File 1: stories/4/220.txt
- Schriftgröße +

"Du bist verrückt", sagte Angel, als er beobachtete, wie Spike das Handtuch von seinen Hüften nahm, es achtlos in den noch warmen Sand fallen ließ und ins seichte Meer watete. Angel lachte, hob das Handtuch auf, schüttelte den Sand aus und warf es über seine Schulter.

Spike war verrückt, aber er war sein Verrückter und Angel liebte ihn. Er schwebte noch immer auf einer himmlischen Wolke voller süßer Zuckerwatte. Sein Herz klopfte weiterhin wild gegen seinen Brustkorb, sobald Spike ihn einfach nur anlächelte und in seinem Bauch tanzten die Schmetterlinge Tango.

Angel stopfte die Hände in seine Hosentaschen und beobachtete Spike verträumt weiter. In dieser klaren, sternverhangenen Nacht sah Spike unter dem Licht des Vollmondes aus wie ein Gott. Das Wasser umspülte sanft seine Hüften und machte seinen verführerischen Hintern noch verlockender. Sein blasser, sehniger Körper spiegelte sich im ruhigen Meer. Erneut fiel Angel der Vergleich Spikes mit einem Adonis ein und spürte, wie sich auf diesen Gedanken in seiner Hose deutlich etwas regte.

"Los komm rein, Angel", rief Spike ihm zu, als er wieder auftauchte und langsam auf ihn zuging. "Es ist herrlich und das Meer ist verdammt groß ohne dich."

"Nein, danke!", wehrte Angel die Aufforderung ab, obwohl er den Strand mochte, vor allen Dingen um diese Zeit, wenn alle in ihren Häusern waren und ihm dieses friedliche Stück Natur scheinbar allein gehörte.

"Komm schon!", bettelte Spike weiter und trat so weit aus dem Wasser, dass Angel deutlich sehen konnte, dass er erregt war. Der Blonde fing an zu grinsen, als er den Blick seines Engels wahrnahm. "Du darfst auch damit spielen, wenn du reinkommst."

"Spike!", erwiderte Angel sofort ein bisschen genervt und verdrehte seine Augen. Das war etwas, was sich nicht geändert hatte, auch nicht seitdem sie ein Paar waren. Spike liebte es, ihn zu necken, ihn aus der Reserve zu locken, mit ihm zu spielen. Und obwohl er es wusste, reagierte er immer wieder darauf.

Spike schnitt eine Grimasse und kam gänzlich aus dem Wasser. "Du wohnst so nah am Meer und ich habe dich nur einmal schwimmen sehen."

"Du bist heute auch das erste Mal im Meer baden gewesen."

"Ja, weil du mir nicht erlaubt hast, es nackt am Tag zu tun", konterte Spike, zog grinsend eine Augenbraue nach oben und blieb nur wenige Zentimeter vor Angel stehen.

"Das wäre Erregung öffentlichen Ärgernisses gewesen." Angel zog den Atem scharf ein, als er Spikes Duft wahrnahm. Diese Mischung aus Meeressalz, frischer Luft und Spike.

"Ich will nur dich erregen", erwiderte Spike mit seidiger Stimme, schlang seine Arme um Angels Hüften und presste seine Lippen auf dessen Kehle.

"Du machst mich ganz nass", versuchte Angel gegen die Hände seines Geliebten zu protestieren, die viel zu wissend unter sein T-Shirt fuhren und ihn anfingen zu streicheln.

"Sorgen wir dafür, dass deine Sachen trocken bleiben", hauchte Spike an sein Ohr, umfasste das untere Ende des T-Shirts und zog es Angel über den Kopf.

