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„Ich kann nichts für Sie tun, Finn. Das ist Ihr Problem. Ich stehe durch Ihre Unfähigkeit vor dem Ruin, daher wagen Sie es nie wieder mich zu belästigen."

Maggie Walsh warf emotionslos den Hörer auf die Gabel und murmelte: „Wie kann er es wagen mich um Hilfe zu bitten, seinetwegen ist alles schief gegangen. Mein Plan war perfekt. Nur weil Finn meine Anweisungen nicht genau befolgte, stehe ich nun vor dem Nichts, und dieser verhinderte Söldner erwartet allen ernstes, dass ich ihn aus dem Gefängnis hole? Ich kann froh sein nicht selbst dort zu landen.“ 

Nachdem Maggie Walsh erfahren hatte, dass Riley Finn verhaftet worden, und Angel Liam lebend und wohlbehalten in Gath und somit bei Giles angelangt war, wusste sie, sie hatte verloren, denn sie hatte sich genau über ihren Mitbieter erkundigt. Der junge Mann hatte einen guten Namen in der Branche und mit Sicherheit war er nicht dumm. Ein Fax an seine Mitarbeiter in L.A. genügte, um den Betrug, den Maggie begangen hatte, aufzudecken, daher tat sie das Einzige, dass in ihrer Situation zu tun war, und verließ Lybien auf schnellstem Wege. Sie rechnete sich aus noch genügend Zeit zu haben, um die notwendigsten Dinge aus ihrer New Yorker Wohnung zu holen und sich dann nach Mexiko absetzten. Und Riley Finn? Diesen Mann strich sie aus ihrem Gedächtnis.

~*~

„Du hast was? Hast du sie nicht mehr alle?“ Spike brüllte, sodass man ihn im ganzen Haus hören konnte. Gleich nachdem er von der Polizeiwache zurückgekommen war, erfuhr er was sich zugetragen hatte und nun stand er in dem Arbeitszimmer seines Onkels und brüllte ihn ungehalten an.

„Mäßige dich William, dieser Ton steht dir nicht zu, und außerdem ist es offensichtlich dass dieser Liam versuchte…“

„Wie zum Geier kannst du über Angel deinen verfluchten selbstherrlichen Stab brechen, ohne seine Angaben zu hinterfragen? Aber das ist ja wieder typisch für dich. Du glaubst nur was die siehst, oder sehen willst, und das auch nur soweit es in dein Schema passt. Genau so hast du es mit mir gemacht, als meine Mutter starb. Ich passte nicht in deine Pläne, also ab ins Internat mit William, und dein Gewissen beruhigtest du, indem du dir sagtest, ich bezahle alles, also muss mir der Junge auf ewig dankbar sein. Was du mir damit antatest, kannst du dir überhaupt nicht vorstellen, aber ich denke es hätte dich auch nicht interessiert.“ Spike wusste, dass seine Worte nicht ganz gerecht waren, aber er war so in Rage, dass er sie seinem Onkel wütend entgegenschleuderte, bevor er den Raum verließ und die Tür so fest er konnte zuknallte.

Rupert Giles setzte sich, niedergeschlagen durch Williams Vorhaltungen, in seinen Stuhl, schloss müde die Augen, nahm die Brille ab und rieb sich den Nasenrücken. Er hatte immer angenommen das Beste für William zu tun, indem er ein Internat für seinen Neffen auswählte, das für seine Ausbildung weltweit einen guten Ruf genoss. Doch der Junge schien das anders empfunden zu haben. Und nun hatte er wieder eine Entscheidung getroffen, die Spike ablehnte, doch Giles war nach wie vor überzeugt das Richtige getan zu haben und sein Neffe würde das früher oder später einsehen.

