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Kommentar:
Spielt in der fünften Angel-Staffel nach der Folge "Bella Roma".
Natürlich hoffe ich, dass euch diese Story gefällt. Über Kommentare würde ich mich sehr freuen. Mein besonderes Dankeschön geht wie immer an Stephie fürs Betalesen.

Spike beobachtete seinen Sire unauffällig, während er durch die Kanäle zappte. Angel hielt ein Buch in der Hand, doch schon seit gut einer Stunde starrte er auf die gleiche Seite.

Wird Zeit, dass ich den Grübler auf andere Gedanken bringe. Außerdem ist mir langweilig’, stellte Spike in Gedanken fest und stand auf, um zu Angels großem Bücherregal zu schlendern. „Du hast viele Bücher“, bemerkte er, während er die Buchrücken studierte.

Angel schreckte hoch und brummte irgendetwas Unverständliches, da er tief in Gedanken versunken nicht verstanden hatte, was Spike gesagt hatte.

„Wenn ich so überlege hast du, selbst als du Angelus warst, immer gelesen. Das sind gut 200 Jahre, abzüglich 90 Jahre Hölle, Sündenbuße und deinem Versuch, aus Wesley einen Dämonenjäger zu machen. Was dir nicht wirklich gelungen ist, wie ich bemerken möchte. Also sagen wir zusammengezählt hast du 50 Jahre durchgehend gelesen.“

Über Spikes Bemerkungen verärgert, schaute er sein Childe an. „Erstens, für deine Sünden zu büßen würde dir auch gut tun, jetzt, wo du eine Seele hast. Zweitens...“

„Im Gegensatz zu dir, habe ich kapiert, dass ich für meine Taten im seelenlosen Zustand nicht verantwortlich bin und auch nicht ändern kann, was ich früher getan habe“, wurde Angel von Spike unterbrochen, der ihn unmutig anschaute.

Angel schwankte zwischen Nicken und Kopfschütteln. Spike konnte anscheinend viel besser mit der Vergangenheit umgehen als Angel selbst. Doch er wusste, dass Spike ebenso Albträume hatte, die seine Vergangenheit betrafen.

Nach ihrer Reise nach Rom und der Erkenntnis, dass Buffy sich einem neuen Leben zugewandt hatte, welches definitiv ohne die beiden Vampire stattfinden würde, waren er und Spike sich wieder näher gekommen. Sehr nahe, um genau zu sein.

Für Buffy hoffte Angel jedoch, dass der Ewige nur eine Episode war, die sie bald abschließen würde. Denn in Angels Augen hatte sie einen Besseren verdient.

Doch meistens versuchte Angel den Ewigen ohnehin aus seinem Gedächtnis zu verbannen. Er war ein Kapitel in Angels Leben, das er am Liebsten ganz gestrichen hätte. Apropos Kapitel. Angels Gedanken kehrten wieder an den Ursprung des Gespräches mit Spike zurück und er setzte fort: „Zweitens, um auf dein groteskes Thema zurückzukommen, Wesley ist ein guter Dämonenjäger und in der Hölle kam ich nicht zum Lesen, wie du dir vielleicht denken kannst. Ähnlich wie hier, weil du mich nicht in Ruhe lässt.“

„Der Ex-Wächter ein guter Kämpfer? Ich bitte dich, Angel. Das Einzige was er kann, ist eure Recherchebücher zu lesen. Sobald er sie versucht zu übersetzen, ist er lausig. Ich sage nur: Prophezeiungen über Connor“, entgegnete Spike und schaute seinen Sire wissend an.

„Wes, mein Lieber, hat sich in jeder Weise enorm entwickelt, was man von dir nicht behaupten kann. Du bist immer noch das nervigste Childe, das ich jemals hatte.“

„Kunststück, ich bin ja auch das einzige, das noch übrig ist. Was ja auch gut ist, weil ich dein Lieblings-Childe bin.“

Angel verdrehte die Augen. Da er aber wusste, dass eine Diskussion darüber völlig unsinnig war, sagte er nur: „Wie auch immer, wie du so klug bemerkt hast, lese ich gerne, dann lass mich endlich lesen und halt die Klappe.“

Angel hätte wissen müssen, dass diese Aufforderung bei seinem Childe genau das Gegenteil heraufbeschwor, denn nachdem Angel sich wieder seinem Buch zuwandte, wurde er wieder von Spike unterbrochen.