"Spike!!", versuchte Angel erneut zu protestieren und sah sich unwillkürlich um. Paranoia. Diese verdammte Paranoia ließ ihn auch zu Hause nicht los. Dank seiner letzten Rolle war er bekannter in Hollywood geworden und seitdem das Gerücht, er hätte ein Affäre mit Nina Wolf, die Runde machte, waren die Photografen noch wilder hinter einer Story über ihn her. Natürlich war nichts dran an dem Gerede über ihn und Nina. Sie war eine normale Kollegin, sie hatten sich gut verstanden und waren ab und an in den Mittagspausen zusammen Essen gewesen. Nur weil sie einen romantischen Film gedreht hatten und im Drehbuch einige erotischen Handlungen vorkamen, hieß das noch lange nicht, dass sie tatsächlich etwas miteinander hatten. Außer ein paar Arbeitsküssen am Set war nichts passiert.

Spike bemerkte den Blick, bemerkte Angels kurzes Verkrampfen. Er kannte die Gerüchte. Er wusste auch, wer diese Nina Wolf war und obwohl er sich sicher war, dass er keinen Grund hatte, seinem Geliebten zu misstrauen, störte es ihn dennoch. Doch er schwieg. Er wollte Angel nicht auch noch durch sein Unwohlsein belasten. Angel hatte genug um die Ohren. Sanft umfasste er das Gesicht seines Engels und küsste ihn.

"Du wirst ganz schnell vergessen, wo du bist", hauchte Spike an Angels Lippen, bevor er anfing, ihn leidenschaftlich zu küssen. Seine Hände wanderten wieder zu seinen Hüften und fuhren langsam den Hosenbund entlang. Er spürte Angels Erregung deutlich, spürte das Verlangen, das langsam in ihnen beiden aufloderte. "Sex on the beach", fuhr es Spike durch den Kopf, doch das hier war um einiges besser als dieser Cocktail.

Leise stöhnte Angel auf, als die Hände des Blonden seinen nackten Hintern umfassten und ihn massierten. Spike fühlte sich so wundervoll an. Nur die kleinste Berührung von ihm und Angel stand in Flammen. Die Leidenschaft loderte. Die Sehnsucht brannte. Und im nächsten Moment war einfach alles egal. Nur das hier war wichtig. Spikes Küsse. Seine Berührungen. Diese unglaubliche Nähe. Einfach nur sie beide. Angel umfasste das Gesicht des Blonden, presste sich fester an ihn und vergrub sanft seine Zähne in Spikes Unterlippe. Das wundervolle Gefühl dieser vertrauten Zweisamkeit wurde durch das nervtötende Klingeln seines Handys unterbrochen.

Murrend löste sich Spike von Angel und verzog das Gesicht. "Wieso hast du das Ding mitgeschleppt?"

"Weil ich auf einen wichtigen Anruf warte", erklärte Angel, obwohl er es sehr bedauerte, dass sie so unterbrochen wurden. "Tut mir Leid", flüsterte er, hauchte Spike einen Kuss auf die Lippe und warf ihm das Handtuch zu, bevor er das Gespräch entgegennahm. "Ja, bitte."

"Angel. Hier ist Lilah. Ich habe verdammt gute Nachrichten für dich."

"Spann mich nicht auf die Folter", erwiderte Angel angespannt.

"Du hast die Rolle. Du wirst Richard Murphy spielen."

"Das ist nicht dein Ernst?" Ungläubig lief Angel zurück ins Haus, während Spike ihm folgte und dem Gespräch lauschte.

Immer wieder hakte Angel bei seiner Agentin nach, doch als sie ihm auch noch mitteilte, dass sie bereits die ersten Verträge vor sich liegen hatte, wurde es ihm wirklich bewusst. Er verabschiedete sich von Lilah und legte auf. Fassungslos starrte er zu Spike. Er hatte diese Rolle. Er hatte seine erste Charakterrolle. Die Rolle von Richard Murphy, ein schizophrener Mann, der zwei Leben führte, ohne es zu wissen.

"Du wirst ihn spielen?", machte sich Spike bemerkbar, als Angel ihn weiterhin einfach nur anstarrte.

Stumm nickte Angel und Spike brach in lautes Freudengeschrei aus. "YEEEEAAAAH! Das ist Wahnsinn." Er fiel seinem Freund um den Hals und küsste ihn solange, bis beide atemlos waren. "Ich freue mich so für dich."

