File 1: stories/4/217.txt
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Kommentar:

Warnung: Diese Story beschäftigt sich mit Prostitution und Drogen, in einigen Szenen kommt es zu Adults-Talk und ist nichts für zarte Gemüter, sowieso nicht für Minderjährige! Also bitte erst ab 18 lesen!!!
Beta war CloeGirl, die Storypics sind von anja25ive
Promovid gibt es unter http://www.indis-garden-of-delight.de/pcpro_0001.wmv - made by anja 25ive
Credits: Die verwendeten Ideen dieser Story können Ähnlichkeiten mit Filmen wie Pretty Woman und Christian F. - Wir Kinder vom Bahnhofzoo aufweisen.
Lyrics und Titel: Nur in Auszügen werden Lyrics aus Songs von Guns´n Roses verwendet, die natürlich nur der Band Guns´n Roses gehören und die wir nicht komplett verwendeten und mit denen wir kein Geld verdienen.
Special Thanks: Wir danken Silverbird ganz besonders für ihre Unterstützung und ihren Zuspruch und vor allem, weil sie sich unser Geschreibsel ganz selbstlos als Testleser und Slashexperte reingezogen hat. Wir lieben dich, Schatz.
Kommentar von Anja: Eigentlich vergesse ich B-Days immer. *schandeübermich* Aber als Indi mich fragte, was sie Stephie zu ihrem schenken könnte, hatte ich wie immer keine Idee und sie offenbarte mir, dass sie eine Angel/Spike - FF im Kopf hätte. Rotzfrech wie ich bin, fragte ich, ob ich mitschreiben könnte und Indi sagte ja. *ggg* Es war wundervoll, denn Indi hat wundervolle Ideen und ließ mich regelmäßig an der Decke kleben. Du bist meine Heldin. Und alles entstand für eine zauberhafte Person namens Stephie. Und darum auch von mir:
Alles Gute zum Geburtstag, Stephie *smooches anja*
Kommentar von Indi: Weder Anja noch ich wollten jemals eine Slash-Story, geschweige denn eine Spangel schreiben. Aber für EINE haben wir es dann doch gemacht, für dich, meine Soulmate Sleepless. Ich hoffe, du fällst nicht vor Schock vom Hocker, dass ausgerechnet WIR dir eine Spangel zum Geburtstag schenken und kannst die Story einigermaßen genießen, da ja keine Slash-Experten am Werk waren *kicher* Nimm dir mal auf alle Fälle eine Packung Taschentücher zur Hand.
Mir schwirrten noch zwei andere Storyideen im Kopf herum, aber beide im Buffyverse und am Ende bin ich dann doch wieder bei einer AU gelandet, denn gleich zwei Sachen auf einmal (Slash und Buffyverse) zu schreiben, in denen ich Neuling bin, habe ich mich dann doch nicht getraut. Anja gefiel die Idee spontan und bot sich an, mit zu schreiben und ich bin froh darum, denn ohne sie wäre die Story nicht das, was sie ist. Und nun haben wir nur noch eins zu sagen:
Happy Birthday, Stephie, My beloved Soulmate *smooches* Always yours, Indi :-)

*Verdammt*, fluchte Angel und ließ seine Faust auf das Lenkrad seiner schwarzen Viper sausen. Warum schlug er schon wieder diesen Weg ein? Warum konnte er es nicht lassen? Es war nicht gut für ihn. Es war gefährlich. In vielerlei Hinsicht. Sollte jemand ihn erkennen oder auch nur einer der Jungs sich verquasseln, könnte er seine Karriere vergessen. Gerade jetzt, wo er mit einem Fuß auf dem roten Teppich stand und die Filmangebote für die wirklich großen Movies langsam anrollten. Sein Image als Frauenheld hatte einen großen Anteil an seinem Erfolg. Wenn sein Geheimnis aufflöge, würde er wohl als tingelnder Möchtegernschauspieler in irgendwelchen drittklassigen Theaterstücken enden, der nebenbei noch kellnern musste, um genug Geld zum Leben zu haben. Und selbst wenn ihm dieses Schicksal nicht blühen würde, so konnte noch immer einer der Jungs durchdrehen. Er wäre nicht der Erste, der von einem Strichjungen ermordet und ausgeraubt worden wäre. Angel sah schon die Schlagzeilen vor sich. Ihm wurde für einen Moment schlecht. Tief Luft holend, damit sein Magen sich wieder beruhigte, steuerte er den Wagen zur nächsten Ausfahrt, auf der in großen Lettern *Airport Los Angeles* stand.