„Um auf das Ursprüngliche Thema zurückzukommen, das überhaupt nicht grotesk ist, nebenbei bemerkt…“ Der blonde Vampir ließ sich neben Angel auf die Couch plumpsen und schaute Angel unschuldig an. „… In all den Jahren hast du eine Menge Bücher gelesen. Stell dir vor, du könntest wählen, eins deiner unzähligen Bücher zu sein, welches würdest du sein wollten?“

„Was soll der Unsinn? Wie zur Hölle soll ich ein Buch sein?“ Stirnrunzelnd, über die seltsamen Gedankengänge seines Childes, legte Angel sein Buch verärgert zur Seite.

„Ich sagte stell es dir vor. Es ist eine Hypothese. Hörst du mir eigentlich nie zu? Das da, welches du gerade liest. Zeig mal.“ Spike beugte sich mit seinem Oberkörper über seinen Sire, ruckelte dabei hin und her, sodass er sich an Angels Unterleib rieb, während er nach dem Buch griff. Angel erstarrte augenblicklich und zu seiner Bestürzung tat es ihm sein Penis gleich. Doch Spike schien es nicht zu bemerken, denn er setzte sich mit dem Buch in der Hand, wieder in seine ursprüngliche Position zurück, unterdrückte jedoch ein boshaftes Grinsen. ‚Na geht doch. Jetzt noch die richtigen Bücher besprechen und ich hab ihn genau dort, wohin ich ihn haben will.’

Angel räusperte sich und schlug umständlich ein Bein über das andere, äußerst darauf bedacht, sein bestes Stück dabei nicht einzuklemmen.

Wahrheit und Existenz. Jean-Paul Sartre. War ja klar. Das ist soo langweilig. Seine philosophischen Spekulationen sind öde und das Einzige, was wenigstens ein bisschen spannend ist, sind die Pariser Cafes. Aber nicht so wie Sartre sie darstellt. Bloody hell Angel, du liest seine Bücher immer wieder. Wie ööööde. Wenn du dieses Buch wärst, würdest du noch mehr grübeln. Dabei steht es dir so gut, wenn du lächelst.“

„Tut es das?“ Angel war überrascht solche Worte von Spike zu hören, die fast einen Anflug von Romantik hatten. Doch Spike und romantisch? Undenkbar.

„Ja, tut es. Du kriegst dann immer so ein süßes Grübchen an deiner linken Wange. Genau hier“, flüsterte Spike rau und strich mit seinem Zeigefinger hauchzart über Angels Wange.

Angel zog unnötiger Weise Luft in seine Lungen, bei der zarten Berührung. Doch als er Spikes wissendes Grinsen bemerkte, knurrte Angel. „Wenn ich ein Buch wäre, dann ‚Der alte Mann und das Meer’. Das hätte den Vorteil, ich wäre weit, weit weg und kein nerviges Childe weit und breit.“

Daraufhin lachte Spike auf und ließ sich in die Polsterung sinken. „Hemingway muss dieses Buch im totalem Suff geschrieben haben, da bin ich sicher. Na wie auch immer. Dann lass mich mal überlegen Peaches, wer da so alles vorkommt. Also, da hätten wir Santiago. Einen alten Knacker, der über 80 Tage keinen Fisch fängt. Echt spannend. Aber stur wie er ist, fährt er noch mal raus auf Meer und trifft auf einen Marlin, der endlich anbeißt. Der Fisch ist sauer, wahrscheinlich, weil er seit 84 Tagen der erste Fisch ist, der so blöd war, auf Santiagos Köder hereinzufallen. Vermutlich aus Rache schleppt er Santiago mitsamt seinem kleinen Kahn natürlich, zwei Tage durch die Gegend. Santiago scheint begeistert zu sein, oder er ist völlig durchgeknallt, jedenfalls nennt er Marlin einen Bruder. Aber hinterhältig, wie Menschen nun mal sind, greift er zur Harpune. BRUDERMORD“, brüllte Spike unerwartet laut und anklagend, sodass Angel zusammenzuckte. Doch der blonde Vampir rezitierte auch schon weiter.