"Es ist ...." Angel suchte nach den richtigen Worten und sah dann doch nur einfach in Spikes strahlende blaue Augen.

"... ein Grund zum Feiern", beendete Spike den Satz und schob Angel auf die Couch. "Du setzt dich hin und ich öffne den Champagner und dann stoßen wir ordentlich an." Schnellen Schrittes verschwand Spike in der Küche, holte die Flasche aus dem Kühlschrank, schnappte sich zwei Gläser und lief zurück ins Wohnzimmer, wo Angel mit einem großen Grinsen auf dem roten Sofa saß. Spike reichte Angel die Gläser und öffnete mit einem geschmeidigen Plop den Champagner.

Nachdem die Gläser gefüllt waren, stellte Spike die Flasche beiseite, nahm sich ein Glas und prostete seinem Geliebten zu.

"Darauf, dass du ein ganz Großer wirst." Er nahm einen Schluck und stellte auch das Glas beiseite. Mit einem fast schelmischen Grinsen nahm er Angels ebenfalls.

"Ich dachte wir feiern?", fragte Angel und zog die Augenbraun nach oben.

"Tun wir! Auf meine Weise", erklärte Spike, löste das Handtuch wieder von seinen Hüften und lies sich auf Angels Schoss nieder. "Du lehnst dich einfach nur zurück und genießt", flüsterte Spike, bevor seine Zungenspitze in das rechte Ohr seines Geliebten glitt. Seine Finger streichelten währenddessen über dessen Brust. Strichen über die erregten Brustwarzen. Reizten sie noch mehr. Reizten sie solange, bis sein Engel laut aufstöhnte.

Er liebte diesen Geschmack. Angel. Mann. Sein. Langsam glitt seine Zunge über die pulsierende Ader an dessen Hals, saugte an den gewissen Stellen, die dafür sorgten, dass Angels Kopf auf die Lehne sank. Seine Zunge wanderte tiefer, fuhr um seine rechte Brustwarze, bis sich seine Lippen darüber senkten und daran saugten.

"Spike!", keuchte Angel und vergrub seine Finger in den Haaren des Blonden. Herrlich. Herrliche, wunderbare Gefühle durchflutenden ihn. Schrieen nach mehr. Mehr von Spike.

Spike rutschte tiefer nach unten, drehte kleine Kreise mit seiner Zunge auf Angels Bauch, versenkte sie in seinem Bauchnabel, während seine Finger seinen Hosenbund umfassten und Angel von seinen Hosen befreiten. Eine pralle, harte Erregung streckte sich ihm verlockend entgegen und voller Vorfreude leckte sich Spike über seine Lippen.

"Spike ... bitte …", flehte Angel, als er die feuchten Lippen seines Geliebten sah. Sie waren so nah. Nur eine kleine Bewegung und sie würden sich heiß um seinen Schwanz schließen.

Lächelnd senkte Spike seinen Blick und seine Zungenspitze schnellte hervor. Gierig glitt sie über seine Eichel, nahm die ersten Lusttropfen auf. Seine Finger umfassten das untere Ende von Angels Schaft. Bewegten sich unermüdlich auf und ab, während seine Lippen sich fest um ihn schlossen.

"Spike ...", stöhnte Angel immer wieder seinen Namen und konnte das Aufbocken seiner Hüften nicht mehr verhindern. Er sehnte sich so sehr nach Spike. Sehnte sich so sehr nach Erlösung und dennoch wollte er, dass diese köstliche Folter nicht endete.

Fest drückten Spikes Hände Angels Hüften zurück auf die Couch. Nur noch sein Mund regierte Angel. Gab den Rhythmus vor und trieben seinen Geliebten immer höher. Seine Zunge leckte über seine Eichel. Seine Lippen saugten an ihm. Und sein Mund nahm ihn tief in sich auf. Er spürte, wie sich Angels Muskeln anspannten, wie sein Körper verkrampfte und als er ihn das letzte Mal in sich aufnahm, brach der lustvolle Himmel über Angel zusammen. Er stöhnte geräuschvoll. Stöhnte Spikes Namen laut und ließ sich von der Welle, die ihn eingehüllt hatte, treiben.