Angel lebte nun seit einigen Jahren in Los Angeles und kannte sich hier aus. Er kannte die Stellen, wo man sich ungesehen einen Spielgefährten für eine Nacht besorgen konnte. Natürlich fuhr er nicht auf den Rodeo-Drive, wo all die Paparazzies nur auf die Gelegenheit warteten, einen der Stars von Hollywood abzulichten. Mit einem Schaudern dachte er an die Geschichte von seinem Kollegen Hugh Grant zurück. Andererseits, Hugh hatte eine Nutte gehabt, würde man ihn, Angel, erwischen, käme er sicher nicht mit solch einem blauen Auge davon. Er nahm den Fuß vom Gas und fuhr etwas langsamer in die Auffahrt zum Airport ein. Im Schritttempo ließ er die Abflughalle hinter sich und bog nach links zu dem riesigen Greyhound - Busbahnhof. Hinter der Wartehalle, der letzen Haltestelle, der Nummer 95, dort standen sie und genau dieses Ziel steuerte Angel nun an.

Mit einem Surren ließ er die Seitenscheiben seiner Viper hinab und sah aus dem nun offenen Fahrerfenster. Der verbreiterte Auspuff röhrte, als er, so langsam es ging, bis zum anderen Ende der Haltestelle fuhr, denn er wollte sich Zeit lassen beim Aussuchen von einem der Jungs. Sie genau mustern. Nicht wieder einen dieser elenden Junkies, die schon halb auf Turkey waren. Nein, heute brauchte er etwas anderes. Einen, der noch frisch genug war, ein paar Runden mit ihm zu überstehen und der nicht gleich nach der ersten Nummer sein Geld wollte, nur um es draußen auf der Straße in Drogen umzusetzen.

Einige der Gesichter, die dort standen, kannte Angel. Manche von ihnen hatte er schon mit nach Hause genommen. Viele Neue waren hinzugekommen. So war es immer, wenn er nach langer Zeit wieder hier aufkreuzte. Los Angeles war ein Moloch, tausende junge Menschen kamen täglich in diese Stadt, mit Träumen nach Anerkennung, Ruhm und Erfolg, aber nur die Allerwenigsten schafften den Sprung nach ganz oben, die meisten landeten hier, ganz unten, am letzen Ende der Gesellschaft. Der Dreck der Stadt hatte sich hier versammelt und er, Angel, war ein Nutznießer dieses Elends.

In den letzten Monaten hatte er diesen Ort gemieden, sein wahres Ich verleugnet. Er hatte kein Risiko eingehen wollen, nicht auffallen, immer schön lächeln, denn er hatte für die Rolle seines Lebens vorgesprochen. Der ganz große Durchbruch sollte ihm damit gelingen, ihn in eine Reihe stellen mit Tom Hanks, George Cloony und wie sie alle hießen und dabei konnte er es sich nicht leisten, erwischt zu werden an der Haltestelle Nr. 95. Aber er hatte die Rolle nicht bekommen, alles umsonst. Als seine Managerin ihn heute angerufen hatte, war eine Welt für Angel zusammengebrochen. Er hatte solche Hoffnungen in dieses Projekt gesetzt. Nicht nur seinen Sprung in die Riege der Superstars, nein, auch die Figur an sich, die er hätte charakterisieren können, interessierte ihn ungemein.

Und jetzt stand er wieder am Anfang. Am Anfang seiner Karriere und dort, wo er nicht sein dürfte, an der Haltestelle Nr. 95.

Jetzt kam einer der Jungs an sein Auto. „Hey Süßer, wie wäre es mit uns? Ich kann dir einen blasen… „

„Nein.“ Angel tippte kurz fester auf das Gaspedal, um den aufdringlichen Kerl loszuwerden. Er wollte sich seinen Liebhaber selbst aussuchen, er mochte es nicht, wenn sie sich ihm anbiederten. Fast am Ende besagter Haltestelle und einige Anmachsprüche später wollte Angel aufgeben. Warum sollte er hier Glück haben, wenn doch auch der Rest seines Lebens in die Hose ging? Seufzend sah er nach unten auf den Knopf, um seine Seitenfenster zu schließen, als in seinem Augenwinkel etwas aufblitze. Er wendete seinen Kopf zur Seite und sah ihn. Blond. Jung. Drahtig. Sexy.

