File 1: stories/10/322.txt
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Als ich abends auf meinem Bett lag, fiel mir unser letztes Jahrbuch in die Hände. Gelangweilt blätterte ich darin herum, als mir auf einmal Angels Bild ins Auge sprang.

Neugierig, wie ich von Natur aus nun mal bin, begann ich aufmerksam zu lesen. Seine Hobbys waren Literatur, Astronomie, der Theaterclub und den Rest konnte ich leider nicht lesen, da an dieser Stelle ein undefinierbarer Fleck war, den ich auch nicht näher inspizieren wollte.

Lediglich sein Lebensziel konnte ich noch entziffern.

‚Ein Wunder erleben.’

Ach ja, das war ja klar, dass der Poof sich gleich so ein Ziel gesteckt hatte. Ich für meinen Teil wäre schon froh, in die nächst höhere Klasse versetzt zu werden. Aber nein, das Weichei musste ja gleich mit der Tür ins Haus fallen und es maßlos übertreiben.

~*~

„Kennst du die Antwort?“, fragte ich meinen Zögling, den ich in den letzten Wochen bei der Nachhilfe betreut und der mich seitdem beinahe in den Wahnsinn getrieben hatte.

Mathe war eines meiner liebsten Fächer, umso weniger konnte ich verstehen, dass nicht einmal so einfache Sachen wie Geometrie in Louis Kopf wollten. Ich war kurz davor zu verzweifeln, als mein Blick plötzlich auf den Basketballkorb auf dem Schulhof fiel.

Einige Minuten später standen wir gemeinsam mit einem Basketball bewaffnet draußen und ich erklärte ihm anhand eines praktischen Beispiels, den Unterschied zwischen einem gleichschenkligen und einem ähnlichen Dreieck.

Und endlich schien er es zu kapieren…

Kurze Zeit später waren wir beide als Belohnung in einem Spiel vertieft.

~*~

Da ich es mir durch meine dezent charmante Art mit Angel verscherzt hatte und er nicht mehr bereit war, mir zu helfen, verbrachte ich nun jede freie Minute damit, meinen Text zu lernen.

Mittlerweile war mein Ehrgeiz erwacht und ich hatte sogar richtig Spaß bei den Proben. Das würde ich natürlich vehement abstreiten, wenn man mich danach fragen würde, schließlich war ich noch immer der ‚Big Bad’.

Ich konnte die blauen Flecken schon nicht mehr zählen, die ich mir bei den Theaterproben eingefangen hatte, da Angel mich in einer Szene wütend von sich stoßen sollte und eben diese immer und immer wieder bis zur Perfektion geübt wurde.

Wahrscheinlich holte er sich abends bei dem Gedanken an mein schmerzverzerrtes Gesicht einen runter.

Wann immer wir uns im Flur der Schule begegneten, sahen wir geflissentlich aneinander vorbei und taten so, als ob wir uns nicht kennen würden.

~*~

Obwohl Angels Worte bereits eine Weile zurück lagen, ließen sie mir noch immer keine Ruhe. Irgendwie hatte er ja Recht! Ich war Schuld, dass Xander nun bereits seit Wochen in der Reha-Klinik lag und jeden Tag hatte ich mir aufs Neue vorgenommen, ihn zu besuchen.

Nachdem mir so langsam aber sicher die Ausreden mir selbst gegenüber ausgingen, fasste ich mir ein Herz und biss in den sauren Apfel.

„Was willst du denn hier?“, fragte mich Xander sichtlich überrascht und wandte seinen Blick nur widerstrebend von dem kleinen Fernseher ab, in dem gerade eine Wiederholung von Star Wars lief.

„Na ja… also, ich wollte mich bei dir entschuldigen.“

„Prima, das hast du ja jetzt getan. Und fühlst dich jetzt besser?“

„Nein, ich fühl mich ziemlich scheiße“, erwiderte ich zerknirscht und fügte dann hinzu: „Ich bin im letzten Jahr gesprungen und hab allen erzählt, der Bauchklatscher wäre Absicht gewesen.“

„Hat es wehgetan?“

„Verdammt, ja!“

„Gut“, erklärte er und sah mich dann jedoch mit einem leichten Grinsen an.

Scheinbar war das der erste Schritt mir zu vergeben.

~*~

Schneller als ich gedacht hatte, kam der Zeitpunkt, der mein weiteres Leben verändern sollte.

Es war der Abend der Schulaufführung.

