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Das Storypic ist von anja25ive - vielen Dank dafür.
Alternate Universe - diese Story basiert auf den Film "A Walk to Remember"

Kommentar von silverbird:
Beate und Stephie haben diese Story für mich geschrieben. Ursprünglich sollte sie ein Geburtstagsgeschenk werden, doch die Beiden kamen über die drei Teile nicht hinaus. Trotzdem finde ich, dass die Geschichte durchaus auch so stehen bleiben kann. Danke für euer Geschenk Mädels. *drück*

Verfluchte Hölle! Ich konnte einfach nicht glauben, dass ich hier wirklich saß und diesen Mist über mich ergehen ließ!

Ich drehte die Musik der Sex Pistols in meinem Discman noch ein wenig lauter und versuchte den Gedanken zu verdrängen, dass ich an dieser Situation im Grunde selbst Schuld war.

Hätte ich mich nach dieser dämlichen und eigentlich vollkommen überflüssigen Mutprobe nicht von den Bullen erwischen lassen, dann wäre es niemals so weit gekommen. Aber sie hatten mich erwischt. Sie hatten Xander verletzt auf dem verlassenen Gelände der alten Fabrik gefunden und waren natürlich sofort auf mich gekommen, nachdem ich viel zu schnell an ihnen vorbei gefahren war.

Und nun stand mein DeSoto in der Werkstatt und ich saß in diesem verdammten, gelben Schulbus und vergeudete meinen freien Samstag an irgendeinen lernbehinderten Teenager, der wahrscheinlich nicht einmal Lust hatte, sich in irgendeiner Weise von mir helfen zu lassen.

Dies war meine Strafe.

Ich musste an jedem zweiten Samstag Nachhilfe in Mathe geben, an der Sommeraufführung der Theatergruppe teilnehmen und als krönenden Abschluss auch noch den Hausmeistern beim Putzen und Instandhalten der Schule helfen.

Und das alles, während meine Freunde Spaß hatten.

Wahrscheinlich machten sie sich schon über mich lustig, lachten darüber, dass ich geschnappt worden war und freuten sich, dass es sie nicht erwischt hatte.

Ein leises Seufzen kam über meine Lippen und ich bemerkte, wie sich einer der anderen ‚Nachhilfelehrer’ zu mir umdrehte.

Angel.

Ich kannte ihn seit Jahren, war seit beinahe einer Ewigkeit mit ihm in einer Klasse. Allerdings hatte ich bisher noch nie wirklich ein Wort mit ihm gewechselt.

Er war anders. Man könnte sagen, so ziemlich das genaue Gegenteil von mir und meinen Freunden.

Meiner Meinung nach lag es zu einem Großteil daran, dass er der Sohn des Pfarrers war. Vielleicht war das auch der Grund, weshalb ich mich immer von ihm ferngehalten hatte.

Irgendwie wollte ich nie jemandem zum Freund haben, der sich DIES hier freiwillig antat, da er von Kindesbeinen an, an einem unheilbaren Helfersyndrom litt und glaubte, jedem Hilflosen helfen zu müssen.

Nochmals drehte ich meine Musik lauter und richtete meinen Blick wieder demonstrativ aus dem Fenster, um jedem zu signalisieren, dass ich meine Ruhe haben wollte.

Doch der edle Ritter hielt es nicht für nötig, auf meine eindeutige Körpersprache zu achten und setzte sich dreist neben mich. Und als wenn das nicht schon schlimm genug gewesen wäre, besaß er die Frechheit, mich auch noch anzusprechen.

„Will…?“

„Wag es nicht, den Namen auszusprechen!“, fiel ich ihm ins Wort. „Niemand nennt mich so!“

„Entschuldigung, SPIKE!... Hast du vor Xander irgendwann im Krankenhaus zu besuchen?“

Da ich es unter meiner Würde fand, ihm eine Antwort darauf zu geben, verdrehte ich nur die Augen und schwieg.

„Das heißt dann wohl ‚nein’“, murmelte Angel mehr zu sich selbst. „Aber du weißt schon, dass sie ihn in die Reha-Klinik verlegt haben?!...“

Genervt riss ich mir meine Kopfhörer herunter und blaffte ihn an: „Ist das deine Vorstellung von Smalltalk? Wenn ja, solltest du an deinen sozialen Fähigkeiten arbeiten! Und noch was: Niemand hat ihn gezwungen von diesem blöden Turm ins Wasser zu springen!“

„So etwas nennt man Gruppenzwang“, erwiderte Angel und sah mich vorwurfsvoll an.