Ohne weiter nachzudenken, trat Angel auf die Bremse und winkte sich den blonden Boy ans Auto.

„Hey“, begrüßte der junge Mann Angel und ließ seinen Blick über den teuren Wagen gleiten. Vielleicht war das der Fang des Abends. Er nahm einen letzten Zug von seiner Zigarette und schnipste sie lässig von sich, als er vor der Viper stehen blieb und seine Finger in seine Hosentaschen grub.

"Ich suche Gesellschaft", erklärte Angel und versuchte, nicht allzu verkrampft zu wirken. Er war nicht zum ersten Mal hier. Er fragte nicht zum ersten Mal einen Strich-Jungen. Er war nicht zum ersten Mal hier und dennoch war er immer noch angespannt. Vielleicht war es auch einfach die Paranoia, die ihn verfolgte. Oder schlicht die Tatsache, dass er nur hier das bekam, was er wirklich wollte. So abgründig das auch war, aber hier, am Ende des Busbahnhofes, konnte er das sein, was er wirklich war. Selbst wenn er dafür Geld bezahlen musste.

"Ich bin frei", antwortete der Blonde und musterte seinen potentiellen Kunden genauer. Dunkler teurer Anzug und ein dunkelblaues ebenso teures Hemd. Aalglatt. Gutaussehend. Ein seltener Bonus bei dem Job, den er hier tat. Normalerweise war die Kundschaft nicht so edel. Und normalerweise gefiel ihm keiner dieser Männer, aber der hier konnte eine Ausnahme sein. Wenn er ihn bekam.

Er trat noch einen Stück näher, beugte sich nach unten und stütze seine Hände auf das heruntergelassene Fenster.

"30 Dollar, einmal Blasen. 50 Dollar, wenn du meinen Hintern willst", sagte er seinen Standardspruch auf. Die Preise hatte er ein wenig getunt. Gewöhnlich tat er es für weniger Geld, doch diesem Kunden hier konnte er locker mehr aus der Tasche ziehen.

Angel schluckte kurz, strich sich über seinen Nacken und musterte diesen jungen Mann eingehender. Er war vielleicht Mitte 20, hatte blondiertes, zurückgekämmtes Haar, ein schmales Gesicht mit attraktiven Wangenknochen und wunderschönen Lippen. Er trug eine ausgewaschene Jeans, die an einigen Stellen Löcher aufwies, ein schwarzes einfaches Shirt und eine extrem abgetragene Lederjacke. Doch das Auffälligste an ihm waren seine stahlblauen Augen. Selbst in diesem düsteren Licht leuchteten sie und ließen Angel für eine Sekunde vergessen, wo er war.

"Hey! Was ist nun?", machte sich der Mann wieder bemerkbar und klopfte auf die Fahrertür.

"Ja ...", kam Angel wieder zurück aus seinen Überlegungen. "Stehst du auch für eine ganze Nacht zur Verfügung?", fragte er schließlich und hoffte, dass der andere nicht ‚Nein’ sagen würde. Er musste ihn nur mit genügend Geld locken, schließlich stand hier keiner aus Spaß. Alle hier waren käuflich.

"Das wird teurer."

"Kein Problem. Ich gebe dir 200 Dollar und du verlierst kein Wort über diese Nacht", schlug Angel vor und bemerkte, wie der Blonde anfing darüber nachzudenken.

200 Dollar waren eine Menge Geld. Soviel verdiente er manchmal in einer ganzen Woche nicht. Davon könnte er locker eine Weile überleben und dieser Kunde sah nicht schlecht aus. Er fuhr sich kurz durch sein Haar und klopfte erneut auf die Fahrertür.

"Einverstanden."

"Steig ein!", erwiderte Angel, beugte sich kurz über den Beifahrersitz und öffnete die Tür. Lässig ließ der andere sich auf den Sitz fallen und lehnte sich zurück. Wenn sein Kunde jetzt keine Ahnung davon hatte, wie er diesen Wagen zu fahren hatte, würde er sich vorkommen wie in "Pretty Woman". Ein kitschiger Film, den er irgendwann mal mit seiner Mutter gesehen hatte und der das Leben auf dem Strich keineswegs realistisch darstellte. Er schmunzelte unauffällig, als er an das Ende dachte. Purer Kitsch. Der Mann neben ihm war einfach nur ein weitere Geldgeber und heute Nacht ein verdammt guter.