Noch einmal glitt Spikes Zunge über Angels Spitze, als er langsam nach oben kroch und wieder auf seinem Schoss Platz nahm. Die braunen, liebevollen Augen seines Geliebten sahen ihn an, zeigten ihm das, was er in diesem Moment noch nicht in Worte fassen konnte. Liebevoll lächelte Spike, während seine Finger die Konturen seines Gesichtes nachzeichneten.

"Herzlichen Glückwunsch, Luv", hauchte Spike an seinen Lippen und verschmolz mit ihnen zu einem hingebungsvollen und zärtlichen Kuss.

-Zwei Monate später-

Diese Unruhe. Diese gottverdammte Unruhe machte Spike wahnsinnig. Seit Stunden tigerte er nun schon durch Angels Wohnung. Wartete auf Angel. Setzte sich immer mal wieder gelangweilt vor den Fernseher oder starrte fast schon hypnotisierend auf das Telefon, als wolle er es zwingen zu klingeln. Wenn sein inneres Chaos es nicht mehr anders zuließ, sprang er auf und lief in die Küche, ins Schlafzimmer, zurück ins Wohnzimmer. Wusste nichts mit sich anzufangen. Am liebsten hätte er geschrieen. Laut geschrieen. Es war als würde er innerlich zerrissen. Da war diese Sehnsucht nach Angel in ihm, sein einziger Halt. Wenn Angel endlich heim kommen würde, wäre alles gut. Oder ihn anrufen. Warum rief Angel nicht an und sagte ihm Bescheid, dass es später werden würde? War er ihm egal? Spike raufte sich verärgert seine Haare.

Wann hatte sich alles so verändert? Seit Monaten lebte er nun bei Angel, war sein heimlicher Geliebter, gefangen in dieser Wohnung. Spike ging kaum vor die Tür. Manchmal schnell zum Supermarkt, aber das war es dann auch schon. Seine ganze Welt drehte sich nur um Angel, genauso wie früher um das Heroin. Angel war sein Weg aus der Sucht gewesen, sein Pfeiler, seine Kraft. Um nicht in Versuchung zu geraden oder gar rückfällig, hatte Spike sich hier sozusagen selbst gefangen genommen, denn er wusste, sobald er wieder draußen war, würden seine Schritte ihn automatisch zurück in sein altes Revier führen. Er war labil, nicht stark genug und er spürte diese Lust, diese Sehnsucht nach der Droge immer in sich. Daran hatte auch der Entzug nichts geändert oder all die Monate, in denen er nun schon clean war. In manchen Momenten waren die Stimmen in seinem Inneren leise oder fast stumm. Das waren immer Augenblicke mit Angel, wenn sein Engel bei ihm war, ihn liebte oder einfach nur hielt. Dann aber schrieen die Stimmen ganz laut, so wie jetzt, wenn er allein war oder etwas nicht so lief, wie er es sich vorstellte.

Spike schlug mit der Faust gegen die Wand. Immer wieder. Bis seine Hand so sehr schmerzte, dass ihm die Tränen in die Augen stiegen und die Verzweiflung ihn vollends übermannte. ‚Angel, wo bist du… verdammt, wo bist du?’, kreischte er wie ein kleines Kind, rutschte mit dem Rücken an der Wand hinab, die er zuvor noch mit seiner Faust bearbeitet hatte, bis er auf den kalten Fliesen lag. Wie ein Fötus rollte er sich zusammen und drückte seine Hände gegen seinen Schädel. Nein, er wollte nicht daran denken, was Angel am Set tat. Er wollte nicht über diese verdammte Angst nachdenken, dass Angel ihn nicht mehr lieben könnte. Angel vernachlässigte ihn nicht, nein, er steckte nur bis zum Hals in seiner Arbeit, war im Stress. Endlich hatte er die Rolle seines Lebens und er, Spike, sollte sich darüber freuen, ihn unterstützen und Verständnis dafür zeigen, dass Angel sich momentan nicht so um ihn kümmern konnte, wie er es gewohnt war.