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Spike schmiss wütend einige Kleidungsstücke in seine Reisetasche und fluchte vor sich hin. „Alter verstaubter Engländer, er kann mich mal, soll er sehen wo er seine geologischen Gutachten herbekommt, von mir nie wieder. Ich war so ein Idiot, immer habe ich ihm nachgegeben, sogar studiert habe ich das, was er wollte und tanze nach seiner Pfeife, okay nicht wirklich, nur wenn es mir selbst in den Kram passt, aber immerhin habe ich Angel für ihn hergebracht und er schmeißst ihn raus, weil er ihn für einen Lügner hält? Bloody hell verdammt. Angel ist der ehrlichste und bestaussehendste Mann, der mir je begegnet ist, und, ... ’kay, das mit dem guten Aussehen ist für Onkel Rupert nicht wirklich wichtig, aber für mich verflucht, und dazu hat Angel Humor, versteckt zwar, aber er ist da, man kann mit ihm über alles reden und wie er mir den Rücken gedeckt hat, bloody hell, das war verdammt großartig, vom Poppen rede ich erst gar nicht und Rupert schmeißt ihn raus. Was aber tut Angel, anstatt mit mir zu reden? Schließlich hätte ich alles bezeugen können, aber nein, der eingebildete Sturkopf verschwindet einfach und...’ Spike unterbrach seine Tätigkeit und er riss seine Augen geschockt auf. „Er wollte mich nicht sehen und der Streit mit Rupert war ein guter Grund für ihn sofort abzufliegen.“ Als den Blonden diese Erkenntnis traf, spürte er wie sein ganzer Körper von Schmerz überflutet wurde und er ließ sich zusammengekrümmt auf sein Bett fallen.

~*~

„Ich erwarte dich, sobald die Dreharbeiten abgeschlossen sind“, sagte Angel und versuchte zu lächeln, was kläglich misslang, als er seine Schwester umarmte, da sein Flug schon aufgerufen wurde und er sich beeilen musste.

„Ich.. ja, sicher, denn die Hochzeit von Wes und Lilah will ich auf keinen Fall versäumen, und dann wirst du reden müssen. Glaub bloß nicht, ich habe es nicht bemerkt. Irgendetwas stimmt nicht, und das hat nichts mit diesem Giles zu tun“, erkannte Cordy mit dem Scharfblick einer Schwester.

Groo beobachtete die ganze Szene und machte sich seine eigenen Gedanken. Cordelia würde zurück nach Amerika fliegen, das war der einzige Satz, den er wirklich realisierte, dabei hatte er insgeheim gehofft, dass er ihr genug bedeutete, um bei ihm bleiben zu wollen.

Erst als Angel ihm die Hand auf die Schulter legte und ihm auftrug gut auf Cordy zu achten, blickte er auf und murmelte. „Das werde ich Angel, soweit sie mich lässt.“

Der junge Architekt musste auf diese Äußerung hin lachen. „Tja, Cordy ist schon etwas Besonderes.“ ‚So wie William.’ Schoss es ihm sogleich durch den Kopf und seine Gesichtszüge würden sofort wieder ernst. „Ich muss jetzt... das Flugzeug, also dann, bis bald.“ Nach diesen Worten stürmte er davon und nachdem Cordelia hinterher gewinkt hatte, nahm sie Groos Arm. „Dir gehört also das größte und schönste Hotel von Tripolis. Erzähl mir einmal, wer da so alles absteigt. Sicher berühmte Schauspieler und Produzenten.“

~*~

Zwei Tage waren nun schon vergangen, ohne dass Spike seine Unterkunft verlassen hatte und Rupert machte sich große Sorgen deswegen. Auch gingen ihm Williams Worte ständig durch den Kopf. „Was hat der Junge damit gemeint, er, Rupert Giles, sehe nur das, was er wolle?“ überlegte Giles und begann nachdenklich seine Brille zu putzen. „Ethan“, schoss es ihm durch den Kopf. Sein Butler hatte einen besonderen Draht zu Spike, daher klingelte er nach seinem Diener, der wenig später eintrat. „Sie haben einen Wunsch Mr. Giles?“

„Setzen Sie sich bitte zu mir und bringen uns 2 Gläser Whiskey mit.“

Der Butler tat wie ihm geheißen, stellte die vollen Gläser auf den Schreibtisch und setzte sich seinem Boss gegenüber.