Angel legte den ersten Gang ein, lenkte seinen Wagen, verließ den Busbahnhof und den Flughafen in die andere Richtung als die, aus der er zuvor gekommen war. Wieder ein Teil seiner Paranoia. Er war noch ein kleiner Stern in Hollywood, doch Papparazzis nahmen alles, was sie vor die Linse bekamen. Und ein Schauspieler, der als großer Frauenheld galt, aber in Wirklichkeit schwul war, würde ein gefundenes Fressen sein. Er sah in den Rückspiegel, als er auf die Schnellstraße Richtung Santa Monica einbog, um sich zu versichern, dass ihm niemand gefolgt war. Verdammte Paranoia.

"Wie heißt du?", fragte Angel, als ihm das Schweigen unangenehm wurde.

"Spike", antwortete der junge Mann neben ihm und stützte seinen Ellenbogen auf die Tür.

"Ich bin Angel. Ist das ein Spitzname?", versuchte Angel das Gespräch voranzutreiben.

"Yeah", antwortete Spike knapp, wandte sich zu ihm und ließ seine rechte Hand kurz in seinen Schritt gleiten.

Angel schluckte, als sein Blick seiner Geste folgte und er mehr, als deutlich verstand, was Spike damit sagen wollte. Unwillkürlich schob sich das Bild seines Beifahrers, vollkommen nackt, vor sein inneres Auge. Er war bestimmt drahtig, gut gebaut, mit Muskeln an den richtigen Stellen. Seine blasse Haut bildete mit Sicherheit einen guten Kontrast zu seiner eigenen leicht Gebräunten. Angel unterdrückte ein Seufzen und wandte seinen Blick auf die Straße.

"Was treibt dich auf den Strich?", fragte Angel weiter und hoffte, dass die Unterhaltung endlich in Gang kam. Er war ein Freier. Er bezahlte dafür, dass Spike hier war, aber er wollte immer etwas mehr über die Männer erfahren, die er mit nach Hause nahm. Vielleicht nur, um sich das Gefühl einbilden zu können, dass sie nicht vollkommen Fremde waren, dass er nicht allein war.

"Geld", antwortete Spike knapp und zeigte wenig Interesse daran, irgendwelche Details über sein Leben auszutauschen. Er saß hier in der Viper, weil er Geld brauchte, weil er seinen Körper verkaufte. Und er, Angel, war hier, weil er bezahlte. Kein Grund, auch noch ein Gespräch mit jemandem anzufangen, den man nach dieser Nacht nie wieder sehen würde.

"Hast du keine Familie hier?", gab Angel nicht auf und verließ die Schnellstraße.

"Nope", blieb Spike weiterhin wortkarg und fing an, die Häuser am Straßenrand zu betrachten, an denen sie vorbeifuhren. Ihre Geschwindigkeit ließ die Lichter der Stadt ineinander fließen und Spike fühlte sich einen Augenblick davon abgelenkt, hypnotisiert.

"Ich höre einen britischen Akzent. Stammst du aus England? Aus dem Norden oder Süden. Ich tippe auf Liverpool oder Manchester", bemühte Angel sich weiterhin. "Meine Familie stammt aus Irland, aber ich bin schon zu lange hier. Außerdem ist es in meinem Job von Vorteil, wenn man keinen Akzent hat."

"Uh uh ...", war alles was Spike von sich gab, während er begann, mit seinem Feuerzeug zu spielen.

Erleichtert bog Angel in die Einfahrt seines Apartments ein. Es war fast wie ein kleines Haus. Mehr als einhundert Quadratmeter, eine gemütliche Terrasse, eine Raumaufteilung, die ihm gefiel und es waren nur wenige Meter zum Strand. Ein weiterer Vorteil war, dass es nicht mitten in Hollywood lag. Hier konnte er ungestört sein. Hier konnte er auch Besuch mit nach Hause bringen.

Er stieg aus und deutete Spike an ihm zu folgen. Er schloss die Haustür auf und bat Spike hinein. Angel warf den Schlüssel auf die kleine Kommode neben der Tür, schaltete das Licht ein und dämmte es zugleich, so dass eine gemütlichere Atmosphäre entstand. Vielleicht trug es auch dazu bei, dass sich die Atmosphäre zwischen ihnen entspannte.

"Willst du einen Drink?", fragte Angel und deutete auf seine kleine Bar.