Unbewusst zuckte ich mit den Schultern.

„Und überhaupt, woher willst du das wissen? Steht das in deinem schlauen Buch?“, entgegnete ich und deutete mit einem hämischen Grinsen auf die Bibel, welche auf Angels Schoß lag.

„Tu nicht so, als würdest du mich kennen, denn das tust du nicht!“

In meiner männlichen Ehre verletzt, fühlte ich mich gezwungen auf seinen Vorwurf einzugehen und Stellung zu beziehen.

„Aber das tu ich, Liebes! Du bist Liam Giles, wirst jedoch von allen Angel genannt, gehst seit Jahren in die gleiche Klasse wie ich und sitzt in der Mittagspause immer an Tisch Sieben. Nicht gerade der ‚Aussätzigentisch’, aber auf der Beliebtheitsskala tendierst du eher nach unten. Du besitzt nur schwarze Pullover und hast nur diesen einen, abgewrackten, schwarzen Mantel. Du verbringst deine Freizeit damit irgendwelche Bücher zu lesen, an den Wochenenden gibst du freiwillig Nachhilfe und du bist genauso schwul wie ich… okay, vielleicht ein bisschen schwuler … na, wie hört sich das für dich an?“ Selbstsicher erwiderte ich seinen Blick und wartete gespannt auf seine Antwort.

„Nicht gerade überraschend. Du erzählst mir hier nicht Neues!“

Verblüfft sah ich ihn an.

„Ist es dir egal, was andere von dir denken?“

„Ja.“

~*~

Was bemerkt?“

Das wir Zwei uns lieben?“

Lieben? Ähm… Baby, verlieb dich lieber nicht in einen Kerl wie mich!“

Es ist zu spät Tommy, du weißt, dass ich verrückt nach dir bin! Ich atme… trinke diese Liebe wie ein Verdurstender… du nicht, Tommy?“

Na ja, ich weiß nicht, was ich trinke, mein Hübscher! Aber wenn das Liebe ist, hätte ich gerne noch ein Glas davon!“

Bei den letzten Worten des wirklich grottenschlechten Textes, kam mir beinahe das Mittagessen wieder hoch. Wie konnte man nur so einen Müll schreiben?

Spätestens nach diesem Satz, konnte ich nicht mehr an mich halten. Als wenn die Nachhilfe nicht schon schlimm genug gewesen wäre, traf ich Angel auch noch bei der Theatergruppe.

Ms. Calendar hatte ironischerweise MICH für die Hauptrolle ausgewählt! In dem Stück ging es um den Aufstieg und Fall des Tommy Thornton, der sich während der Prohibition in New York in einen jungen, gut aussehenden Kerl verliebte. Und welch Überraschung: dies war Angels Rolle! Mit seinen kurzen, braunen, leider ständig durch Gel verunstalteten Haaren und seinen dunklen, braunen Augen war er die perfekte Besetzung dafür.

Eigentlich dachte ich ja immer, dass Theaterrollen nicht nach Aussehen, sondern nach ‚Können’ vergeben werden. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich vermuten, dass er mit der Calendar ins Bett gestiegen ist, um die Rolle zu kriegen.

„Mr. Summers, müssen Sie sich sehr anstrengen, um so schlecht zu sein?“, fragte mich Ms. Calendar mit unterdrücktem Zorn in der Stimme.

„Nein, das liegt mir im Blut!“, erwiderte ich und erntete dafür ein leises Lachen der Gruppe.

~*~

Mürrisch stand ich am Straßenrand und wartete auf meinen Freund Gunn, der mir hoch und heilig versprochen hatte, mich abzuholen, da ich mir bei unserer kleinen Mutprobe den Fuß verstaucht hatte und derzeit kein Auto fahren durfte.

Als ich Angel in sein Auto steigen sah, entschloss ich mich zu einer Verzweiflungstat und humpelte mit meinen Krücken direkt auf ihn zu. Demonstrativ blieb ich vor seinem Wagen stehen, bis er das Seitenfenster herunter gekurbelt hatte.

„Verstößt es gegen deinen Glauben, wenn du mich mitnimmst?“

Ohne etwas auf meine blöde Frage zu erwidern, stieß er die Beifahrertür auf und deutete mir einzusteigen.