„Denken Sie ich bin kurzsichtig, Ethan?“

„Nun Sir, Ihre Brille wurde schon lange nicht überprüft, wenn Sie wünschen, mache ich einen Termin...“

„Das meine ich doch nicht. William warf mir vor, dass ich eine mir eigene Sichtweise hätte und alles in mein persönliches Schema presse. Halten Sie seinen Vorwurf für berechtigt?“

„Eine Ehrliche Antwort, Sir?“

„Ich bitte darum.“

„Gut, dann muss ich mit JA antworten.“

~*~

Spike saß am Boden, mit dem Rücken ans Bett gelehnt, starrte mit glasigen Augen vor sich hin und setzte sich erneut die Flasche an den Mund, um einen tiefen Schluck zu nehmen, bevor er sie leergetrunken in die Ecke schmiss. „Liam, verdammter Pofter“, lallte er beschwerlich, „bilde dir bloß nicht ein, dass ich dir eine Träne nachweine, ich hätte dich sowieso nie behalten, nicht mal wenn du deinen schokobraunen Dackelblick eingesetzt hättest. Nein. Niemals. Nope.“ Mühsam versuchte er sich aufzurichten und nach mehreren Versuchen gelang es ihm auf den Schreibtisch zuzuwanken, da sich seine Zunge wie ein Pelztierchen anfühlte und er dringend einen Schluck Wasser trinken wollte, doch er sankt über dem Schreibtisch zusammen. „Bloody hell, seit wann habe ich ein Wasserbett? Fragte er verwundert. „Verflucht ist mir schlecht. Alles nur deine Schuld Angel, ich wünsche dir dass du nie wieder einen hochkriegst.“ Murmelte Spike noch, bevor er einschlief.

~*~

„Wie soll ich das verstehen?“ Giles blickte seinen Butler erstaunt an, der fein lächelte.

„Damit will ich nicht behaupten, dass Sie den Jungen nicht lieben, Sir, ich weiß es, jedoch sollten Sie akzeptieren, dass er nicht das Leben führen wird, wie Sie es sich wünschen.“

„Ich wünsche mir nur, dass er glücklich ist.“

„Tun Sie das wirklich, Sir? Diesen Eindruck haben Sie ihm nie vermittelt? Stattdessen bemängeln Sie seine Haarfarbe und Kleidung und ich bin mir ziemlich sicher, Sie wissen auch nicht, dass er ein anerkannter Gutachter ist. Er hätte es nicht notwendig nach wie vor für Sie zu arbeiten, und doch tut er es, obwohl Sie ihn mehr als schlecht bezahlen. Sie wollten eine ehrliche Antwort und ich gab sie Ihnen“, bemerkte der Butler, als Giles ihn erstaunt ansah. „Und wenn wir schon dabei sind, es wäre auch gut, wenn Sie sich damit abfinden, dass William nun... wie soll ich sagen... Frauen sind nicht seine Passion.“

~*~

Seit Angel wieder in L.A. war, hatte sich sein Ärger über Mr. Giles soweit gelegt, dass er fähig war wieder klar zu denken. Er grübelte über seinen raschen Aufbruch aus Gath nach, mit dem Ergebnis, dass es die Flucht vor Spike war, die ihn dazu veranlasst hatte, denn Mr. Giles’ These zu widerlegen und den Beweis zu erbringen, dass es sich sehr wohl um seine Pläne handelte, wäre für den Architekten ein Leichtes gewesen. Doch stattdessen war er feige davongerannt, nur weil er Angst davor hatte sich in den faszinierendsten Mann, der ihm je begegnet war, zu verlieben.

„Wie erbärmlich“, gestand er sich murmelnd ein, „aber der Verstand sollte nicht über das Gefühl siegen, das bringt nur Kummer, ich habe also richtig entschieden“, versuchte er sich einzureden und griff nach den Stapel Papier, auf dessen Blättern Zeichnungen von William waren. Jede Einzelne zeigte den jungen Mann in einer anderen Pose, die verschiedensten Gesichtsausdrücke waren von Angel perfekt ausgearbeitet worden und auf den meisten Blättern war Spike nicht einmal nackt zu sehen, wie Angel erst jetzt, als er die Bilder zum wiederholten Mal betrachtete, erstaunt feststellte. Und plötzlich erkannte er, dass es nicht nur der phantastische Sex mit Spike war, der ihn gefesselt hatte. Nein, dieser Mann war ihm ebenbürtig, forderte und nahm, genauso wie Angel es brauchte, konnte zuhören und brachte ihn zum Lachen, auch wenn die Situation noch so vertrackt war. „Zu einer anderen Zeit, an einem andren Ort, hätte William der Richtige sein können, aber wahrscheinlich ist es besser so wie es gekommen ist, denn letztendlich wäre es niemals gut gegangen, wir sind zu verschieden.“ Mehr oder weniger davon überzeugt, was er sagte, legte er sie Zeichnungen in die unterste Schublade und verließ sein Büro, um zu Wes und Lilah zu gehen.