All dies versuchte er sich immer wieder einzureden, vernünftig zu sein, ruhig. Doch es ging nicht. Angefangen hatte es mit ein paar kleinen Wermutstropfen, damals mit den Gerüchten über Nina Wolf. Spike hatte sich jeden Kommentar verbissen, konnte sich beruhigen, vertraute seinem Geliebten. Aber dann rollte die Lawine an, die Lawine des Misstrauens, der Furcht, der Zweifel. Immer länger blieb Angel plötzlich am Set, wenn er nach Hause kam, gab es nur noch ein Thema und die Lawine wurde größer und größer und drohte Spike immer weiter zu verschlingen.

Er fühlte sich verstoßen, ausgegrenzt aus Angels Leben. Er hätte gern alles mit ihm geteilt, aber dafür hätte Angel zu ihm stehen müssen. In der –ffentlichkeit war Spike noch immer einfach nur Angels Cousin. Anfangs hatte ihn das nicht gestört, doch je mehr Zeit verging, umso mehr wurde ihm bewusst, wie sehr ihn dies aus Angels Leben ausstieß. Und dann diese ewig langen Dreharbeiten, manchmal kam Angel tagelang nicht nach Hause. Tage, in denen Spike sich betrank, einfach nur um diese innere Unruhe zu dämpfen, zu betäuben. Diese Unruhe, die ihm sagte, dass es Zeit war zu gehen, dass dort draußen etwas auf ihn wartete, etwas, das all seine Schmerzen nahm, ihn vergessen ließ…

Minuten nach Spikes Zusammenbruch kam Angel nach Hause und fand seinen Geliebten völlig aufgelöst auf dem Flur liegend vor. Kaltes Entsetzen packte ihn, er ließ alles, was er in der Hand hielt, fallen und stürzte auf den Blonden zu.

„Spike… Oh Gott, Spike, was ist passiert?“, rief er voller Sorge und Angst, kniete sich neben die zuckende Gestalt und hob Spikes Oberkörper an den seinen.

„Halt mich Angel…“, hauchte Spike, die Worte immer wieder von Schluchzern unterbrochen. „Halt mich einfach.“

Angel drückte Spike so fest er konnte an sich. Legte seine Stirn auf dessen Schopf und wiegte ihn hin und her. „Das werde ich Baby, das werde ich… ich lass dich nie mehr los… nie mehr.“

-1 Woche später-

Beeindruckt saß Spike auf dem Boden und lauschte Angel, der, vertieft in seine Rolle, gerade dabei war, einen Monolog zu rezitieren. Er hatte gewusst, dass Angel ein guter Schauspieler war, aber es live zu hören und zu sehen beeindruckte ihn mächtig. Er spielte ihm gerade eine Szene vor, in der seine Rolle verwirrt in seinem anderen Leben aufwachte. Es war einfach unglaublich. Und es war so etwas wie Routine geworden, dass sie abends zusammen seine Rolle einstudierten und Spike übernahm jeden Part, der nötig war, um Angel zu helfen. Heute war diese romantische Szene dran.

Spike mochte es gar nicht, wenn Angel solche Szenen drehen musste. Ihn zusammen mit anderen so nah zu sehen, bewirkte jedes Mal, dass sich sein Magen krampfhaft zusammenzog. Er wusste, dass diese Eifersucht ungesund und unbegründet war, aber konnte es nicht ändern. Angel war sein Leben. Sein Atem. Sein Herz. Er war alles. Er schluckte den Schmerz hinunter und klatschte Beifall, als sein Engel ihn fragend ansah.