„Anschnallen!“, erklang gleich darauf der karge Befehl von Seiten meines Fahrers, worauf ich nur genervt seufzte, dann aber – aus Dankbarkeit, dass er mich von diesem Ort erlöste – nach dem Gurt griff und mich widerstandslos angurtete.

Ich hörte mir etwa 30 Sekunden das Gejaule an, welches aus seinem Autoradio ertönte, bis ich entschied, dass es Zeit für einen Senderwechsel wurde.

„42“, erklang kurz darauf Angels Stimme, der seine volle Konzentration auf die Straße richtete.

„Was?“, verwirrt sah ich ihn an.

„42… zu jemanden, den man nicht mag, besonders nett sein... das steht auf meiner Liste von Dingen, die ich mir in meinem Leben vorgenommen habe…“

„Zum Beispiel dir einen neuen Charakter zulegen?“, konnte ich nicht widerstehen.

„Ein Jahr zum Friedenschor gehen, etwas Medizinisches erfinden, mich tätowieren lassen, mich so geben zu dürfen, wie ich bin und möglichst an zwei Orten gleichzeitig sein…“, zählte Angel auf, wurde dann aber von mir ungeduldig unterbrochen.

„Und was ist Punkt Eins?“

„Ich könnte es dir verraten, aber dann müsste ich dich leider umbringen“, antwortete mir Angel lächelnd, sah kurz zu mir herüber, blickte dann aber wieder auf die Straße.

~*~

Nachdem ich den ganzen Nachmittag mit Gunn zusammen versucht hatte, meinen Text für das Stück zu lernen und mir die Dialoge schon zum Hals raus hingen, stellten wir entsetzt fest, dass ich ohne Hilfe eines erfahrenen ‚Schauspielers’ aufgeschmissen war.

Das ‚Drama’ sollte in drei Wochen aufgeführt werden und ich hatte nicht den blassesten Schimmer, wie um alles in der Welt ich das schaffen sollte.

Das Einzige, wenn auch wenig Hilfreiche, was Gunn von sich gab, war: „Alter,

ich werde bei der Premiere in der ersten Reihe sitzen und Tomaten dabei haben!“

~*~

Schweren Herzens fasste ich den Entschluss, mir Unterstützung von Angel zu holen. Ich versuchte den geeigneten Zeitpunkt abzupassen, um zu vermeiden, dass mich jemand mit ihm sprechen sah. Das würde meinem Ruf als ‚Big Bad’ schaden. Der würde zwar spätestens nach der Aufführung des Theaterstücks eh hin sein, aber zumindest würde ich bis dahin alles tun, um mir eine Galgenfrist zu verschaffen.

„Angel?“, sprach ihn kleinlaut an, als ich ihn nach Unterrichtsschluss an seinem Spind stehen sah.

„Spike, was willst du? Ich kenne dich schon seit Jahren und du hast noch niemals freiwillig mit mir gesprochen.“

„Ich brauche Hilfe beim Text lernen.“

„Spike Summers bittet MICH um Hilfe?“, erkundigte sich Angel ungläubig und schlug mit Schwung seine Spindtür zu, um mich dann mit großen Augen anzusehen.

„Ja“, gab ich zögernd zur Antwort.

„Na schön, ich bete für dich!“

„Angel, verdammt… hör mir zu…“

„Du hast offensichtlich noch nie jemanden um Hilfe gebeten, kann das sein? ... ein Anliegen wie deins verlangt nach Schmeicheleien und Unterwürfigkeit. Es darf nicht nur um dich gehen. Es könnte zum Beispiel dem Gemeinwohl dienen…“

„Na, es dient dem Allgemeinwohl! Wesley Wyndham-Pryce verdient nur das Beste für sein Stück! ... Bitte…“

„Also gut… aber nur unter einer Bedingung, Spike! Du darfst dich nicht in mich verlieben!“

Obwohl ich ein Meister der Selbstbeherrschung war, entglitten selbst mir bei diesem Spruch die Gesichtszüge.

„Ich bin zwar schwul, aber DAS sollte deine geringste Sorge sein!“, antwortete ich wahrheitsgemäß.

Angel musterte mich mit einem undefinierbaren Blick, ging jedoch nicht näher darauf ein.