Wesleys Verlobte hatte ihm geraten diese ganze Gath Angelegenheit einem Anwalt zu übertagen, und da es Lilahs Zeit nicht erlaubte, dies als Anwältin selbst zu erledigen, weil sie völlig mit den Hochzeitsvorbereitungen beschäftigt war, empfahl sie Angel einen ehemaligen Arbeitskollegen, dessen Kompetenz sie in den höchsten Tönen lobte.

Angel wollte ihn abends zum Lunch in Lornes Lokal treffen, um ihn kennen zu lernen und, sollten ihm dessen Vorschläge zusagen, die Einzelheiten zu besprechen.

~*~

Cordelia stand in ihrem Hotelzimmer und schmiss frustriert einen Teil ihrer Sachen in den Koffer. Die Dreharbeiten waren abgeschlossen und obwohl ihr das Filmen Spaß gemacht hatte, war sie zu der Erkenntnis gelangt, dass es nicht ganz das war, was sie den Rest ihres  Lebens machen wollte. Abends würde noch eine Abschiedsparty für die Crew stattfinden und Groo hatte ihr versprochen sie zu begleiten. Der Hotelbesitzer benahm sich allerdings eigenartig, seit Angel abgereist war, und Cordelia konnte sein Verhalten nicht einordnen, was sie verärgerte. „Warum sind Männer nur so kompliziert, erst behauptet Groo verliebt in mich zu sein und plötzlich zieht er sich zurück, kriegt kaum den Mund auf und schaut immer so komisch. Wenn er sich einbildet, dass ich ihm nachlaufe, bloß weil er ein Hotel hat, ein großes, okay das größte in Tripolis, was ja nicht allzu viel heißen mag, also soll er sich bloß nichts darauf einbilden. ICH kann ich an jedem Finger 10 Männer haben, m i n d e s t e n s, ihn brauche ich nicht. Jawohl!“ Mit einer einstudierten Bewegung warf sie ihr Haar in den Nacken und stapfte ins Bad, die Tür hinter sich zuschlagend.

~*~

„Woher wissen Sie, dass...“ geschockt starrte Giles seinen Butler an, der aufgrund dessen distinguiert eine Augenbraue hob. „William befand mir vertrauen zu können und das schon seit einigen Jahren, da er mit Ihrem Unverständnis rechnete, Sir. Welches, wie ich auch heute wieder feststellen kann, berechtigt ist.“

„Seit wann? Ich meine, seit wann wissen Sie, dass er… Männer... wie soll ich mich ausdrücken...“

„Bevorzugt?“ half Ethan Rayne seinem Boss auf die Sprünge, ohne eine Miene zu verziehen. „Nun, seit genau zwei Jahren, wenn ich mich recht erinnere, doch es war nie etwas Ernstes, bis er nach seinem Wüstentrip des Morgens zu mir in die Küche kam, dieses Funkeln in seinen Augen war nicht zu übersehen, er strahlte innerlich möchte ich behaupten und obwohl er kein Wort sagte, war mir sofort klar woran es lag, der Junge hatte sich verliebt. Als ich Mr. Liam im Frühstückszimmer erblickte, bestätigte sich mein Verdacht und wie viel William an den jungen Architekten wirklich liegt, bemerkte ich an dem… Disput, den sie Beide hatten, der nicht zu überhören war, wie ich betonen möchte. Wenn Ihnen wirklich etwas an William liegt, dann wäre es nun an der Zeit ihm das zu beweisen, und vermutlich auch Ihre letzte Gelegenheit, Sir. Wenn Sie mich jetzt entschuldigen, das Dinner ist vorzubereiten.“ Ethan erhob sich und schritt in vorbildlicher Haltung zur Tür, ein Schmunzeln auf den Lippen. Es hatte ihm gut getan, Rupert endlich einmal, wenn auch auf subtile Weise, die Meinung zu sagen, und den alten Engländer aus seinen verstaubten Ansichten zu rütteln. Rayne hoffte nur, dass es fruchtete, denn William war für den Butler fast wie ein Sohn. Schon in den Internatsferien hatte er Vertrauen zu dem alten Butler gefasst und ihm mit der Zeit all seine Sorgen und Wünsche anvertraut, von dem Giles nicht einen Bruchteil ahnte, doch er mochte seinen Arbeitgeber und wusste, dass dieser seinen Neffen, wenn auch auf seine etwas verschrobene Art, liebte, daher hoffe er, Rupert würde diesmal seine Vorurteile über Bord werfen und das Richtige tun.