„Da das Boot aber wie gesagt zu klein für den großen Marlin ist, muss Santiago das Vieh außerhalb des Bootes anhängen. Daher ist es letztendlich ein Fischgerippe, mit dem Santiago sich unterhalten darf, nachdem Marlin das Fleisch von irgendwelchen Haien abgefressen wird. Wie tot muss man sein, um so ein Schinken sein zu wollen. Okay, du bist tot, aber doch nicht SO tot. Allerdings hat Santiago heldenhaft gegen die Haie gekämpft, was aber letztendlich nicht wirklich was brachte. Doch wie ich das sehe, ist es gerade das, was dich reizt. Ein dramatischer Held zu sein. Daher schlage ich dir ein anders Buch vor. Die Dorian Hunter Serie, das wäre doch was für dich. Kämpfer gegen die Mächte der Finsternis. Oder Lukianenkos Wächter der Nacht. Mal eine andere Art das Gleichgewicht von Gut und Böse zu halten. Oder…“

„Ich bin kein dramatischer Held“, erklärte Angel bestimmt, doch ein Blick auf Spikes Gesicht, der grinsend die Augenbrauen hob, brachte Angel dazu, dieses Thema zu überspringen. „Warum soll ich etwas lesen, was ich täglich erlebe? Lesen soll mich auf andere Gedanken bringen, vom Alltag ablenken. Das ist der Sinn des Lesens.“

Genau, ablenken, das ist ja mein Plan, Peaches’, dachte Spike, während Angel weiterredete.

„Außerdem, um auf deine völlig unsinnige Grundfrage zurückzukommen. Wenn ich ein Buch wäre, dann wäre ich das für immer. Richtig?“

„Jepp“, stimmte Spike heftig nickend zu. „Das ist der Punkt. In meinen vorgeschlagenen Büchern könntest du das sein oder machen, was du am Liebsten tust. Kämpfen und die Welt retten.“

„Ich kämpfe um meine Erlösung, wie ich bereits erklärte. Das ist der tiefere Sinn meiner Kämpfe und nebenbei rette ich die Welt.“

„So, so nebenbei. Ganz schön selbstgefällig der Herr Angel.“ Spike verdrehte die Augen. „Wenn ich dir so zuhöre, fällt mir ‚Das Bildnis des Dorian Gray’ ein. Der war auch so selbstverliebt. Okay, er hat nicht gekämpft oder irgendwas gerettet, aber er hielt sich auch für den Größten und Schönsten, wie wir wissen.“

„Ich bin nicht selbstverliebt. Ich tue nur was getan werden muss“, entgegnete Angel aufgebracht. „Diese ganze blödsinnige Diskussion ist vollkommen hirnrissig. Was soll das überhaupt. Wenn ich ein Buch wäre. So ein Blödsinn kann auch nur dir einfallen.“ Angel riss Spike sein Buch aus der Hand und knallte es auf den Tisch. „Du bist kein Buch, ich bin kein verdammtes Buch. Niemand wird jemals ein verfluchtes Buch sein.“

„Das stimmt so nicht. Und das kann ich beweisen. Und zwar mit einem Buch. ‚Fahrenheit 451’. Da sind die Menschen Bücher. Jeder der Gelehrten lernt ein Buch auswendig und…“

Angel seufzte über sein stures Childe. „Ja, Ja, ich kenne das Buch. Ist ein Klassiker. Und damit du endlich Ruhe gibst. Welches Buch würdest du sein wollen?“

„Meine erste, oder meine zweite Wahl?“

„Spike!“, rief Angel mahnend.

„Was? Da besteht ein großer Unterschied.“

„Schön. Nein gar nicht schön. Sondern nervig! Warum zum Teufel, habe ich mich nur wieder mit dir eingelassen? Es war so friedlich hier, bevor du aus dem Amulett geschlüpft bist“, murmelte Angel und fuhr sich genervt durch die Haare.

„Weil du verrückt nach mir bist. Du ohne mich nicht mehr leben kannst. Dein Leben jetzt nie mehr langweilig ist… und du drauf stehst mich zu poppen“, stellte Spike ganz zweifelsfrei fest.