Wir hatten in den letzten Tagen unaufhörlich geprobt und konnten unsere Texte mittlerweile im Schlaf aufsagen. Zumindest ich konnte das, was meine Mutter mir mehrmals bestätigt hatte. Sie fragte mich eines Morgens vollkommen verwundert, wer denn Ryan Fielding sei und warum ich nachts immer wieder seinen Namen schreien würde. Zuerst hatte ich sie irritiert angeschaut, doch dann wurde mir klar, dass ich meine Rolle beinahe ‚lebte’ und mich der Name von Angels Charakter selbst im Schlaf verfolgte. Man könnte fast sagen, ich war besessen von ihm.

Gerade eben hatten wir die Szene hinter uns gebracht, bei der Angel mich von sich stoßen sollte.

Ein weiterer blauer Fleck würde morgen meinen wundervollen Alabasterkörper zieren. Mit Sicherheit würde er erst rot, dann blau, dann gelb und irgendwann in allen Regenbogenfarben schimmern. Bloody hell, im Grunde meines Herzens war ich nun einmal ein hoffnungsloses Weichei.

Angel hatte so enthusiastisch ausgeholt, dass mich sein Schlag unerwartet hart getroffen hatte.

Doch all meine Schmerzen waren kurz vor Ende des Stückes vergessen.

Da die endgültigen Kostüme nicht rechtzeitig zur Generalprobe fertig waren, hatte ich Angel bisher noch nicht in seinem jetzigen Outfit gesehen.

Mein schwarzer Anzug unterstrich meine helle Haut und ließ meine blondierten Haare noch mehr hervorstechen und durch den dunklen Anzug wirkten meine strahlendblauen Augen noch intensiver. Aber das war nichts verglichen mit Angels Anblick.

Er trug einen anthrazitfarbenen Nadelstreifenanzug, welcher seine durchtrainierte, aber dennoch schmale Statur perfekt zur Geltung brachte.

Wenn ich nicht ich wäre, wäre mir spätestens in diesem Augenblick die Kinnlade heruntergeklappt. Stattdessen begnügte ich mich damit, einmal trocken zu schlucken, in Gedanken ein ‚Fuck! Sieht dieser Kerl geil aus’ zu brüllen und ihn aus weit aufgerissenen Augen anzustarren.

Mit sanfter Stimme begann Angel gerade seinen Monolog aufzusagen.

Ich lege mein Schicksal in deine Hände und gebe dir alles, was ich bin.“

Und als wäre das Ganze nicht schon schlimm genug, schenkte er mir mit seinen wunderschönen, schokoladenbraunen Augen einen Blick, der mir fast den Boden unter den Füßen wegzuziehen drohte.

Verflucht, seit wann hatten seine Augen einen solch intensiven Farbton?

Ich dankte Gott, dass ich meinen Text bereits hinter mich gebracht hatte, denn bei diesem Anblick hätte ich alles vergessen, was ich mir in den letzten Wochen so mühselig erarbeitet hatte.

Angel setzte sich, wie im Drehbuch vorgesehen, zu mir an den Tisch und beugte sich zu mir herüber.

Ich weiß jetzt, du bist meine einzige Hoffnung.“

Hoffentlich würde mir Wesley Wyndham-Pryce meinen nächsten Schritt irgendwann in seinem Leben einmal verzeihen, denn ich beschloss eigenmächtig, dem Stück ein neues, dramatischeres Ende zu verpassen.

Als ich mich langsam zu Angel hinüber lehnte, sah ich seinen fragenden Gesichtsausdruck, den ich jedoch gänzlich ignorierte.

Mit meiner rechten Hand griff ich in seinen Nacken, zog ihn vorsichtig zu mir herüber und bevor er auch nur einen weiteren Atemzug machen konnte, lagen meine Lippen bereits auf seinen.

Berauscht von seinen samtweichen Lippen, die nach Schokolade und ihm schmeckten, bekam ich kaum mit, wie ein leichtes Raunen durch die Menge der Zuschauer ging.

Im Nachhinein war ich mir nicht mehr sicher, ob Angel meinen Kuss tatsächlich zaghaft erwidert hatte, oder ich mir den leichten Druck seiner Lippen nur eingebildet hatte.

~*~

Angel vermittelte mir den Eindruck, als würde er mir aus dem Weg gehen. Seit der Aufführung hatte ich ihn nicht mehr gesprochen. Vielleicht war ich aber auch nur sensibel und bildete mir Dinge ein, die nicht der Realität entsprachen.