Rupert dachte gründlich über die Worte seines Butlers nach und beschloss ein paar dringende Telefonate führen zu müssen.

~*~

„Was ist denn los, mein Sahnetörtchen? War deine Reise nicht erfolgreich? Du schaust so betrübt. Du solltest dir endlich wieder einen hübschen Freund zulegen, aber erst bringe ich dir einen meiner berühmten Cocktails, dann befassen wir uns mit deinem anderen Problemchen“, befand Lorne und eilte geflissentlich davon.

Angel verdrehte genervt die Augen. Lorne war ja ein netter Kerl, und er hatte den besten Koch in L.A., aber seine ewigen Verkuppelungsversuche gingen dem jungen Architekten erheblich auf die Nerven, vor allem, weil der Restaurantbesitzer durch nichts davon abzubringen war. „Ich werde ihm sagen, dass ich nie mehr hierher komme, wenn er das nicht endlich lässt“, beschloss Angel, als er Lorne mit einer seiner bunten Cocktailkreationen auf sich zukommen sah. „Hör mal Lorne“, sagte er daher sofort, als dieser das Getränkt auf den Tisch stellte, „ich bin durchaus selbst im Stande…“

„Mr. Liam? Angel Liam?“ wurde der Architekt plötzlich von einem jungen Mann unterbrochen, der ihn fragend ansah.

„Mr. McDonald, wie ich annehme“, entgegnete Angel und erhob sich, um den Kollegen Lilahs zu begrüßen, der ihn unverhohlen musterte.

„Na dann hole ich mal die Speisekarte meine Süßen, nachdem ich sehe, dass unser Engel wirklich selbst im Stande ist sich eine Honigschnecke zu besorgen“, bemerkte Lorne mit gedämpfter Stimme, bevor er die beiden Männer alleine ließ.

~*~

„Bloody hell, kann mich bitte irgendjemand umbringen, damit ich dieses Hämmern nicht mehr ertragen muss“, stöhnte Spike, seinen Kopf mit den Händen umklammernd. „Ich bin ein Idiot, der Poof ist es gar nicht wert, schließlich hatte er nicht mal ein Abschiedswort für mich übrig.“ Mühsam stemmte Spike sich hoch und schleppte sich ins Bad. Er drehte das kalte Wasser auf und stellte sich drunter, um sofort wieder laut vor sich hinzufluchen, als der eisige Wasserstrahl ihn traf. Doch nach ein paar Minuten ging es seinem Kopf besser und er wusch sich schnell. „Noch vor ein paar Tagen hat Angel genau hier…“ Spike weigerte sich seine Gedanken weiterzuführen und versuchte sich auf etwas anderes zu konzentrieren, während er aus der Dusche stieg und sich rasch abtrocknete, als jemand fest an seine Tür pochte.

„Ich bin nicht da, lasst mich in Ruhe“, brüllte Spike, bereute es sofort, als die kleinen Männchen in seinem Kopf wieder die Hämmer schwangen, um sie an seine Schädeldecke zu schlagen. Zusätzlich wurde das Klopfen an der Tür lauter und ging Spike durch und durch. „Ich komme ja schon verdammt“, murmelte der Blonde und schlüpfte rasch in seine Trainingshose und eilte, so schnell es sein schmerzender Kopf erlaubte, zur Tür, um sie zu öffnen. „Was willst du Rupert?“ fragte er seinen Onkel mürrisch, der ihm ein Glas mit einer undefinierbaren Flüssigkeit hinhielt.

„Von Ethan, er sagt es hilft. Darf ich reinkommen?“

„Nein“, entgegnete Spike und nahm das Glas entgegen.

Der ältere Mann ignorierte die Antwort, ging an seinem Neffen vorbei und legte einen Ordner auf den Tisch.