„Gut. Dann treffen wir uns heute Nachmittag bei mir.“

~*~

Später am Nachmittag stand ich ein wenig nervös vor Angels Haustür und zögerte einen Moment zu klingeln. Inzwischen war ich der Meinung, dass dies der dämlichste Einfall war, den ich jemals gehabt hatte.

Immerhin hatte ich vor, mit dem Sohn des Pfarrers, in dessen Haus zu lernen, obwohl ich mich bisher bei jedem sonntäglichen Kirchenbesuch, zu dem mich meine Mutter grundsätzlich schliff, daneben benommen oder im günstigsten Fall geschlafen hatte.

Da ich mir langsam blöd vorkam, vor der verschlossenen Tür zu stehen und zu grübeln, klingelte ich.

Angel bat mich herein und erklärte mir dann, dass sein Text in seinem Zimmer liegen würde. Er sagte, ich sollte es mir gemütlich machen und verschwand anschließend nach oben.

Neugierig sah ich mich im Wohnzimmer um. Schließlich bekam man nur selten die Chance, sich im Hause eines Pfarrers umzusehen.

Mein Blick fiel auf eine handgeschnitzte, kleine, pottenhässliche Figur, die mit Leidensmiene und Dornenkranz auf dem Kaminsims vor sich hin vegetierte.

„Boah… ist das ein gruseliger, alter…“, flüsterte ich und wandte mich ab. „Jesus!“

„Nein, ich bin Liams Vater. Hallo Mr. Summers. Wie ich hörte haben Sie die Hauptrolle in dem Theaterstück ergattert, Glückwunsch!“

„Tja… danke, dass Sie mir erlauben mit Angel zu lernen.“

„Ich war dagegen. Kommen Sie selbst darauf warum. Eins sollte zwischen uns klar sein, Mr. Summers: Sie denken, ich kann Sie sonntags nicht sehen, von dort aus wo ich stehe. Doch ich sehe Sie! Immer!“, versuchte mich Mr. Giles einzuschüchtern und fügte anschließend noch hinzu: „Ich bin dann in meinem Arbeitszimmer gleich hier um die Ecke.“

„Alles klar?“, fragte Angel, während er die Treppe hinunter kam.

„Glasklar. Lass uns anfangen.“

~*~

In den nächsten Tagen versuchte ich Angel in der Schule so gut es ging aus dem Weg zu gehen, da es mir noch immer unangenehm war, mit ihm gesehen zu werden. Was sollten meine Freunde von mir denken? Ich hatte schließlich einen Ruf zu verlieren.

Trotz allem war und bin ich ein neugieriger Mensch, daher folgte ich ihm, als er eines Abends durch den Eingang des Friedhofs schlich.

„Was machst du hier? Auf einem Friedhof. Im Dunkeln. Mutterseelenallein“, sprach ich ihn unerwartet an und erschreckte ihn damit, allem Anschein nach, beinahe zu Tode. Mit einem riesigen Satz sprang er zur Seite und sah mich vorwurfsvoll an.

„JESUS! Bist du des Wahnsinns, mich so zu erschrecken? … Und außerdem könnte ich dich das gleiche fragen!“

„Wo zum Teufel… ähm wo zum Geier willst du hin?“

„Wenn es dich so brennend interessiert, dann folg mir doch einfach“, bekam ich die nicht gerade aussagekräftige Antwort.

Durch meine gedankenlose Mutprobe noch immer etwas gehandicapt, hinkte ich ihm langsam hinterher.

Als ich ihn endlich eingeholt hatte, stand er vor einem großen, undefinierbaren, grauen Gebilde.

„Was. Ist. Das?“

„Das ist mein Teleskop. Ich hab’s mit Zwölf gebaut. Allein“, erklärte er mir voller Stolz und deutete mir, hindurch zu schauen.

Nachdem ich den Sternenhimmel betrachtet hatte, hätte ich am liebsten das ausgesprochen, was mir gerade durch den Kopf ging. Doch anstatt ihm ehrlich zu sagen, wie fucking langweilig und poofig, geradezu schwul ich die ganze Aktion fand, riss ich mich zusammen und versuchte es in nette Worte zu verpacken.

„Ahh… die Naturwunder. Ich kann verstehen, dass dich dieser ganze Kram interessiert.“

„Dieser Kram?“, entgegnete Angel mir entrüstet. „Dieser KRAM?!... Ich habe meine Überzeugung. Meinen Glauben. Du nicht?“

„Nein!“, antwortete ich aus tiefstem Herzen. „Dafür gibt es zuviel Scheiße auf dieser Welt!“

„Ohne Leid gäbe es auch kein Mitleid“, versuchte mir Angel mit sanfter Stimme zu erklären, doch seine Worte prallten an mir ab.