Da ich jedoch inzwischen seine Gewohnheiten kannte, wusste ich, dass ich ihn um diese Zeit in der Cafeteria finden würde.

„Man kann uns sehen!“, begrüßte er mich, als ich mich zu ihm an Tisch setzte.

„Na und? Würde das deinen guten Ruf zerstören? ... Was liest du da?“, fragte ich neugierig.

Demonstrativ hielt er mir sein Buch entgegen, sodass ich ohne Schwierigkeiten den Titel lesen konnte.

Ein Sommernachtstraum – William Shakespeare’

„Ich versuche alle Werke von Shakespeare zu lesen.“

„Wie viele sind das denn?“

„Eine Menge.“

„Ist das auch ein Punkt deiner Liste, diese Bücher zu lesen?“, versuchte ich die Konversation aufrecht zu erhalten.

Angels Antwort drauf bestand lediglich darin, nach seinem Trinkpäckchen zu greifen und auffällig geräuschvoll an dem darin steckenden Strohhalm zu ziehen.

„Angel, verdammt! Ich geb mir Mühe, ist das klar? Was soll ich noch machen? Vielleicht vermisse ich deine Nähe? Vielleicht inspirierst du mich?“, gab ich kleinlaut zu.

„Klingt nach ziemlichem Bullshit, WILLIAM.“

„Was davon?“

„ALLES!“, spie er mir entgegen.

„Ist es nicht, verflucht!“

„Dann beweis es mir!“ Angel sprang auf und verließ fluchtartig die Cafeteria.

Ich brauchte einen Moment, um zu schalten, stürmte dann aber mit Riesenschritten hinter ihm her.

Gerade als er in sein Auto steigen wollte, fing ich ihn ab.

„Angel, warte!“

Ungeduldig drehte er sich zu mir um.

„Du hast nicht den blassesten Schimmer, was es heißt, mit jemandem befreundet zu sein“, warf Angel mir vor und wollte gerade die Fahrertür schließen.

„Verdammt, ich will nicht nur mit dir befreundet sein!“, erwiderte ich gereizt und schob mich zwischen ihn und die Tür.

„Du weißt nicht was du willst, Spike. Das wäre ja mal was ganz Neues!“

„Du doch auch nicht!... Hey, vielleicht hast du ja Angst davor, dass jemand mit DIR zusammen sein will. Denn dann kannst du dich nicht mehr so leicht hinter deinen Büchern, deinem verfluchten Teleskop oder deinem GLAUBEN verstecken… nein, halt stopp, warte! Jetzt weiß ich, wovor du wirklich Angst hast, davor, dass du auch mit MIR zusammen sein willst“, schleuderte ich ihm entgegen, da ich in diesem Augenblick die Beherrschung verlor und mir sonst nicht anders zu helfen wusste.

Mit meiner Tirade hatte ich ihm wohl die Sprache verschlagen, da er mir lediglich einen Schubs gab und mit Schwung die Fahrertür zuwarf. Kurz darauf fuhr er mit quietschenden Reifen davon.

~*~

Am späten Abend wartete ich nervös in meinem DeSoto auf den geeigneten Zeitpunkt, Angel gegenüber zu treten. In diesem Augenblick verfluchte ich, dass ich vor einiger Zeit mit dem Rauchen aufgehört hatte. Was würde ich dafür geben, jetzt die beruhigende Wirkung einer Zigarette genießen zu können.

Kurze Zeit später schnappte ich mir die Papiertüte, die neben mir auf dem Beifahrersitz stand und machte mich damit auf den Weg zu Angels Haus.

Dieser saß gedankenverloren auf der Veranda und zuckte leicht zusammen, als ich etwas zu stürmisch die Stufen herauf sprang.

„William!?“

„Du sollst mich doch nicht… ja, ich.“

Ich ging einen Schritt auf ihn zu und hielt ihm stumm die Papiertüte entgegen.

„Was ist das?“, sagte er und sah mich fragend an.

„Wonach sieht’s denn aus? Es ist ein Geschenk für dich.“

Ich registrierte beiläufig, dass die Haustür geöffnet wurde und Mr. Giles auf die Veranda hinaus trat.