„Was willst du?“

„Ich muss mit dir reden.“

„Ich aber nicht mit dir.“

„William bitte, es ist wichtig.“

„Nicht für mich, geh wieder“, entgegnete Spike stur und nahm einen Schluck von Ethans Getränkt, um sich dann angewidert zu schütteln. „Igitt.. und nimm dieses widerliche Zeug da gleich wieder mit.“

„Das werde ich nicht, wir haben etwas zu besprechen“, sagte Giles bestimmend und setzte sich.

„Vergiss es, kein Interesse.“ Spike machte Anstallten den Raum zu verlassen.

„Verdammt William, du wirst mir jetzt zuhören.“

„Verdammt?“ Seine vernarbte Augenbraue hochziehend, drehte Spike sich amüsiert zu seinem Onkel um.

„Nun ja, das scheint ein Wort zu sein, auf das du ansprichst. Setzt dich endlich und unterbrich mich nicht. Ich habe lange nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, mich möglicherweise geirrt zu haben.“

„Erstaunlich“, meinte Spike spottend, worauf sein Onkel ihn strafend ansah.

„Wie auch immer, ich habe noch einmal alles überprüft und Mr. Liam hat die Wahrheit gesagt, daher möchte ich, dass du nach Los Angeles fliegst und mit Mr. Liam die Verhandlungen wieder aufnimmst. Sag ihm, mein Verhalten tut mir Leid und ich bin mit allen seinen Bedingungen einverstanden. Ich habe alle Unterlagen plus Verträge vorbereiten lassen, sie sind hier in diesem Ordner“, endete der ältere Mann und sah seinen Neffen auffordernd an.

„Nein Onkel Rupert, wenn du was von Angel willst, dann mach das selbst, ich will ihn nicht sehen... treffen... weil... ich habe keine Zeit und...“

„Ich weiß, dass Mr. Liam und du... eine engere Verbindung eingegangen seid.“

Nervös rutschte Rupert auf seinem Stuhl herum, es war ihm sehr unangenehm mit Spike über seine Neigung zu reden, doch er hatte eingesehen, dass Ethan recht hatte und nun wollte er den Schaden, den er verursacht hatte, wieder gutmachen.

„Spike riss die Augen auf und eine feine Röte überzog sein Gesicht. „Bloody hell, na ja, irgendwann musstest du es ja erfahren“, gestand er und senkte seinen Blick. „Ich hätte nur nicht gedacht, dass du es so ruhig hinnimmst. Doch Angel und ich... wir sind nicht zusammen“, murmelte er und Giles entging der deprimierte Unterton in Spikes Stimme nicht und so erwiderte er.

„Dann ändere das.“

Verwundert schaute sein Neffe ihn an. „Was? Das ausgerechnet du das einmal zu mir sagst, hätte ich nie gedacht.“

„Auch wenn es nicht oft den Anschein hatte, es liegt mir sehr viel an dir und wenn du mit diesem Angel glücklich bist, dann soll es so sein.“

„Nett von dir Onkel, aber er will mich nicht“, meinte Spike leise.

„Das sehe ich anders, und seit wann gibst du so einfach auf? Das ist doch sonst nicht deine Art. So wie ich dich kenne erreichst du immer was du willst“, lächelte Rupert milde, „und  außerdem habe ich sehr wohl den Eindruck, dass Mr. Liam… wie soll ich sagen... Gefühle für dich hegt.“ Giles versuchte das Bild von Spike und Angel in inniger Umarmung aus seinen Kopf zu verdrängen und hoffte Spike merkte nicht wie schwer ihm diese Worte fielen. Er zog daher rasch ein Stück Papier aus dem Ordner, das er seinem Neffen reichte.

~*~

Maggie Walsh stopfte nervös einige Papiere in den Aktenvernichter. ‚Drei Ordner noch und man wird mir so gut wie Nichts nachweisen können’, dachte sie zufrieden. Ihre Koffer waren bereits gepackt und nun wollte sie noch alle Akten, die sie in irgendeiner Weise belasten konnten, entsorgen, um in Mexiko ein neues Leben zu beginnen. Sie schaute noch in alle Schreibtischschubladen, um sicher zu gehen nichts übersehen zu haben, als ihre Sekretärin  den Raum betrat. „Mrs. Walsh, da sind zwei Herrschaften, die Sie sprechen möchten.“