"Yeah", antwortete Spike und fing an sich umzusehen. Auch hier sah alles teuer aus. Alles schrie danach, dass ein Innenarchitekt seine Finger bei der Einrichtung im Spiel gehabt hatte. Es war ein bisschen zu modern, zu edel, aber es passte zu diesem Mann mit der schwarzen Viper. Er lief um die dunkelrote Couch und strich mit seinen Fingern über den weißen Plasma-Fernseher. Dann fiel sein Blick auf die vielen Bilder, die auf einem Klavier standen, das sich wohl mehr aus dekorativen Gründen in diesem Apartment befand.

Ein Schauspieler also, stellte Spike fest, als er zwischen Familienbildern auch Bilder vom roten Teppich entdeckte. Teri Hatcher. Jude Law. Robert Redford. Nur eine kleine Auswahl von denen, die Spike erkannte. Und plötzlich wurde ihm auch bewusst, warum er über diese Nacht kein Wort verlieren sollte. Wahrscheinlich kannte keiner seiner Hollywoodfreunde seine wirklichen Vorlieben. Spike lachte kurz auf und ging weiter, als sein Blick auf ein altes Filmplakat fiel.

"Frankie und seine Spießgesellen", entfuhr es Spike unwillkürlich.

"Ich liebe Frankie. Genauso wie das Ratpack. Dean Martin. Sammy Davis Jr. Großartig", machte sich Angel wieder bemerkbar und reichte Spike seinen Drink. "Ich hoffe, dass ich irgendwann auch mal in so einem Klassiker mitspielen werde. Vielleicht verfilmen sie eines Tages Frankies Leben, obwohl ...." Er machte eine Pause und nippte an seinem Whiskey. "Ich bin ein lausiger Sänger..."

Im nächsten Moment setzte Angel an und sang die ersten Zeilen von "My Way". Unwillkürlich fing Spike an zu schmunzeln, als er die schiefen Töne hörte. Er war wirklich kein guter Sänger. Er hob sein Glas, das er noch immer unangerührt in der Hand hielt und prostete ihm zu.

"Mmm ... verdammt guter Whiskey", stellte Spike fest, als die Flüssigkeit samtig weich seine Kehle hinunter glitt.

"Echter irischer Whiskey. Ein echter Jameson's Gold Irish Whiskey", erklärte Angel und hielt das Glas ein Stück von sich, um die goldbraune Farbe zu betrachten. "Ein letztes Stück Heimat, das ich mir noch bewahre."

Spike verschluckte sich fast, als er den Namen hörte. "Der ist schweineteuer..."

Angel lächelte nur und hob nun seinerseits das Glas: "May your friends respect you, illness neglect you, the angels protect you and heaven accept you." Das war der alte Trinkspruch seines Großvaters.

‚Dafür ist es wohl zu spät’, dachte Spike und nahm einen erneuten Schluck, bevor das Glas auf die Fensterbank stellte. "Okay, was ich soll ich tun für das Geld?"

Unbemerkt seufzte Angel und fing an, das Glas in seinen Händen zu drehen. Er hatte gehofft, dass Thema ein wenig hinaus schieben zu können und einfach nur ein bisschen zu reden, doch Spike schien ein ungeduldiger Mann zu sein.

"Machst du auch besondere Sachen?", fragte Angel nun direkt heraus.

Sofort schellten bei Spike die Alarmglocken. Es wäre auch zu schön gewesen, wenn er mit einem gutaussehenden Kunden in einer Nacht leichtes Geld verdienen würde.

"Hey! Wenn du irgendwelche perversen Sachen machen willst. Vergiss es!!"

Spike wandte sich ab und wollte den Ausgang anpeilen. Er hatte das Geld nötig, aber für alles, war er auch nicht zu haben.

"Nein. Nein!!", versuchte Angel ihn aufzuhalten und umfasste Spikes rechten Arm. "Ich will nichts Perverses. Keine Sorge. Wenn du willst, erhöhe ich auch den Preis." Eindringlich sah Angel in diese blauen Augen, die noch immer eine Spur von Zweifel aufzeigten, obwohl sich der Mann nicht weiter vom Fleck rührte. "Ich will wirklich nichts Perverses", versuchte er, ihm erneut zu verdeutlichen, in dem er seine Worte wiederholte.

"250 Dollar", erwiderte Spike schließlich und schüttelte Angels Hand ab.

"Okay", gab Angel nach und war erleichtert. Er wollte heute Nacht einfach nicht allein sein. Nicht nach dieser weiteren Enttäuschung. "Komm' ich zeige dir das Schlafzimmer." Er nickte leicht mit dem Kopf und als Spike ihm bereitwillig folgte, lächelte er kurz.