„Mr. Summers“, sagte er überrascht, doch es war kaum zu überhören, dass er sich nicht gerade freute mich zu sehen. „Was verschafft uns die Ehre Ihres Besuches?“

„Ich wollte gerade gehen“, gab ich ihm zur Antwort und wandte mich noch einmal kurz an Angel, bevor ich ging. „Wir sehen uns dann morgen in der Schule!“

Während ich mich vom Haus entfernte, hörte ich Mr. Giles noch sagen:

‚Liam, Jungs wie Spike haben Erwartungen…’

~*~

Ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen, als ich am nächsten Morgen sah, dass Angel tatsächlich den cremefarbenen Pullover trug, den ich ihm gestern Abend geschenkt hatte. Andernfalls hätte ich ihm auch ein paar Takte erzählt. Immerhin hatte mich das Teil ein halbes Vermögen gekostet.

Erst jetzt bemerkte ich, dass Angel zwischen meinen Freunden im Flur der Schule stand und allem Anschein nach mit ihnen diskutierte.

Neugierig schlich ich mich näher heran, blieb aber trotzdem auf Abstand, da es mich interessierte, was meine Freunde mit ihm zu besprechen hatten.

„… du bist schuld daran, dass sich Spike neuerdings genauso schwuchtelig aufführt wie du! Dein schlechter Einfluss bewirkt, dass er sich zu einem Softie entwickelt und nicht mehr weiß, wer seine wirklichen Freunde sind!“, hörte ich die Anschuldigungen Rileys, von dem ich bis heute gedacht hatte, dass er nach Gunn mein bester Freund war.

Gespannt wartete ich auf die Reaktion Angels und spannte unbewusst meine Muskeln an, um gegebenenfalls einzugreifen, falls Riley, wie schon so oft, die Beherrschung verlieren würde.

„Du überschätzt meinen Einfluss auf William. Er ist ein eigenständiger Mensch und trifft seine Entscheidungen noch immer selbst“, erklärte Angel in ruhigem Tonfall und drehte sich um, da die Sache für ihn damit scheinbar erledigt war.

Riley enttäuschte mich nicht, denn er handelte wieder aus einem Impuls heraus, griff mit der linken Hand nach Angels Arm und holte mit der rechten zeitgleich zu einem Schlag aus.

Darauf vorbereitet platzte ich in letzter Sekunde dazwischen und kassierte den Hieb an Angels Stelle.

„Dafür, dass du so ein breites Kreuz hast, schlägst du zu wie ein Mädchen!“, warf ich ihm vor und wusste im gleichen Augenblick, dass ich nun ein Freund weniger hatte. Nichts konnte Riley mehr in seiner männlichen Ehre kränken.

Angel, der den Schlag nicht hatte kommen sehen, stand wie versteinert neben mir.

Es gibt Situationen im Leben eines Mannes, in denen er nicht zögern durfte. Dies war so eine Situation. Ich packte Angel also bei den Schultern und zog ihn in Richtung Ausgang.

Ich verfrachtete ihn in meinen schwarzen DeSoto und beschloss ihn nach Hause zu fahren.

Dort angekommen, zog ich den Zündschlüssel ab und blickte Angel, der die gesamte Fahrt über geschwiegen hatte, fragend an.

„Alles okay?“

„Ich danke dir, William.“

„Weißt du, ich fange an den Namen zu mögen… wenn du ihn sagst… und immer wieder gerne, LIAM!“, entgegnete ich und sah, dass Angel mich angrinste.

„Ach Liebes… ich wollte dich noch etwas fragen! Würdest du mich Samstagabend ins Bronze begleiten?“

„Tut mir Leid… ich kann nicht“, kam die leise, fast verzweifelte Antwort von ihm.

„Ähm… nun ja… du hast bestimmt schon was Besseres vor?!“

„Nein, das…das ist es nicht, Will. Das ist es wirklich nicht!“

„Was dann, verdammt? Sags mir!“

„Ich darf nicht mit Jungs ausgehen!“

In diesem Moment war ich so perplex, dass mir sämtliche Gesichtszüge entglitten. Wahrscheinlich hatte nie jemand einen dämlicheren Gesichtsausdruck gesehen.

~*~

Ich hatte mir das Hirn zermartert, was Angel wohl mit seiner Aussage gemeint haben könnte. Nach einer schlaflosen Nacht war ich noch immer keinen einzigen Schritt weiter. Wenn ich ihn richtig verstanden hatte, wollte er mir zu verstehen geben, dass er mit seinem Vater bereits über seine sexuelle Orientierung gesprochen hatte. Aber irgendwie konnte ich mir das beim besten Willen nicht vorstellen. Auf der anderen Seite ergab seine Aussage sonst keinen Sinn. Wie sollte er erfahren haben, dass er nicht mit `Jungs’ ausgehen durfte, wenn er den Wunsch nicht schon mal geäußert hatte?

