirade fortfahren wollte, betrat der Butler den Raum. "Der Tee Mr. Giles und Prof. Walsh ist eingetroffen."

"Danke Ethan. F√ľhren Sie die Dame ins Arbeitszimmer bitte."

Giles nickte seinem Butler zu. Ethan Rayne war schon in England sein Butler gewesen und als er sich nach dem Tod seiner Frau entschloss nach Lybien auszuwandern, begleitete ihn diese treue Seele, wof√ľr er ihm heute noch dankbar war.

Auf Ryne war Verlass und sie beredeten so gut wie alles miteinander, er war mehr Freund als Butler, legte aber gro√üen Wert auf seinen Status und f√ľhrte das Personal nach althergebrachten Regeln. Rupert legte gro√üen Wert auf Ethans Rat, besonders im Bezug auf Spike. Der Junge war in seiner Eigenart oft schwierig und Giles hatte so manches Mal M√ľhe

ihn zu verstehen. Giles hatte jedoch erkannt, dass Spike anders war, als er sich gab. Sein ruppiges Verhalten √ľberdeckte einen gef√ľhlvollen, sensiblen Menschen, der auf der Suche nach Liebe war, die ihm das Schicksal bisher verwehrte und Rupert hoffte, dass der junge Mann f√ľndig wurde, denn er g√∂nnte es ihm vom Herzen. Obwohl sie sich des √–fteren in den Haaren lagen, hatte Giles erkannt, wie klug Spike war, aber auch wie verletzlich.

Doch wenn Spike ein bestimmtes Ziel vor Augen hatte, verfolgte er es stur und wenn er auf geraden Weg nicht erreichte, was er wollte, scheute er auch keine Umwege, wenn es nötig sein sollte, um sein Ziel zu erreichen. Dies bewunderte Rupert, auch die Flexibilität, mit der Spike sich den gegebenen Situationen anpassen konnte.

Als ihm bewusst wurde, dass seine Gedanken abschweift waren, nahm er seine Brille ab und putzte sie mit dem Taschentuch, das er seiner Hosentasche entnahm. "Sie entschuldigen mich bitte einen Moment, eine gesch√§ftliche Besprechung. Rayne wird sich um Sie k√ľmmern", sagte er zu Cordelia und Groo bevor er den Raum verlie√ü.

~*~

"Gath‚Äú, bemerkte Spike, als sie das Eingangstor der Stadt vor sich sahen, ‚Äěwir haben es geschafft."

‚ÄěDusche, Bett, Bier. Die Reihenfolge ist mir egal. Okay, nicht wirklich egal. Aber weil du es bist, darfst du aussuchen. Ich wette du w√§hlst die Dusche zuerst, obwohl ich deine erste Priorit√§t sein sollte, aber ich will mal nicht so sein", grinste Spike Angel unverhohlen an.

"Gut, wenn ich die Wahl habe, dann nehme ich ein eink√ľhles Blondes", ging Angel auf Spikes Gepl√§nkel ein. Dem Dunkelhaarigen machte es mittlerweile Spa√ü lockere Konversation zu treiben und nicht so wie in LA auf jedes Wort achten zu m√ľssen, um nicht falsch verstanden zu werden. 

"Also doch mich. ich wusste es", entgegnete Spike selbstgefällig.

"Nein, eines zum trinken."

"Eben, kann ich alles anbieten."

Nun kam Angel doch ins Stottern. "Oh, das... k√∂nnte mich schon... ist das nicht der Wagen der M√§nner, die uns √ľberfallen haben?" stellte Angel √ľberrascht fest, als sie die Hauptstra√üe passierten und er den Wagen vor einem Lokal erblickte, mit dem Riley und seine Freunde vor ein paar Tagen in der W√ľste bei ihnen aufgetaucht war.