Perplex schaute Angel sein Childe an. ‚Er erstaunt mich immer wieder. Und auch wenn ich es nie zugeben werde, er hat in allen Punkten Recht. Ohne Spike könnte ich mir mein Leben nicht mehr vorstellen. Er ist der perfekte Kämpfer an meiner Seite. Er merkt sofort, wenn es mir schlecht geht und labert mich so lange voll, bis ich wütend werde, oder ihn, wie es dann meistens endet, ins Bett schleife. Oh, das steckt also hinter seinem blödsinnigen Thema’, erkannte Angel plötzlich und lächelte böse. ‚Mein kleiner William will mich - und wie meistens verfolgt er sein Ziel auf sehr subtile Weise. Wer könnte vom Big Bad auch verlangen, dass er mich auf sanfte, oder gar romantische Art versucht zu verführen. Undenkbar. Doch ich bin dein Meister, little One. Auch wenn du das hin und wieder zu vergessen scheinst. Daher wird es Zeit, dich daran zu erinnern.“

Zufrieden Spike durchschaut zu haben, lehnte sich Angel zurück. „Du hast Recht, langweilig wird es mit dir nie.“

Und was ist mit der Liebe und dass du ohne mich nicht mehr leben kannst. Und die Sache mit dem Bett. Vor allem diese Sache interessiert mich. Shit, was mach ich mir da vor. Es gibt nur eines, was ich wirklich wissen will. Liebst du mich? Nur ein bisschen. Mehr als ein Sire sein, Childe? Du darfst mich auch ruhig anlügen, nur sag es. Einmal nur.’ Spike wusste, dass Angel das nie sagen würde. Aus dem einfachen Grund, weil er ihn nicht liebte. Bei Spike war das anders. Er liebte Angel. Selbst Angelus hatte er geliebt, wenn auch nicht auf die Art, wie er es jetzt bei Angel tat.

Doch er hütete sich, seine Gefühle zu zeigen. Angel würde damit sicherlich nicht umgehen können und ihn, Spike, womöglich fortschicken. Daher nahm er das, was Angel bereit war ihm zu geben. Und eines war unbestritten, der Sex mit Angel war fantastisch. Nein dieses Wort beschrieb es nicht mal annähernd. Keine Worte konnten das.

Angel beobachtete den Gesichtsausdruck seines Childes und musste grinsen. ‚Hab ich dich endlich aus dem Konzept gebracht. Gut. Und ich kann es noch besser. Du wirst mich noch anflehen, dass ich dich nehme und wenn ich großes Glück habe, dann sagst du mir, was ich hören will .Einmal nur.’

Dieser lang gehegte Wunsch Angels trübte seine heitere Stimmung etwas, doch davon wollte er sich jetzt nicht ablenken lassen. Schließlich hatte er einen Plan. „Also Spike, erkläre mir den ach so wichtigen Unterschied.“

„Huh?“ Spike hatte Mühe seine Gedanken wieder auf das Thema zu bringen, daher hatte er sich noch nicht unter Kontrolle, als er Angel ansah. Dem fiel sofort der traurige Ausdruck in den kobaltblauen Augen auf und Angel fragte sich, was sein Childe wohl bedrückte. Doch diese Frage wollte er sich für später aufheben. Dann, wenn Spike erschöpft und befriedigt in seinen Armen lag und William zum Vorschein kam. Weich, verletzlich und mit offener Seele. Angel liebte diese kurzen Momente, denn dann war Spike, William, oder genau gesagt beide, Sein. Für einen kurzen Augenblick.

„Buch. Du. Welches?“, half Angel Spike auf die Sprünge. Der schüttelte kurz den Kopf und hatte sich daraufhin wieder ganz im Griff. „Wie gesagt, es gibt zwei Optionen. Kommt darauf an, wer mich lesen würde“, entgegnete Spike und schenkte Angel einen besonderen Augenaufschlag. Doch Angel reagierte nicht, zumindest nicht äußerlich. In seinem Innern begann jedoch ein gut bekanntes Feuer zu lodern, das ihn immer erfasste, wenn Spike ihn so anschaute. So cool wie möglich entgegnete er jedoch: „Mach es nicht so spannend. So wie ich dich kenne, ist es entweder ein Comic oder was mit viel Blut.“