"Du bist unglaublich", bekundete er seine Zustimmung und stand wieder vom Fußboden auf.

Angel lächelte gerührt. Spike war einfach wundervoll, er schaffte es mit seiner Art, wie er ihn bewundernd ansah und aufmerksam lauschte, dass Angel vor Freude und Stolz fast abhob. Wahrscheinlich würde Spike ihn irgendwann einmal von der Decke abkratzen müssen, so federleicht kam er sich in solchen Momenten vor.

„Und ich liebe dich“, hauchte er anstatt eines Dankeschöns und gab seinem blonden Geliebten einen zärtlichen Kuss.

„Ich hoffe, der war echt und nicht schon für die nächste Szene?!“, zog Spike ihn auf, als Angel dessen Lippen freigab.

„Du müsstest wissen, dass ich nur einen so küsse“, grinste der Dunkelhaarige zurück.

„Stimmt“, antwortete Spike schlicht und verdrängte diese Stimme, die versuchte, ihn erneut an Angels Worten zweifeln zu lassen.

Angel hatte seinen Kopf bereits wieder über das Script gebeugt und las konzentriert darin. „Vielleicht sollten wir jetzt einfach diese Szene mit Joaquin proben…“, plante er, ohne aufzusehen. In Spikes Augen blitzte es kurz auf. Joaquin … wie er diesen Namen mittlerweile hasste. Joaquin hinten, Joaquin vorne, Joaquin tut jenes, Joaquin sagt das.

"Wieso musst du eigentlich diesen Mann küssen?", fragte Spike nicht zum ersten Mal und Angel würde ihm zum wiederholten Male dieselbe Antwort geben. Fast schmollend verschränkte Spike die Arme vor seine Brust und sah seinen Freund an.

Angel unterdrückte das Bedürfnis, die Augen zu verdrehen und sah von dem Script auf. Er wusste, dass Spike es nicht gefiel, dass er einen anderen Mann küssen musste. Es war was anderes, wenn er mit einer Frau drehte, aber ein Mann...

"Weil es wichtig für die Rolle ist. Weil du weißt, dass er schizophren ist und zwei komplett unterschiedliche Leben führt ", erklärte Angel es erneut.

"Als Ehemann und Schwuler?", entgegnete Spike fast trotzig und nahm Angel das Script aus der Hand. "Noch unterschiedlicher ging es nicht. Hätte es Familienvater und Mörder nicht auch getan?"

„Ach Spike… hatten wir das Thema nicht schon durch?“ Angel fuhr sich genervt über den Nacken.

Spike wollte etwas erwidern, ihn anschreien, ihm seine innere Zerrissenheit ins Gesicht schleudern, diese Zweifel, die an ihm nagten, immer tiefer und tiefer… doch er presste die Lippen so fest er konnte aufeinander und schluckte alles hinunter.

„Es ist nur Arbeit, Spike. Nur Arbeit. Du weißt, ich liebe nur dich“, versuchte Angel doch noch eine Erklärung.

„Ja, du sagst es immer. Aber nur ich weiß es. Keiner sonst“, brach es ungewollt aus Spike hervor.

„Wie meinst du das?“ Angel hob irritiert seine Augenbraue und trat einen Schritt auf Spike zu.

„Nichts… schon gut… ich wollte nicht…“ Verunsichert wich Spike vor seinem Geliebten zurück. Er wollte nicht, dass er ihn so ansah, so forschend, fragend… ahnungslos. Ja, das war mit das schlimmste. Angel ahnte nicht einmal, was in Spike vorging.

„Spike… sprich mit mir. Was ist denn los?“

„VERGISS ES!“, schrie Spike aufgeschreckt, stieß Angel weg und lief an ihm vorbei ins Schlafzimmer.

"Spike!", rief Angel ihm nach. Spike war ein verschlossener Mann, das hatte sich auch in den Monaten ihrer Beziehung nicht verändert. Seufzend lief Angel ihm nach. Er wusste, dass seinem Geliebten etwas auf der Seele brannte, etwas dass in den ständigen Nörgeleien über seine Rolle nur einen kleinen Ausgang fand.