Es war zum Verzweifeln. Ich war mit der Situation gänzlich überfordert.

Der Tag der Theateraufführung hatte alles verändert. Seit ich Angel geküsst hatte, schienen meine Gefühle verrückt zu spielen. Verflucht noch mal, ich wusste nicht, was in mich gefahren war, aber noch immer hatte ich seine wunderschönen, braunen Augen im Kopf und die Art und Weise, wie er mich ansah, kurz bevor ich ihn geküsst hatte.

Plötzlich war es mir wichtig ihn besser kennen zu lernen, ihn besser zu verstehen. Auf einmal war es mein sehnlichster Wunsch, mich mit Angel in aller Öffentlichkeit zu zeigen. Zu Zweit. Als Verabredung. Im Bronze. Dem einzigen Club in Sunnydale, den man als Jugendlicher an einem Samstagabend aufsuchen konnte.

Da ich einmal in meinem Leben etwas richtig machen wollte, stand ich nun vor der Kirche, in der Mr. Giles gerade seine Predigt für den kommenden Sonntag vorbereitete.

„…denn was der Mensch sät, das wird er auch ernten…“ Mr. Giles notierte etwas auf dem Blatt Papier vor sich.

„Reverend“, sprach ihn zögernd an.

„Kann ich Ihnen helfen?“

„Ja, Sir“, antwortete ich leise. „Es wird Ihnen wahrscheinlich etwas merkwürdig erscheinen, aber ich wollte Sie um die Erlaubnis bitten, morgen Abend mit Ihrem Sohn ins Bronze gehen zu dürfen.“

Mr. Giles griff nach dem Glas Wasser, welches vor ihm stand und nahm einen großen Schluck, bevor er antwortete.

„Nun ja… das… das wird nicht möglich sein.“

„Bei allem Respekt, Sir…“

„Mr. Summers, auch wenn es nicht immer den Anschein erweckt, so bin ich doch durchaus darüber im Bilde, welche… ähm… Ambitionen mein Sohn verfolgt. Auch wenn ich Mann Gottes bin, versuche ich so gut es mir möglich ist, seinen Wünschen zu entsprechen. Und weil ich Liam so sehr liebe, lautet meine Antwort ‚Nein’… Sie können dort hinausgehen, wo Sie auch herein gekommen sind.“

In diesem Moment wurde mir klar, dass dies der entscheidende Augenblick war. Wenn ich es jetzt verbocken würde, dann gäbe es keine zweite Chance! Angel war mir zu wichtig, als das ich jetzt klein bei geben würde, also schluckte ich meinen Stolz herunter und überlegte mir ganz genau, wie ich unseren Revenrend davon überzeugen konnte, dass ich es ernst meinte und mir Angel mindestens genauso wichtig war, wie ihm.

„Es tut mir Leid. Ich weiß, dass ich Angel manchmal echt mies behandelt habe und er hat weiß Gott etwas Besseres verdient als mich! Ich bitte Sie nur um eins, um das, was Sie uns jeden Sonntag in der Kirche lehren: Vertrauen.“

~*~

„Ich glaube einfach nicht, dass du meinen Dad um Erlaubnis gefragt hast… und er auch noch ‚ja’ gesagt hat!“, erklärte Angel vollkommen verblüfft und betrat vor mir das Restaurant, welches wir im letzter Sekunde dem Bronze vorgezogen hatten, da wir keine Lust auf Gedränge und laute Musik hatten.

„Yeah… du hättest dabei sein sollen! Ich hab mir vor Angst fast in die Hosen gemacht“, erwiderte ich grinsend und dachte voller Vorfreude an die Überraschungen, die ich für den Rest des Abends noch geplant hatte.

~*~

„Also, was ist Punkt Eins auf deiner Liste?“, fragte ich Angel neugierig, als wir gemütlich beim Nachtisch saßen.

Doch er schüttelte nur lächelnd den Kopf.

„Okay, auf meiner Liste ganz oben steht raus aus Sunnydale!“

„Weißt du, ich denke, dass Problem ist nicht aus Sunnydale raus zu kommen, sondern eher die Frage, was du machst, wenn du nicht mehr hier bist.“

„Wie meinst du das?“, fragte ich ihn irritiert.

„Es gibt so viele Möglichkeiten.“