„Das zeigt wieder einmal, dass du mich überhaupt nicht kennst“, erwiderte Spike schmollend. Die Otherland Serie von Tad Williams. Eines dieser Bücher wäre ich, wenn Fahrenheit 451 Realität wäre.“

Angel lachte auf. „Bist du tatsächlich der Meinung, so viele Seiten auswendig lernen zu können? Zudem sind diese Bücher so komplex und verwirrend, dass man erst im zweiten Band der Serie annähernd eine Ahnung hat worauf der Schriftsteller hinaus will. Allerdings erstaunt es mich, dass du diese Bücher gelesen und anscheinend auch verstanden hast.“

„Aber sicher doch. DU bist ja der einzige mit Intelligenz. Wie armselig, dass du so an deinem Sire-Gehabe festhältst, aus Angst, von mir überflügelt zu werden. Der Schüler ist zum Meister geworden und der Meister wird damit nicht fertig. Kleinlich Angel, wirklich.“

Angel packte Spike wütend an seinem Shirt, zog ihn so nahe an sich heran, dass sich ihre Nasen fast berührten und knurrte. „DU wirst mich niemals überflügeln, Childe. N-I-E-M-A-L-S.“

„Niemals? Und was war im Death Valley?“, fragte Spike, nicht im Geringsten eingeschüchtert.

„Pures Glück, und es hatte auch nichts mit Intelligenz zu tun. Nur mit...“

„Mut, Kraft, Überlegenheit?“, unterbrach Spike seinen Sire. „Sprich es ruhig aus. Ich war einfach besser als du.“

„Okay, das warst du. Dieses eine Mal!“

„Ich bin es auch weiterhin, aber lassen wir das jetzt. Denn weil du es zugegeben hast, kriegst du einen Kekspunkt. Das bedeutet, ich sage dir, was ich für ein Buch wäre, wenn nur du es lesen dürftest.“

„Nur ich?“ Angels Ärger verflog im Nu. Er ließ Spike los und schaute ihn überrascht, aber auch sehr skeptisch an.

„Jepp. Nur du dürftest es aufblättern und jede Seite genau betrachten. Schon eine Idee?“, wollte Spike schmunzelnd wissen und konnte es kaum erwarten seine Bombe platzen zu lassen.

„Wenn es nur für mich ist, dann vielleicht doch etwas von Sartre?“ Angel hatte keine Ahnung, also blieb ihm nur übrig zu raten.

Daraufhin erntete er nur ein abfälliges „Pffffff“, von Spike. „Wo bleibt deine Fantasie, Peaches? Das war erbärmlich.“

„Soll ich dir was sagen? Es ist mir egal, was du für ein Buch sein möchtest. Ich hab von diesem blöden Spiel die Nase voll.“ Angel war sauer. Angel war frustriert und vor allem war er inzwischen so rattenscharf auf Spike, dass er am Durchdrehen war. Sein Childe saß dicht neben ihm und roch so gut. Nach diesem neuen Duschgel, welches er in letzter Zeit benutzte. Rumschokolade. Angel hatte danach im Badezimmer gesucht, als er es das erste Mal an Spike roch und er schnüffelte hin und wieder an der Flasche, wenn Spike nicht da war. Wie peinlich das war, darüber wollte Angel erst gar nicht nachdenken. Und jetzt, da Angel nichts anderes wollte, als Spike endlich in seinem Bett, da spielte sein nerviges Childe Bücherraten.

In diesem Moment war Angel sicher, dass irgendjemand den teuflischen Plan, Spike zu ihm zu schicken, ausgeheckt hatte, um ihn fertig zu machen. Er war das Kreuz welches Angel zu tragen hatte, um Erlösung zu erlangen. Kreuz. Angel assoziierte das Wort sofort mit Spike, auf seinem Kreuz liegend, Angel tief in ihm vergraben und den sinnlosen Worten lauschend, die sein Childe von sich gab, dazwischen immer wieder Angels Namen stammelnd. Doch leider hatte Spike nichts Besseres zu tun, als Angel erneut aus seinen erotischen Träumen zu reißen.