Spike blieb vor dem großen Bett stehen, legte seine alte Lederjacke ab und fing ebenfalls an, diesen Raum zu betrachten. Das Schlafzimmer war ebenso edel eingerichtet wie der Rest des Apartments. Das Bett war groß, weiß. Die schwarzen Highlights auf den Möbeln verliehen dem ganzen eine eher kühle Atmosphäre, doch der Blick aus der großen Fensterfront entschädigte dafür.

"Okay. Was soll ich tun?", fragte Spike, schlüpfte aus seinen Schuhen und streifte sein T-Shirt ab.

"Oh ....", sagte Angel nur, als er seinen nackten Oberkörper sah. Sehnig. Drahtig und an den richtigen Stellen Muskeln. So wie er es sich vorgestellt hatte. Er musste sich fantastisch anfühlen, doch in dieser Nacht hatte Angel anderes im Sinn. Er wollte keinen Sex, wollte nicht einfach nur sein ungestilltes Bedürfnis befriedigen. Er wollte schlicht nur ein bisschen Nähe. Angel verdrängte die Tatsache, dass er sich diese gekauft hatte, dass er nur Ware bekam und dass Spike es niemals echt meinte. Er trat an ihn heran und erlaubte sich eine kleine Berührung. Sanft strich er über die Oberarme des Blonden. Dann sah er in diese wundervollen blauen Augen.

"Ich will, dass du einfach nur neben mir liegst. Dass du einfach nur da bist. Dass du mich einfach nur hältst."

Spike zog ungläubig die Brauen zusammen und sagte einen Moment gar nichts. Dann grinste er schief. „Yeah, alles klar… du zahlst 250 Dollar damit ich dich halte… und wo ist der Haken an der Sache?“

„Kein Haken… das ist der Deal. Gehst du darauf ein oder…?“ Angel sprach nicht weiter, er wollte nicht über einen schlechten Verlauf des Abends nachdenken. Im Grunde wollte er überhaupt nicht denken, nicht über seine Karriere und schon gar nicht über sein scheinheiliges ‚Ich’, das sich einen Stricher für die Nacht holte und dem Rest der Welt vorgaukelte, heterosexuell zu sein. Nein, alles was er wollte, brauchte, war fühlen. Nähe, Körper an Körper, Wärme, Geborgenheit und es war ihm egal, dass alles nur gelogen und gekauft war. Darüber konnte er morgen grübeln, wenn er wieder allein sein würde.

Spike fuhr sich mit der rechten Hand nervös durchs Haar. Wenn es stimmte, was Angel sagte, wäre dies tatsächlich das am leichtesten verdiente Geld seit langer Zeit. Verwirrt bemerkte er wie Angel das Schlafzimmer verließ. Hatte er es sich anders überlegt, wollte er doch nicht? Spike wurde einen Moment panisch und folgte seinem Freier, nur um sich wenig später im Wohnzimmer wiederzufinden, wo er beobachten konnte, wie Angel sich ein weiteres Glas Whiskey einschenkte. Seine Hände zitterten. Also war er, Spike, nicht der einzig Nervöse in diesem Raum. Diese Erkenntnis beruhigte ihn ein wenig. Und doch war er plötzlich so aufgeregt, dass er am liebsten irgendetwas eingefahren hätte, um ruhiger zu werden. Er tastete seine Jeans ab und nach einigen Sekunden beförderte er eine Schachtel Lucky Strikes hervor.

„Kann ich?“ Er hob kurz die Zigarettenschachtel in Angels Richtung, um ihm zu signalisieren, um was er bat.

„Ja, sicher. Ich hole dir einen Aschenbecher.“ Angel war schon auf dem Weg in die Küche, als er über seine Schulter rief: „Bin gleich wieder da.“

Das Zippo gab ein klackendes Geräusch von sich, als Spike es mit einer Hand aufspringen ließ und die Flamme an das untere Ende seine Zigarette hielt. Mit einem erneuten metallischen Klacken schloss er das Zippo und inhalierte im selben Moment tief den Rauch in seine Lunge. Nach vier oder fünf tiefen Zügen begann er, sich zu entspannen und tigerte erneut im Wohnzimmer seines Freiers umher, bis er dessen Schritte hinter sich hörte und sich wieder umwandte.

„Ich musste ganz schön suchen, als Nichtraucher hat man ja nicht allzu oft einen Aschenbecher im Gebrauch“, startete Angel erneut einen kläglichen Versuch, Smalltalk zu führen.