"Spike, verdammt ... was ist mit dir los?", entfuhr es Angel energischer, als er es beabsichtigt hatte.

"Nichts", blieb Spike stur, griff nach der Schachtel Zigaretten, die auf dem Nachtisch lagen und nahm eine heraus.

"Wenn es nichts ist, machst du aber eine verdammt große Sache daraus." Alles was Angel daraufhin erntete, war ein böser Blick.

Seufzend fuhr sich Angel über seinen Nacken und unternahm einen erneuten Versuch, ihn zum Reden zu bringen. "Ich liebe dich, Spike. Ich liebe dich wahnsinnig. Mir bricht es das Herz, wenn du deinen Kummer in dich hineinfrisst. Du kannst mir alles erzählen. Wirklich alles!"

Wieder sah Spike ihn nur an, zog sein Zippo aus der Hosentasche und zündete sich eine Zigarette an. Er haderte mit sich. Konnte er Angel wirklich alles sagen? Würde Angel seine Bedenken verstehen? Und seine Angst? Seine Furcht einen Rückfall zu erleiden, weil er unter dem Versteckspiel litt. Unter dieser Eifersucht. Dieses Gefühl einfach nicht zu Angels Leben zu gehören, ausgestoßen zu sein. Er benötigte Sicherheit, er war viel zu labil ohne sie leben zu können und in seinem Inneren tickte noch immer eine Zeitbombe mit dem Namen Heroin.

Spike nahm einen kräftigen Zug, sah hinaus auf das blaue Meer und setzte an.

"Du spielst einen Schwulen. Du hast kein Problem damit, vor einem Millionen Publikum einen Mann zu küssen. Aber mich versteckst du. Du versteckst dich selbst."

Das war es, was Spike so sehr auf der Seele lag. Er hätte es wissen müssen, er hätte es ahnen müssen, doch er war zu sehr damit beschäftigt gewesen, sich auf diese Rolle zu konzentrieren. Er verstand Spike. Er verstand ihn sehr gut, aber die Realität, die Welt, in der er lebte, war etwas anderes.

"Spike ....", suchte Angel nach Worten. "... du weißt, dass es nicht geht. Dass ich das nicht kann. Hier in Hollywood ist es immer noch etwas anderes, ein Schwuler zu sein oder einen zu spielen."

„Bullshit! Das ist absoluter Bullshit. Du kannst das doch gar nicht wissen…“

„Spike… schau dir doch an, was aus all den Stars wurde, die anders waren… schau dir an, was sie mit Ellen Degeneres gemacht haben, als sie zugab lesbisch zu sein…“, versuchte Angel, Spike zu überzeugen.

„Ach Scheiß drauf… und was ist mit Elton John?“, fuhr Spike ein Gegenbeispiel auf.

„Was soll mit ihm sein?“ Angel sah auf den Boden.

Spike sprang vom Bett. Er war so in Rage. Jetzt wo er angefangen hatte, über seine Probleme zu sprechen, konnte er sich kaum noch zügeln, nicht sofort in die Luft zu gehen. Er lief vor dem Bett auf und ab, wild gestikulierend und redete wie ein Wasserfall. „Elton ist das beste Beispiel. Du bist wie er. Du versteckst dich. Hast Angst vor dem, was die Leute sagen. Er hat sogar eine Scheinehe geführt, nur um sein falsches Image aufrecht zu erhalten. Und was war am Ende? Lern doch daraus, es wird dir nicht anders ergehen. Du kannst dich nicht ewig verstecken, du kannst MICH nicht ewig verstecken. Keiner hat es Elton übel genommen, warum also dir?“

„Elton ist ein Sänger. Sein Ruf baute sich nicht darauf auf, ein Frauenheld zu sein.“

„Ich dachte, das ändert sich nach dieser Rolle“, konterte Spike. Angel starrte ihn einfach nur an. Er wusste keine Antwort.