"Und ob er das ist. Finn hat wohl nicht damit gerechnet, dass wir jemals in Gath auftauchen. Wie gut bist du mit deinen F√§usten? Okay, bl√∂de Frage, sorry. K√∂rperkontakt ist wohl nichts f√ľr dich, zumindest nicht in dieser Form, kommst ja aus der noblen Stadt. Warte besser drau√üen, ich kn√∂pfe mir Riley und seine Spie√ügesellen vor", entschlossen brachte Spike sein Kamel dazu niederzuknien und sprang vom Sattel.

"Du solltest mich nicht unterschätzen, Kleiner, ich komme mit, schließlich habe ich auch noch eine Rechnung offen."

Verwundert bemerkte Spike den grimmigen Ton in Angels Stimme und blickte ihn erstaunt an.

"Tja", meinte dieser, w√§hrend er neben den Blonden trat. "Wie sagst du immer? Du hast keine Ahnung, Pet." Schmunzelnd √ľber den perplexen Ausdruck in Spikes Augen, ging er voran und betrat das Lokal.

~*~

‚ÄěMrs. Walsh, sch√∂n, dass Sie den Termin einhalten konnten. Sie haben Ihre Unterlagen also noch rechzeitig erhalten?"

"Ja Mr. Giles, mein Angestellter hat sie mir gestern Abend gebracht." Die Frau rollte die Pl√§ne auf und Giles beugte sich dar√ľber.

"Wie Sie sehen, dachte ich an ein Haupthaus, in dem sich er Speisesaal und Aufenthaltsr√§ume befinden, ebenso ein Swimmingpool und Bungalows, die um das Haupthaus gruppiert sind. Alle Geb√§ude sind so konzipiert, dass sie sich gut in die Landschaft einf√ľgen", erkl√§rte Maggie Walsh, w√§hrend sie auf die verschiedenen Punkte des Plans deutete. ‚ÄěNat√ľrlich kann ich die Pl√§ne noch nach Ihren W√ľnschen √ľberarbeiten, sollten Sie √Ąnderungen wollen‚Äú, h√§ngte sie noch geflissentlich hinten an.

"Ich denke nicht, denn genauso habe ich mir das vorgestellt. Das zweite Angebot ist zwar noch ausst√§ndig, und ich m√∂chte fairer Weise darauf noch warten, was Sie sicher verstehen werden. Nebenbei m√∂chte ich jedoch bemerken, dass mir Ihre Pl√§ne au√üerordentlich gefallen und ich k√∂nnte mir vorstellen Ihnen den Zuschlag f√ľr das Projekt zu erteilen.‚Äú

Die Beiden besprachen noch verschiedene Einzelheiten, wobei die Frau sich Notizen machte und sich nach einer Stunde verabschiedete, mit der Option am nächsten Tag wieder vorzusprechen, um den Vorvertrag zu unterzeichnen, welchen Giles Anwalt vorbereitet hatte.

Mit einem selbstgef√§lligen L√§cheln stieg Maggie Walsh in dem Mietwagen. Dieser Auftrag war ihr sicher, denn ihr Bauleiter Riley Finn hatte seine Sache gut gemacht. Der Architekt Liam war keine Konkurrenz mehr, denn mit ziemlicher Sicherheit lag er schon irgendwo im W√ľstensand und verdorrte.

Als Riley ihr Angel Liams Koffer mit den Pl√§nen √ľbergab und sie darin Einsicht nahm, musste sie neidvoll feststellen, dass seine Vorstellungen der Ferienanlage wesentlich besser als ihre eigenen waren, daher hatte sie die Papiere kurzerhand umsigniert und als ihre eigenen ausgegeben. Wie sich soeben bei dem Gespr√§ch mit Mr. Giles herausgestellt hatte, war das ein kluger Schachzug von ihr gewesen, denn mit diesem Auftrag w√ľrde sie ihr Architekturb√ľro aus den roten Zahlen holen k√∂nnen. Die Schulden wuchsen ihr √ľber den Kopf und die Forderungen der Gl√§ubiger h√§uften sich. Doch ab morgen w√ľrden ihre finanziellen Probleme der Vergangenheit angeh√∂ren, endlich.