„Okay, war ja klar. Du kommst nicht drauf. Und großzügig wie ich bin, sag ich es dir, damit du es entblättern, ähm… aufblättern kannst.“

„Sag's endlich, bevor ich es aus dir herausprügle und dann ab ins Bett mit dir“, brüllte Angel unbeherrscht und Spike grinste. „Du kommst der Sache definitiv näher, nur das mit dem Prügeln steht nicht drin.“

„SPIKE!“

„Schon gut, ich sag’s ja.“ Trotzdem machte Spike eine dramatische Pause, doch als er den Blick Angels bemerkte, wusste er, es war besser den Bogen nicht noch weiter zu überspannen.

„Kamasutra.“

„Was?“ Angels entgeisterter Blick brachte Spike zum Kichern. „Das ist ein Buch über die Lehre...“

„Ich weiß, was für ein Buch das ist.“

„Sicher weißt du das. Schließlich steht es versteckt, hinter deinen ach so klugen Philosophen.“

Betreten schaute Angel zu Boden und stotterte. „Das... das ist... nur zu Studienzwecken.“

„Genau, Pet. Also studiere mich.“ Leise, dunkel und erotisch klang Spikes Stimme, während er sein Hemd aufknöpfte und nun war Angel nicht mehr zu halten. Er packte Spikes Hemd und riss es ihm vom Körper, der daraufhin leise lachte. „Wenn du mit allen deinen Büchern so umgehst, geht dir bald der Lesestoff aus.“

„Halt endlich die Klappe Spike, denn ich will alle Stellungen mit dir ausprobieren.“

„Alle? Wirklich alle?“ Erstaunen und Freude zeichnete sich auf Spikes Gesicht ab.

„Ja, verflucht und jetzt mach, dass du ins Bett kommst.“

Spike schlüpfte in Windeseile aus seinen Kleidern, „Moment noch, ich hol das Buch.“

Angel verdrehte die Augen und packte sein Childe am Handgelenk, um ihn am Wegrennen zu hindern. „Wozu?“

„Na damit du weißt, was du machen musst.“

„Ich weiß genau, was ich machen muss.“

Spikes Augenbrauen schossen in die Höhe, und er grinste seinen Sire wissend an. „Dann studierst du es öfter, bevor du es hinter deinen Tolstoj “ Schinken versteckst? Sag mir, warum hast du es eigentlich gekauft?“

„Das... ich hab... also eigentlich... war es purer Zufall, als ich in der Buchhandlung war und ...“Angel überlegte fieberhaft, wie er erklären sollte, so ein Buch in seiner Sammlung zu haben, doch zum Glück hatte Spike wichtigeres im Kopf und auch in seinen tieferen Regionen. Trotzdem bemerkte Spike kichernd, während er sich losriss: „Du bist ein verdammter Lügner, Peaches. Aber das ist mir im Moment egal. Wir treffen uns im Bett.“

Froh darüber, dass Spike sein Verlangen offensichtlich ebenfalls nicht zügeln konnte, eilte Angel ins Schlafzimmer und verteilte unterwegs achtlos seine Kleider auf dem Parkett.

Als Spike eine Minute später mit dem Buch unter dem Arm nachkam, erwartete Angel ihn schon sehnsuchtsvoll. Grinsend setzte sich Spike seinem Sire gegenüber, kreuzte die Beine und schlug wahllos eine Seite des Buches auf.

Ratlosigkeit zeichnete sich auf den Gesichtern der Vampire ab, als sie das Bild betrachteten, welches zu sehen war. Sie drehten die Köpfe um einen anderen Betrachtungswinkel zu bekommen, doch das half ihnen nicht wirklich. „Wie soll das gehen? Da müsste ich mein linkes Bein um deinen Hals und den rechten Arm... Bloody hell, das ist was für Schlangenmenschen.“

„Nehmen wir was anderes“, entschied Angel, ebenfalls mehr als irritiert und er wählte eine andere Seite. „Okay, das sieht schon besser aus. Also ich muss stehen und du müsstest... ähm...“ Angel kratzte sich am Kopf.

„Einen Handstand machen, während du von hinten...“ Spikes erst leises Lachen wurde immer lauter. Angel, von der Heiterkeit seines Childes angesteckt, stimmte mit ein, bis sie sich wieder dem Buch widmeten.