Spike schnippte die Asche ab und zuckte kurz mit den Schultern. Jetzt wo Angel wieder im Raum war, konnte er diese Unruhe erneut in sich spüren, wie sie in ihn kroch, größer wurde, sich ausbreitete und schlussendlich als Schweiß aus jeder seiner Poren trat. Nur Halten… einfacher ging es doch gar nicht, was war daran schlimm. Nichts. Oder?

„Was ist nun? Bleibst du?“, bohrte Angel noch einmal.

Spike zog eine Braue in die Höhe und schüttelte dann ganz eigentümlich den Kopf, so als wolle er irgendwelche Gedanken verscheuchen. „Yeah… für 300.“

Angel schluckte, nickte dann aber doch zustimmend. „Deal. Ich zeig dir das Bad, du kannst dich vorher noch duschen.“

Duschen. Er sollte duschen?! Keiner seiner Freier hatte das bis jetzt von ihm verlangt. Aber auch keiner seiner Freier wollte bisher nur gehalten werden - eine ganze Nacht lang. Spike sah an sich hinunter und betrachtete seinen nackten Oberkörper. Vielleicht hatte er seit zwei Tagen nicht geduscht, aber er roch nicht und sah nicht aus wie ein Obdachloser. Er nahm erneut einen kräftigen Zug von seiner Zigarette und sah Angel wieder an.

"Duschen?!", wiederholte er und zog eine Augenbraue nach oben.

"Ja, du hast doch kein Problem damit? Ich habe dir schon frische Handtücher und einen Bademantel rausgelegt. Ich mag es, wenn meine Lover frisch duften. Oder ist dir das jetzt zu pervers?" Angel musste kurz über sich selbst grinsen, hörte aber sofort damit auf, als er Spikes grimmigen Gesichtsausdruck sah. "Hör zu, es muss nicht sein, aber mir wäre es lieber."

Er war ein merkwürdiger Kunde. Er wollte nur kuscheln und bezeichnete ihn als Lover. Er versuchte, ihm krampfhaft ein Gespräch aufzuzwingen und jetzt machte er dumme Scherze. Merkwürdig. Aber immer noch leicht verdientes Geld. Spike nahm den letzten Zug seiner Zigarette und drückte den Filter, der übrig geblieben war, im Aschenbecher aus. Was schadete eine Dusche? Und wer wusste, wann er wieder dazu kam.

"Alles klar", stimmte er schließlich zu und ließ seinen Blick wieder durchs Wohnzimmer gleiten. "Wo ist das Bad?"

Mit Spike schien alles zu einem Balanceakt zu werden. Als er nun doch zustimmte, stieß Angel den unbewusst angehaltenen Atem aus und drehte sich um.

"Komm mit, hier den Gang hinunter, eine Tür neben dem Schlafzimmer. Ich werde dort auf dich warten und nach dir duschen." Er öffnete bereits die Tür zum Bad und Spike folgte ihm hinein. Auch hier sah man, dass Angel kein armer Mann war. Das Bad war riesig und vollkommen in Schwarz/Weiß gehalten. Eine riesige, runde Badewanne stand in der Mitte des Raumes und bildete das Zentrum. An den vielen Knöpfen konnte Spike erkennen, dass es sich um eine Wanne mit integriertem Whirlpool handeln musste. In der rechten Ecke war eine große Duschkabine eingebaut, auf die Angel nun deutete. "Duschgel und Shampoo stehen bereit, such dir einfach den Duft aus, der dir am meisten zusagt. Die Handtücher sind hier." Angel drückte Spike einen Stapel Handtücher in die Hand. "Ich denke, du kommst zurecht, oder?"

"Yeah", antwortete Spike, ließ die Handtücher auf den Toilettendeckel fallen und sah Angel hinterher, als er das Bad wieder verließ. Im nächsten Moment öffnete Spike seinen Gürtel und ließ seine Jeans auf den Boden fallen. Mehr trug er nicht. Shorts waren in diesem Geschäft nur hinderlich und irgendwie engten sie ihn auch ein.