„Wie soll das weiter gehen mit uns, Angel? Soll ich ewig dein heimlicher Geliebter bleiben, nichts sehen, außer diesen vier Wänden, weiter dein kleiner Hausmann sein, der alles ordentlich putzt und dir abends noch deinen Schwanz fein sauber lutscht?“ Spike wusste, er war zu weit gegangen, aber er konnte sich, obwohl er es wollte, nicht bremsen. Irgendwie schienen all diese aufgestauten Gefühle auf einmal aus ihm herauszubrechen.

Getroffen starrte Angel Spike an. Egal welches Argument Spike vorbrachte und egal wie sehr Angel sich ein einfacheres Leben wünschte. Er konnte diesen Schritt nicht gehen. Nicht jetzt. Nicht hier.

"Es tut mir Leid, Spike", sagte Angel mit leiser Stimme. "Aber ich kann es nicht. Ich .... " Ihm fehlten die Worte, was sollte er ihm sagen?

"Du hast nicht mal eine plausible Erklärung dafür", stach Spike weiter in die Wunde, die er aufgerissen hatte. "Es ist doch nicht schwer ... Hallo, Presse. Ich bin schwul und das ist mein wundervoller Freund Spike, den ich über alles liebe. ... Siehst du, wie einfach das ist."

„Den ich auf der Straße aufgelesen habe, weil er ein ehemaliger Stricher ist…“ Angel schlug sich auf den Mund. Er hatte gesprochen, bevor er dachte.

„Scheiße… das… das ist es, wovor du wirklich Angst hast, oder?“ Spike fühlte sich, als würde ihm der Boden unter den Füßen weggezogen. Angel schämte sich für ihn. Diese Erkenntnis brannte lichterloh in seinem Innern. Krampfhaft versuchte er, die Tränen zurückzuhalten. Er musste hier raus. Weg von hier, weg von Angel, weg…

"Nein… Gott, Spike, das tut mir… Ach scheiße… für dich ist es einfach. Für dich ist alles kein Problem. Ich kann nicht so sein wie du", versuchte Angel, die Situation zu retten, bevor sie eskalierte. Ihm war klar, was Spike jetzt fühlte und er hätte sich in den Hintern beißen können, so etwas gesagt zu haben. Jetzt stand auch er auf und fing an, im Schlafzimmer auf und ab zu gehen. "Ich ... Spike… ich kann nicht anders, glaub mir… ich würde es anders machen… Was ich eben gesagt habe, tut mir Leid. Es ist mir einfach so rausgerutscht. Es ist nicht das, was ich denke. Ich… ." Wieder brach er ab. Er konnte Spike einfach nur bitten, so weiter zu machen. Dieses gemeinsame Leben so weiter zu leben, wie es bisher war. Dann kam ihm eine Idee. Ja… eine Möglichkeit, vielleicht… vielleicht würde es Spike helfen, wenn er bei den Dreharbeiten zusah. Dann könnte er bei ihm sein, den ganzen Tag und würde gleichzeitig sehen, dass es nur Arbeit war. Schwere, harte Arbeit.

"Komm doch einfach mit, wenn wir diese Szene drehen. Dann siehst du, dass es nur ein Job ist. Das ich das nicht genießen kann, wenn mir ein Regisseur Anweisungen dabei zuruft."

"Als dein Freund oder dein Cousin."

"Als mein Cousin ....", sagte Angel leise und sah, wie Spike wieder die Augen verdrehte. "Bitte, Spike, dräng mich nicht. Ich kann diesen Schritt nicht gehen. Noch nicht! Aber ich brauche dich. Ich liebe dich. Bitte versteh mich."

Spike verstand ihn nicht, verstand diese verdammte Heimlichtuerei nicht. Er hasste sie, aber er liebte diesen Mann. Er liebte ihn so sehr, dass er ihn nicht verlieren wollte. Und schließlich gab er nach.

"Einverstanden."