Nach und nach blätterten sie es durch, probierten das eine oder andere - trotz der Verrenkungen, die sie dabei machen mussten - aus, was jedoch immer damit endete, dass sie sich vor Lachen auf dem Bett wälzten. Plötzlich beugte sich Angel über Spike, schaute ihm tief in die Augen und ihr Lachen erstarb. „Du bist unglaublich, weißt du das?“

„Jepp, deswegen kannst du ja auch an nichts anderes denken, als mich ins Bett zu schleppen“, grinste Spike zufrieden, doch Angel schüttelte lächelnd den Kopf. „Nein.“

„Nein? Wieso, zur Hölle, sind wir dann hier und warum landen wir letztendlich auch immer wieder hier? Verarschen kann ich mich auch alleine.“ Wütend wollte Spike seinen Sire von sich stoßen, doch der hielt ihn eisern fest. „Natürlich will ich dich - und das nicht nur im Bett. Nur wollte ich mehr von dir und habe nicht bemerkt, dass du es mir schon längst gibst.“

Spike vergaß sich zu wehren und schaute Angel verblüfft an, bevor er unsicher fragte. „Geht’s vielleicht so, dass ich verstehe, was du da von dir gibst?“

„Warum hast du heute mit diesem idiotischem Thema angefangen?“

„Weil ich poppen wollte?“ Spike wusste nicht worauf Angel hinaus wollte und das war ihm unheimlich. Zudem schaute ihn sein Sire auf eine Weise an, die Spike völlig fremd war.

„Stimmt nicht, zumindest nicht nur. Du hast bemerkt, dass ich schon seit gut einer Stunde über meine Vergangenheit grüb... nachdachte. Ich weiß, wie dich das nervt, doch anstatt einfach woanders hinzugehen und deinen Spaß zu haben, bist du geblieben und hast mich stattdessen mit deiner *Buchtheorie* geärgert.“

„Und das war gut?“

Angel musste über das verdutzte Gesicht, welches sein Childe nun machte, lachen. „Allerdings. Und erst jetzt habe ich verstanden warum du das getan hast.”

Spike verdrehte die Augen. „Weil ich dich will, verdammt. Das sagte ich bereits. Hast du was an den Ohren?“

Doch Angel ließ sich nicht beirren. „Weil du mich liebst. Nur deshalb machst du dir die Mühe, mich aus der Reserve zu locken. Versuchst mich abzulenken und mich aus meinen düsteren Gedanken zu reißen. Mich zum Lächeln und zum Lachen zu bringen. Weil du mich liebst.

‚Na wunderbar, jetzt will er vermutlich darüber reden. STUNDENLANG. So war das nicht geplant, verflucht. Und ich werde es auch nicht zugeben. Zumindest nicht, bevor er es gesagt hat. Schließlich ist er der Poofer von uns beiden. Das merkt man ja schon, dass er jetzt endlos Schwafeln will, anstatt mich ordentlich durchzu...’

„Ich liebe dich auch little One, und ich werde dir zeigen wie sehr“, schnurrte Angel mit zärtlicher Stimme und Spikes Augen wurden groß vor Verwunderung, denn er konnte nicht glauben, was er gerade gehört hatte. ‚Bloody hell, er liebt mich? Gibt mir einen Kosenamen und will auch nicht quatschen? Bin ich ein verdammtes Buch, das gerade jemand liest?’

„Aber kein Kamasutra. Unsere Methode ist besser.“, entschied Angel grinsend und begann Spike leidenschaftlich zu küssen.

„Ich bin kein Buch, alles echt und alles mein“, murmelte Spike wohlig seufzend, nachdem Angel den Kuss abbrach und mit seinem Mund über Spikes Körper wanderte.

„Was?“ Verwirrt unterbrach Angel sein Tun und schaute zu seinem Childe auf. Der zog seinen Sire in seine Arme, drückte ihn fest ab sich und küsste ihn voller Enthusiasmus, bevor er zwinkernd bemerkte: „Nichts Liebes, hör einfach nicht auf in mir zu lesen. Und vergiss nicht, ich hab viele Seiten.“

Ende!