Er warf einen kurzen Blick in den großen Spiegel über den zwei Waschbecken. Er sah abgemagert aus. Nicht dass er schon mal besonders dick gewesen wäre, aber die letzten Jahre hatten ihn gezeichnet. Kurz schnitt er sich selbst eine Grimasse und stieg in die Duschkabine. Nach ein paar Sekunden wahllosem Herumdrehen an den Hähnen hatte er die richtige Temperatur eingestellt und genoss das warme Wasser, das sanft auf ihn fiel. Er fuhr sich mit den Fingern durch sein Haar, bevor er nach dem erstbesten Duschgel griff. Er verrieb es in seinen Händen und fing an sich einzuseifen. Ohne großartig darüber nachzudenken, schäumte er auch seine Haare damit ein.

Vielleicht sollte er diese Dusche länger genießen als nur diese fünf Minuten. Er spülte sich die Seife aus den Haaren und vom Körper, stellte das Wasser ab und stieg aus der Dusche. In einer fließenden Bewegung griff er nach dem ersten Handtuch und wickelte es sich um die Hüften. Er griff nach einem weiteren und rubbelte sich seine Haare trocken. Ohne sich darum zu kümmern, ließ er es auf den Boden fallen und verließ das Bad.

"Ich bin fertig", sagte er, als er nur mit einem Handtuch bekleidet wieder im Wohnzimmer stand. Allein. Verwirrt sah er sich um. Wo war denn Angel? Unschlüssig blieb er einen Augenblick stehen, bevor ihm einfiel, dass er nach der Dusche ja ins Schlafzimmer kommen sollte. Er machte auf dem Absatz kehrt und ging erneut den Gang hinab.

Angel blickte ihm entgegen und wieder schnürte ihm Spikes Anblick für einen Moment die Kehle zu. Möglicherweise wäre es doch ganz nett mit ihm. Aber jetzt … jetzt war es zu spät. „Ich geh dann auch mal schnell ins Bad. Mach es dir schon mal bequem“, sagte er hastig und floh schon fast aus dem Raum. Im Bad räumte er schnell Spikes Kleidung vom Boden und legte sie ordentlich zusammen, die nassen Handtücher flogen in den Korb für die Dreckwäsche. Dann begab auch Angel sich unter die Dusche und brach beinahe einen Rekord, so schnell war er wieder fertig. Ebenfalls nur mit einem Handtuch um die Hüften öffnete er nur eine Viertelstunde später die Schlafzimmertür und betrat nahezu ängstlich das Zimmer. Als er Spikes hellen Schopf auf den Kissen sah, atmete er erleichtert aus, ließ das Handtuch fallen, hob die Bettdecke in die Höhe und schlüpfte unter die Laken. Spike lag mit dem Rücken zu ihm.

„Ich… ich werde mich jetzt an dich lehnen, ja?“, murmelte Angel fast schon schüchtern.

'Kay", war alles, was Spike von sich gab, als er spürte, wie sich Angels nackter Körper an ihn schmiegte. Angel war nicht nur ein gutaussehender Kunde, er fühlte sich auch noch gut an. Und zum ersten Mal beschlich Spike ein merkwürdiges Gefühl. Irgendwie gelang es ihm nicht, alles abzuschalten und Angel einfach nur als Freier zu sehen. Spike unterdrückte ein Aufseufzen und vergrub sein Gesicht tiefer in das weiche Kissen. Das war einfach abgedreht. Das alles hier. Aber er blieb. Er würde bleiben und das Geld wert sein, das der Mann mit den unergründlichen braunen Augen gezahlt hatte.

Angel schloss die Augen und genoss. Er genoss es, an einen warmen Körper gekuschelt zu sein. Sein Bein schob sich zwischen Spikes Beine und sein Geschlecht drückte sich an dessen Hintern. Spike war warm. Er roch gut. Angel drückte seine Nasenspitze in den Nacken des anderen Mannes, dessen kurze Haare dort hinten noch etwas nass waren. So zarte Haut besaß er. Die Hand des Dunkelhaarigen fuhr um Spikes Hüfte, seine Fingerspitzen streichelten in kleinen kreisenden Bewegungen immer wieder dessen Bauch und seine Augen blieben weiterhin geschlossen. Zum ersten Mal seit langem spürte Angel wie Ruhe in ihn einkehrte. Spike atmete friedlich. Angel konnte spüren, wie sich sein Brustkorb hob und senkte. Plötzlich war er nicht mehr allein, er fühlte sich ganz. Nun war er einfach Angel. Der schwule, schüchterne Angel, der sich seine Geliebten auf der Straße aufgabeln musste und dem diese Tatsache in diesem Moment vollkommen egal war, weil er sich schon lange nicht mehr so gewärmt, geborgen und aufgehoben gefühlt hatte.