„Pfff… Erzähl das mal denen, die leiden!“

~*~

Ich stand gerade mit meinen Freunden auf dem Flur und unterhielt mich, als ich Angel auf mich zukommen sah.

„Hey Spike. Heute nach der Schule?“, fragte er mich und sah mich erwartungsvoll an.

Gunn und der Rest der Clique sahen mich entgeistert an und warteten auf meine Reaktion auf Angels unerwartete Frage.

Warum musste er mich auch ausgerechnet hier und jetzt fragen? Hatte er vollkommen den Verstand verloren?

„Träum weiter, Peaches!“ Mit einem gehässigen Grinsen sah ich zwischen ihm und meinen Freunden hin und her und registrierte zufrieden ihr herablassendes Lachen.

Der Ausdruck in Angels Augen schlug innerhalb einer Sekunde von Erwartung in Enttäuschung um. Das Braun seiner Augen wurde für einen Augenblick noch dunkler, als es von Natur aus war und ohne ein weiteres Wort zu verlieren, wandte er sich von mir ab und verschwand um die nächste Ecke.

~*~

Ein paar Stunden später stand ich, wie ursprünglich verabredet, vor Angels Haustür und klingelte. Es dauerte nur einen kleinen Moment, bis Angel die Tür öffnete…und sie ohne zu zögern wieder zuschlug, als er mich erblickte.

Er hatte mir meinen Spruch vom Vormittag also übel genommen und war nun eingeschnappt. Ganz toll! Das lief ja wieder mal genau nach Plan!

„Angel! Angel komm schon… mach auf!“

Die Tür wurde kurze Zeit später wieder schwungvoll aufgerissen und Angel kam, in meinen Augen vollkommen untypisch heraus gestürmt und baute sich zu seiner vollen Größe vor mir auf.

„Was willst du?“

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich aus einer Familie von Kleinwüchsigen stamme. Herrgott noch mal… ich kann doch auch nichts dafür. Mir blieb also nichts anderes übrig, als meinen Kopf ein Stück nach hinten zu legen, um Angel direkt in die Augen blicken zu können.

„Ich dachte wir gehen den Text noch mal durch“, umgarnte ich Angel und sah ihn mit meinen tiefblauen Augen und meinem besten Dackelblick treuherzig an.

„Ach ja… aber dann bitte nur so, dass es niemand mitbekommt, ja?“, fragte er mich emotionslos und lehnte sich mit vor der Brust verschränkten Armen an die geschlossene Tür.

„Yeah! Ich hab gedacht, wir könnten alle damit überraschen, dass ich plötzlich so gut geworden bin…“

„Ja, wir sind einfach heimlich Freunde?!“

„Yep, so ungefähr hatte ich mir das vorgestellt! Du kannst wohl meine Gedanken lesen?“

Der Junge war ein Blitzmerker!

„Schön… Vielleicht kannst du dann auch meine lesen?!“, erkundigte er sich und schaute mich aufmerksam an.

Wäre es meine Stirn gewesen, würden dort solche Worte wie ‚Verpiss dich’, ‚du Wichser’, ‚Fick dich’ oder ‚Verfluchte Hölle, sieh zu, dass du mir aus den Augen gehst’, stehen.

Auf Angels entgegen, las ich eher die Worte ‚Du hast mich verletzt, ich bin enttäuscht von dir und ich möchte, dass du mich nun allein lässt!’

Ohne mich eines weiteren Blickes zu würdigen, drehte er sich um, öffnete die Tür und wollte sie gerade wieder schließen, als ich meinen Fehler erkannte.

„Angel, es tut mir Leid, aber ich kann nicht so einfach dein Freund sein.“

„Spike, ich dachte ich hätte etwas in dir entdeckt. Etwas Gutes. Aber ich habe mich geirrt!“ Mit diesen Worten sah er mich traurig mit seinen sanften, braunen Augen an und schloss dann leise die Tür.

Unsicher starrte ich auf die geschlossene Tür und war zum ersten Mal in meinem Leben sprachlos. Ich wusste nicht, was mich mehr schockierte, dass Angel in mir etwas Gutes gesehen, oder die Tatsache, dass ich ihn enttäuscht hatte.